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bild: thomas schlittler

Per Autostopp um die Welt

Peitsche, Blut und Kreuzigung statt Ostereier und Schoggihasen

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Ich weiss, Ostern ist vorbei. Doch hier im katholischen Kolumbien ist die «Semana Santa» ein so grosses Ding, dass mich das Thema nach wie vor beschäftigt. Auch in vielen Schweizer Haushalten dürfte Ostern noch nicht ganz abgeschlossen sein. Bestimmt liegen noch ein paar unvertätschte Eier und unversehrte Schoggihasen in den Stuben.

So war das zumindest, als ich klein war. Damals reichte mein Schoggihasen-Reservoir jeweils fast bis Weihnachten. Und meine drei Schwestern waren neidisch, weil ich von meinem Götti immer den grössten Hasen geschenkt bekommen habe. Danke, lieber Götti!

In Kolumbien sehen österliche Kindheitserinnerungen anders aus. Zumindest wird das bei einem kleinen unschuldigen Mädchen im Engelskostüm so sein, das wir diese Woche beobachteten. Das Engelchen mit den pechschwarzen Haaren war Teil einer Osterzeremonie, zu der es so gar nicht passte: brutal, blutig – und alles andere als unschuldig.

Die Route der Woche: Von Sogamoso nach Villa de Leyva

Wir befinden uns in Mongui, einem kleinen kolumbianischen Bergdörfchen auf 2900 Metern über Meer. Die Gassen Monguis sind dunkel, nur das beeindruckende Franziskanerkloster auf dem Dorfplatz ist beleuchtet. Die Scheinwerfer sowie die Augen der Zuschauer sind auf einen jungen Mann mit langem Haar und nacktem Oberkörper gerichtet. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt, sein weisser Rock von Blut getränkt und sein Rücken von Peitschenhieben gezeichnet.

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Das kleine kolumbianische Bergdörfchen Mongui ist bekannt für die Produktion von Fussbällen. bild: thomas schlittler

Es ist Jesus, der hier auf der kolonialen Plaza von Mongui so übel zugerichtet wird. Das Blut ist zwar nicht echt, aber die Laiendarsteller haben sich grosse Mühe gegeben, um den Schein zu wahren. Und die Peitsche zischt und klatscht in der Stille der Nacht so klangvoll, dass man den Schmerz geradezu spürt. Begleitet werden die Schläge von dramatischer Musik, die ein Orchester auf der anderen Seite des Platzes beisteuert.

Die Peiniger des kolumbianischen Jesus' sind drei römische Soldaten. Ihre Quälerei will und will nicht enden. Den Höhepunkt sparen sie sich aber bis zum Schluss auf: Sie beladen ihr Opfer mit einem grossen Holzkreuz und jagen das Häufchen Elend unter Beschimpfungen und weiteren Peitschenhieben durch das Dorf.

Am Ende muss sich der bemitleidenswerte junge Mann eine steile Treppe hochkämpfen. Er ächzt und stöhnt unter den Schlägen sowie der Last des Kreuzes. Wahrscheinlich bemerkt er nicht einmal, dass ein paar Meter neben ihm, im Hintergrund, jemand mitläuft, der es gut mit ihm meint: Das kleine Mädchen im Engelskostüm.

Die etwas gewöhnungsbedürftige Osterzeremonie in Kolumbien:

Video: watson/Thomas Schlitter

Ja, ich weiss, ist ja alles nur Theater. Als die Schauspieler das Ende der Treppe erreicht haben und von den meisten Zuschauern nicht mehr gesehen werden können, klatschen sich Jesus und die Römer denn auch freundschaftlich ab – um dann einen Holz-Jesus ans Kreuz zu nageln. Wir kriegen das Treiben hinter den Kulissen mit, weil wir mittlerweile auf dem Balkon unseres Hotels stehen.

Auch das kleine Mädchen im Engelskostüm sieht das alles. Es wird von der brutalen, blutigen Zeremonie deshalb keinen Schaden davontragen. Aber ihre Kindheitserinnerungen an Ostern werden weniger friedlich sein als meine.
Oder anders gesagt: Ich bevorzuge Schoggihasen – auch wenn ich zugeben muss, dass ich als Kind kaum wusste, wieso ich die Dinger eigentlich geschenkt bekommen habe. Es war mir aber auch herzlich egal, Hauptsache Schoggi!

Was in dieser Woche sonst noch so passierte – guck hier:

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Luca Brasi 22.04.2017 18:52
    Highlight Highlight Sie haben das Gelände mit einem Quad erkundigt. Eine Squad wäre ein Team oder eine Gruppe. :P
    • WStern 22.04.2017 19:21
      Highlight Highlight @Luca Brasi: Danke für den Hinweis. Ist korrigiert.
    • Thomas Schlittler 23.04.2017 07:45
      Highlight Highlight Solche Fehler passieren, wenn man zu viel Spanisch im Kopf hat ... Obwohl: Wir waren zu dritt unterwegs, dass kann man doch durchaus als Einheit/Team/Gruppe bezeichnen, nicht? :-)

      Nein, ernsthaft: Vielen Dank für den Hinweis. Auf Luca Brasi ist Verlass! *daumenhoch*
    • exeswiss 24.04.2017 02:05
      Highlight Highlight @thomas Als Squad auf Quads :D
  • pamayer 22.04.2017 16:55
    Highlight Highlight Frohe Ostern demfall nochmals!
    • Thomas Schlittler 23.04.2017 07:45
      Highlight Highlight Gracias!
  • lilie 22.04.2017 16:45
    Highlight Highlight Geniales Video nd wieder ein toller Bericht! 👌👍

    Wo aber ist die Osterzeremonie wohl hingekommen? 🤔🙁
    • Thomas Schlittler 23.04.2017 07:46
      Highlight Highlight Vielen Dank für das Kompliment und den Hinweis betreffend Video. Sollte in Kürze angepasst werden. Sorry!

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