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Essen ist schön. Solange es auf dem Teller liegt.   Bild:kafi freitag

FragFrauFreitag

Liebe Kafi. Ich sitze zurzeit im Zug und störe mich extrem an gewissen Geräuschen meiner Mitmenschen, die gerade ihre Banane verspeisen, die Nase hochziehen und Kaffee schlürfen ... 



Ich wurde so erzogen, dass ich zum Beispiel beim Essen so gut wie keine Geräusche von mir gebe und habe ebendiese Erwartung an andere Personen. Doch kommt es mehr als es mir lieb ist vor, dass ich mich über solche Dinge aufrege, aber mich dann nicht traue, diese Person darauf anzusprechen.  Habe ich zu hohe Erwartungen? Oder ist dies gar ein krankhaftes Verhalten? Ich freue mich auf deine Antwort und ganz liebe Grüsse an dich! Constantin, 21

Lieber Constantin

Fast hätte ich geschrieben: «Was für ein schöner Name, mein Sohn heisst auch so, wenn auch mit K geschrieben, aber gesprochen klingt es beinahe gleich!» Da ist mir eingefallen, dass Sie ja gar nicht so heissen, sondern ich den Namen für Sie erfunden habe, weil Sie die Frage anonym gestellt haben und dann bin ich kurz zusammengezuckt und habe mich gefragt, ob das normal ist, oder vielleicht gar ein krankhaftes Verhalten. Bin ich unter Umständen ein klein wenig schizo, so ein klitzeklein wenig vielleicht? Was denken Sie, lieber Constantin? Ach, lassen Sie mal, ich will es gar nicht so genau wissen, wenn ich ganz ehrlich bin.

Aber nun zu Ihnen. Ob es ein krankhaftes Verhalten ist, wenn man schmatzende Mitmenschen widerlich findet? Nein, das glaube ich jetzt eher nicht. Es ist doch einfach ein wenig widerlich, warum soll man es dann nicht so finden dürfen? Voll ok, wüki!

Dennoch können Sie sich fragen, ob die Konzentration darauf notwendig ist. Ich kann gut verstehen, dass Sie auf solche Themen getrimmt sind, wenn Ihre Eltern dermassen darauf Wert legten. Ich bin ja schon froh, wenn mein Kind den Teller leer isst, ohne mehrmals seinen Ärmel drin gewendet zu haben und wenn es den Schnudder nicht am Pulloverärmel abputzt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er mit diesem Benehmen niemals im diplomatischen Dienst landen wird, aber dafür wird es ihn vermutlich auch nie so stressen, wenn er im Zug sitzt und diese Geräuschkulisse um sich hat.

Es hat mit der Richtung der Lenkung der Aufmerksamkeit zu tun, auf was wir achten, worüber wir uns stören. Ich hatte auch mal eine Phase, in der ich es fast nicht ausgehalten habe, Menschen beim Essen zuzusehen. Das ist im Grunde genommen ja was unglaublich Unästhetisches, fast schon Perverses. Man kann sich da total reinsteigern, also zumindest ich kann das. Spielend. Aber ich kann schlussendlich auch wählen, ob ich das wirklich will. Will ich mich so dermassen darauf konzentrieren und mich da so reingeben oder will ich es nicht? Erst wenn ich zu dieser Entscheidung nicht mehr fähig bin, würde ich von krankhaft reden. Davor ist es einfach ein zu aktives Hinsehen oder Hinhören, wo man es nicht sollte.

Bei den nasalen Geräuschen bin ich persönlich schon etwas empfindlicher. Da werfe ich schon gerne mal ungefragt ein Pack Taschentücher hin, begleitet von einem grosszügigen Lächeln. Ist bis heute immer prima angekommen, probieren Sie es mal aus!

Recht herzlich, Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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Bild: Kafi Freitag

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