Aktuelle Themen:

Susanne Herpold erzählt von ihrer Krankheit. Bild: screenshot zdf

«Wahnsinn»: Diese Corona-Leidensgeschichte macht selbst den Moderator sprachlos

Publiziert: 13.08.20, 10:03 Aktualisiert: 13.08.20, 13:38

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland steigen wieder. Das Robert-Koch-Institut meldete bis Mittwochabend 1445 neue Infektionen im nördlichen Nachbar an einem Tag. Es ist der höchste Stand seit Anfang Mai, als die Zahl langsam zu sinken begonnen hatte. Das Coronavirus, so scheint es, hat sich aus der «Sommerpause» zurückgemeldet.

Ebenfalls aus der Sommerpause zurück ist die ZDF-Talkshow Markus Lanz. Und der hatte am Mittwochabend mit Susanne Herpold eine Frau zu Gast, deren Geschichte angesichts steigender Zahlen, ungebrochener Urlaubsfreuden und Corona-Kritikern nicht weniger als eine überlaute Warnung ist. Ihre Erzählung machte selbst den erfahrenen Moderator Lanz zwischenzeitlich sprachlos.

Um Haaresbreite überlebt

Herpold gehört zu den ersten Deutschen, die an Covid-19 erkrankten. Eingefangen hat sie sich das Virus in Tirol, beim Skiurlaub in Ischgl. «Das ist eine ernstzunehmende Krankheit», mahnt die 55-Jährige gleich zu Beginn, «das ist keine leichte Grippe, die man da hat.»

Herpold weiss, wovon sie redet. «Sie haben um Haaresbreite überlebt, kann man das so sagen», stellt Lanz fragend fest, und Herpold stimmt ihm zu. «Ja, kann man.»

Sie erzählt dann, wie sie Anfang März zunächst an Fieber und sehr schwerem Husten litt. Der Anruf beim Hausarzt mit der Bitte um einen Corona-Test war erstmal vergebens, Ischgl sei «kein Krisengebiet», habe man ihr dort beschieden. Auch das Gesundheitsamt wollte keinen Test bei ihr machen.

Herpolds Geschichte machte Lanz sprachlos. Auch Daniel Günther (Mitte), CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, lauschte ihrer Erzählung andächtig. Bild: screenshot zdf

Mit «Erpressung» zum Coronatest

Herpold blieb aber hartnäckig. «Ich habe meinen Hausarzt dann ein bisschen erpresst», gesteht sie bei «Lanz». Wenn sie kein Corona haben könne (weil Ischgl sei ja kein Krisengebiet), dann könne sie ja auch im Wartezimmer der Praxis «fröhlich in der Gegend rumhusten». Das wirkte, am nächsten Tag sei das Ergebnis da gewesen, positiv.

Moderator Lanz weiss zu diesem Zeitpunkt schon wie die Geschichte weitergehen wird und welch grosses Glück die 55-Jährige hatte. In einem anderen, sehr ähnlichen Fall sei die Person, ein 52 Jahre alter Mann aus dem Ruhrgebiet, am Ende «daran gestorben», erzählt er noch von einer früheren Sendung.

Acht Tage habe sie noch zu Hause gelegen, führt Herpold weiter aus, mit sehr trockenem, festen Husten. Immer schlechter habe sie Luft bekommen, dann rief ihr Mann beim Hausarzt an – und die schickten den Krankenwagen. «Die kamen ganz in Gelb, in Schutzanzügen», berichtet Herpold.

Mehrere Tage lag sie dann auf der Isolierstation eines Krankenhauses, immer mehr Sauerstoff sei ihr zugegeben worden, bis «ich irgendwann nicht mehr konnte». Das Fieber tue sein Übriges, der Körper sei «total ausgemergelt».

Lanz fragt unumwunden: «Wie fühlt sich das an?» Die Antwort: «Sehr beängstigend.»

«Ein Gefühl wie Ersticken»

Nachts um drei Uhr sei sie geweckt worden, umringt von lauter Ärzten, die Diensthabende habe ihr dann eröffnet, sie würde nun sofort ins künstliche Koma gelegt, ihre Lunge sei kurz davor, zu kollabieren. «Da geht die Pumpe, das sage ich Ihnen. Man hat auch Angst», stellt die 55-Jährige klar. Eine kurze Whatsapp habe sie noch an ihre Familie schicken können, dann war sie «weggedrückt».

Acht Tage später hätten die Ärzte sie das erste Mal geweckt, aber «das ist misslungen», sie habe «einfach keine Luft bekommen». «Dann haben sie mich nochmal fünf Tage weggedrückt.» Ein Gefühl wie Ertrinken, fragt Lanz. «Wie Ersticken», berichtigt Herpold.

«Wahnsinn»

Wie viel sie im Koma mitbekommen habe, will Lanz als Nächstes wissen. Einiges, so die Antwort. Sie habe etwa miterlebt, wie eine Krankenschwester ihr etwas vorgesungen habe, auch wenn sie das im Koma zunächst für einen Traum gehalten habe. Eine andere habe ihr die Haare geflochten, lobt sie die Bemühungen der Krankenschwestern.

Wegen des Kontaktverbots habe ihre Familie sie zudem nicht besuchen dürfen, erzählt Herpold weiter. «Es durfte ja auch keiner aus meiner Familie zu mir.»

«Das heisst, sie lagen da, in Bauch- oder Rückenlage. Kein Kontakt mit Ihrer Familie», stellt Lanz fest. «Null», antwortet Herpold. In dem Moment, da entsteht der Eindruck, man könnte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören, würde sie jemand fallen lassen. So still war es im ZDF-Studio.

Und Lanz, der sonst um kein Wort verlegen ist, ist an dieser Stelle wirklich sprachlos. Dann sagt er, in die Stille seines Studios hinein: «Wahnsinn.»

Hier kannst du dir die gesamte Sendung anschauen.

(pcl/watson.de)

Schweizer Grossveranstaltungen von Corona betroffen

Ajla Del Ponte, Mujinga Kambundji, Salome Kora und Sarah Atcho an der Weltklasse Zürich 2019 im Letzigrund Stadion. Für dieses Jahr wurden die Finalwettkämpfe die eigentlich am 11. September stattgefunden hätten, bereits abgesagt. Die weltweite Corona-Krise liesse eine Durchführung des Events nicht zu, so die Veranstalter. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Anders als der Ableger in Miami Beach, die im Dezember 2019 noch stattfinden konnte, musste MCH Group die für September 2020 geplante Kunstmesse Art Basel an ihrem Ursprungsort absagen. sda / RHONA WISE
Der dänische Schauspieler Nikolaj Costar-Waldau und ZFF-Direktorin Nadja Schildknecht 2019. Für dieses Jahr haben die Veranstalter mitgeteilt, dass das Zürcher Film Festival mit gewissen Einschränkungen stattfinden kann. EPA / ENNIO LEANZA
2019 konnte Roger Federer noch jubeln. Für dieses Jahr ist das Swiss Indoors, das Ende Oktober in Basel stattgefunden hätte, definitiv abgesagt. EPA / GEORGIOS KEFALAS
Kein Bundesrat der Schweinchen hält: Die Olma in St. Gallen, die eigentlich im Oktober stattgefunden hätte, wurde von den Veranstaltern bereits Anfang Juni abgesagt. KEYSTONE / Gian Ehrenzeller
Auf den 15. bis 17. Januar 2021 ist das internationale Lauberhorn Rennen angesagt. Ob auch nächstes Jahr Skibegeisterte nach Wengen strömen werden, ist noch unklar. keystone / ANTHONY ANEX
Seit 28 Jahren findet das Humorfestival in Arosa statt. Ob sich auch die Comedy- und Kleinkunstszene diesen Winter vom 5. bis 15. Dezember auf über 2000 Meter über Meer versammeln wird, wird sich zeigen. KEYSTONE / AROSA TOURISMUS
Von November bis Dezember lädt der Winterzirkus Salto Natale von der Knie-Familie jeweils nach Zürich-Kloten ein. Ob er auch dieses Jahr stattfinden wird, ist ungewiss. KEYSTONE / WALTER BIERI
Vom 26. bis 31. Dezember stünde der Spengler Cup in Davos an. Ob die Spiele trotz Corona durchgeführt werden können und wie viele Besucherinnen und Besucher teilnehmen dürfen, wird sich noch entscheiden. EPA / GIAN EHRENZELLER
Wurde im März 2020 bereits abgesagt und auch das nächste Jahr fällt der Automobil Salon in Genf ins Wasser. EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI

So feiern spanische Ärzte, wenn ihre Corona-Patienten die Intensivstation verlassen

Video: watson

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben