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Kronzeuge im Fall Weil packt aus

«UBS wusste von Schwarzgeld und gab Visitenkarten ohne Logo für USA-Trips»



Im Prozess gegen den ehemaligen UBS-Topmann Raoul Weil ist Hansruedi Schumacher, bis 2002 Leiter des Nordamerikageschäftes der Grossbank, als Zeuge aufgerufen worden. Seinen Aussagen zu Folge wusste die Bank, dass die Mehrheit der gegen 20'000 US-Kunden ihr Geld auf den Schweizer Konten nicht versteuerten. 

Raoul Weil walks with his wife Susan Lerch Weil during a lunch break in his trial at federal court in Fort Lauderdale, Fla., Tuesday, Oct. 14, 2014. Weil, a former top executive with Swiss bank UBS AG, is charged with helping thousands of wealthy Americans conceal some $20 billion in assets from the Internal Revenue Service. He faces up to five years in prison if convicted of fraud conspiracy. (AP Photo/Joe Skipper)

Im Prozess gegen den früheren UBS-Banker Raoul Weil spricht ein früherer Untergebener erstmals Klartext. Bild: AP/FR171174 AP

Schumacher sagte, man habe UBS-intern von «schwarzen und weissen» Konten der US-Kunden gesprochen. «Schwarz» oder «einfach» hiessen laut dem Banker jene Konten mit Geldern, die nicht versteuert wurden. «Weiss» oder «komplex» wurden jene genannt, für die Steuerdokumente ausgefüllt werden mussten. Vor den Geschworenen legte Schumacher dar, wie das Schweizer Bankgeheimnis funktioniert und wie profitabel ein Schweizer Konto für US-Kunden war, weil sie 100 Prozent der Gewinne ihre Börsengeschäfte in die eigene Tasche stecken konnten. In den USA hätten sie dagegen mehr als 30 Prozent als Steuer abgeben müssen.

Visitenkarten ohne Logo

Das Bankgeheimnis sei teil der Schweizer Kultur, sagte Schumacher. «Wer Mickey Mouse sehen will, geht nach Disneyland. Wer geheime Bankgeschäfte tätigen will, geht in die Schweiz», führte der ehemalige Banker aus, gegen den selbst auch eine Klage hängig ist. Schumacher legte dar, wie er und seine Kundenberater sich auf Amerika-Reisen vorbereiteten und welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. 

So erhielten die Mitarbeitet von der Bank sogenannte «private Visitenkarten» ohne Logo und Namen der UBS: Auf ihnen stand einzig der Namen des Beraters sowie dessen Telefonnummer und Heimadressse. Die Kunden wurden laut Schumacher in Hotels getroffen, die Berater arbeiteten mit Computern mit geheimen Festplatten. Schumacher bezeichnete Weil als angenehmen Chef, der sein Geschäft kannte. «Ich mochte ihn gut», sagte er vor Gericht.

 Gruppe betrügerischer Banker 

Nach der Vernehmung Schumachers durch die Staatsanwaltschaft wird Schumacher von den Anwälten der Verteidigung ins Kreuzverhör genommen. Sie dürften den ehemaligen Untergebenen von Weil als Teil einer kleinen Gruppe schelmischer Banker darstellen, die aus Profitgier die Regeln der Bank und das Gesetz der USA gebrochen haben. Diese Gruppe von Bankern wolle nun die Schuld an ihrem Verbrechen ihrem Chef in die Schuhe schieben, sagte der Hauptanwalt Weils, Aaron Marcu, am Dienstag bei Prozessbeginn.

Neben Schumacher stehen weitere ehemalige UBS-Mitarbeiter auf der Zeugenliste der Anklage, so auch der ehemalige Leiter des US-Überseegeschäftes, Martin Liechti. Der Prozess vor dem Bundesbezirksgericht in Fort Lauderdale, Florida, dauert voraussichtlich drei bis vier Wochen. Weil droht eine Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis. Die ehemalige Nummer 3 der UBS plädiert auf nicht schuldig. (sda/tat)

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