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Rapport eines kleinen Malheurs. 
Bild: thomas schlittler

Per Autostopp um die Welt

Verliere nie deinen Pass – nie, nie, nie! Sonst wird das unbeschwerte Reisen zur Odyssee

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Klapps auf den rechten Oberschenkel: Pass! Klapps auf die linke Hosentasche: Smartphone! Klapps auf die rechte Pobacke: Portemonnaie! Dieses Ritual habe ich vergessen, als ich von der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh an die Südküste des Landes getrampt bin – eine folgenschwere Dummheit!

Donnerstag, 18. Februar: Ich bin in Hochstimmung!

Rong fährt mich mit seinem Lastwagen an die Südküste Kambodschas. Dort warten Alex und Christian auf mich, zwei Freunde aus der Schweiz, mit denen ich innert zehn Tagen nach Bangkok trampen will. Ich bin in Hochstimmung!

Während der Fahrt klopfe ich mir auf den rechten Oberschenkel – meine Hand trifft nur auf Stoff und Bein, anstatt auf den robusten Karton meines Passes. Ich erstarre vor Schreck. Nach einer hektischen Suchaktion in meinem Rucksack schreibe ich meinen Freunden eine SMS:

«Mir ist soeben etwas vom Schlimmsten passiert, das beim Reisen passieren kann:)) Ich habe meinen Pass verloren. Keine Ahnung, was ich jetzt machen muss.»

Nach dem Wiedersehen mit meinen Freunden wähle ich die 24h-Helpline des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Die Erkenntnis: Sie könnten mir ein Dokument ausstellen, mit dem ich auf direktem Weg in die Schweiz zurückfliegen kann. Da ich aber meine Weltreise fortsetzen und mit meinen Freunden nach Bangkok stöppeln will, brauche ich einen Notfallpass, um überhaupt nach Thailand zu gelangen. In Bangkok kann mir die Schweizer Botschaft dann einen neuen regulären Pass besorgen.

Per Autostopp um die Welt Woche 40 – Fahrer-Selfies

Freitag, 19. Februar: Hoffen auf korrupte Grenzbeamte

Beim Anruf auf dem Schweizer Konsulat in Phnom Penh erfahre ich, dass ich persönlich vorbeikommen muss, um einen Notfallpass zu beantragen. Der Antrag wird dann an die Schweizer Botschaft in Thailand geschickt, die den Notfallpass ausstellt und nach Phnom Penh zurücksendet. Gegen einen saftigen Expresszuschlag (210 statt 119 US-Dollar) liegt der Notfallpass am Donnerstag zum Abholen bereit. Wichtiges Detail: Ich kann jemanden bevollmächtigen, diesen für mich abzuholen. Allerdings muss ich dann persönlich auf das kambodschanische Immigrationsbüro in Phnom Penh, um ein neues Visum zu bekommen.

Mit diesen Informationen hecken meine Reisekumpels und ich einen Schlachtplan aus, der uns erlauben soll, die Autostopp-Reise nach Bangkok möglichst normal durchzuziehen: Ich fahre alleine zurück nach Phnom Penh, um den Notfallpass zu beantragen und einem kambodschanischen Kurier die Bevollmächtigung zu geben, den Pass abzuholen. Dann stöppeln wir wie geplant bis zur thailändischen Grenze. Dort soll uns der Kurier den neuen Pass übergeben. Auf ein neues Visum beim Immigrationsbüro in Phnom Penh verzichten wir – entgegen dem Rat des Schweizer Konsulats. Kambodscha gilt als eines der korruptesten Länder der Welt. Wir rechnen damit, dass sich die Ausreise irgendwie regeln lässt.

Sonntag, 21. - 23. Februar: Der Senats-Vizepräsident

220 Kilometer mit dem Bus zurück nach Phnom Penh (USD 10). Besuch auf dem Schweizer Konsulat. 220 Kilometer zurück zu meinen Freunden (USD 10). Wir feiern eine erfolgreiche Premiere als Autostopp-Trio: Der kambodschanische Senats-Vizepräsident nimmt uns mit in die Grenzstadt Koh Kong.

Donnerstag, 25. Februar: Jetzt kann nichts mehr schiefgehen

Der kambodschanische Kurier übergibt mir den neuen Notfallpass. Er erhält dafür 150 USD.Unser Plan ist bis jetzt aufgegangen, wir konnten unsere Reise wie geplant durchziehen. In unserer Euphorie meinen wir, jetzt könne nichts mehr schiefgehen.

Freitag, 26. Februar: An den Grenzposten vorbeischleichen

Per Anhalter geht's weiter an die Grenze. Dort die Ernüchterung: Die Beamten lassen mich mit meinem Notfallpass nicht ausreisen, weil ich darin kein Visum habe. Sie wollen mich nach Phnom Penh zurückschicken. Ich lasse mich nicht so schnell abwimmeln und versuche über sechs Stunden lang alles: flehender Hundeblick, Offerte einer «100-US-Dollar-Busse», Anruf bei unserem neuen Freund, dem Vizepräsidenten des Senats. Es nützt alles nichts.

Dann schleiche ich mich gar mit zitternden Knien und pochendem Herzen an den kambodschanischen Grenzposten vorbei. Tatsächlich schaffe ich es bis zum thailändischen Grenzhäuschen. Dort aber schickt mich der Beamte zurück nach Kambodscha: Keine Einreise ohne Ausreisestempel.

Die Schlacht ist verloren: Ich muss zurück in die Hauptstadt, um das Visum zu beantragen.

28. Februar - 2. März: Wir gönnen uns ein Taxi

Wieder 285 Kilometer zurück nach Phnom Penh. Meine Freunde reisen diesmal mit mir, wir gönnen uns ein Taxi. Am Montag bin ich um 9 Uhr beim kambodschanischen Immigrationsbüro. Gegen einen Aufschlag (USD 60) bekomme ich mein neues Visum noch am späten Nachmittag.

Am Dienstag fliegt Christian nach Bangkok, damit er dort seinen Flug erwischt. Alex und ich reisen mit dem Bus erneut in die Grenzstadt Koh Kong (USD 10). Mit dem Visum im Notfallpass klappt die Ausreise. Am Mittwoch stöppeln wir von der Grenze in einem Tag nach Bangkok.

Donnerstag, 3. März: Biometrische Daten

Besuch bei der Schweizer Botschaft in Bangkok. Ich lasse mich fotografieren und gebe meine Fingerabdrücke ab. Mitte März bekomme ich meinen neuen richtigen, biometrischen Pass (USD 148), mit dem ich meine Weltreise fortsetzen kann.

Fazit:

Verliere nie deinen Pass – nie, nie nie! Mich kam es teuer zu stehen: Nicht nur finanziell (inkl. Telefonkosten rund USD 700), sondern auch was die Nerven betrifft. Ganz zu schweigen davon, dass ich mir die Reise mit meinen Freunden etwas anders vorgestellt hatte.

In meinem neuen Pass hab ich übrigens eine Notiz mit Mailadresse, Handynummer und dem Versprechen einer saften Belohnung für den Finder.

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • niklausb 05.03.2016 20:06
    Highlight Highlight Ich hab meinen Pass mal in New York am Abreisetag verloren wobei er mir möglicherweise auch gestohlen wurde das könnte ja auch sein. Konnte dann aber mit der ID ausreisen und würde spezial sicherheits behandelt..... Ich war schneller durch die Kontrolle als meine Reisebegleitung das zittern ging dann erst los als der Flug plötzlich als voll ausgeruffen wurde und wir nur standby Tickets hatten. Ich wäre im JFK festgesessen wie Tom Hanks im Film, aber zum Glück gabs zwei no Shows und wir konnten heim fliegen.
  • FreeDobby 05.03.2016 18:17
    Highlight Highlight Mir wurde die ID auf Teneriffa gestohlen. Nach langem Suchen stellte mir ein Polizeiposten einen Schein aus, mit welchem ich wiedr ausreisen durfte.
  • vlntnlcht 05.03.2016 16:33
    Highlight Highlight Finde es erstaunlich, aber schön, das sich die Beamten nicht bestechen liessen. Spricht für sie, auch wenn es in dieser Situation unglücklich war.
  • Stöckli 05.03.2016 13:21
    Highlight Highlight Ja das ist richtig ärgerlich. Trotzdem mutig, die Beamten zu bestechen. Ich war auch schon in der Gegend und hätte mich wohl nicht getraut. Am schlimmsten aber ist es, wenn man kein Geld mehr hat. Will heissen, wenn keine Bankkarten mehr funktionieren und nirgendwo mehr Geld erhält (passiert in Kuba.. da fängst du schön an zu schwitzen). Da verliere ich lieber den Pass, was aber logischerweise auch nicht erfreulich ist.

    Noch etwas Klugscheisserisches: Im Deutschen heisst es "Visum" und nicht "Visa" (ausser natürlich der Plural). Da hat der Autor wohl mit zu vielen Engländern zu tun gehabt
    • Daniel Huber 05.03.2016 13:37
      Highlight Highlight Danke für den Hinweis! Wir haben den Fehler bereits korrigiert.
    • smoe 05.03.2016 18:15
      Highlight Highlight Ich habe auch auf Reisen bedeutend mehr Angst kein Zugang zu Geld zu haben als den Pass zu verlieren. Habe deshalb jeweils als Notreserve 100 USD auf meine beiden Taschen verteilt und eine zusätzliche Pre-paid Kreditkarte, welche ich in der Schweiz lasse und einfach die Angaben aufgeschrieben habe um bei Bedarf eine Unterkunft für ein paar Tage buchen zu können.
    • sheshe 07.03.2016 12:35
      Highlight Highlight Notdollars sind sicher immer gut, habe auch immer so 300-400$ verteilt auf mein gepäck dabei. aber an geld zu kommen ist nun wirklich nicht schwierig! mit den leuten zu hause kontakt aufnehmen und per westernunion überweisen lassen. der pass ist auf jeden fall das wichtigste auf reisen!! PS: seit 5 jahren am reisen und noch nie den pass verloren!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Namenloses Elend 05.03.2016 12:32
    Highlight Highlight 1 Tag vor Abflug nach Hause wurde uns der Pass geklaut. Das war auf Koh Chang. Wir mussten dann am selben Tag noch zur Polizei und dann mit der letzten Fähre auf Festland und nach Bangkok. Am nächsten Tag auf die Botschaft und dann auf den Flieger... Zum Glück hab ich den Diebstal am Nachmitag bemerkt und war bereits wieder in Thailand... Ich fühle mit dir! ☺
  • Luca Brasi 05.03.2016 11:04
    Highlight Highlight Oh! Eine bittere Erfahrung! Ich hoffe, dass Sie den Pass bald erhalten. Ziemlich nervenaufreibend und kostenintensiv. Ich wünsche Ihnen viel Glück und hoffentlich entspanntere Tage.
  • Bowell 05.03.2016 11:03
    Highlight Highlight "In meinem neuen Pass hab ich übrigens eine Notiz mit Mailadresse, Handynummer und dem Versprechen einer saften Belohnung für den Finder." Ich hoffe schwer für Dich, dass die Notiz nicht direkt im Reisepass ist, da jegliche Veränderung durch den Besitzer verboten ist und Du noch einmal einen Neuen kaufen darfst;)! Ein Pass ist schliesslich ein offizielles Dokument und kein Notizblock.
    • Thomas Schlittler 25.03.2016 13:56
      Highlight Highlight Ja, habe das so gemacht wie Jaings Freunde. Keine Angst, habe meinen Pass nicht als Malbüchlein benutzt ... ;-)
    • Bowell 25.03.2016 15:12
      Highlight Highlight Man weiss ja nie;)!
  • saugoof 05.03.2016 10:42
    Highlight Highlight Hah! Ist mir auch mal passiert. Glücklicherweise war das in Hong Kong wo es relativ einfach ist einen Notfallpass zu organisieren. Weil dieser Pass in Hong Kong ausgestellt war hatten danach lange Zeit Grenzbeamte angenommen das mein Wohnort auch dort ist.
    Schlimmer war aber das Flugbillet das mir ebenfalls gestohlen wurde. Das war noch in der Zeit der Papiertickets. Ich musste das zuerst bei der Fluggesellschaft löschen, danach ein neues kaufen. Kurz danach hatten die mir dann auch noch das Orginalbillet wieder neu ausgestellt so dass ich plötzlich zwei hatte.

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Nach einem Monat in Bangkok ist es mir ein Anliegen, den Sextourismus in dieser Stadt – und in ganz Thailand – zu thematisieren. Da dies ein heikles Thema ist und ich dazu ganz viele verschiedene Aspekte im Kopf habe, halte ich ein Selbstinterview für die passende Form, um meine Gedanken dazu zu formulieren.

Auf jeden Fall. Ich habe noch nie eine Grossstadt gesehen, in der Sex und Prostitution so präsent sind wie hier. Jedes Viertel scheint mindestens eine Rotlicht-Meile zu haben. Manchmal …

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