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bild: shutterstock
Oh «kommet» alle auf Facebook

Sexbeichten auf Facebook – oder: Märchen von Beate Uhse 

18.07.2014, 06:3518.07.2014, 12:49

Oh Holy Jesus – Facebook hat eine neue Plage. Oder aber einen neuen Segen. Heute haben gleich zwei meiner Freunde neue Seiten abonniert. «Sexbeichte – Ostschweiz» und «Sexbeichte – Zürich». Selbstverständlich konnte ich nicht anders als mir diese Seiten sofort gründlich anzuschauen. 

Leute können dort anonym ihre Sexbeichten veröffentlichen lassen. Diese werden von der Seite dann mit Alter und Geschlecht des Verfassers gepostet. Und lasst mich Euch sagen: Ich konnte nicht mehr aufhören, den Blödsinn zu lesen, der da steht. 

Zum Beispiel, dass ein junger Herr (26) von der Mutter seines Freundes verführt worden sei. Ähä, nei, isch klar. 

Sponti Threesome mit heissen Girls. Mhm. Klar.

Auch berichten mehrere Jungs um die 25, wie sie von wildfremden Mädchen und ihren geilen Freundinnen so ganz sponti auf einen 3er eingeladen wurden. Mhm. Und die Erde ist eine Scheibe. 

Weiteres Highlight: «Ich (m, albaner, 20) sege..Jungs ficked was das zeug hält, es isch Summer, es isch 2014! Grosse Melone Kleine Zitrone das isch min Motto!» Das ist ein schöner Motto. Deine Mama vergeht bestimmt vor Stolz. Warum betont werden musste, dass der Jüngling Albaner ist, ist mir schleierhaft.

Oder aber: «Ich (m, 19) bin vor paarne mönet, nochem Usgang zu einere heim und ha sii richtig duregvoglet, am nächste morge ihres lieblings müesli weg gesse und Nummere blockiert.» Das erklärt dann auch, warum du nur alle paar Monate Sex hast. 

Mit diesen lustigen Sexgeschichtchen frei nach den Gebrüdern Grimm ist dann aber eben noch nicht das Ende der Peinlichkeit erreicht. Darunter posten dann Menschen mit ihren echten Profilen (!) auch noch Antworten. Unserem Müesli-Esser-Freund zum Beispiel wird von einem etwas blassen Kerlchen gratuliert. Ein geiler Siech sei er. Mit vollem Namen. Auf einer öffentlichen Seite.

Eine Mischung aus Peinlich- und Herzigkeit.

Derselbe junge Herr kommentiert dann auch einen Post, in dem ein anderer junger Mann erzählt, er habe via Lovoo (was auch immer das ist) bereits drei Frauen verarscht. Unser Kommentierfreund schreibt darauf, der Verfasser möge ihn doch in seiner Technik unterrichten. Es ist so ein bisschen eine Mischung aus Peinlich- und Herzigkeit.

Neben peinlichen High-5-für-charakterschwaches-Verhalten-Gebern sind da natürlich auch noch die, die sich ein Nümmerchen erhoffen. So kommentieren die Jungs (wieder mit ihren echten Profilen) komplett gefaked wirkende Status von angeblichen Frauen, die «mal wieder richtig durchgenommen werden wollen» oder «amigs während der Arbeit auf dem Klo masturbieren gehen müssen, weil sie eben so sehr spitz sind den ganzen langen Tag». Sie seien also immer erreichbar, sagen die Herren. Oder «Du bisch aber chli es Säuli, hä?!» und weitere Aussagen, bei denen es jeden mit mehr als 89 Hirnzellen schüttelt.

Zu alledem kann ich nur beherzt sagen: APPLAUS APPLAUS! 

Peinlich? Vielleicht. Aber es ist grosses Kino. Und es ist ein bisschen wie Pamela Andersons Brüste: Die Tatsache, dass es mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit nicht echt ist, macht es nicht weniger unterhaltsam. 

Yonni Meyer
Sie gilt als Schweizer Facebook-Phänomen: Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen - direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony - aber nicht weniger unverblümt.

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