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Solang das Herz noch Hoffnung nährt, bleibt unser Leben lebenswert. (UDO JÜRGENS) Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

FragFrauFreitag

Liebe Kafi. Ich befinde mich in einer ziemlich schwierigen Situation. 

Ich bin scho 5 Jahre mit meinem Freund zusammen. Wir hatten immer mal wieder Up's & Down's, da bin ich genügend realistisch und weiss, dass dies zu einer Beziehung einfach auch dazugehört. Wir haben auch jeweils viel in unsere Beziehung investiert und «Beziehungsarbeit» geleistet. Und obwohl ich ihn noch liebe, bin ich mir manchmal nicht sicher, ob wir wirklich füreinander bestimmt sind. Wie finde ich heraus, ob es sich lohnt weiterhin an der Beziehung zu arbeiten oder ob es besser ist, sie zu beenden? Madeleine, 24 



Liebe Madeleine 

Kürzlich habe ich geschrieben, dass das Leben zu kurz ist, um es mit Arschgeigen zu verbringen. Das hat zu sehr viel Echo in meiner Mailbox geführt und ich könnte mir vorstellen, dass ob dieser Aussage ein paar Beziehungen beendet wurden. (So hat es zumindest getönt, in den Schreiben an mich.)

Ihr Fall liegt ganz anders und trotzdem wieder nicht. Sie haben es garantiert nicht mit einem Arschloch zu tun, sondern mit einem Menschen, der in die Beziehung investiert und bereit ist Beziehungsarbeit zu leisten. Das ist sehr löblich, wie ich finde und das muss man jedem Menschen zugutehalten. Über sich reflektieren und sich weiterentwickeln ist eine grossartige Sache.

Was aber auch auf Sie zutrifft, ist die Tatsache, dass auch ihr Leben endlich, sprich relativ kurz ist. Darum lohnt es sich, wenn man immer mal wieder innehält und für sich persönlich Bilanz zieht. Wenn Sie auf die gemeinsame Zeit zurückschauen und eine gefühlte Gewichtung machen, nimmt dann die anstrengende Zeit überhand, oder die leichte? Ich schreibe ganz bewusst, dass es sich hier um eine gefühlte Bilanzierung dreht und nicht um eine tatsächliche. Schliesslich könnten Sie sich auch hinsetzen und in der Agenda anstreichen, wann es rosa und wann es dunkelgrau war. Aber darum geht es nicht. Es geht einzig und allein um die gefühlte Wahrnehmung.

Wir alle haben (vermutlich) nur dieses eine Leben. Wir werden (vermutlich) nicht in einem fernen Paradies für ein Aushalten und Durchbeissen belohnt, wir müssen möglichst selber dafür schauen, dass sich das Paradies hier und heute manifestiert. Das bedeutet überhaupt nicht, dass in einer Beziehung nur Friede, Freude und Eierkuchen herrschen dürfen, das wäre vermutlich höchst ungünstig für unseren Cholesterinspiegel. Aber wenn es überwiegend schwer, schwierig und problembeladen ist, dann macht es sicher Sinn, sich über ein anderes Szenario Gedanken zu machen.

In meinen Paarcoachings predige ich immer wieder, dass das Beziehungs-Hopping (das Springen von Beziehung zu Beziehung) nichts bringt, weil man immer wieder mit den gleichen Themen konfrontiert wird und es sich darum sehr wohl lohnt, diese in der bestehenden Beziehung anzugehen. Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass es zwischen Menschen Unterschiede gibt, die man nicht zu therapieren versuchen sollte. Wenn ich zum Beispiel einen ausgeprägten Optimisten und eine ausgeprägte Pessimistin vor mir habe, dann frage ich mich ehrlich was es bringen soll, die beiden auf Kurs zu bringen.

Man kann mit Arbeit an sich selber vieles richten. Aber wenn diese Arbeit bedeutet, dass man die eigene Leichtigkeit und Lebensfreude aufgibt, dann ist sie es nicht wert. Eine Beziehung sollte über einen längeren Zeitraum gesehen unter dem Strich mehr Kraft spenden, als sie Kraft kostet. Das sollte man sich selber wert sein. Denn das Leben ist zu kurz, um es in unnötiger Schwere zu verbringen.

 Ganz herzlich, Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Bild: Kafi Freitag

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    Alle Leser-Kommentare
  • Biene Maja 12.04.2015 17:40
    Highlight Highlight Präzise auf den Punkt gebracht, chapeau! Erinnert mich daran, wie ich vor etwa zehn Jahren eine zweijährige Beziehung beendet habe aufgrund einer simplen Erkenntnis: In der Beziehung war ich unterm Strich mehr unglücklich als glücklich - und das bringt nichts. Unglücklich sein kann ich zur Not auch gut alleine, da brauch ich keinen Partner dazu...
  • Oma Wetterwachs 09.04.2015 10:12
    Highlight Highlight Was für eine wunderschöne Antwort!! Es war wieder eine Freude, "Sie zu lesen". Vielen Dank dafür!
  • Bruno Wüthrich 09.04.2015 09:26
    Highlight Highlight Oft merkt man erst, wie gut (oder schlecht) eine Beziehung war, wenn man sie los gelassen hat. Im Fall, dass sie schlecht war, ist es gut, dass man es heraus gefunden hat. Dümmer ist es natürlich im umgekehrten Fall. Frau Freitags Beispiel mit dem Optimisten und der Pessimistin (oder umgekehrt) ist interessant. Das kann sehr wohl funktionieren. Sogar sehr gut. Wichtig ist jedoch, dass sich nicht immer die gleiche Seite durchsetzt, und sich die Vorwürfe in Grenzen halten, wenn etwas schief gelaufen ist, oder man hinterher herausfindet,dass sich der Optiminsmus gelohnt hätte.
  • Ricco Speutz 09.04.2015 07:53
    Highlight Highlight Liebe Kafi,
    Wie so oft, kann man deine Präzision in den Ratschlägen kaum trefflicher formulieren! Du bringschs eifach uf e Punkt! Merci!

    "Wenn Sie sich eine Verbesserung wünschen, müssen Sie etwas ändern. Solange sich nichts ändert, kann sich auch nichts verbessern"

    Ein logischer Grundsatz, den ich mir Tag für Tag zu Herzen nehme!
    • kafi 09.04.2015 08:47
      Highlight Highlight Danke RineCold! Schönes Tagesmotto!
  • Miicha 08.04.2015 21:48
    Highlight Highlight Wieder mal eine schöne Antwort, Danke Kafi :)
    • kafi 08.04.2015 22:35
      Highlight Highlight Gern <3

FRAGFRAUFREITAG

Liebe Frau Freitag. Die Frage ist kurz, but the stakes are high!! Wo kommt bei Burlington-Socken der kleine Knopf mit dem Burlington-Logo hin? 

Lieber LukasEigentlich sollte ich Ihre Frage noch etwas hinten anstellen und unbeantwortet lassen, weil Mobbing aufgrund der Ungewissheit ob Burlington-Socken-Knöpfen klingt nach Potenzial, wie ich finde. Aber da Sie mir ein lieb gewordener Leser sind, will ich Sie mal nicht weiter auf die Folter spannen. Meine Erfahrung aus der Bankenwelt hilft hier allerdings nicht weiter. Weil bis auf meinen >100-kg-Ex-Chef, der mit Vorliebe bunt gestreifte Hemden von Etro und immer perfekt sitzende …

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