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Rapport eines kleinen Malheurs. 
Bild: thomas schlittler
Per Autostopp um die Welt

Verliere nie deinen Pass – nie, nie, nie! Sonst wird das unbeschwerte Reisen zur Odyssee

05.03.2016, 09:5905.03.2016, 13:19
Thomas Schlittler
Thomas Schlittler
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Klapps auf den rechten Oberschenkel: Pass! Klapps auf die linke Hosentasche: Smartphone! Klapps auf die rechte Pobacke: Portemonnaie! Dieses Ritual habe ich vergessen, als ich von der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh an die Südküste des Landes getrampt bin – eine folgenschwere Dummheit!

Donnerstag, 18. Februar: Ich bin in Hochstimmung!

Rong fährt mich mit seinem Lastwagen an die Südküste Kambodschas. Dort warten Alex und Christian auf mich, zwei Freunde aus der Schweiz, mit denen ich innert zehn Tagen nach Bangkok trampen will. Ich bin in Hochstimmung!

Während der Fahrt klopfe ich mir auf den rechten Oberschenkel – meine Hand trifft nur auf Stoff und Bein, anstatt auf den robusten Karton meines Passes. Ich erstarre vor Schreck. Nach einer hektischen Suchaktion in meinem Rucksack schreibe ich meinen Freunden eine SMS:

«Mir ist soeben etwas vom Schlimmsten passiert, das beim Reisen passieren kann:)) Ich habe meinen Pass verloren. Keine Ahnung, was ich jetzt machen muss.»

Nach dem Wiedersehen mit meinen Freunden wähle ich die 24h-Helpline des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Die Erkenntnis: Sie könnten mir ein Dokument ausstellen, mit dem ich auf direktem Weg in die Schweiz zurückfliegen kann. Da ich aber meine Weltreise fortsetzen und mit meinen Freunden nach Bangkok stöppeln will, brauche ich einen Notfallpass, um überhaupt nach Thailand zu gelangen. In Bangkok kann mir die Schweizer Botschaft dann einen neuen regulären Pass besorgen.

Per Autostopp um die Welt Woche 40 – Fahrer-Selfies

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Per Autostopp um die Welt Woche 40 – Fahrer-Selfies
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Freitag, 19. Februar: Hoffen auf korrupte Grenzbeamte

Beim Anruf auf dem Schweizer Konsulat in Phnom Penh erfahre ich, dass ich persönlich vorbeikommen muss, um einen Notfallpass zu beantragen. Der Antrag wird dann an die Schweizer Botschaft in Thailand geschickt, die den Notfallpass ausstellt und nach Phnom Penh zurücksendet. Gegen einen saftigen Expresszuschlag (210 statt 119 US-Dollar) liegt der Notfallpass am Donnerstag zum Abholen bereit. Wichtiges Detail: Ich kann jemanden bevollmächtigen, diesen für mich abzuholen. Allerdings muss ich dann persönlich auf das kambodschanische Immigrationsbüro in Phnom Penh, um ein neues Visum zu bekommen.

Mit diesen Informationen hecken meine Reisekumpels und ich einen Schlachtplan aus, der uns erlauben soll, die Autostopp-Reise nach Bangkok möglichst normal durchzuziehen: Ich fahre alleine zurück nach Phnom Penh, um den Notfallpass zu beantragen und einem kambodschanischen Kurier die Bevollmächtigung zu geben, den Pass abzuholen. Dann stöppeln wir wie geplant bis zur thailändischen Grenze. Dort soll uns der Kurier den neuen Pass übergeben. Auf ein neues Visum beim Immigrationsbüro in Phnom Penh verzichten wir – entgegen dem Rat des Schweizer Konsulats. Kambodscha gilt als eines der korruptesten Länder der Welt. Wir rechnen damit, dass sich die Ausreise irgendwie regeln lässt.

Sonntag, 21. - 23. Februar: Der Senats-Vizepräsident

220 Kilometer mit dem Bus zurück nach Phnom Penh (USD 10). Besuch auf dem Schweizer Konsulat. 220 Kilometer zurück zu meinen Freunden (USD 10). Wir feiern eine erfolgreiche Premiere als Autostopp-Trio: Der kambodschanische Senats-Vizepräsident nimmt uns mit in die Grenzstadt Koh Kong.

Donnerstag, 25. Februar: Jetzt kann nichts mehr schiefgehen

Der kambodschanische Kurier übergibt mir den neuen Notfallpass. Er erhält dafür 150 USD.Unser Plan ist bis jetzt aufgegangen, wir konnten unsere Reise wie geplant durchziehen. In unserer Euphorie meinen wir, jetzt könne nichts mehr schiefgehen.

Hast du eine Etappe verpasst?Hier findest du sie alle:

Freitag, 26. Februar: An den Grenzposten vorbeischleichen

Per Anhalter geht's weiter an die Grenze. Dort die Ernüchterung: Die Beamten lassen mich mit meinem Notfallpass nicht ausreisen, weil ich darin kein Visum habe. Sie wollen mich nach Phnom Penh zurückschicken. Ich lasse mich nicht so schnell abwimmeln und versuche über sechs Stunden lang alles: flehender Hundeblick, Offerte einer «100-US-Dollar-Busse», Anruf bei unserem neuen Freund, dem Vizepräsidenten des Senats. Es nützt alles nichts.

Dann schleiche ich mich gar mit zitternden Knien und pochendem Herzen an den kambodschanischen Grenzposten vorbei. Tatsächlich schaffe ich es bis zum thailändischen Grenzhäuschen. Dort aber schickt mich der Beamte zurück nach Kambodscha: Keine Einreise ohne Ausreisestempel.

Die Schlacht ist verloren: Ich muss zurück in die Hauptstadt, um das Visum zu beantragen.

28. Februar - 2. März: Wir gönnen uns ein Taxi

Wieder 285 Kilometer zurück nach Phnom Penh. Meine Freunde reisen diesmal mit mir, wir gönnen uns ein Taxi. Am Montag bin ich um 9 Uhr beim kambodschanischen Immigrationsbüro. Gegen einen Aufschlag (USD 60) bekomme ich mein neues Visum noch am späten Nachmittag.

Am Dienstag fliegt Christian nach Bangkok, damit er dort seinen Flug erwischt. Alex und ich reisen mit dem Bus erneut in die Grenzstadt Koh Kong (USD 10). Mit dem Visum im Notfallpass klappt die Ausreise. Am Mittwoch stöppeln wir von der Grenze in einem Tag nach Bangkok.

Donnerstag, 3. März: Biometrische Daten

Besuch bei der Schweizer Botschaft in Bangkok. Ich lasse mich fotografieren und gebe meine Fingerabdrücke ab. Mitte März bekomme ich meinen neuen richtigen, biometrischen Pass (USD 148), mit dem ich meine Weltreise fortsetzen kann.

Fazit:

Verliere nie deinen Pass – nie, nie nie! Mich kam es teuer zu stehen: Nicht nur finanziell (inkl. Telefonkosten rund USD 700), sondern auch was die Nerven betrifft. Ganz zu schweigen davon, dass ich mir die Reise mit meinen Freunden etwas anders vorgestellt hatte.

In meinem neuen Pass hab ich übrigens eine Notiz mit Mailadresse, Handynummer und dem Versprechen einer saften Belohnung für den Finder.

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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vlntnlcht
05.03.2016 16:33registriert April 2015
Finde es erstaunlich, aber schön, das sich die Beamten nicht bestechen liessen. Spricht für sie, auch wenn es in dieser Situation unglücklich war.
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Stöckli
05.03.2016 13:21registriert Dezember 2015
Ja das ist richtig ärgerlich. Trotzdem mutig, die Beamten zu bestechen. Ich war auch schon in der Gegend und hätte mich wohl nicht getraut. Am schlimmsten aber ist es, wenn man kein Geld mehr hat. Will heissen, wenn keine Bankkarten mehr funktionieren und nirgendwo mehr Geld erhält (passiert in Kuba.. da fängst du schön an zu schwitzen). Da verliere ich lieber den Pass, was aber logischerweise auch nicht erfreulich ist.

Noch etwas Klugscheisserisches: Im Deutschen heisst es "Visum" und nicht "Visa" (ausser natürlich der Plural). Da hat der Autor wohl mit zu vielen Engländern zu tun gehabt
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Luca Brasi
05.03.2016 11:04registriert November 2015
Oh! Eine bittere Erfahrung! Ich hoffe, dass Sie den Pass bald erhalten. Ziemlich nervenaufreibend und kostenintensiv. Ich wünsche Ihnen viel Glück und hoffentlich entspanntere Tage.
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Ich war mit June an meiner ersten Sexparty – oh mann, oh mann ... 🤭
Darkrooms, Dessous und Dicks – so viele neue Eindrücke und so viele sexy Menschen auf einem Haufen. Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus ...

Tut mir leid, ich werde direkt ein wenig explizit, aber: Der Darkroom riecht wie eine riesige Pussy – und nach Sperma. Gar nicht mal so schlecht, irgendwie. Die Luft ist stickig, die Bässe hämmern dumpf und irgendwo in der Ecke sehe ich die Umrisse einiger Körper, die sich aneinanderschmiegen. Weiter vorne, wo es heller ist, lehnen ein paar Männer an der Wand und masturbieren, als sei es das Normalste der Welt. Ich bin fasziniert, ein wenig schockiert, aber zugleich angetan. Alle scheinen so gelassen drauf zu sein, dass es mir auch erstaunlich wohl ist in dieser für mich so neuen Umgebung.

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