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Nächstes Jahr fährt in Deutschland der erste Wasserstoff-Zug

Adieu, Diesel! Ab März 2022 wird in Deutschland der erste Wasserstoff-Zug nach Fahrplan fahren. In der Schweiz scheint die Technologie für die Zugfahrt aber keine Zukunft zu haben.

Publiziert: 14.05.21, 06:47
Bruno Knellwolf / ch media

In der Klimadiskussion bekommt der Strassen-, Flug- und Schiffsverkehr sein Fett ab. Doch fossile Treibstoffe werden auch auf Eisenbahnschienen verbrannt – und das nicht zu knapp. Auf dem deutschen Schienennetz sind nur 60 Prozent der Strecken elektrifiziert.

Wer jemals mit dem Zug aus der Schweiz nach München gefahren ist, hat sich deshalb in den vergangenen Jahren wohl gewundert, dass auf dieser viel befahrenen Strecke noch Diesellokomotiven verkehren. Erst im vergangenen Jahr wurden die Schienen um die Bodensee-Stadt Lindau mit elektrischen Oberleitungen ausgerüstet.

Der Hydrogen-Train von Alstom während der Testphase in Norddeutschland. Mit Brennstoffzellen in der Lokomotive wird aus Wasserstoff Strom. Bild: Keystone

Jeder Kilometer Bahnstrecke, der verstromt wird, kostet Millionen

Die Diesellokomotiven haben also bei weitem nicht ausgedient. Das gilt für viele Länder auf der ganzen Welt und auch in Europa. «In den USA fahren 90 Prozent der Züge mit Diesel, in Indien beinahe alle», sagt dazu Gian-Luca Erbacci, Präsident von Alstom Europa. Für die geforderte Dekarbonisierung des Verkehrs braucht es somit andere Lösungen, und da ist Was­serstoff gemäss Alstom-CEO Henri Poupart-Lafarge eine Schlüsseltechnologie.

Um auf fossile Treibstoffe zu verzichten, könnte man einfach alle Strecken elektrifizieren. Doch jeder Kilometer Bahnstrecke, der verstromt wird, kostet gemäss Poupart-Lafarge viele Millionen. Auch gibt es auf der Erde in vielen Ländern Bahnstrecken, die ­baulich gar nicht so einfach mit elektrischen Oberleitungen versehen werden können.

Als Alternative hat Alstom einen Hydrogen-Train, einen Wasserstoff-Zug entwickelt. Der Prototyp der Firma Alstom hat in Norddeutschland ­zwischen Cuxhaven und Buxtehude sei­ne Weltpremiere erlebt. 18 Monate wurde der Prototyp, der in der Lokomotive aus Wasserstoff mit einer Brennstoffzelle Strom macht, im Linien­verkehr getestet.

Auf einer 123 Kilometer langen Strecke, an der 21 Bahnhöfe liegen. Produziert wird der seit 2014 entwickelte H2-Zug namens Coradia iLint, der mit maximal 140 Stunden­kilometern unterwegs ist, im deutschen Salzgitter.

Ausgiebige Tests in drei europäischen Ländern

Nach 18 Monaten Test in Deutschland wurde der Zug im Raum Groningen in den Niederlanden getestet. Später in Österreich, unter schwierigeren topografischen Verhältnissen. Die Erfahrungen mit dem sehr leisen Zug waren auch in Österreich gut, sagte ÖBB-Chef Mark Topal kürzlich bei der Einführung des Hydrogen-Zugs in Salzgitter:

«Im zehnwöchigen Test fuhr der Zug über Berg und Tal, und wir hatten auch keine Probleme auf herausfordernden Strecken.»

Der ÖBB-Chef führt aus: «Die Reichweite von 1000 Kilometern ist genügend. Der Zug bietet mit 153 Sitzplätzen genug Platz, und die Fahrgäste zeigten sich wie das Personal sehr interessiert an der Brennstoffzellen-Technologie.».

Auch die Betankung funktionierte reibungslos. Die Wasserstoff-Nutzung ist nicht die einzige Lösung. Getestet werden zum Beispiel auch Züge mit Batterieantrieb wie Elektroautos. Nach Topal hat auf langen Strecken der Wasserstoff-Zug Vorteile, weil die Energie im Wasserstofftank gespeichert ist und eine grosse Reichweite ermöglicht.

Auf kürzeren Strecken ist der Batteriezug praktisch. Die nötige Wasserstoff-In­frastruktur zu erstellen, sei eine grosse Aufgabe und keine, die eine Bahngesellschaft lösen könne. Entscheidend sei, dass der Wasserstoff aus erneuerbarer Energie produziert werde.

Für die SBB ist Wasserstoff als Energieträger im Personenverkehr kein Thema, «da unser Schienennetz zu über 99 Prozent elektrifiziert ist», sagt Martin Meier von den SBB. Die Züge der SBB fahren mit Strom, der zu über 90 Prozent aus Wasserkraft stammt. Ab 2025 sollen die Züge mit Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien fahren. Personen werden nicht mit Dieselantrieb befördert.

In der Schweiz sind Dieselloks vor allem auf Rangierbahnhöfen, im Güterverkehr und auf Baustellen im Einsatz. Ab 2040 sollen gemäss Meier auch Rangier- und Baustellenloks mit erneuerbarer Energie unterwegs sein. Meier:

«Die Entwicklungen in der Batterietechnologie erlauben zudem zukünftig einen batterieelektrischen Antrieb. Wasserstoff könnte bei Rangier- und Baustellenloks allenfalls eine Ergänzung sein.»

Entsprechende Abklärungen seien in die Wege geleitet. In Europa allerdings wächst das Interesse an dem Hydrogen-Train. Italien und Frankreich haben sie bestellt. (aargauerzeitung.ch)

Sind bald alle Energieprobleme gelöst?

Foto vom 10. Dezember 2015: Das erste Plasma bestand aus Helium und erreichte eine Temperatur von rund einer Million Grad Celsius. Jetzt haben die Forscher auch Wasserstoff-Plasma erzeugt. (Bild: Max-Planck-Institut für Plasmaphysik)
Vorbereitung am 1. Februar: In der Kernfusions-Forschungsanlage Wendelstein 7-X in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern wurde die erstmalige Erzeugung von Wasserstoff-Plasma vorbereitet. dpa-Zentralbild / Bernd Wüstneck
Techniker am Montag im Wendelstein 7-X: Neun Jahre hat der Aufbau des Reaktors gedauert. Seit 2014 wird die Fusionsanlage in Greifswald Schritt für Schritt hochgefahren. dpa-Zentralbild / Bernd Wüstneck
Die Anlage Wendelstein hat etwa eine Milliarde Euro gekostet. dpa-Zentralbild / Bernd Wüstneck
Blick in das leere Plasmagefäss im Dezember: Rund ein Milligramm Heliumgas speisten die Physiker in das ausgepumpte, torusförmige Plasmagefäß ein, schalteten die Mikrowellenheizung für einen kurzen 1,8 Megawatt-Puls an - und konnten über Kameras das erste Plasma beobachten.
Montage der Fusionsanlage (Dezember 2011): Beim Stellarator, wie der Reaktortyp von Wendelstein heisst, hält ein kompliziert verzwirbeltes Magnetfeld das Plasma in Schach. Der gesamte Torus aus Edelstahl ist innen mit Spezialkeramik ausgekleidet. Um den Torus herum winden sich 70 Magnetspulen. Flüssiges Helium kühlt sie auf minus 270 Grad - nur bei dieser Temperatur sind die Magneten supraleitend.
Energiespender: Das Foto zeigt den Bereich der Anlage, an dem Mikrowellenstrahlung in die Plasmakammer gelangt. Die Heizung arbeitet mit bis zu zehn Megawatt - genug um eine Kleinstadt mit Strom zu versorgen. Beim Start der Anlage arbeiteten die Forscher mit einem vergleichsweise kleinen 1,8 Megawatt-Puls.

In vier Stunden um die halbe Welt: Das steckt dahinter

Video: Extern / Rest / zvg

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