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Das sind die grössten Gefahren für die Schweiz

Publiziert: 03.05.19, 14:56 Aktualisiert: 03.05.19, 15:11

Bild: EPA/KEYSTONE

Die Bedrohungen für die Schweiz haben sich seit dem sicherheitspolitischen Bericht 2016 nicht wesentlich verändert. Sie haben aber laut einem am Freitag veröffentlichten Bericht stark an Kontur gewonnen.

Der Bundesrat hat diesen ersten Bericht zur Beurteilung der Bedrohungslage gemäss Nachrichtendienstgesetz am vergangenen Mittwoch verabschiedet. Die Beurteilung der Bedrohungslage war bisher Teil des Geschäftsberichts des Bundesrats und stützte sich auf das Bundesgesetz über Massnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit (BWIS).

Im sicherheitspolitischen Brennpunkt stünden nach wie vor die erhöhte Terrorbedrohung durch dschihadistische Akteure, namentlich den «Islamischen Staat», der intensive und aggressive Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel durch mehrere Staaten sowie wachsende regionale Spannungen mit globalen Konsequenzen.

Generell erlebe die Machtpolitik derzeit eine Renaissance, was die Lösungsfindung in multilateralen Institutionen erschwere. Das sicherheitspolitische Umfeld der Schweiz sei zwar immer noch relativ stabil. Auch in Europa seien aber die wachsenden Spannungen zwischen westlichen Staaten und Russland und die zunehmenden Interessengegensätze innerhalb der westlichen Sicherheitsgemeinschaft spürbar.

Die Schweiz gehöre zur westlichen, von Dschihadisten als islamfeindlich eingestuften Welt und sei damit aus deren Sicht ein legitimes Ziel von Terroranschlägen. Anschläge auf weiche Ziele mit geringem logistischen Aufwand, ausgeführt von Einzeltäterinnen und Einzeltätern oder Kleingruppen, seien im Bereich Terrorismus derzeit die wahrscheinlichste Bedrohung für die Schweiz.

Spionage mit Cybermitteln

Mit der Renaissance der Machtpolitik habe auch der verbotene Nachrichtendienst weiter an Gewicht gewonnen. Derzeit seien in der Schweiz folgende Ziele nachrichtendienstlicher Tätigkeiten festzustellen: Behörden, das internationale Genf beziehungsweise Diplomatinnen und Diplomaten aus andern Staaten, die Rüstungsindustrie, der Technologiesektor, das Militär, der Banken- und Handelsplatz, Sportorganisationen, ausländische diplomatische Vertretungen, internationale Organisationen, Schweizer Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Hochschulen. Zur Spionage würden häufig auch Cybermittel eingesetzt, meistens in Kombinationen mit traditionellen Methoden.

Cyberoperationen gegen kritische Infrastrukturen könnten schwere Schäden anrichten, heisst es im Bericht weiter. Mehrere Bundesstellen und Privatfirmen seien in den vergangenen Jahren Opfer ausländischer staatliche Cyberangriffe geworden. Diese dienten dem politischen oder wirtschaftlichen Nachrichtendienst. Die Opfer hätten hohen Schaden erlitten.

Ihre Stärken in Forschung und Entwicklung machten die Schweiz zu einem bevorzugten Ziel für Staaten, die nach politischer oder wirtschaftlicher Vormacht strebten. Ausserdem spielten kritische Infrastrukturen wie das Labor Spiez im Rahmen der internationalen Sicherheitspolitik eine wichtige Rolle.

Vermehrt stehe auch der Energiesektor im Fokus von Spionage - und Aufklärungskampagnen. Je häufiger Cyberangriffe etwa mit Schadstoffware würden, desto grösser sei das Risiko, dass auch die Schweiz und ihre kritischen Infrastrukturen zumindest Kollateralschäden erlitten.

Extremismus in der Schweiz

Das Gewaltpotenzial des Rechts- und Linksextremismus in der Schweiz bestehe weiter. Gewalttaten Rechtsextremer seien kaum zu verzeichnen. In der Szene seien allerdings grössere Mengen funktionstüchtiger Waffen vorhanden, auch würden Kampfsportarten trainiert.

Anders als der Rechts- sei der Linksextremismus fähig, über längere Zeit gewaltsame Kampagnen zu führen. Er fokussiere seine Kräfte auf selbstgewählte Themen und versuche, direkt Wirkung zu erziehen. Eine stärkere Beteiligung an Gewalttaten sei etwa anlässlich von Demonstrationen erkennbar: Die Aggressivität gelte dabei nicht nur Sicherheitskräften, sondern Blaulichtorganisationen allgemein.

Geltende Normen werden missachtet

Letztlich sei es für einen Staat wie die Schweiz, der seine Interessen vor allem über die Durchsetzung und Weiterentwicklung internationaler Rechtsnormen zu wahren suche, von Nachteil, wenn Konflikte wieder vermehrt mit Machtmitteln und unter Missachtung geltender Normen entschieden würden.

Der Erfolg der Sicherheitspolitik der Schweiz hänge deshalb in einem wieder stärker von Konflikten geprägten Umfeld gerade auch von ihrer Fähigkeit ab, sich selbständig ein eigenes Bild der Ereignisse und Entwicklungen zu machen. (aeg/sda)

Die Tricks der Terroristen

Briefbomben gehören zum Standardrepertoire des Terrors. In den letzten Jahren verübten italienische Öko-Extremisten auf diese Weise mehrfach Anschläge auf Schweizer Ziele. AP / REPRO:RONALD ZAK
Briefe mit weissem Pulver sorgen immer wieder für Aufregung. Mehrfach wurden auf diese Weise biologische Kampfstoffe wie Milzbrand oder Anthrax versandt. AP ARCHIV / AXEL SEIDEMANN
An Weihnachten 2009 scheiterte in den USA ein Anschlag auf ein Flugzeug mit einer Bombe, die in einer Unterhose versteckt war. Die Al Kaida im Jemen arbeitet weiterhin an der Entwicklung von Kleidern, die mit Sprengstoff präpariert werden können. EPA / FEDERAL BUREAU OF INVESTIGATION / HANDOUT
Mit Sprengstoff in den Schuhsohlen wollte ein gebürtiger Brite im Dezember 2001 ein Flugzeug zum Absturz bringen. Noch heute müssen Flugpassagiere in den USA ihre Schuhe ausziehen und durchleuchten lassen. AP ABC NEWS / STR
Im Oktober 2010 versuchte die Al Kaida im Jemen, zwei Frachtflugzeuge mit präparierten Druckerpatronen zu sprengen. EPA / DUBAI POLICE / HANDOUT
Im Oktober 2006 konnten in Grossbritannien mehrere Anschläge auf Flugzeugen mit Sprengstoff im Handgepäck vereitelt werden. Danach wurden die Vorschriften zur Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck massiv verschärft. AP dapd / Martin Oeser
Mit Teppichmessern und ähnlichen Gegenständen können Terroristen ebenfalls eine grosse Wirkung erzielen. Bei den Anschlägen vom 11. September 2001 gelang es ihnen unter anderem auf diese Weise, die Flugzeuge zu kapern. AP / JIM MCKNIGHT
Der russische Ex-Spion Alexander Litwinenko starb 2006 in London nach einer Vergiftung mit dem radioaktiven Polonium-210. Eine ähnliche Todesursache wird bei Palästinenserpräsident Jassir Arafat vermutet, doch der Befund ist umstritten. AP / WINFRIED ROTHERMEL
Mit Handys lassen sich Bomben fernzünden, wie 2004 in Madrid, sie lassen sich aber auch als Bombe verwenden. Der israelische Geheimdienst tötete auf diese Weise 1996 einen Bombenexperten der Hamas. AP / LEFTERIS PITARAKIS

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