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Madame Energie

Nicht nur mein Föhn hat jetzt eine Persönlichkeit!

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Madame Energie

Nicht nur mein Föhn hat jetzt eine Persönlichkeit!

Ich besitze nicht viele Dinge, die Strom ziehen – keinen Stabmixer, kein E-Bike, nicht mal einen Fernseher. Man könnte sogar fragen, warum ich eigentlich Madame Energie bin. Aber dann gibt es da seit neustem Otto. Den hab ich liebgewonnen.
16.03.2026, 14:0116.03.2026, 14:01
Sabina Galbiati
Sabina Galbiati

Diese Lovestory beginnt mit einem defekten Kabel. Oder nein. Sie beginnt 13 Jahre früher, mit einem Besuch bei meinen Eltern.

Ich ziehe gerade von der alten WG in mein erstes eigenes Zuhause und brauche unter anderem einen neuen Föhn. Meine Eltern geben mir also ihren etwa 10-jährigen Haartrockner mit, da sie sich einen neuen gekauft haben.

Und nach den insgesamt 23 Jahren tut dieser Föhn heute noch wie am ersten Tag. Einzig die Gummiummantelung beim «Föhnansatz» ist eingerissen. Man sieht die beiden Stromadern, rot und blau, wie sie im Innern des Föhns verschwinden. Gefährlich.

Contentpartnerschaft mit EnergieSchweiz
Dieser Blog ist eine Contentpartnerschaft mit EnergieSchweiz. Die Beiträge werden von der freischaffenden Journalistin Sabina Galbiati verfasst.

Gemeinsam für eine nachhaltige Energiezukunft! EnergieSchweiz setzt sich als Förderprogramm des Bundesamts für Energie mit freiwilligen Massnahmen für den Ausbau erneuerbarer Energien und der Steigerung von Energieeffizienz ein. Mittels Information, Beratung, Aus- und Weiterbildung von Fachkräften sowie Massnahmen zur Qualitätssicherung setzt sich EnergieSchweiz dafür ein, die Ziele der Energiestrategie 2050 zu erreichen.

Mehr über das Energie-Förderprogramm EnergieSchweiz erfährst du unter www.energieschweiz.ch.

Es handelt sich nicht um bezahlten Inhalt.

Warum zahlen, wenn’s gratis geht?

Und jetzt? 30, 40, 50 Franken für einen neuen Föhn ausgeben, wenn der alte doch einwandfrei funktioniert, geht gegen mein «Geiz ist geil»-Hirn. Da geb ich lieber etwas mehr Geld für Bio-Lebensmittel oder ein gutes Buch aus.

30, 40, 50 Franken für einen neuen Föhn ausgeben, wenn der alte doch einwandfrei funktioniert, geht gegen mein «Geiz ist geil»-Hirn.

Ich finde ein YouTube-Video mit einer Anleitung – ihr glaubt es nicht, um exakt diesen Kabeldefekt zu reparieren. Hier der Beweis. Leider fehlen mir die richtigen Werkzeuge. Also suche ich mir das nächste Repair Café, wo man solche Sachen gemeinsam mit Reparatur-Profis kostenlos flicken kann. Man bezahlt nur das benötigte Material.

Solide Chancen auf Erfolg

Je nach Ausrüstung vor Ort können 70 bis 80 Prozent der kaputten Sachen repariert werden, heisst es auf den Seiten einzelner Repair Cafés. Meine Erfolgschancen stehen also gut.

Ein paar Tage später. Die Stimmung im Repair Caré ist gemütlich. Ich melde meinen Föhn an und muss dann gut 30 Minuten warten. Zeit, in der ich mir ein Stück Kuchen und einen Kafi gönne.

Am Tisch sitzt bereits eine junge Frau und scrollt auf ihrem Smartphone. Auf dem Stuhl neben ihr liegt eine Ski-Jacke. Der Reisverschluss sei kaputt, sagt sie. Von ihr erfahre ich, dass man hier sogar Handys und Laptops flicken könne – je nachdem was defekt sei. Sie selbst habe das noch nie ausprobiert, aber die Lampe auf ihrem Bürotisch habe sie mal geflickt.

Nach dem Kuchen folgt die OP

Dann wird mein Föhn aufgerufen. Ein älterer Herr mit graumelierten Haaren und schwieligen Händen nimmt mich am Werktisch in Empfang. Ich beziehungsweise mein Föhn hat Glück und gehört zur Mehrheit der Dinge, die sich reparieren lassen. Erstmal Kabel abschneiden, Föhn öffnen, Drähte lösen, und so weiter. Ich darf sogar mal den Lötkolben benutzen. Es hat was von einer Mini-Operation.

Ottos Weisheiten für euch alle

Warum er hier mithelfe, frage ich Otto – so heisst der graumelierte Reparatur-Profi. «Es macht halt Spass und ich komme unter Leute», sagt er und nach einer Pause, in der er mich beim Löten anleitet, «Solche Geräte zu flicken, ist gut. Es spart Material und viel graue Energie, die es braucht, um ein neues Gerät oder was auch immer herzustellen und am Ende wieder zu entsorgen oder recyceln.»

Ich müsse einen Beitrag dazu schreiben, ob ich ihn zitieren dürfe.

Er lacht, er habe doch gar nicht viel gesagt.

«Dafür etwas Gescheites», sagt ich. (Natürlich hat er die Infos nicht so perfekt formuliert, aber darum geht es hier nicht.)

Schliesslich montieren wir die Verschalung wieder drauf. Mein Föhn ist nach 20 Minuten geheilt.

Ich bin mächtig stolz und hätte nie gedacht, dass eine Föhnreparatur mir mal so viel Freude bereitet. Aber so ist es!

«Tschüss Otto!»

Bevor ich gehe, twinte ich noch das Geld für das Material und was für die Kollekte.

Und dann die Taufe

Mein Föhn ist jetzt ein anderer, einer mit einer Geschichte. «Das ist jetzt Otto». Ich kenne diese Sentimentalität bereits von meinem Italien-T-Shirt. Nachdem ich es letzten Frühling geflickt habe, ist es für mich viel wertvoller, als die paar Franken, die es mal gekostet hat. Da ich Zeit und Arbeit investiert habe, trage ich es seither noch viel lieber. Auch dieses T-Shirt hat jetzt eine Geschichte und so was wie eine Persönlichkeit, eben wie Otto.

Danke Otto und danke auch dir Otto!

PS: Für alle unter euch, die im Repair Café kein Glück haben, gibt es noch den Reparaturführer. Auf der Plattform findet ihr Anlaufstellen für Reparaturen aller Art und nebst gemeinnützigen Angeboten gibt es auch kommerzielle Anbieter.

Sabina Galbiati

Über die Autorin

Sabina Galbiati ...
... ist freie Journalistin, Bloggerin und Autorin. Am liebsten schreibt sie Geschichten über inspirierende Menschen und über die simplen Dinge, die uns im alltäglichen Leben bewegen. Als «Die Nachhalterin» hat sie auf «watson.ch» bereits über Klima- und Umweltschutz im Alltag gebloggt. Als «Madame Energie» widmet sie sich nun dem Energiesparen innerhalb und ausserhalb ihrer vier Wände und berichtet von den ganz alltäglichen Herausforderungen und Diskussionen, die sie dabei erlebt. Wie immer tut sie das mit einer Prise Humor.
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