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Solang das Herz noch Hoffnung nährt, bleibt unser Leben lebenswert.
Solang das Herz noch Hoffnung nährt, bleibt unser Leben lebenswert.(UDO JÜRGENS) Bild: Kafi Freitag
FRAGFRAUFREITAG

Liebe Kafi. Ich befinde mich in einer ziemlich schwierigen Situation. 

Ich bin scho 5 Jahre mit meinem Freund zusammen. Wir hatten immer mal wieder Up's & Down's, da bin ich genügend realistisch und weiss, dass dies zu einer Beziehung einfach auch dazugehört. Wir haben auch jeweils viel in unsere Beziehung investiert und «Beziehungsarbeit» geleistet. Und obwohl ich ihn noch liebe, bin ich mir manchmal nicht sicher, ob wir wirklich füreinander bestimmt sind. Wie finde ich heraus, ob es sich lohnt weiterhin an der Beziehung zu arbeiten oder ob es besser ist, sie zu beenden? Madeleine, 24 
08.04.2015, 19:2709.04.2015, 09:40

Liebe Madeleine 

Kürzlich habe ich geschrieben, dass das Leben zu kurz ist, um es mit Arschgeigen zu verbringen. Das hat zu sehr viel Echo in meiner Mailbox geführt und ich könnte mir vorstellen, dass ob dieser Aussage ein paar Beziehungen beendet wurden. (So hat es zumindest getönt, in den Schreiben an mich.)

Ihr Fall liegt ganz anders und trotzdem wieder nicht. Sie haben es garantiert nicht mit einem Arschloch zu tun, sondern mit einem Menschen, der in die Beziehung investiert und bereit ist Beziehungsarbeit zu leisten. Das ist sehr löblich, wie ich finde und das muss man jedem Menschen zugutehalten. Über sich reflektieren und sich weiterentwickeln ist eine grossartige Sache.

Was aber auch auf Sie zutrifft, ist die Tatsache, dass auch ihr Leben endlich, sprich relativ kurz ist. Darum lohnt es sich, wenn man immer mal wieder innehält und für sich persönlich Bilanz zieht. Wenn Sie auf die gemeinsame Zeit zurückschauen und eine gefühlte Gewichtung machen, nimmt dann die anstrengende Zeit überhand, oder die leichte? Ich schreibe ganz bewusst, dass es sich hier um eine gefühlte Bilanzierung dreht und nicht um eine tatsächliche. Schliesslich könnten Sie sich auch hinsetzen und in der Agenda anstreichen, wann es rosa und wann es dunkelgrau war. Aber darum geht es nicht. Es geht einzig und allein um die gefühlte Wahrnehmung.

Wir alle haben (vermutlich) nur dieses eine Leben. Wir werden (vermutlich) nicht in einem fernen Paradies für ein Aushalten und Durchbeissen belohnt, wir müssen möglichst selber dafür schauen, dass sich das Paradies hier und heute manifestiert. Das bedeutet überhaupt nicht, dass in einer Beziehung nur Friede, Freude und Eierkuchen herrschen dürfen, das wäre vermutlich höchst ungünstig für unseren Cholesterinspiegel. Aber wenn es überwiegend schwer, schwierig und problembeladen ist, dann macht es sicher Sinn, sich über ein anderes Szenario Gedanken zu machen.

In meinen Paarcoachings predige ich immer wieder, dass das Beziehungs-Hopping (das Springen von Beziehung zu Beziehung) nichts bringt, weil man immer wieder mit den gleichen Themen konfrontiert wird und es sich darum sehr wohl lohnt, diese in der bestehenden Beziehung anzugehen. Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass es zwischen Menschen Unterschiede gibt, die man nicht zu therapieren versuchen sollte. Wenn ich zum Beispiel einen ausgeprägten Optimisten und eine ausgeprägte Pessimistin vor mir habe, dann frage ich mich ehrlich was es bringen soll, die beiden auf Kurs zu bringen.

Man kann mit Arbeit an sich selber vieles richten. Aber wenn diese Arbeit bedeutet, dass man die eigene Leichtigkeit und Lebensfreude aufgibt, dann ist sie es nicht wert. Eine Beziehung sollte über einen längeren Zeitraum gesehen unter dem Strich mehr Kraft spenden, als sie Kraft kostet. Das sollte man sich selber wert sein. Denn das Leben ist zu kurz, um es in unnötiger Schwere zu verbringen.

 Ganz herzlich, Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.



Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.



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Bild: Kafi Freitag

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7 Kommentare
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Coitus Inter Frustus
Das ist kein richtiges Latein, weiss ich schon. Kann auch kein Latein.

Ich hatte mal Latein. Zwei Jahre im Untergymi. War kein bisschen nachhaltig, wie wir sehen. Aber egal. Ich werde hier nicht über Sinn oder Unsinn unseres Schulsystems reden. Eigentlich will ich gar nicht reden.

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