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Darf ich eine Drohne abschiessen, wenn sie über meinen Garten fliegt?

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Darf ich eine Drohne abschiessen, wenn sie über meinen Garten fliegt?

Fast so nervig wie das Gesurre einer Mücke nachts kann das Gebrumme einer Drohne tagsüber sein. Und wenn sie über den eigenen Garten fliegt, liegt der Gedanke an Selbstjustiz nah. Aber es sollte beim Gedanken bleiben.
23.03.2024, 10:01
Vera Beutler / lex4you by TCS
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Die Drohnengesetzgebung ist eine Wissenschaft für sich. Die Schweiz hat die Vorschriften der EU übernommen, aber – oder gerade deswegen – heisst es: Es ist kompliziert. Beginnen wir mit dem Einfachen. Wenn eine Drohne über dein Gärtchen surrt, ist es höchstwahrscheinlich eine Drohne der offenen Kategorie und somit eine Drohne mit einem verhältnismässig geringen Betriebsrisiko.

«Genauso wenig, wie dein Nachbar dich von seinem Garten aus direkt filmen darf, darf er dich mit einer Drohne ausspionieren.»

Gewicht der Drohne entscheidend

Ist die Drohne leichter als 250 Gramm, darf der Pilot grundsätzlich über unbeteiligte Personen fliegen, wenn er dies auch vermeiden sollte. Veranstaltest du aber eine Gartenparty und drängen sich dort die Menschen so dicht, dass sich eine einzelne Person nicht ohne Weiteres entfernen kann, darf der Pilot auch seine leichte Drohne nicht über deinen Garten fliegen lassen.

Contentpartnerschaft mit TCS / lex4you.ch
Dieser Blog ist eine Contentpartnerschaft mit TCS Rechtsschutz und seiner interaktiven Rechtsauskunftsplattform lex4you.ch. Die Fragen stammen direkt aus dem Alltag von Rechtsschutzversicherten – kompetent beantwortet von der Juristin und Leiterin von lex4you.ch, Vera Beutler. Es handelt sich nicht um bezahlten Inhalt.

Komplizierter wird es bei schwereren Drohnen. Wiegt die Drohne zwischen 250 und 900 Gramm, muss der Pilot sie unverzüglich wegsteuern, sollte sie versehentlich über unbeteiligte Menschen fliegen. Verschärfte Vorschriften gelten für Drohnen ab 900 Gramm, sie müssen bei normaler Fluggeschwindigkeit einen horizontalen Abstand von 30 Metern zu Menschen einhalten. Wiegt die Drohne gar über 4 kg, gilt ein horizontaler Abstand von mindestens 150 Metern zu unbeteiligten Personen. Über einem Wohngebiet haben diese Drohnen also nichts verloren.

Drohnenpilot darf Privatsphäre nicht verletzen

Ebenso nichts verloren hat eine Kamera in deiner Privatsphäre: Genauso wenig, wie dein Nachbar dich von seinem Garten aus direkt filmen darf, darf er dich mit einer Drohne ausspionieren. Er darf von dir oder deinem Haus und Garten nur dann Aufnahmen machen, wenn du damit einverstanden bist. Ist dies nicht der Fall und dein Nachbar filmt dich gleichwohl, verletzt er deine Persönlichkeit. Du kannst insbesondere verlangen, dass er die Aufnahmen wieder löscht. Notfalls auch vor Gericht.

Selbst wenn dein Nachbar mit einer leichten Drohne ohne Kamera über deinen Garten fliegt, ist er noch nicht fein raus. Denn das privatrechtliche Grundeigentum erstreckt sich auch auf den Luftraum. Wie weit nach oben dieser privatrechtliche Schutz im Falle eines Drohnenflugs reicht, ist allerdings noch nicht geklärt. Stört dich die Drohne regelmässig und kannst du das Problem nicht direkt mit dem Nachbarn klären, steht dir als Eigentümerin die Eigentumsfreiheitsklage und als Mieter die Besitzesschutzklage zur Verfügung.

Abschuss von Drohnen kann strafbar sein

Um zur Beantwortung der eingangs gestellten Frage zu kommen: Stört dich eine Drohne, suchst du am besten das Gespräch mit dem Piloten. Ist das nicht möglich oder bringt es zum wiederholten Male nichts, lohnt sich allenfalls der Gang ans Gericht. Abschiessen oder sonst wie mit Gewalt vom Himmel holen solltest du die Drohne aber nicht. Denn damit wirst du sie höchstwahrscheinlich beschädigen und eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung riskieren. Vor Gericht wirst du nur dann eine Chance haben, wenn du beweist, dass du in entschuldbarer Notwehr gehandelt hast. Dieser Beweis ist nicht unmöglich zu erbringen, aber du brauchst sehr gute Argumente dafür.

In dieser Hinsicht ist das Problem der surrenden Mücke doch einfacher zu lösen. Diese kannst du ohne rechtliche Konsequenzen in das Jenseits befördern. Denn das Tierschutzgesetz schützt grundsätzlich nur Wirbeltiere.

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124 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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SBRUN
23.03.2024 10:23registriert September 2019
Es ist aber auch nicht verboten, einen satten Wasserstrahl aus einem Gartenschlauch gegen den Himmel zu richten ohne ständig drauf zu achten, dass eine Drohen über das Grundstück fliegt.
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Donnerherz
23.03.2024 10:29registriert November 2020
Drohnen in privaten Umgebungen empfinde ich explizit als Übergriff. Ich hoffe, hier wird noch nachgebessert. Es sollte grundsätzlich verboten sein. Es geht nicht nur um Filmen sondern auch um unnötige Lärmbelästigung.
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Fanfj
23.03.2024 11:37registriert Dezember 2020
Leider ist einer meiner Nachbaren ein Spanner der auch gerne in der Nacht seine Drohne an den Fenster unseres Blocks vorbeifliegen lässt. Da er ausserdem feige ist kommt er auch nicht raus sondern bleibt in seiner Wohnug wo ich nicht mit ihm sprechen kann. Polizei ist nicht interessiert...Ja so wir es immer verlockender seine Drohne vom Himmel zu holen...
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Let’s talk about Sex, Baby!
Es ist nicht so, dass Sandro und ich schlechten Sex haben. Es ist mehr so, dass der nicht mehr so der oberkrasse Knaller ist. Beziehungssex halt. You know. Hätte Mother Nature besser einrichten können. Ein Gedankensalat.

Im Gegensatz zu vielen anderen haben Sandro und ich schon viel länger Sex, als wir ein Paar sind. Bei uns kam das Vögeln ja sehr viel vor der Beziehung.

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