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#MitfahrenLuzern war für ein paar Tage der Hit – warum sitzen wir stets allein im Auto?

Schweizer nutzen Mitfahrzentralen kaum. Dabei wäre das die CO2-neutrale Lösung für verstopfte Strassen. Weshalb funktionieren die Mitfahrbörsen in der Schweiz nicht?

Publiziert: 29.03.17, 07:28 Aktualisiert: 30.03.17, 07:40
Sabine Kuster / Nordwestschweiz

Es ist eine alte Schweizer Binsenwahrheit: Bleibt der Zug stecken, beginnen die Mitfahrenden miteinander zu reden. Im Zeitalter der sozialen Medien wird auch ausserhalb der Waggons geredet: «Mache mich in ca. 30 min auf den Heimweg von Zürich (Hardplatz) nach Luzern – wer möchte mitfahren? #MitfahrenLuzern», twitterte eine Frau am 24. Mai. «Freie Plätze von Sorsi nach Äbike oder Bueri, ca. 17.00 Uhr», lautete ein anderer Tweet.

Es war die Woche des lahmgelegten Bahnhofs Luzern. Über Nacht entstand auf Twitter ein Mitfahrdienst von und nach Luzern und damit etwas, was in der Schweiz sonst nur harzig funktioniert. Obwohl Mitfahr-Plattformen in den Nachbarländern boomen.

Die Idee zu #MitfahrenLuzern hatte eine Mitarbeiterin von Viasuisse, die auf Radio SRF die Verkehrsmeldungen liest. «Ich fragte die SBB, wie wir helfen könnten, aber sie sagten, wir sollten einfach die Zugsausfälle vermelden», sagt Jessica Ladaine. Dann startete Ladaine mit der Unterstützung von Radio SRF den Aufruf. Zu wie vielen Fahrgemeinschaften es genau kam, lässt sich nicht eruieren, aber: Knapp eine halbe Million User sahen sich #MitfahrenLuzern an, 500 Tweets wurden abgesetzt, 290 User twitterten zum Thema.

Mitfahrgelegenheiten via Twitter suchen, das funktioniert nur in einer überregionalen Notlage. Andernfalls fänden die Tweets kein genug grosses Publikum. Via eine fixe Vermittlungsplattform läuft es in der Schweiz in der Regel aber auch nicht besser: Die Luzerner Mitfahr-Plattform HitchHike besteht seit 2012 und hat doch erst 4000 registrierte Mitglieder. Diese seien aber ausserordentlich regelmässige Nutzer, sagt Mitbegründer und HitchHike-Leiter Jean-François Schnyder. Die Entgleisung im Bahnhof Luzern bescherte HitchHike 400 neue User. «Für uns war das eine Riesenchance», sagt er. «So sind viele Leute zum ersten Mal bei Fremden eingestiegen und haben Vorurteile und Ängste abgebaut.»

Sogar beim Olympia-Sieger Mario Gyr konnte man mitfahren

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Der Schweizer fürchtet, beim Mitfahren Zeit zu verlieren, Flexibilität und er hat Hemmungen, sich neben einen Wildfremden zu setzen und dann reden zu müssen.

Westschweizer machen's vor

HitchHike.ch wird von den vier Gründern immer noch nebenberuflich geführt. Etwas besser läuft es in der Westschweiz: Dort hat die Vereinigung e-covoiturage.ch 27'000 registrierte Nutzer. Die Plattform, zu der auch covoiturage-leman.org gehört, entstand bereits 2004 und wächst pro Jahr um 10 Prozent. «Das ist nicht genug», sagt Jean-François Wahlen, der die Vermittlungszentrale als Ein-Mann-Betrieb führt. Er appelliert an die Politik, solche Plattformen endlich besser zu fördern: «Der Ausbau des Strassennetzes kommt den Bund viel teurer zu stehen und die Bahn ist auch überlastet», sagt Wahlen, «ausserdem reduziert das Mitfahren den CO2-Ausstoss deutlich.»

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Spannende Gespräche inklusive.

Das Mitfahr-Potenzial wäre jedenfalls da: Laut dem Bundesamt für Statistik sitzen in einem Auto im Berufsverkehr im Durchschnitt nur 1,1 Personen. Doch was sonst ein Mobilitäts-Vorteil ist in der Schweiz, ist fürs Mitfahren ein Nachteil: kurze Strecken. Die Distanzen sind nie so lang, dass sie das Portemonnaie stark belasten, und zudem müssen die Schweizer generell weniger sparen als andere. Auch die vier Landessprachen verkomplizierten das Mitfahren, sagt Jean-François Wahlen.

Kein Wunder, probiert es HitchHike bei den Studenten: Die Plattform hat eine Kooperation mit der Hochschule in Luzern und vermittelt dort langfristige Mitfahrgemeinschaften. Auch Firmen und Gemeinden sind direkte Kunden. Beide haben wegen der heutigen Bauregeln mit beschränktem Parkplatzkontingent im urbanen Gebiet oft ein Interesse daran, dass nicht jeder mit seinem Auto kommt. Dazu sollen Event-Veranstalter ins Boot geholt werden, denn auch dort sind Parkplätze oft knapp: Das Montreux Jazz Festival verweist bereits direkt auf e-covoiturage.ch.

Blablacar hat die Nase vorn

Nur so sieht Jean-François Schnyder eine Chance zu bestehen. «Andere Plattformen hatten in der Schweiz nie richtig Erfolg», sagt er. Das liegt auch an der starken Konkurrenz. Blablacar heisst die französische Mitfahrzentrale, welche Passagiere und Autofahrer inzwischen in 22 Ländern vernetzt. Die Fahrt von Basel nach Zürich kostet auf Blablacar.de rund 7 Euro, Basel–Berlin 50 Euro.

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Die Plattform ist bis ins Detail ausgearbeitet, man kann nicht nur den Musikgeschmack des Chauffeurs vorab einsehen, sondern auch die Gesprächsfreudigkeit. Die Mitfahrer bezahlen den Chauffeur direkt via Paypal oder Bankkonto.

Das Unternehmen beschäftigt laut eigenen Angaben inzwischen über 500 Mitarbeiter und hat vor zwei Jahren die beiden deutschen Plattformen mitfahrgelegenheit.de und mitfahrzentrale.de gekauft. Seither ist Blablacar die Nummer 1 in Europa. Daneben mischen im Schweizer Mitfahrmarkt auch die Plattformen Flinc aus Deutschland und Karzoo aus Luxemburg mit. (aargauerzeitung.ch)

Der kaputte Zug in Luzern nach Zugunglück

Der defekte Zug steht nach dem Unglück vom Mittwoch auch am Montag noch im Bahnhof Luzern.
Was sich hinter dem Tuch verbirgt, entzieht sich leider unserer Kenntnis.

Zugentgleisung Bahnhof Luzern

In Luzern sind nach der Zugentgleisung je nach Tageszeit 300 bis 350 Mitarbeiter der SBB im Sondereinsatz. Der Bahnhof bleibt bis Montagmorgen gesperrt. KEYSTONE / URS FLUEELER
Der Bahnhof Luzern bleibt nach der Entgleisung weiterhin gesperrt. Wer per Bahn ins Zentrum von Luzern reisen will, muss in Vorortsbahnhöfen rund um Luzern auf Busse umsteigen. KEYSTONE / URS FLUEELER
Die Reparaturarbeiten laufen rund um die Uhr. EPA/KEYSTONE / URS FLUEELER
Der am Mittwochnachmittag zum Teil entgleiste italienische Eurocity-Zug konnte noch nicht geborgen werden. EPA/KEYSTONE / URS FLUEELER
Bei der SBB geht man davon aus, dass es am späteren Vormittag soweit ist. KEYSTONE / URS FLUEELER
Bergungsarbeiten am Donnerstag 23. März 2017. EPA/KEYSTONE / URS FLUEELER
Rettungskräfte am Mittwoch 22. März 2017. KEYSTONE / URS FLUEELER
Nichts geht mehr am Bahnhof Luzern. KEYSTONE / URS FLUEELER
Am frühen Mittwochnachmittag entgleisten zwei Wagen eines Eurocity-Zuges der Trenitalia bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Luzern entgleist. KEYSTONE / URS FLUEELER
Ein umgekippter Wagen eines Eurocity-Neigezugs, aufgenommen am Mittwoch, 22. Maerz 2017, im Ein Eurocity-Zug mit 160 Personen ist am Mittwochnachmittag im Bahnhof Luzern bei der Ausfahrt entgleist. KEYSTONE / URS FLUEELER
Sieben Personen wurden leicht verletzt. KEYSTONE / URS FLUEELER
Nach dem Unglück kam es zu einem Stromausfall. KEYSTONE / URS FLUEELER
Der Bahnhof bleibt wohl bis Donnerstagabend geschlossen. KEYSTONE / URS FLUEELER
Zum Unglück kam es kurz nach der Abfahrt aus dem Bahnhof um 13.54 Uhr. KEYSTONE / URS FLUEELER
Der Zug war auf dem Weg von Mailand nach Basel. KEYSTONE / URS FLUEELER
Mehrere Waggons des Eurocity 158 sprangen aus noch unbekannten Gründen aus den Schienen. KEYSTONE / URS FLUEELER
Nach ersten Erkenntnissen kippte der vierte Wagen der Zugskomposition des Typs ETR 610 von Trenitalia zur Seite. KEYSTONE / URS FLUEELER
Die Passagiere mussten zunächst rund eine Stunde im Zug ausharren. Gegen 15 Uhr wurden sie über eine bereitgestellte Treppe ins Freie begleitet. KEYSTONE / URS FLUEELER
Auch Reisende aus zwei durch den Zwischenfall im Bahnhof steckengebliebenen Züge wurden evakuiert. KEYSTONE / URS FLUEELER
Beim Bahnhof stand ein Grossaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Medizinpersonal im Einsatz. KEYSTONE / URS FLUEELER

Der Luzerner Bahnhof stand 1971 schon einmal still – er brannte lichterloh

Der Brand brach kurz vor 8.15 Uhr aus, um 9.03 Uhr blieb die Bahnhofsuhr stehen. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Drei Minuten später stürzte die mittlere Bahnhofkuppel in sich zusammen, gegen 11.30 Uhr die kleine Kuppel des Westtraktes. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Erst gegen 13 Uhr ist der Brand unter Kontrolle. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Beim Brand entstand ein starker Wind. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
So stark, dass beim Bahnhof in die Luft gewirbelte Banknoten erst in Kriens wieder zu Boden fielen. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
435 Feuerwehrleute von der Bahnhofs-Feuerwehr, dem Löschpikett der Polizei, der Stadt-Feuerwehr, sowie der Feuerwehren Reussbühl, Kriens, Ebikon und Meggen waren im Einsatz. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Es dauerte bis in die frühen Abendstunden, bis der Brand gelöscht war. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Es gab zwei Verletzte, keine Toten. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Brandursache war wahrscheinlich eine Lötlampe, die bei Schweissarbeiten am Bahnhofdach eingesetzt wurde. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Das Tor rechts im Bild erinnert heute noch an den Brand des Luzerner Bahnhofs am 5. Februar 1971 (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Brand des Luzerner Bahnhofs am 5. Februar 1971. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Brand des Luzerner Bahnhofs am 5. Februar 1971. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Brand des Luzerner Bahnhofs am 5. Februar 1971. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Brand des Luzerner Bahnhofs am 5. Februar 1971. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Brand des Luzerner Bahnhofs am 5. Februar 1971. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Brand des Luzerner Bahnhofs am 5. Februar 1971. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Brand des Luzerner Bahnhofs am 5. Februar 1971. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Brand des Luzerner Bahnhofs am 5. Februar 1971. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Brand des Luzerner Bahnhofs am 5. Februar 1971. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)
Brand des Luzerner Bahnhofs am 5. Februar 1971. (Quelle: Stadtarchiv Luzern)

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