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In Finnland fanden noch Biathlon-Rennen statt – aber ohne Zuschauer. Bild: EPA

9 Fragen, welche die Sportwelt nun beschäftigen

Das Coronavirus stellt die Sportwelt auf die Probe. Die Folgen des Stillstands sind nicht absehbar. Verbände stehen unter Druck, Vereine womöglich vor existenziellen Problemen. Eine Übersicht über die brennendsten Fragen.

Publiziert: 15.03.20, 20:09 Aktualisiert: 15.03.20, 20:33

Wann ist im Fussball wieder mit einem geregelten Spielbetrieb zu rechen?

Die Swiss Football League (SFL) hat den Betrieb vorerst bis zum 30. April komplett gestoppt. Ob die Pause über dieses Datum hinaus ausgeweitet wird, ist offen. In einigen Kantonen dürfen Mannschaften auch nicht gemeinsam trainieren. Unter der Berücksichtigung, dass die Mannschaften ein Aufbautraining benötigen, scheint eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs frühestens Ende Mai wahrscheinlich.

Wie geht es den bisher positiv getesteten Fussball-Profis?

Schlecht ging und geht es keinem der Betroffenen. Luca Kilian vom deutschen Bundesligisten Paderborn litt zwei Tage unter Fieber und Schüttelfrost, erholte sich aber rasch. Andere berichteten von grippe-ähnlichen Beschwerden. Schlimmer als die leichten Grippesymptome sei die Langeweile, berichtete Hannover-96-Profi Timo Hübers.

Wie sieht es im europäischen Fussball aus?

Es herrscht Stillstand in fast allen europäischen Ligen. Der Europacup ist auch ausgesetzt, nur in wenigen Ligen wie in Russland und der Türkei wurde am Wochenende noch gespielt.

Das Derby zwischen Galatasaray und Besiktas endete im leeren Stadion torlos.

Wird Liverpool nun womöglich doch nicht englischer Meister?

30 Jahre warten die Reds auf diesen Triumph. Zwei Siege fehlen nur noch, dann ist Liverpool Meister der Premier League. Am 4. April soll der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Wohlgemerkt: soll. Auch in England werden schon diverse Szenarien durchgespielt, darunter ein Abbruch oder sogar eine Annullierung der Saison.

Doch nicht Meister? Liverpool-Star Mo Salah. Bild: EPA

Nach Informationen der «Daily Mail» könnte dem FC Liverpool die Meisterschaft im Falle eines Saison-Stopps aber einfach zugesprochen werden. Bei 25 Punkten Vorsprung sei von den anderen Klubs kein Widerspruch zu erwarten, hiess es.

Wird die EM im Sommer abgesagt?

Eine Verschiebung der EM scheint unausweichlich. Wie das ZDF am Sonntag berichtete, wird die UEFA am Dienstag an der Krisensitzung eine Verschiebung der EM um ein Jahr oder in den Spätherbst/frühen Winter vorschlagen. Dies würde auch die Chance bieten, die ausgesetzten Europacup-Wettbewerbe zu beenden. Die spanische Zeitung «Marca» brachte bereits ein Final-Four-Turnier in der Champions League ins Spiel.

«Nach der aktuellen Faktenlage ist es sehr zweifelhaft, dass die EM wie vorgesehen ausgetragen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass das Turnier in zwölf Ländern gespielt wird», sagte SFV-Generalsekretär Robert Breiter gegenüber SRF. Breiter erinnerte auch daran, dass die Playoffs, bei denen die letzten vier EM-Plätze vergeben werden, in der letzten März-Woche nicht stattfinden werden. «Das Teilnehmerfeld wird noch lange nicht komplett sein. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass die Austragung der EM im Sommer möglich sein wird.»

Werden auch die Olympischen Spiele abgesagt?

Japans Verantwortliche bleiben hartnäckig. Sie wollen die Spiele durchführen. Das Internationale Olympische Komitee will das auch, das bekräftigte jüngst IOC-Präsident Thomas Bach aufs Neue. Sollte allerdings die Weltgesundheitsorganisation WHO zur Absage raten, werde das IOC der Empfehlung folgen. Als grosses Problem stellt sich derzeit auch die Olympia-Qualifikation für Tokio heraus. 45 Prozent der Athletinnen und Athleten sind noch nicht qualifiziert, und in fast sämtlichen Sportarten finden vorerst keine Wettkämpfe statt.

Tokios Stadien sind alle bereit

Im neuen Olympiastadion von Tokio, das 68'089 Zuschauern Platz bietet, finden an den Sommerspielen von 2020 Eröffnungs- und Schlussfeier, die Leichtathletik-Wettbewerbe sowie einige Fussball-Spiele statt. EPA / KIMIMASA MAYAMA
Das alte Olympiastadion von 1964 wurde abgerissen und bis 2019 durch einen rund 1,1 Milliarden Euro teuren Neubau ersetzt. EPA / KIMIMASA MAYAMA
Das Neue Nationalstadion im Westen des Stadtzentrums soll sich in die Natur einfügen. Um das Stadion entsteht eine Parklandschaft mit vielen Bäumen. Die offene Fassade ist mit einer umlaufenden Begrünung ausgestattet und soll die Belüftung des Stadioninneren fördern. AP
Im Tokyo Aquatics Center steigen die Wettbewerbe im Schwimmen, Wasserspringen und Synchronschwimmen. EPA / KIMIMASA MAYAMA
Die nigelnagelneue Arena ist für 15'000 Zuschauer konzipiert und wurde Ende Februar 2020 fertiggestellt. EPA / KIMIMASA MAYAMA
Für 320 Millionen Franken wurde bis im März 2020 die neue Ariake Arena aus dem Boden gestampft. Hier werden die olympischen Volleyball-Turniere ausgetragen. EPA / KIYOSHI OTA
Nach den Olympischen Spielen sollen in der Halle auch kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte stattfinden. EPA / KIYOSHI OTA
Das neue Ariake Gymnastics Centre wurde im Oktober 2019 fertiggestellt und wird bei Olympia für die Turn-Wettbewerbe gebraucht. 12'000 fast die hölzerne Arena, die nach Aussage der Organisatoren einer «Holzschale, die in der Bucht schwimmt» ähnelt. EPA / CHRISTOPHER JUE
Im Ariake Tennis Park will Roger Federer eine weitere Olympiamedaille gewinnen. Die Arena wurde bereits 1983 gebaut, in den letzten Jahren aber umfassend renoviert. Der Hauptplatz, das Ariake Coliseum, bietet Platz für 10'000 Zuschauer. EPA / CHRISTOPHER JUE
Die Tōkyō Taiikukan (Sporthalle Tokio) wurde bereits 1954 erbaut und bietet 10'000 Zuschauern Platz. Bei den Olympischen Spielen 1964 wurde die Arena für Turn- und Schwimmwettbewerbe genutzt, 2020 finden hier die Tischtennis-Wettbewerbe statt.
Auch die Kokuritsu Yoyogi Kyōgijō (Nationale Sporthalle) wurde für die Olympischen Spiele 1964 gebaut. Die 10'500 Zuschauer fassenden Arena ist nun die Heimat der Handballer.
Das Ryogoku Kokugikan aus dem Jahr 1985 ist die Sumo-Halle von Tokio, bei den Sommerspielen 2020 steigen hier die Box-Wettkämpfe.
Das Nippon Budokan ist die japanische Kampfsport-Halle. Sie wird wie 1964 für die Judo-Bewerbe genutzt, sowie für die olympische Neuheit Karate.
Der Aomi Urban Sports Park ist nur temporärer Natur. Die olympische Premiere im Sportklettern wird hier ausgetragen, sowie die 3-gegen-3-Bewerbe im Basketball. EPA / CHRISTOPHER JUE
Die Wasserballer haben im Tatsumi Water Polo Centre ihr eigenes Reich. Bereits 1993 wurde die Schwimmhalle mit der ikonischen Architektur eröffnet.
Die Gewichtheber müssen im Tokyo International Forum ran. Hier finden sonst Konzerte sowie grössere Meetings internationaler Firmen statt.
Im Ajinomoto-Stadion wird vor allem Fussball gespielt. Es fasst rund 50'000 Zuschauer. Auch 7er-Rugby und der Moderne Fünfkampf wird hier ausgetragen.
Gleich neben dem Ajinomoto-Stadion befindet sich die Musashino Forest Sport Plaza. Die 7200-Zuschauer-Halle wird für Badminton die Fechtbewerbe des Modernen Fünfkampfs genützt.
Die Makuhari Messe ist eines der bekanntesten Kongresszentren Japans. In den beiden Hallen steigen die Wettbewerbe im Taekwando, Ringen und Fechten.

«Im Moment ändert sich die Ausgangslage jeden Tag», sagte der Schweizer Delegationsleiter Ralph Stöckli, der zum letzten Mal vor zwei Wochen in Tokio weilte. «Seither ist vieles passiert. In der Stadt selber haben wir noch nicht grosse Veränderungen wegen des Virus festgestellt. Dagegen haben wir die wachsende Anspannung beim OK gespürt.»

Stöckli wagte keine Prognose über die termingerechte Durchführung der Spiele. Die Verschiebung um drei, vier Monate hält der ehemalige Spitzen-Curler allerdings für unmöglich: «Dazu ist die Komplexität des Anlasses zu gross.»

Wie geht es in anderen grossen Sportarten weiter?

Das ist offen, zumal die Einreisebeschränkungen weltweit immer grösser werden. Die Formel 1 startet wohl frühestens Ende Mai. Auch die Fortsetzung der grossen US-Ligen wie NBA und NHL steht in den Sternen. Tennisturniere auf ATP- und WTA-Stufe sind für sechs respektive fünf Wochen ausgesetzt.

Die Saisons im Eishockey und in den meisten Wintersportarten wurden vorzeitig beendet. Im Schweizer Eishockey gibt es 2020 wie in den meisten anderen europäischen Ligen keinen Meister und auch keine Auf- und Absteiger. «Man muss auch den Mut zur Absage haben», sagte IIHF-Präsident René Fasel im SRF über die Eishockey-WM, die im Mai in Zürich und Lausanne stattfinden sollte. Er sieht darin ein Zeichen an die Bevölkerung, dass auf die schwierige Situation Rücksicht genommen wird. «Zudem stehen wir auch bei den Spielern und den teilnehmenden Mannschaften in der Verantwortung. Und es geht um Schadensbegrenzung: Mit einer frühzeitigen Absage können wir Kosten sparen.»

Wie reagieren die Sportler?

Stan Wawrinka stellt fest: «Wenn du feststellst, dass du nichts kannst ausser Tennis spielen, aber nun eine Weile lang nicht Tennis spielen darfst …»

Immer mehr müssen sich individuell fithalten. Die einen langweilen sich schon, andere wie der Formel-1-Pilot Max Verstappen wechseln gezwungenermassen zum virtuellen Sport.

Formel-1-Fahrer wie Lando Norris oder Stoffel Vandoorne bestritten am Sonntag einen Game-GP. Video: YouTube/Veloce Esports

Insgesamt überwiegen Aufrufe zu Solidarität und Vernunft wie von den Fussballern Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Paul Pogba und einige NBA-Spieler kündigten Spenden an, der deutsche Zweitligist 1. FC Nürnberg engagiert sich für ältere und hilfsbedürftige Menschen.

Fand am Wochenende überhaupt noch Sport statt?

Ja. Im Biathlon wurde in Kontiolahti gelaufen und geschossen, allerdings vor leeren Rängen. Ebenso waren bei der Radrundfahrt Paris – Nizza keine Zuschauer an der Strecke. In London wurde bei der Olympia-Ausscheidung der Amateure geboxt, mit Zuschauern in der Copper Box Arena.

In Dortmund wurde bis Sonntagvormittag geritten, in Malaysia wurde vor der angekündigten Wettkampfpause im Beachvolleyball noch ein Turnier gespielt. In der Türkei und in Russland fanden noch Partien der höchsten Fussball-Ligen ohne Zuschauer statt. Der Darts-Weltverband PDC sagte bislang nur zwei Turniere in Rotterdam ab. Am Samstag gewann der englische Youngster Nathan Aspinall das siebte von 32 Players Championships, wobei diese Turniere ohnehin ohne Zuschauer ausgetragen werden. (ram/sda/dpa)

Coronavirus: Was du wissen musst

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 geht um die Welt. Was du darüber wissen musst. AP / Zoltan Balogh
Sars-CoV-2 gehört zur gleichen Erregergruppe wie das Sars- und Mers-Virus. EPA / CENTERS FOR DISEASE CONTROL AND
Das neue Virus ist zwar deutlich ansteckender, die Sterberate ist jedoch deutlich tiefer als bei Sars und Mers. EPA / NIAID- RML/NATIONAL INSTITUTES O
Ende 2019 waren vier Fälle bekannt, am 1. März waren es weltweit rund 90'000. EPA / MARK R. CRISTINO
Das erste Opfer in Europa starb am 21. Februar in Norditalien. EPA / JAN HETFLEISCH
Das grösste Risiko, an Covid-19 – so heisst die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Lungenkrankheit – zu sterben, haben Menschen über 80 Jahre. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt die Mortalitätsrate in dieser Altersgruppe bei 14,8 Prozent. EPA / JEROME FAVRE
Patienten mit Herzkrankheiten sind besonders gefährdet, vor den Diabetikern und Personen mit Atemwegserkrankungen und hohem Blutdruck. EPA / TOLGA BOZOGLU
Anzeichen für eine Infektion sind gemäss WHO grippeähnliche Symptome, Atembeschwerden, Atemlosigkeit, Fieber und Husten. AP
Vier von fünf der von der Krankheit betroffenen Patienten leiden an einer gutartigen Ausprägung, wie eine chinesische Studie an 72'000 Personen zeigte. AP / Kerstin Joensson
In schweren Fällen kann das Virus zu Lungenentzündungen, akuten Atembeschwerden, Nierenversagen oder zum Tod führen. EPA / Tamas Soki
Zur Vorbeugung wird empfohlen, Abstand zu seinen Mitmenschen zu halten, sich regelmässig die Hände zu waschen, Mund und Nase zu bedecken, wenn man hustet und niest, respektive in die Ellenbeuge zu husten und zu niesen. EPA / MOURAD BALTI TOUATI
Einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 gibt es noch nicht. Und das dürfte auch noch dauern. Für das Mers-Virus, das 2012 auf der Arabischen Halbinsel entdeckt wurde und das auch zu den Coronaviren gehört, wird ein Impfstoff erst seit 2018 klinisch geprüft. EPA / NICOLA FOSSELLA
Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 wird nach WHO-Daten von einem Infizierten im Mittel an zwei bis zweieinhalb weitere Menschen weitergegeben – und damit an mehr als bei einer Grippe (Influenza). Hier ist die Datenlage aber noch unsicher. AP / Piero Cruciatti

Wenigstens hast du jetzt Ruhe vor diesen Nervensägen

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