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Briefe von der Heimatfront

Ein Deutscher als Tramführer, okay. Aber ein ausländischer Erntehelfer ohne Arme?

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Bild: KEYSTONE
Briefe von der Heimatfront

Ein Deutscher als Tramführer, okay. Aber ein ausländischer Erntehelfer ohne Arme?

27.06.2014, 16:0029.06.2014, 15:43
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Bei der Bewerbung abgelehnt zu werden, ist nicht schön. Besonders unschön aber wird’s, wenn der Arbeitgeber aus offensichtlich diskriminierenden Gründen die Stelle verweigert. Viele Deutsche wollen das nicht mehr hinnehmen – und ziehen vor den Kadi. So machte in jüngster Zeit der Fall einer Polizeibewerberin die Runde, die mit mehreren, zum Teil stark einschränkenden Tätowierungen geboren wurde, darunter ein Zitat aus dem «Kleinen Prinzen». Die Polizei erkannte, dass Fans von St. Exupéry dem Ansehen der Polizei gravierenden Schaden zufügen könnten – denn welcher Demonstrant, der es ernst meint, will sich denn schon von so einer Kitsch-Kuh und Vulgärromantikerin niederprügeln lassen? Die lachen sich doch krankenhausreif! Man quält nur mit dem Knüppel gut, begründete der Arbeitgeber die Ablehnung. 

Für die Schweiz bedeutend ist jedoch ein anderer Fall. Eine junge Frau wollte sich bei der Lufthansa zur Pilotin ausbilden lassen. Die jedoch wollte die Kandidatin nicht einstellen, weil sie zu klein für den Beruf sei: 3,5 Zentimeter fehlten ihr. Die Lufthansa begründete dies damit, dass erst bei einer gewissen Statur der sichere Umgang mit den zahlreichen schweren Alkoholika an Bord gewährleistet ist. Kleine Menschen vertrügen nun einmal nicht das Quantum Trost, das nötig ist, um in den vollcomputerisierten Flugautomaten vor Langeweile nicht den Verstand zu verlieren. 

«Achtung, kein barrierefreier Zugang! Die Schweiz ist bis auf weiteres leider nicht rollstuhlgerecht»

Während der Fall der Polizistin nach wie vor die Gerichte beschäftigt, ist die weitere Strategie der Jungfliegerin alarmierend: Sie möchte sich nun von der Swissair zur Pilotin ausbilden lassen! Was bedeutet das, wenn in Deutschland Diskriminierte nun in Scharen in die Schweiz strömen? Wenn neben all den normalen nun auch die zwergwüchsigen, tätowierten und einarmigen Banditen in dieses schöne Land einfallen? Normal gewachsene Deutsche kann die Schweiz mit Müh und Not tolerieren. Ein Schwabe als Tramführer, okay. Aber eine bärtige Frau? Ein Schlangenmensch? Ein Tanzbär?

Führende SVP-Politiker fürchten bereits, dass die Schweiz zur Freakshow Europas werden könnte. „Auf perfide Weise versucht die EU, unsere Wirtschaft zu destabilisieren“, sagt ein anonymer Parteivertreter, der sich demnächst mit einem Schwarzarbeitsskandal ins Gespräch bringen möchte. „Wir benötigen zehntausend ausländische Erntehelfer jedes Jahr. Aber was, wenn die keine Arme oder Beine haben? Oder wenn sie so stark tätowiert sind, dass sie nicht mehr gerade aussehen können? Die Schweiz wäre vollkommen von EU-Importen abhängig! “

Die Partei möchte nun an allen wichtigen Grenzübergängen Schilder anbringen, die die Aufschrift tragen: „Achtung, kein barrierefreier Zugang! Die Schweiz ist bis auf weiteres leider nicht rollstuhlgerecht.“ Denn Antidiskriminierung schön und gut – aber wenn die Wirtschaft leidet, können auch Freaks auf keine Positionen mehr hoffen. „Und davon wäre die SVP natürlich mit am stärksten betroffen!“

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Leo Fischer 
Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er wird aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor grob aufs Dach hauen.



Mehr von Leo Fischer gibts bei Titanic
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1 Kommentar
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«Zieh was an, dann können wir die Heizung runterdrehen!»
Energietechnisch richtig ideal in Sachen Heizen und Lüften läuft das bei mir nicht, sagt der Experte. Vor allem die ständig gekippten Fenster in fast allen Räumen sind ihm ein Dorn im Auge. Schaffen es die Teenager und ich, uns an seine Empfehlungen zu halten?

Aber fangen wir mal mit dem in meinen Augen einfacheren Thema an. Heizen. 20 Grad im Wohnzimmer, sagt der Experte. Ich bin eh die Einzige, die sich länger hier aufhält, im Homeoffice ziehe ich bei Bedarf einen Pulli und Socken an, beim Fernsehen liegt eine Decke bereit. Check. 23 Grad im Bad. Vom warmen Wasserstrahl zum kuscheligen Handtuch reicht eine Armlänge, da erfriert man nicht zwischendurch. Check. 17 Grad in Schlafräumen. In meinem Schlafzimmer bin ich eh nur zum Schlafen, ich nenne zwei Decken und gefühlte zwölf Kissen mein Eigen, also null Problem. Check.

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