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Toleranz wird überbewertet.  Bild:kafi freitag

FragFrauFreitag

Liebe Frau Freitag.  Ich habe mütterlicherseits eine sehr grosse Familie mit sieben Cousinen und elf Cousins. 



Davon bin ich mit fünfen sehr eng befreundet, den Rest mag ich, sehe sie jedoch nur alle 1-2 Jahre an Familienfesten. Eine meiner älteren Cousinen wohnt in Deutschland mit ihrem Mann und ihren vier Kindern. Ich bin mit ihr auf FB befreundet, schreibe aber nie mit ihr, kommentiere und like eigentlich nichts. Nun hat sie aber angefangen, immer öfter Pegida-Links und Bilder mit eindeutig rassistischem Inhalt zu teilen. Wenn sie nicht zur Familie gehören würde, hätte ich sie schon vor einem Monat gelöscht. Nun meine Frage, was du in meiner Position machen würdest: Einfach entfrienden (denn sie ist ja, abgesehen von der Genetik, wirklich nur eine ferne Bekannte) und mich mit ihr auseinandersetzen, falls sie mich darauf anspricht? Oder ihr zuerst eine Message schreiben? Dass ich sie nicht mehr unter meinen Buddies wissen will, ist klar, aber da ist halt die Familie und ich will auch kein schlechtes Blut zwischen ihrem Vater und meiner Mutter, die Geschwister sind. Familien sind da ja oft etwas schnell im Drama-Modus. Wäre es in deinen Augen trotzdem eine Variante, sie unter meinen «Freunden» zu behalten, damit die familiäre Kirche im Dorf bleibt? Mir widerstrebt das sehr. Herzlich. Yvonne, 33

Liebe Yvonne

Ja, man kann sich die Familie nicht aussuchen. Das denke ich auch immer mal wieder und ich denke, ich habe recht damit, wenn ich so denke. Dass es Menschen gibt, die mit ebensolcher Überzeugung ausländerfeindlich denken, ist für mich schwer zu begreifen, aber trotzdem Tatsache.

Nun muss ich Ihnen sagen, dass ich kein toleranter Mensch bin. Und dabei ist Toleranz sehr populär in der heutigen Zeit. Sie wird immer und überall eingefordert und man macht sich eher unbeliebt, wenn man zugibt, intolerant zu sein. Aber ich bin es trotzdem. Weil diese viel zitierte Liberalität zu einem hässlichen Feigenblatt für ein Gedankengut geworden ist, für das ich beim besten Willen kein Milde zeigen will. Und darum würde mir die Entscheidung sehr einfach fallen.

Ich habe mich allerdings noch die darum geschert, dass die familiäre Kirche im Dorf bleibt. Das mag damit zusammenhängen, dass mir Kirchen im Allgemeinen und Konkreten furzpiepegal sind und ich in der Stadt wohne und mir das Leben auf dem Dorf auch am Allerwertesten vorbei geht. Oder aber damit, dass ich mit einem Teil der Familie recht früh und sehr konsequent gebrochen habe. Und es auch jederzeit wieder tun würde.

Für mich persönlich würde sich Ihre Frage drum keine Sekunde stellen und ich finde schon die Idee, dem Frieden zuliebe Hass zuzulassen, eine höchst perverse Angelegenheit. Beissen Sie sich nicht in den eigenen Schwanz und bleiben Sie Ihren Werten treu. Die sind Ihnen hoffentlich lieber als irgendwelche Pegida-Cousinen.

Auch herzlich. Ihre Kafi.

PS: Und bitte vergessen Sie nie: Das Leben ist zu kurz, um es mit Arschlöchern zu verbringen.


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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit Ihrem 11 jährigen Sohn in Zürich.

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Bild: Kafi Freitag

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