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Bild: Shutterstock

Yonnihof

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Dämliches Understatement

TUE GUTES! Aber sprich' bloss nicht drüber…



Des Schweizers liebste Sportart, gleich nach PET-Sammeln und Auf-die-Uhr-Schauen, ist das Understatement. 

Ich finde Understatement eigentlich eine durchaus feine Sache. Es ist in meinen Augen wunderbar, Gutes über einen Menschen zu erfahren, ohne dass er/sie es einem unter die Nase reiben muss. So ist die helvetische Zurückhaltung immer wieder Quell positiver Überraschungen.

Bescheidenheit kann aber in diesem unseren schönen Land auch Ausmasse annehmen, in denen ich sie einfach nur noch doof finde. Das beste Beispiel dafür sind Spendenaktionen. Gerade jetzt, wo's zügig Richtung Weihnachten geht, wird auf den Strassen und online gesammelt, was das Zeug hält. Finde ich gut. Die meisten von uns können ein paar Franken entbehren und wenn diese einer guten Sache zugetragen werden: High 5!

Nun ist es jedoch so, dass diese Grosszügigkeit das Understatement-Universum mancher Zeitgenossen in seinem Gleichgewicht stört, wenn sie nicht im stillen — ja schalldichten — Kämmerlein praktiziert wird. Beobachtet werden kann dies am allerbesten online, wenn jemand sich erdreistet, zu erzählen, er/sie habe für eine gute Sache gespendet und man möge es ihm/ihr doch gleich tun.

FÜRIO! Das geht dann aber gar nicht. Was er/sie denn für ein Gutmensch sei und Grosszügigkeit sei eine Tugend, die man bei und in sich tragen müsse und sowieso, diese Selbstdarstellung. Fürchterlich! Aso nei!

Solche Reaktionen sind in meinen Augen aus zwei Gründen völlig fehl am Platz:

Erstens: Warum soll man sich nicht gut fühlen dürfen, wenn man Gutes getan hat? Was ist so unglaublich falsch daran, wenn man sich freut, gerade jemandem oder einer guten Sache geholfen zu haben? Niemand hat behauptet, dass man aus einer guten Tat keinen Kick bekommen darf. Das ist doch Schwachsinn!

Zweitens ist guter Wille ansteckend und ja, da trifft man eventuell den Nerv des einen oder der anderen, die schon länger nichts Uneigennütziges getan hat (dies ist u.a. wohl der Grund für solch extreme Reaktionen). Gut so! Auch, oder vor allem, schlechtes Gewissen ist ein 1A-Motivator. Wer andere animiert, Gutes zu tun, der darf dafür auch gut dastehen, finde ich. Selbstdarstellung hin oder her.

Versteht mich nicht falsch. Wenn jemand für sich alleine spenden und niemandem davon erzählen will: Tu' es! Ist doch super-okay!

Aber diese bescheuerte Übermoralpolizei, die da etwas verurteilt, was an sich durchwegs gut und vorbildlich ist, ist sowas von überflüssig — wichtig ist doch, dass gespendet wird. Und ganz ehrlich, wenn man sich beim Gutes-Tun auch noch gut fühlen kann, was um alles in der Welt spricht dann dagegen?

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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    Alle Leser-Kommentare
  • AWa 09.12.2014 07:56
    Highlight Highlight Yonni, ich gebe Dir absolut recht! Dieses Understatement ist unterdessen derartig ein Problem, dass man Probleme hat, Freiwillige zu finden, die Ihren Mitmenschen helfen wollen. Doch viele Gemeinden sind auf Freiwillige angewiesen. Freiwillige die mal der alten Nachbarin den Rasen mähen und nicht fröhlich über Zaun rufen: Hallo Frau Nachbarin, dass Sie in Ihrem Alter noch Rasen mähen?! Hat denn der Sohn keine Zeit? Die Antwort darauf ist hingegen von wenig interesse. Jeder schaut für sich und schaut, dass dies die anderen auch tun. Sonst müsste man sich ja schämen....
  • saukaibli 05.12.2014 11:26
    Highlight Highlight Leider sind Mitgefühl und Solidarität heutzutage Eigenschaften, für die man sich schon fast schämen muss. Man wird gleich als Linker und Gutmensch angefeindet und darauf aufmerksam gemacht, dass es andere als die von einem Bespendeten gibt, die es noch viel nötiger haben. Aber dann selber an die spenden? Nein, denn es kommt ja nur ein Teil bei den Bedürftigen an, da macht man lieber gar nichts. Ich finde diese Einstellung zum Kotzen. Mal ehrlich, was sind für die meisten Schweizer 20.-? Gut 2 Pack Zigis, einmal Mittagessen... 20.- sind in Afrika aber viel Geld, da lebt einer einen Monat von.
    • dnsd 07.12.2014 00:50
      Highlight Highlight Ihr Linken und Gutmenschen könnt so oft und so viel spenden wie ihr wollt, benutzt einfach euer eigenes Geld... Man sollte bei der Steuererklärung ankreuzen können ob man für Entwicklungshilfe zahlen will oder nicht.
  • buehler11 05.12.2014 10:48
    Highlight Highlight Auf den Punkt gebracht, Super!

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