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Plaza de Mayo in Buenos Aires: Hierhin wird in den kommenden zwei Tagen die ganze Welt blicken. Bild: AP/AP

Buenos Aires – eine Stadt im absoluten Ausnahmezustand

Publiziert: 29.11.18, 21:15 Aktualisiert: 29.11.18, 21:31
Denis Düttmann, Juan Garff / dpa

Lodernde Barrikaden, verwüstete Geschäfte, ausgebrannte Autos - vom G20-Gipfel in Hamburg bleiben hässliche Bilder. Kaum jemand dürfte sich noch an die politischen Ergebnisse des Treffens der Staats- und Regierungschef der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer erinnern.

Die Szenen von der «Welcome-to-Hell»-Demonstration hingegen sind noch immer präsent. Solche Bilder will die argentinische Regierung beim diesjährigen G20-Gipfel am Freitag und Samstag in Buenos Aires um jeden Preis verhindern.

Über ein Jahr ist es her: Die Bilder vom G20-Gipfel in Hamburg

Eine Frau klettert auf ein Einsatzfahrzeug der Polizei und wird mit Pfefferspray behandelt. EPA/EPA / RONNY WITTEK
Alle Teilnehmerstaaten mit Ausnahme der USA und der Türkei haben ihre Absicht bekräftigt, das Pariser Klimaabkommen umzusetzen. Darunter etwa Deutschland mit Bundeskanzlerin Merkel und Kanada mit Premierminister Justin Trudeau. EPA/ACTION PRESS POOL / MICHAEL UKAS / POOL
Donald Trump wurde von seiner Tochter Ivanka begleitet. Sie nahm am Rand des G20-Gipfels gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel am Eröffnungsevent der 'Women's Entrepreneurship Facility' teil. EPA/ACTION PRESS POOL / MICHAEL UKAS / POOL
Während dem Gipfel blieb den Staatschefs auch zeit für kurze Treffen zu zweit. Hier Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit Russlands Staatschef Wladimir Putin. EPA/SPUTNIK POOL / MICHAEL KLIMENTYEV / SPUTNIK / KREMLIN POOL / POOL
Besonders viel Beachtung wurde dem Treffen zwischen Putin und US-Präsident Donald Trump zuteil. AP/AP / Evan Vucci
Auch mit dem indischen Premierminister Narendra Modi tauschte sich Donald Trump aus. EPA/GETTY IMAGES POOL / SEAN GALLUP / POOL
Für die Ehegattinen und Ehegatten der G20-Staats- und Regierungschefs wurde vom Mann der Gastgeberin, Angela Merkels Gatten Joachim Sauer (vorderste Reihe mit grüner Krawatte) ein spezielles Programm organisiert. Die Teilnehmer wurden von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (vorderste Reihe, mit roter Krawatte) im Rathaus der Hansestadt empfangen. EPA/EPA POOL / FRIEDEMANN VOGEL / POOL
Olaf Scholz durfte unter anderem Frankreichs Première Dame, Brigitte Macron, empfangen. EPA/EPA POOL / FRIEDEMANN VOGEL / POOL
Derweil durchsuchte die Polizei ein linksautonomes Kulturzentrum im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Angeblich gab es Hinweise, wonach in den Räumlichkeiten Material für die Herstellung von Brandsätzen gelagert wurde. Die Razzia förderte aber nichts dergleichen zutage. Lediglich illegales pyrotechnisches Material wurde sichergestellt. EPA/EPA / LUKAS BARTH
In der Nacht auf Samstag brannten im Hamburger Schanzenviertel bei gewaltätigen Protesten gegen den G20-Gipfel mehrere Autos. EPA/EPA / CLEMENS BILAN
Die Polizei versucht mit insgesamt 21'000 Einsatzkräften, die Gipfelteilnehmer zu schützen. Hier räumen Beamte eine von Demonstranten errichtete Barrikade im Schanzenviertel. EPA/EPA / ARMANDO BABANI
Am Freitagabend waren mit Schlagstöcken bewaffnete Bereitschaftspolizisten im Einsatz gegen Demonstranten im Schanzenviertel. EPA/EPA / ARMANDO BABANI
Polizisten beobachten eine Protestaktion von G20-Gegnern im Schnanzenviertel. EPA/EPA / FILIP SINGER
Bei den Protesten zum G20-Gipfel in Hamburg wurden mehrere Supermärkte, darunter der auf diesem Bild gezeigte REWE, geplündert. EPA/EPA / OMER MESSINGER
Der Protest drückte sich wie schon in der vergangenen Nacht durch angezündete Strassenbarrikaden aus. EPA/EPA / FILIP SINGER
Derweil genossen die mächtigsten 20 Staatsmänner und -frauen der Welt in der Elbphilharmonie klassische Musik. EPA/ACTION PRESS POOL / MICHAEL UKAS / POOL
Zu hören bekamen Trump, Merkel und Co. Ludwig van Beethovens 9. Symphonie mit der «Ode an die Freude», der Hymne der Europäischen Union. EPA/ACTION PRESS POOL / MICHAEL UKAS / POOL
Bilck in das Innere der neu gebauten Elbphilharmonie in Hamburg. EPA/ACTION PRESS POOL / MICHAEL UKAS / POOL
Auf das Konzert folgte in einem Nebensaal der Elbphilharmonie das Staatsbankett. EPA/ACTION PRESS POOL / MICHAEL UKAS / POOL
Greenpeace-Aktivisten narren die Polizei auf der Elbe. EPA/EPA / FELIPE TRUEBA
Strassenschlachten am Freitagnachmittag. EPA/EPA / RONALD WITTEK
Helikopter fliegen auf Hamburg zu – unter ihnen auch die US Marine One mit US-Präsident Donald Trump. EPA/EPA / FOCKE STRANGMANN
Bundeskanzlerin Merkel empfängt Donald Trump. EPA/EPA / IAN LANGSDON
Auch Wladimir Putin ist eingetroffen. EPA/SPUTNIK POOL / DMITRY AZAROV/KREMLIN POOL/SPUTNIK / POOL
Polizisten entfernen einen Demonstranten, der vor dem Hamburger Senat protestierte. Am Freitag beginnt offiziell der G20-Gipfel. EPA/EPA / RONNY WITTEK
Face to Face – G20-Demonstranten und Polizisten stehen sich während der «Welcome to Hell»-Demonstration gegenüber. EPA/EPA / CARSTEN KOALL
Mit rund zweieinhalb Stunden Verspätung ist ein Sonderzug mit hunderten G20-Gegnern am Donnerstagvormittag im Hamburger Hauptbahnhof eingetroffen. EPA/AAP / LUKAS COCH
Der privat gecharterte Zug war am Mittwochabend in Basel gestartet. AP/dpa / Daniel Bockwoldt
Am frühen Donnerstagmorgen kam es im Hamburger Porschezentrum derweil zu einer Brandstiftung, hinter der die Polizei militante Gipfelgegner vermutet. Zehn Fahrzeuge seien in der Nacht zum Donnerstag mit Brandbeschleuniger angezündet worden, teilte die Polizei mit. AP/dpa / Axel Heimken
Am Mittwochabend hatten in Hamburg zudem Tausende Demonstranten friedlich gegen den G20-Gipfel protestiert. AP/AP / Matthias Schrader
Etwa 11'000 Menschen zogen zu lauter Techno-Musik unter dem Motto «Lieber tanz ich als G20» durch die Innenstadt. AP/AP / Matthias Schrader
Grössere Zwischenfälle blieben laut Polizei aus. EPA/EPA / LUKAS BARTH
Sie verschafften sich mit Megaphonen Gehör. EPA/EPA / FOCKE STRANGMANN
Kein Bock auf Kapitalismus. EPA/EPA / FRIEDEMANN VOGEL
Von verschiedenen Orten zogen am Mittwoch lehmverkrustete Gestalten schweigend und in Zeitlupe durch die Strassen von Hamburg. EPA/EPA POOL / FRIEDEMANN VOGEL / POOL
Hinter der Kunstperformance steht das Kollektiv «1000 Gestalten», das von zahlreichen Freiwilligen unterstützt wird. EPA/EPA / LUKAS BARTH-TUTTAS
Auf dem Burchardplatz befreiten sie sich von ihren Panzern. EPA/EPA / LUKAS BARTH-TUTTAS
«Die Lehmgestalten stehen für eine Gesellschaft, die sich ihrer Hilflosigkeit vor den komplexen Zusammenhängen der Welt ergeben hat und in der der Einzelne nur noch für das eigene Vorankommen kämpft», teilten die Veranstalter mit. EPA/EPA POOL / FRIEDEMANN VOGEL / POOL
Protest gegen Globalisierung am 4. Juli 2017 in Hamburg. EPA/EPA / FOCKE STRANGMANN
Aktivisten mit Masken des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der britischen Premierministerin Theresa May, der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des russischen Präsidenten Wladimir Putin. EPA/EPA / FOCKE STRANGMANN
Erst am Freitag beginnt der G20-Gipfel in Hamburg. Doch bereits jetzt ist die Hölle los. EPA/EPA / FRIEDEMANN VOGEL
Bekannte Umweltschutz-, Sozial- und Entwicklungsorganisationen sowie Gewerkschaften riefen bereits für Sonntag zu einer ersten grossen Protestkundgebung durch die Innenstadt auf. AP/AP / Matthias Schrader
Zu Fuss, zu Schiff und gar auf dem Floss demonstrieren die Menschen vor der Zusammenkunft der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. EPA/EPA / FRIEDEMANN VOGEL
Die sogenannte G20-Protestwelle soll von einer Bootsdemonstration auf der Alster begleitet werden. AP/dpa / Axel Heimken
Auch vor dem Rathausplatz wird demonstriert. AP/dpa / Axel Heimken
AP/dpa / Axel Heimken
Laut deutschen Medien verlässt etwa die Hälfte der direkt betroffenen Hamburger die Stadt noch vor dem Gipfel. AP/dpa / Axel Heimken
Viele Geschäfte und Restaurants werden geschlossen bleiben. AP/dpa / Bodo Marks
Auch Unternehmen und sonstige Einrichtungen, selbst Arztpraxen, werden geschlossen bleiben. EPA/EPA / FRIEDEMANN VOGEL
Zum Gipfel werden über 1000 Delegationsteilnehmer erwartet, 5000 Journalisten – und rund 100'000 Demonstranten, davon 8000, die auch bereit sind, Gewalt anzuwenden. EPA/EPA / FRIEDEMANN VOGEL
EPA/EPA / FRIEDEMANN VOGEL
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«Wer demonstrieren will, hat das Recht dazu, aber unter einer Bedingung: Es muss friedlich bleiben», sagte Sicherheitsministerin Patricia Bullrich. «Gewalttätige Aktionen dürfen nicht vorkommen. Wir werden sehr streng sein.»

Für Präsident Mauricio Macri steht viel auf dem Spiel, wenn er US-Präsident Donald Trump, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und ihre Amtskollegen empfängt. Argentinien steckt in einer schweren Wirtschaftskrise, die Inflation liegt bei rund 40 Prozent und angesichts der Peso-Abwertung musste die Regierung den Internationalen Währungsfonds (IWF) in diesem Jahr um einen milliardenschweren Kredit bitten.

Mauricio Macri empfängt Emmanuel Macron am Donnerstagabend. Bild: AP/AP

Der G20-Gipfel ist für Macri die Chance, sich als verlässlicher Partner auf dem internationalen Parkett zu präsentieren. Top-Thema des Treffens werden voraussichtlich die von Trump ausgelösten Handelskonflikte sein.

Krawalle befürchtet

Gewalttätige Ausschreitungen soll ein massives Polizeiaufgebot verhindern. Mehr als 20'000 Sicherheitskräfte werden während der Gipfeltage im Einsatz sein. Das ist in etwa die gleiche Anzahl wie beim G20-Gipfel in Hamburg.

Zusätzlich sollen im benachbarten Uruguay 400 US-Soldaten sowie Awacs-Aufklärungsflugzeuge stationiert werden. «Wir sind in maximaler Alarmbereitschaft», sagte der Informationschef der Regierung und Organisator des Gipfels, Hernán Lombardi.

Die heftigen Krawalle vor dem Finale des Fussball-Wettbewerbs Copa Libertadores warfen zuletzt allerdings kein gutes Bild auf die Sicherheitsvorkehrungen in Buenos Aires. Hunderte Fans des Fussballclubs River Plate attackierten am Wochenende den Mannschaftsbus des Stadtrivalen Boca Juniors mit Steinen.

Vor dem Finale der Copa Libertadores kam es zu Ausschreitungen, die Partie musste verschoben werden. Bild: AP/AP

Das Stadion liegt im G20-Sperrgebiet, das ab Donnerstag kein Normalbürger mehr betreten darf. Sicherheitsministerin Bullrich hatte vor dem Finale noch erklärt: «Wir werden einen G20-Gipfel hier haben, dagegen ist das River-Boca-Spiel doch eine Kleinigkeit.»

Gut organisierte Demonstranten

Für die Tage vor dem Gipfel haben Gewerkschaften, soziale Bewegungen und linke Gruppen bereits Proteste angekündigt. Unter dem Motto «No al G20» (Nein zu G20) sind in den Tagen vor dem Treffen zahlreiche Kundgebungen angekündigt. Am Abend des ersten Gipfeltags soll es eine Grossdemonstration gegen das Treffen der Staats- und Regierungschefs geben.

«Wir rufen die gesamte Bevölkerung dazu auf, auf massive Art und Weise gegen die G20-Politik des Elends und des Todes auf die Strasse zu gehen»

Die Proteste dürften sich sowohl gegen die als neoliberal empfundene eigene Regierung als auch gegen den verhassten IWF und das G20-Treffen richten. Zu dem Protesten wurden auch Teilnehmer aus den Nachbarländern Brasilien und Chile erwartet. Mit so vielen ausländischen Demonstranten wie in Hamburg wird aufgrund der langen Anreise aber nicht gerechnet.

«Wir rufen die gesamte Bevölkerung dazu auf, auf massive Art und Weise gegen die G20-Politik des Elends und des Todes auf die Strasse zu gehen», sagte Beverly Keene, Sprecherin der Organisation Diálogo 2000, die gemeinsam mit anderen Gruppen die Demonstrationen koordiniert. Die Regierung bat ihrerseits den argentinischen Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel, mässigend auf die Demonstranten einzuwirken.

Argentinische Sicherheistkräfte bewachen die Botschaft Saudi-Arabiens in Buenos Aires. Bild: AP/AP

In Argentinien gibt es eine gut organisierte und kampferprobte linke Szene. Selbst bei Protesten gegen Rentenkürzungen fliegen dort schon einmal Steine und Molotowcocktails. Zuletzt scheiterten in Buenos Aires zwei Sprengstoffanschläge, hinter denen die Ermittler anarchistische G20-Gegner vermuten.

«Es ist möglich, dass eine Gruppe eine gewalttätige Situation provozieren will», sagte Bullrich jüngst in einem Interview des Fernsehsenders TN. «Aber unsere Einsatzkräfte werden nah dran sein, um das zu unterbinden.»

Sowohl Regierungen als auch Demonstranten vernetzt

Nach den Erfahrungen beim G20-Gipfel in Hamburg hat Deutschland die argentinische Regierung bei der Organisation des Treffens in Buenos Aires beraten. Doch auch die Demonstranten sind untereinander offenbar gut vernetzt.

Medienberichten zufolge zirkulieren mehrere Handbücher mit Erfahrungsberichten von den Krawallen in Hamburg, detaillierten Ratschlägen zu Strategie und Taktik bis hin zu praktischen Tipps zum Verhalten bei Demonstrationen, Erster Hilfe und Kommunikation.

Das aufblasbare Trump-Baby ist in Buenos Aires gelandet: Ein Grossteil der Proteste wird vermutlich friedlich verlaufen. Bild: AP/AP

Die grösste Sorge der argentinischen Regierung ist, dass sich gewaltbereite Demonstranten unter die friedlichen Protestmärsche mischen und die Polizei zu einem übertriebenen Vorgehen verleiten könnten.

«Sie wollen uns in eine Ausnahmesituation bringen. Wir müssen aufpassen, ihnen nicht die perfekte Entschuldigung für Versuche der Destabilisierung zu liefern», sagte Bullrich. «Sie wollen, dass wir über die Stränge schlagen, aber wir werden auf diese Provokationen nicht hereinfallen.» (sda/dpa)

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