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Die Terrassen sind schon offen – folgen bald die Innenräume? Bild: keystone

Restaurants vor der Öffnung – über diese Lockerungen diskutiert der Bundesrat morgen

Es geht zügig voran. Am Mittwoch diskutiert der Bundesrat über weitere Öffnungsschritte. Wir erklären, wie die Lage aussieht, wer nun hoffen kann – und wie es im Sommer weitergehen könnte.

Publiziert: 11.05.21, 13:59
Nina Fargahi und Sven Altermatt / ch media

Wie präsentiert sich die Lage?

Die Impfkampagne startet durch, die Fallzahlen sinken trotz der Lockerungen von Mitte April und die Risikogruppen sind zu einem grossen Teil geschützt. Die epidemiologische Lage hellt sich auf, und zwar schneller als gedacht. Sogar die Kassandrarufe der wissenschaftlichen Corona-Taskforce sind leiser geworden.

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So zeigte sich Taskforce-Chef Martin Ackermann «positiv überrascht und erfreut» über die aktuelle Entwicklung. In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» sagte er: «Der Spielraum wird zunehmend grösser für Lockerungen.» In der Schweiz sind über eine Million Menschen vollständig geimpft. Weitere Öffnungsschritte sind daher schon bald absehbar.

Was will Gesundheitsminister Berset?

Gesundheitsminister Alain Berset (SP) möchte schon Ende Mai weitere Lockerungen ins Auge fassen, wie der «Blick» schreibt und Informationen von CH Media bestätigen. Das heisst: Am Mittwoch wird der Bundesrat voraussichtlich den Kantonen einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten.

Berset im Gespräch mit Bundespräsident Guy Parmelin. Bild: keystone

Folgt der Bundesrat seinem Drei-Phasen-Modell, dann stehen auf Ende Mai die Öffnung der Beizen, die Aufhebung der Homeoffice-Pflicht und die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts in der Tertiärstufe zur Diskussion. Auch die Personenbeschränkungen im Sport oder Detailhandel könnten gelockert werden; hierzu ist noch wenig bekannt.

Ab Anfang Juni dürften die Kantone zudem Pilotprojekte für Grossevents durchführen. Und ab dem 1. Juli will der Bundesrat sogar Veranstaltungen mit 3000 Personen zulassen. Wer teilnehmen will, muss geimpft, getestet oder genesen sein – und dies mit einem fälschungssicheren Zertifikat nachweisen können. Dieses soll bis dann zur Verfügung stehen.

Dürfen die Restaurants also schon Ende Mai wieder ganz öffnen?

Zumindest dürfen Wirte darauf hoffen. Beobachter führen dafür den Montag, 31. Mai, ins Feld. Allerdings ist der genaue Zeitpunkt für eine komplette Öffnung der Restaurants noch unklar. Ausserdem müssen wohl weiterhin die Schutzkonzepte eingehalten werden, wie zum Beispiel die Vier-Personen-Regel an den Tischen. Zwar ist der Terrassenbetrieb seit Ende April erlaubt, doch die Lokale können wegen des derzeit oft schlechten Wetters nur wenige Gäste bedienen.

Offene Terrassen bringen nicht viel, wenn das Wetter nicht mitmacht. Bild: KEYSTONE

Was ist mit der Reisequarantäne?

Offiziell geben sich die Bundesbehörden dazu schmallippig. Der Bundesrat werde in den nächsten Wochen über das Thema diskutieren, heisst es. Tatsächlich könnte es am Mittwoch eine erste Aussprache geben. So fordern Wirtschaftsverbände, dass die Reisequarantäne für Rückkehrer aus Ländern, die ein ähnliches Ansteckungsrisiko wie die Schweiz aufweisen, aufgehoben werden soll. Ebenso stellt sich mit Blick auf die Sommerferien die Frage, ob namentlich geimpfte Personen bei einer Rückkehr aus dem Ausland grundsätzlich nicht mehr in die Quarantäne müssen.

Wie hoch stehen die Chancen auf Sommerferien am Strand? Das wird sich in den nächsten Wochen weisen. Bild: keystone

Ein Blick über die Grenze zeigt: Die EU-Staaten werden gemäss Brüsseler Regelung selbst entscheiden können, ob sie Geimpften, Getesteten oder Genesenen bei der Einreise weiter Test- oder Quarantänepflichten auflegen.

Wie ist die Dynamik im Bundesrat?

Die Zeichen stehen auf «Öffnen», wie Gespräche zeigen. Bei den vorangegangenen Entscheiden konnten nicht einmal die engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesräte abschätzen, zu welchen Entscheiden sich die Regierung an ihrer Sitzung durchringen wird.

Diesmal jedoch dürften namentlich die Vertreter von Mitte-Rechts zu weiteren Öffnungsschritten bereit sein. Erst recht, weil diese aus der Küche der – üblicherweise eher vorsichtig agierenden – Gesundheitsbeamten von SP-Bundesrat Alain Berset stammen.

Bundesrätin Amherd kommt eine wichtige Rolle zu. Bild: keystone

Eine wichtige Rolle kommt jeweils Mitte-Bundesrätin Viola Amherd zu; lange zählte sie zum Lager der Corona-Hardliner. Ihr wird nachgesagt, dass sie dem Prinzip «So schnell wie möglich, so langsam wie nötig» nachhängt.

Wie geht es dann Ende Mai weiter?

Die Stabilisierungsphase (die der Bundesrat mit den nächsten Lockerungen eben einleiten würde) dauert gemäss Drei-Phasen-Modell so lange, bis alle Erwachsenen, die sich impfen lassen möchten, geimpft sind. Zuletzt rechnete der Bundesrat damit, dass dies Ende Juli der Fall sein wird. Eine wichtige Voraussetzung sei jedoch, dass es bei den Impfstoffen keine weiteren Lieferengpässe gebe und die Impfkampagne planmässig voranschreite.

Sind schliesslich alle geimpft, die das möchten, beginnt die «Normalisierungsphase». Der Bundesrat ist der Ansicht, dass ab diesem Zeitpunkt keine starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen mehr zu rechtfertigen sind. Anfang August könnten dann die verbleibenden Schliessungen von Betrieben und Einrichtungen aufgehoben werden.

Erst auf Anfang September könnte schliesslich die Obergrenze für Grossveranstaltungen von 3000 auf 10'000 Personen angehoben werden – aber weiterhin mit Kapazitätsbeschränkungen in Innenräumen. (aargauerzeitung.ch)

«Bleiben Sie zuhause!»: Corona in der Schweiz in Zitaten

Seit einem Jahr dominiert die Corona-Pandemie das öffentliche und private Leben in der Schweiz. Ein Rückblick in 14 Zitaten. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
«Es ist sicher nicht der Moment, wo man der Schweizer Bevölkerung sagen muss: Achtung, da kommt etwas. Es ist viel zu früh, um eine solche Aussage zu machen.» Daniel Koch, Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten» beim Bundesamt für Gesundheit BAG, nach der ersten grossen Medienkonferenz am 28. Januar 2020. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
«Die Welle ist jetzt da.» «Mister Corona» Daniel Koch am 12. März 2020 in einem Radiointerview. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
«Es muss jetzt ein Ruck durch das Land.» Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga an einer Pressekonferenz am 16. März 2020 zur Erklärung des Notstandes. EPA / ANTHONY ANEX
«Es geht jetzt wirklich ums ernsthafte Überleben von vielen Leuten.» «Mister Corona» Daniel Koch am 19. März 2020. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
«Hilfe kommt!» Zusicherung an die Wirtschaft von Bundesrat Guy Parmelin am 20. März 2020. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
«Bleiben Sie zuhause!» Das «Mantra» von Gesundheitsminister Alain Berset. keystone / ANTHONY ANEX
«Wir müssen so schnell wie möglich handeln und so langsam wie nötig.» Gesundheitsminister Alain Berset am 16. April 2020 zur Maxime bei der Lockerung der Massnahmen. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
«Wir haben aus der Krise gelernt und sind für einen Wiederanstieg besser gerüstet.» BAG-Direktor Pascal Strupler an einer Sitzung des Krisenstabs Mitte Juni 2020. keystone / ANTHONY ANEX
«Wir wollen sichergehen, dass sich die Frage von weiteren Lockdowns nicht mehr stellt.» Taskforce-Präsident Martin Ackermann am 20. September in einem Zeitungsinterview. keystone / ANTHONY ANEX
«Es braucht nicht einen Lockdown, sondern einen Slowdown.» Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren GDK am 22. Oktober 2020. keystone / PETER SCHNEIDER
«Wir werden nicht jeden Betrieb retten können.» Finanzminister Ueli Maurer am 18. November. keystone / PETER KLAUNZER
«Es wird noch einmal schwierig, ausgerechnet über die Festtage.» Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga am 8. Dezember kurz vor weiteren Verschärfungen der Massnahmen. keystone / PETER KLAUNZER
«Wir können die Leute nicht die ganze Zeit einsperren. Sie müssen auch mal an die frische Luft. Skifahren und Langlaufen können in dieser Situation eine willkommene Abwechslung sein.» Bundesrat Guy Parmelin im Interview mit der «Sonntagszeitung» zum Auftakt seines Präsidialjahres. keystone / PETER SCHNEIDER
«Wir geben das Geld unserer Kinder aus. Da müssen wir schon vorsichtig sein.» Finanzminister Ueli Maurer Ende Januar 2021. keystone / PETER SCHNEIDER
«Wir beobachten die Situation.» Diverse Vertreter diverser Behörden an diversen Daten. keystone / PETER SCHNEIDER

So sieht die Welt nach der Maskenpflicht aus

Video: watson / Knackeboul, Madeleine Sigrist, Emily Engkent

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