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Yonnihof

Liebes Hollywood, wir müssen reden!

Bild: shutterstock

Fünf Gründe für einen Reality Check in Los Angeles.



Liebes Hollywood, wir müssen über fünf Dinge reden.  

Aber erst einmal: Danke.  

Danke für viele wunderbare Momente, Lachen, Tränen ... ja, sogar für all die Nächte, in denen ich mich nicht mehr aufs Klo traute, ohne alle Lichter im Haus anzumachen (herzliche Grüsse an Pennywise, den Arschlochclown aus Stephen Kings «Es»).  

Und wenn wir gerade bei Stephen King sind: Danke für Filme wie «The Shawshank Redemption» – und auch für «Forrest Gump», der ihm alle Oscars des Jahres 1995 wegschnappte. Für brillante Leistungen wie die von Susan Sarandon in «Dead Man Walking» oder die von Matthew McConaughey in «Dallas Buyers Club». Dafür, dass du uns ganze Welten vom Buch auf die Leinwand übertragen hast und uns die Möglichkeit gabst, auf Fuchur durch Phantásien zu reiten und mit Frodo durch Mittelerde zu reisen.  

Oder ganz einfach: Danke für die Magie unserer Kinder- und die Faszination unserer Erwachsenenjahre.  

Nun aber, wie gesagt: Wir müssen über fünf Dinge reden.  

1. Aufwachen

Ja, du hast richtig gehört, ich will übers Aufwachen reden. Wenn nämlich in einem Hollywoodstreifen ein Liebespaar des Morgens erwacht, ist sie meist perfekt zurechtgemacht.  

Gut, sie trägt selbstverständlich weniger Make-up als am Abend zuvor und die falschen Wimpern (gemäss Mascara-Werbung einzig das Resultat eines in S-Kurve geschwungenen Bürstchens – my ass!) kleben mittlerweile irgendwo in der Maske im Abfalleimer. Trotzdem ist die Haut glatt, die Augenbrauen nachgezogen und das Haar nett drapiert.

Wir sehen nicht so aus am Morgen, liebes Hollywood. Nein nein. Wir haben «Zigerli» in den geschwollenen Augen, Kissenabdrücke im Gesicht und Sabberspuren in den Mundwinkeln. Von unseren Haaren will man gar nicht erst reden – wenn diese nämlich nicht fadegrad sind, verwandeln sie uns des Nachts gerne in den vogelnestgekrönten Cousin von Bob Marley.  

2. Wo die Liebe hinfällt

Ich finde es schön, dass du uns Mädchen tolle Liebesgeschichten erzählst, liebes Hollywood. Und du bleibst dabei immer so realitätsgetreu – also ja, in etwa so realitätsgetreu wie die Brüder Grimm. Hier eine kleine Liste für uns Frauen, wer im wahren Leben nicht unsere grosse Liebe wird:  

Unser langjähriger bester Freund («friendzone is the endzone»), auch wenn das auch der Cousine der Mitarbeiterin unserer besten Freundin passiert ist, imfall, der Typ, von dem wir bei einem besoffenen One-Night-Stand aus Versehen schwanger wurden, jemand, den wir vor 15 Jahren mal an der Chilbi trafen und der nun per Zufall im Flieger nach Rio wieder neben uns sitzt (und der frisch geschieden und ausserdem Arzt ist und der aussieht, als sei er aus einem Surferkatalog gefallen), unser Spermaspender, unser Wedding Planner und unser schwuler Psychotherapeut.  

3. Aufwachen, die Zweite

Ja, nochmal richtig gehört. Auch dieser Punkt handelt vom Aufwachen. Erwacht nämlich bei Punkt eins erwähnte Madame Photoshop neben ihrem – genauso frisierten und knitterfreien – Geliebten, was tun sie dann? Sie drehen sich einander zu und diskutieren die Welt. Dann küssen sie sich innig und machen süsse Morgenliebe.  

Nichts gegen Morgenliebe. Sex am Morgen kann grossartig sein. Aber, liebes Hollywood, ich weiss ja nicht, wie das bei dir in Glamour-Land läuft, aber in der Realität will man sich nicht gleich nach dem Aufwachen mit zehn Zentimeter Gesichtsabstand unterhalten. Wirklich nicht, auch wenn man unglaublich verliebt ist. Der süsse Atem des/r Angebeteten verwandelt sich des Nachts nämlich in ... nun ... also stell dir einen Esel vor, der vor drei Wochen verendet ist und seither vor sich hin rottet – wie der Anus genau dieses Esels riecht morgens der Atem unseres Partners. Und unserer auch. Perfekt ist also, wenn man sich möglichst nicht ansieht und sich um Gottes willen nicht küsst. Morgen-Sexytime? Prima. Einfach nicht mit Küssen und vorhergehenden Face-to-Face-Diskussionen. Danke.  

4. Sie und Du und alles dazwischen

Dies richtet sich eher an deine deutschen Synchronisierungs-Freunde, liebes Hollywood. Diesen stellt sich nämlich die schwierige Aufgabe, dass die Darsteller irgendwann von Sie auf Du wechseln müssen, ohne dass das je thematisiert wird – denn in der Originalfassung wechselt man ja auch nicht von you auf you, nöd wahr. Wo in der Realität ein gemeinsames Bier für ein Duzis oft schon ausreicht, muss in Hollywood ein Darsteller dem anderen mindestens das Leben retten. Oder eben – man hat es geahnt – die beiden vollziehen den süssen Morgensex des Todes. Wenn man DANACH das Du nicht verdient hat, weiss ich also auch nicht.

5. Let’s talk about sex

Und wenn wir’s eh grad davon haben: Echter Sex, kännsch? Du tust manchmal so, jedoch sind die meisten deiner Sexszenen so fix und steril wie eine Tetanusimpfung.

Da packt der durchtrainierte Hauptdarsteller beim Spaziergang am Strand sein weibliches Pendant, wirft sie aus heiterem Himmel in den Sand und schon geht’s los. Instant Penetration, wenn man so will. Nur würde das in Realität nicht wirklich funktionieren, weil aua. Nach zwei-, dreimal Rein und Raus haben beide einen (selbstverständlich gemeinsamen) Höhepunkt. Haha. Yeah, right. Und übrigens: Sand sollte nie dahin kommen, wo «the magic happens». Ausser man ist neugierig darauf, wie es sich anfühlt, von innen mit Schmirgelpapier poliert zu werden – und es gibt wohl wenig, was unangenehmer ist.

Ausser vielleicht Morgenmundgeruch. Aber wenigstens ist man danach definitiv per Du.

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Yonni Meyer (34) ist Psychologin und schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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