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Einfach, aber effizient: Wir haben den Peugeot E-308 getestet

Peugeot e-308
Der Peugeot e-308 ist sowohl als Limousine als auch als SW-Kombi erhältlich.Image: Peugeot
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Einfach, aber effizient: Wir haben den Peugeot E-308 getestet

Im Rahmen seiner E-Offensive bringt Peugeot seinen 308 mit einem komplett emissionsfreien Antrieb, den e-308, auf den Markt. Die Modelloptionen werden somit um Benzin-, Hybrid-, Plug-in-Hybrid- und Elektroantriebe erweitert. Zahlt sich diese Strategie aus?
19.12.2023, 09:1619.12.2023, 15:03
Jerome Marchon
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Mit dem Elektrifizierungsansatz der Stellantis-Gruppe werden unterschiedliche Strategien verfolgt. Einerseits haben wir die eigens dafür geschaffene «e-CMP»-Plattform, die für alle Marken der Gruppe entwickelt wurde und von der wir hier den Fiat 600e, den Jeep Avenger und den Peugeot e-2008 getestet haben. Andererseits wird mit dem neuen Modell Peugeot e-3008 die brandneue «STLA Medium»-Plattform eingeweiht.

Peugeot e-308
Mit Ausnahme des kleinen Logos unterscheidet sich der e-308 äusserlich nicht von anderen 308er-Modellen.Image: Peugeot

Jetzt bringt Peugeot seinen Bestseller, den 308, mit einem vollelektrischen Antrieb auf den Markt. Bei einer solchen Fülle von Optionen verliert man schnell den Überblick.

Fachkundig untersuchter Kompromiss

Es ist völlig verständlich, wenn man einem Auto, dessen Basis für einen Verbrennungs- und Hybridmotor ausgelegt ist und das mit einem vollelektrischen Getriebe ausgestattet ist, skeptisch gegenübersteht. Es hat schon zahlreiche Autos gegeben, die auf dieser Linie nicht überzeugen konnten. Wir müssen es ganz offen sagen: Der e-308 hat uns überrascht.

Mit seiner 54-kWh-Batterie scheint das Datenblatt auf den ersten Blick nicht sonderlich attraktiv zu sein: Bei der Konkurrenz sind es 60 kWh, bei den grössten Modellen gar ca. 80 kWh. Was die Ladeleistung angeht, verträgt das Auto 100 kW. Der Motor bringt es auf «nur» 156 PS und 270 Nm, wohingegen alle Konkurrenten 200 PS und 300 Nm oder noch mehr erreichen. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgt in 9,4 Sekunden, während andere Autos dafür 6 bis 8 Sekunden brauchen.

Peugeot e-308
Doch der Peugeot e-308 überrascht unter anderem durch seinen für diese Kategorie geringen Verbrauch.Image: Peugeot

Aber die Wahrheit ist irgendwo da draussen und das Wesentliche ist für das blosse Auge anscheinend nicht sichtbar. Was bedeutet das genau? Mit dieser Ausstattung bietet der Peugeot e-308 einen beeindruckenden durchschnittlichen kombinierten Verbrauch (WLTP) von nur 16,1 kWh/100 km, was eine Reichweite zwischen 381 bis 429 km möglich macht. Das bedeutet, dass der im französischen Sochaux hergestellte Wagen letztendlich – aber immer noch theoretisch – dem Niveau des Renault Mégane E-Tech EV60 und des standardmässigen Tesla Model 3 sehr nahe kommt. Gar nicht so schlecht!

Diese Zahlen wurden auf unserer Teststrecke in Spanien teilweise bestätigt, auf der wir alle Arten von Strassenbelägen, einschliesslich reizvoller Kurven, in zügigem Tempo fuhren. Das Ergebnis: 15,2 kWh/100 km im Durchschnitt. Ist man auf einer Autobahn unterwegs, muss man sich wirklich anstrengen, um den Verbrauch von 20 kWh/100 km zu überschreiten. Auf technischer Ebene sind die «offensichtlichen Mängel» des e-308 nicht abschreckend, was beruhigend ist.

Ganz natürlich

Das Verhalten und der Komfort des e-308 bieten ebenfalls Grund zur Freude. Sehr häufig bieten Elektroautos einen geringeren Gesamtkomfort als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, was vor allem auf das hohe Gewicht des Fahrzeugs zurückzuführen ist, das auf einer Plattform gehalten werden muss, die nicht unbedingt für mehrere hundert Kilogramm Batteriekapazität ausgelegt ist.

Peugeot e-308
Für Peugeot typisches, souveränes VerhaltenImage: Peugeot

Obwohl der e-308 ein Leergewicht von nahezu 1700 kg hat, scheinen die Ingenieure bei diesem Modell wieder einen Weg gefunden zu haben, ein Fahrwerk zu liefern, das Peugeot würdig ist, was beim 308 PHEV beispielsweise weniger der Fall ist (viel zu weich). Die Federung des e-308 ist hinten etwas straffer, was beim Kurvenfahren hilft. Im Übrigen fühlt sich das Auto genauso an wie der Opel Astra GSe.

Die Vorderachse sorgt für eine gute Strassenlage und vermittelt wunderbar, was unter den Vorderrädern passiert, und die Aufteilung der Batterie in drei Hauptpacks – auf der Frontschürzenebene, unter den Vordersitzen und der Rückbank – trägt ebenfalls zum Gesamtgleichgewicht des Autos bei.

Das Wanken wird mit Bravour gemeistert und die Filterung von Strassenmängeln ist einwandfrei. Der Peugeot e-308 bietet ein angenehmes und komfortables Fahrgefühl und ist immer bereit, einen etwas flotteren Fahrrhythmus einzuschlagen. Obwohl die Leistung des e-308 in seiner gegenwärtigen Form angemessen ist, könnte sein Fahrwerk problemlos einer stärkeren Motorleistung standhalten.

Peugeot e-308
Nicht nur äusserlich, sondern auch innerlich ist der e-308 mit anderen Modellen der Reihe identisch.Image: Peugeot

Die hochwertige Innenausstattung ist identisch mit der der anderen Modelle. Jedoch wurde auf eine modulierbare, regenerative Rekuperationsbremse (beispielsweise mithilfe von Schaltwippen am Lenkrad) verzichtet. Man gab sich einfach mit der Taste «B» am Schalthebel zufrieden. Das ist bedauerlich. Genauso bedauerlich ist, dass das GPS keinen Ladeplaner bietet. Man muss sich auf die entsprechende Smartphone-App des Herstellers verlassen.

Peugeot e-308
Das Armaturenbrett wäre perfekt mit modernster Bordelektronik, vor allem mit einem eingebauten Ladeplaner.Image: Peugeot

Gute Performance, aber ein ganz schön stolzer Preis

Der Peugeot e-308 ist eher das Ergebnis eines ausgewogenen Kompromisses als einer zielgerichteten Entwicklung. Man kann sehen, dass die Ingenieure ihre Aufgabe meisterhaft erfüllt und ein Auto gebaut haben, das sehr homogen und angenehm ist und «hält, was es verspricht».

Andererseits sind wir vom Preis überrascht – Erhältlich ist der Wagen ab 42'950 Franken (Limousine) bzw. 44'250 Franken (SW-Kombi), was dem Preisniveau der technologisch überlegenen, leistungsstärkeren und teilweise auch langlebigeren Konkurrenten entspricht. Dabei muss angemerkt werden, dass der SW-Kombi in seinem Segment ein einmaliges Angebot darstellt.

Über den Autor:

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Jérôme Marchon ist ...
... seit seiner frühesten Kindheit ein leidenschaftlicher Autofan. Seine berufliche Karriere begann er in der Finanzbranche, trug aber schon früh zum Aufbau eines Auto-Blogs bei – bis er schliesslich seinen eigenen Blog gründete. Sein weiterer Weg führte ihn in die Chefredaktion der Revue Automobile. Seit 2018 ist er freiberuflich tätig und schreibt für verschiedene Auto- und allgemeine Print- und Digital-Medien in der Schweiz und im Ausland. Jérôme Marchon arbeitet auch als Übersetzer und Berater für redaktionelle Inhalte für Automobilveranstaltungen und Autohersteller.
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39 Kommentare
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FreddyKruger
19.12.2023 10:06registriert Juli 2021
„Der Motor bringt es auf «nur» 156 PS und 270 Nm, wohingegen alle Konkurrenten 200 PS und 300 Nm oder noch mehr erreichen.“

Eben, das ist es doch genau was wir brauchen, vernünftige e-Alternativen und nicht Luxus-Elektroboliden!
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Zum Kommentar
39
Zu früh der Höhepunkt
Es hätte alles so gut sein können. Aber dann wurde es «komplex».

Wer nun dachte, dass dies ein Text über einen vorzeitigen Orgasmus ist, der hat sich getäuscht. Nicht, dass es dazu keine Geschichten gibt. Aber die sind zum Glück etwas länger her. Die waren aktuell, da war ich noch nicht der erfolgreichste Kolumnist bei watson. Da war ich noch Maturand, falsch, vor der Matura hatte ich keinen Sex. Ich war Student. Lebte in WGs mit zu vielen Leuten und zu vielen langen Haaren überall am Boden. Wenn ich etwas hasse, dann sind es lange Haare am Boden. Noch schlimmer als lange Haare sind gelockte lange Haare, weil die so trügerisch sind, wie Schlangen, ganz klein eingerollt, aber in Wahrheit ewig lang. Hasse ich.

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