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William Nylander: Bei Toronto kommt er derzeit nicht zum Einsatz. Bild: AP/The Canadian Press

Aus Geldgier die Karriere aufs Spiel setzen? 5 Antworten zum Fall Nylander

Bei den Toronto Maple Leafs fehlt mit William Nylander derzeit einer der besten Stürmer. Der Schwede konnte sich mit dem Klub bislang nicht auf einen neuen Vertrag einigen – er fordert zu viel Geld.

Publiziert: 08.10.18, 16:37 Aktualisiert: 09.10.18, 09:51

Stell dir vor, der SC Bern startet in eine neue National-League-Saison, aber Tristan Scherwey fehlt dabei. Nicht wegen einer Verletzung. Nicht wegen einer Sperre. Sondern wegen des Geldes. Scheint unvorstellbar, oder?

Doch genau das ist im Moment in Toronto der Fall. Der 22-jährige William Nylander sitzt dort auf dem Abstellgleis, obwohl die Maple Leafs bereits drei Spiele in der Regular Season absolviert haben. Denn der junge Schwede hat trotz 122 Skorerpunkten in den letzten zwei Saisons noch keinen neuen Vertrag unterschrieben.

Was ist das Problem?

Das Geld. Nylanders Einstiegsvertrag ist im Sommer ausgelaufen. Seither ist er Restricted Free Agent (RFA). Das heisst, sofern sie die Rechte an ihm nicht per Trade abgeben, dürfen nur die Maple Leafs mit dem Stürmer verhandeln. Die Gespräche laufen zwar seit längerer Zeit, doch bislang konnte keine Einigung erzielt werden. Die Rede ist von einer Differenz von zwei Millionen: Nylander soll rund 8,5 Millionen Dollar jährlich fordern, Toronto will allerdings nicht mehr als 6,5 Millionen zahlen.

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Was ist Nylanders Wert?

Den Wert eines Spielers einzuschätzen, ist schwierig. Man kann ihn höchstens mit ähnlichen Spielern vergleichen. Johnny Gaudreau ist ebenfalls Stürmer und kam während seines Entry-Level-Contracts auf etwas bessere Zahlen als Nylander. Bei seiner Verlängerung unterschrieb er bei Calgary einen Vertrag über sechs Jahre und verdient nun 6,75 Millionen jährlich. 

Wie viel würdest du ihm geben? Alle Tore von William Nylander aus der letzten Saison. Video: YouTube/Leafs GLG

Man kann also davon ausgehen, dass Nylander momentan eher sechs als sieben oder gar acht Millionen Wert ist. Das Problem: Nylander ist erst 22 Jahre alt. Seine Skorerzahlen dürften also noch steigen – und damit auch sein Marktwert. Toronto will ihn deshalb gleich längere Zeit unter Vertrag nehmen, damit er nicht in seiner besten Zeit einen neuen Deal aushandeln kann. Auch Nylander selbst strebt einen langfristigen Deal an. Wenn er aber nun einen langjährigen Vertrag um sechs Millionen unterschreibt, verkauft er sich möglicherweise «zu billig».

Wie sieht Torontos Cap-Situation aus?

Der Salary Cap liegt in dieser Saison bei 79,5 Millionen Dollar. Die Leafs haben mit rund 12,2 Millionen in der ganzen Liga noch am viertmeisten Cap Space zur Verfügung. In dieser Saison besteht also noch kein Grund zur Sorge. 

Die Salary-Cap-Situation bei den Leafs

quelle: capfriendly.com; Bild: watson, infogr.am

Das Problem: Nächsten Sommer erhalten auch Auston Matthews und Mitch Marner ihren ersten grossen Vertrag. Matthews darf wohl rund zwölf Millionen Dollar jährlich erwarten, Marner zwischen acht und zehn. Man erwartet von den beiden, dass sie bereit sind, wie John Tavares (elf Mio/Jahr) einen Hometown Discount einzugehen. Also für eine etwas tiefere Summe zu unterschreiben, damit sie dafür bei den Leafs – momentan immerhin Stanley-Cup-Anwärter – bleiben können.

Wer sitzt am längeren Hebel?

Im Moment sind es die Toronto Maple Leafs. Sie sind mit zwei Siegen aus drei Spielen in die Saison gestartet und haben auf dem Eis sehr gut ausgesehen. Sie brauchen William Nylander eigentlich nicht, um die Playoffs zu erreichen.

Derweil ist Nylander immer noch in Schweden. Er hält sich dort mit einem persönlichen Trainer fit und trainiert auch auf dem Eis. Doch mit jedem Tag gehen dem Stürmer nicht nur Geld (er verdient ja momentan nichts), sondern auch mögliche Spielzeit verloren. Denn spielen dürfte er nur in Ligen, die kein Abkommen mit der NHL haben – also National League oder KHL und nicht in der schwedischen oder finnischen Liga. Doch die Zeit scheint auf den ersten Blick eher Nylander in die Karten zu spielen als Toronto.

Die jüngsten Neuigkeiten zu Nylanders Vertragsverhandlungen. Video: YouTube/Hockey is life

Am 1. Dezember ist die Deadline für Restricted Free Agents. Wenn sie bis dann keinen Vertrag unterschrieben haben, können sie in der NHL die ganze Saison nicht mehr eingesetzt werden (eine Leihe nach Schweden wäre ab diesem Zeitpunkt möglich). Das wäre für Nylander zwar bitter, für Toronto aber auch. Die Playoffs erreichen die Leafs auch ohne ihren Schweden. Doch das Team will dieses Jahr den Cup. Und für einen langen Playoff Run braucht man alle seine besten Spieler.

Momentan hat Nylander kaum ein Druckmittel, doch wenn er die ganze Saison verpassen sollte, wäre er plötzlich nicht mehr alleine ohne Kontrakt. Gemeinsam mit Matthews und Marner, die dann auch einen neuen Vertrag mit den Leafs aushandeln müssen, hätte er in den Gesprächen plötzlich mehr Einfluss. Aber natürlich würde eine ganze Saison Pause auch dem Marktwert des Spielers schaden.

Auch die General Manager der anderen Teams haben mitbekommen, was in Toronto abläuft. Seine Karriere setzt der 22-Jährige nicht aufs Spiel – dafür ist er zu gut. Seinen Ruf allerdings schon.

Gibt es eine Einigung?

Nylander wird sich irgendwann fragen müssen, was ihm wichtiger ist: Seine Lohnforderungen durchzusetzen oder doch lieber bei einem Team zu spielen, das Erfolg haben kann. Falls ihm ersteres wichtiger ist, könnte er es auch auf einen Trade ankommen lassen.

Die Leafs bräuchten eigentlich noch Verstärkung in der Verteidigung. Für ein Talent wie Nylander würde man sicher einen anständigen Defensivmann erhalten. Und der Schwede könnte zu einem Team wechseln, das bereit ist, ihm die 8,5 Millionen Dollar zu bezahlen. Vorausgesetzt, er kriegt überhaupt irgendwo ein solches Angebot. Ein Bridge-Deal in Toronto, also ein Vertrag über zwei bis drei Jahre, in denen der Lohn noch etwas tiefer ist, ehe es einen grossen, langjährigen Vertrag gibt, scheint für beide Parteien keine Option.

Was wird mit Nylander passieren?
Leider hat was nicht geklappt. Bitte versuche es später nochmals.

Lewis Gross, der Agent von William Nylander, ist dafür bekannt, dass er zuerst mit einer hohen Forderung einsteigt, sich dann aber nach und nach auf die Forderungen des Teams zubewegt. Das hat er beispielsweise auch bei Johnny Gaudreau so gemacht. Momentan gehen die meisten Experten davon aus, dass Leafs-General-Manager Kyle Dubas hart bleibt und Nylander dazu bringt, bei rund 6,5 Millionen zu unterschreiben.

Wenn Nylander viel mehr erhält, wird es schwierig, ihn gemeinsam mit Tavares, Matthews und Marner zu halten. Und dann setzt man möglicherweise Torontos sportliche Zukunft aufs Spiel. 

Nico Hischier beantwortet unsere ungewöhnlichen Fragen

Video: watson/Emily Engkent, Sandro Zappella

Meilensteine aus 100 Jahren NHL

Am 19. Dezember 1917 startete der Spielbetrieb der National Hockey League (NHL). Sie wurde zur besten Eishockey-Liga der Welt. NHL
1917: Die NHL beginnt mit den vier Klubs Montreal Wanderers, Ottawa Senators, Montreal Canadiens und Toronto Torontos. NHL
1924: Mit den Boston Bruins steigt die erste Mannschaft aus den USA in die NHL ein.
1926/27: Erstmals spielen nur NHL-Teams um den Stanley Cup, den davor auch Klubs anderer Ligen gewinnen konnten. Die NHL besteht aus zehn Teams. Wikipedia / RasputinAXP
1938: Erste Europa-Tour von NHL-Klubs durch die Montreal Canadiens und Detroit Red Wings in der Vorbereitung.
1942/43: Als Folge der Wirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs müssen einige Teams den Betrieb einstellen. Die Ära der «Original Six» (Montreal Canadiens, Toronto Maple Leafs, Boston Bruins, Chicago Blackhawks, Detroit Red Wings, New York Rangers) beginnt. Sie dauert 25 Jahre. Archives of Ontario
27. Januar 1965: Der Schwede Ulf Sterner debütiert für die New York Rangers und wird zum ersten in Europa geborenen und ausgebildeten Spieler in der NHL. Wikipedia
1967/68: Die NHL expandiert durch den Einstieg der «Second Six» (Philadelphia Flyers, Los Angeles Kings, St. Louis Blues, Pittsburgh Penguins, Minnesota North Stars, Oakland Seals) von sechs auf zwölf Clubs. NHL
1972: Mit den Atlanta Flames, die 1980 nach Calgary umziehen, expandiert die NHL in den Süden. New York bekommt mit den Islanders ein zweites Team. Wikipedia / Rick Dikeman
1972: In der «Summit Series» (vier Spiele in Kanada und vier in Moskau) spielen erstmals die besten NHL-Spieler und die besten aus der Sowjetunion gegeneinander. Das Team aus der NHL gewinnt die Serie mit 4:3 Siegen (ein Unentschieden). Wikipedia/Canadian Press / Frank Lennon
1976: Jacques Soguel wird 1976 als erster Schweizer gedraftet. Der Stürmer des HC Davos wird von den St.Louis Blues als Nummer 121 gezogen, spielt aber nie in der NHL.
1979: Die World Hockey Association (WHA), die 1972 als Konkurrenz zur NHL gegründet worden war, gibt auf. Die Edmonton Oilers, Hartford Whalers (Bild), Quebec Nordiques und Winnipeg Jets wechseln von der WHA in die NHL. Wikipedia
1981/82: Wayne Gretzky (Edmonton Oilers) stellt mit 92 Saisontoren einen noch immer gültigen Rekord auf. 1985/86 holt «The Great One» 215 Skorerpunkte, auch diese Marke bleibt bisher unerreicht. AP
1989: Sergej Prjachin wird der erste aktuelle sowjetische Nationalspieler, der mit offizieller Erlaubnis in die NHL wechselt (zu den Calgary Flames). Weitere Stars wie Wladimir Krutow, Igor Larionow oder Sergej Makarow folgen. KEYSTONE / STR
1991: Nach zwölf Jahren Pause beginnt mit dem Einstieg der San Jose Sharks eine neue Ära der Expansion. Elliot Lowe / Elliot Lowe
1992/93: Die Montreal Canadiens gewinnen ihren 24. Stanley Cup (Rekord). Es ist der bisher letzte Triumph einer kanadischen Mannschaft. AP
29. Januar 1995: Goalie Pauli Jaks steht als erster Schweizer in einem offiziellen NHL-Spiel auf dem Eis. Er wird bei den Los Angeles Kings nach einem Drittel gegen die Chicago Blackhawks (Schlussresultat 3:6) eingewechselt und hält 23 von 25 Schüssen. Es bleibt sein einziger Einsatz für die Kings.
2000/01: Der Finne Alpo Suhonen, in der 90er-Jahren zweimal Meister mit dem EHC Kloten, und der Tscheche Ivan Hlinka sind die ersten europäischen Cheftrainer von NHL-Klubs. Suhonen führt die Chicago Blackhawks, Hlinka die Pittsburgh Penguins. KEYSTONE / STR
5. Oktober 2000: Mit Reto von Arx kommt bei den Chicago Blackhawks erstmals ein Schweizer Feldspieler in der NHL zum Einsatz. Er erzielt in seinem zweiten Spiel auch das erste Tor eines Schweizers. AP / TOM OLMSCHEID
2001: David Aebischer gewinnt als Ersatzgoalie der Colorado Avalanche als erster Schweizer den Stanley Cup. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
2004/05: Wegen eines Streits um den Gesamtarbeitsvertrag entfällt die gesamte Saison. Während des Lockouts sorgen Stars wie Joe Thornton, Rick Nash und Niklas Hagman beim HC Davos für Spektakel und führen die Bündner souverän zum Meistertitel und Spengler-Cup-Sieg. PHOTOPRESS / EDDY RISCH
2006: Martin Gerber gewinnt mit den Carolina Hurricanes als zweiter Schweizer den Stanley Cup. Wie Aebischer kommt er als Ersatzgoalie im Final aber nicht zum Einsatz. Getty Images North America / Jim McIsaac
25. Januar 2009: Streit, mittlerweile bei den New York Islanders, ist als erster Schweizer beim Allstar-Game der NHL dabei. AP The CANADIAN PRESS / Ryan Remiorz
2011: Streit wird bei den Islanders als erster Schweizer Captain eines NHL-Teams. FR170351 AP / Kathleen Malone-Van Dyke
2013: Verteidiger Roman Josi unterschreibt bei den Nashville Predators mit 28 Mio. Dollar für sieben Jahre den bestdotierten Vertrag eines Schweizers. AP/AP / Mark Humphrey
1. Januar 2014: Beim Winter Classic zwischen den Detroit Red Wings und den Toronto Maple Leafs (2:3 n.P.) sorgen 105'591 Fans im Michigan Stadium von Ann Arbor für einen Zuschauerrekord in der NHL. AP NHLI POOL / NOAH GRAHAM
23. Juni 2017: Nico Hischier ist der erste Schweizer, der im NHL-Draft als Nummer 1 gezogen wird (von den New Jersey Devils). Der Walliser ist erst die vierte Nummer 1, die nicht aus Nordamerika oder Russland stammt. AP/AP / Nam Y. Huh
2017/18: Die NHL expandiert mit den Golden Knights als erste grosse Liga in die Spieler-Hochburg Las Vegas und zählt neu 31 Klubs. Das Expansion Team schafft gleich die grosse Sensation und zieht in den Stanley-Cup-Final. AP/AP / John Locher
2018/19: Timo Meier stellt bei den San Jose Sharks mit 30 Toren und 36 Assists in der Qualifikation einen Schweizer Punkterekord in einer Saison auf. Auch seine 15 Punkte (5 Tore, 10 Assists) in den Playoffs sind eine neue Schweizer Bestmarke. AP/AP / Marcio Jose Sanchez
2019: Verteidiger Roman Josi unterschreibt bei den Nashville Predators mit 72 Mio. Dollar für acht Jahre den bestdotierten Vertrag eines Schweizers. AP / Mark Humphrey

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