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«Big is beautiful»– und warum das für mich als Übergewichtige nicht stimmt

Bild: shutterstock

Vor Kurzem bekam ich eine Leserzuschrift, in der mich eine junge Frau sehr energisch darum bat, mich für Body Positivity einzusetzen. Sie nannte dabei Beispiele wie «Eff Your Beauty Standards». Kurz: Alle Menschen sind schön, wobei in diesem Fall hauptsächlich die Schönheit Übergewichtiger gemeint ist.  

Finde ich das? Finde ich, dass sich die Schönheitsideale aller anderen f***** sollten und dass alle Menschen schön sind?  

Nope. Ich finde nicht alle Menschen schön. Und ich finde nicht alle übergewichtigen Menschen schön. Und ich finde, weiss Gott, ab und zu mich selber alles andere als schön. Big ist für mich nicht automatisch auch beautiful.

Das ist aber eigentlich völlig egal. Der Punkt ist: Das muss es nicht. Und das muss es auch für niemand anders.  

Body-Positivity-Movements werden oft missbraucht, um zu propagieren, wen die Allgemeinheit alles schön zu finden hat. Was für ein Humbug! Dabei geht’s um Akzeptanz, nicht um Attraktion! Ästhetik liegt im viel zitierten «Eye of the Beholder» und nirgends anders. Ich kann also niemandem sagen, sein Schönheitsideal soll sich mal f*****. Man findet schön, was man schön findet und wen man schön findet, und ich kann noch so lange und laut umestämpfele und Onlinekampagnen fahren, das wird sich nicht ändern. Ende.  

Ich bin übergewichtig. Und ich verlange von absolut niemandem, dass er oder sie das schön finden muss. Ich propagiere auch kein Übergewicht. Die Konsequenzen davon kennt man, ich sowieso.  

Was ich jedoch schwierig finde, ist, wenn Menschen beginnen, Attraktion und Akzeptanz zu vermischen und zu denken, dass das, was sie unattraktiv finden, weniger von ihrem Respekt verdient.  

Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass gewisse Leute zu denken scheinen, sie hätten ein Anrecht darauf, den Körper anderer öffentlich zu kritisieren oder zu bewerten, sobald er nicht mehr der Norm entspricht, der sie angehören. Sei er zu dick oder zu dünn oder zu trainiert oder zu wenig definiert oder zu oft operiert – sei es derjenige eines Mannes oder derjenige einer Frau. Und das oft in völlig zusammenhangslosen Momenten.

Gruppenferienfoto: «Woah, dä links chönt au wiedermal is Fitness oder «Chönt öper ihre rächts mal es Pommfritt gäh?» Was bringt einem ein solcher Kommentar?

Ich selber habe nur mit Reaktionen auf Übergewicht Erfahrung. Ein Mangel an Disziplin sei das und man müsse sich «halt einfach mal ein bisschen zusammenreissen». Auch diese Tipps kommen meist ungefragt.

«Friss eifach chli weniger und mach meh Sport  

Nun ja, das mag stimmen. Zumindest teilweise. Ich bin mir sehr bewusst, dass ich die Verantwortung dafür trage, wie ich aussehe. Trotzdem: Wenn es für Übergewichtige ganz so einfach wäre, abzunehmen, wären nicht so viele Menschen auf der Welt ausserhalb der Normalgewichtszone. Das scheint etwas zu sein, das für gewisse Menschen einfach ausserordentlich schwierig umzusetzen ist – und ich kann nicht erklären, warum das so ist, aber mir geht’s nicht anders. Obwohl ich weiss, dass Übergewicht ungesund ist. Und obwohl ich weiss, dass ich abnehmen sollte.  

Darüber bin ich letztendlich jedoch absolut niemandem ausser mir selbst Rechenschaft schuldig, schon gar nicht Fremden, die ihre negativen Aussagen über mich darauf aufbauen, dass sie persönlich nicht mit mir ins Bett wollen und ich aufgrund meines Äusseren ein leichtes Opfer bin.   

Ein «Friss doch einfach weniger/mehr» hilft niemandem. Übergewichtige (und ich nehme an auch alle anderen ausserhalb der Norm) sind sich auch ohne solche Sprüche bewusst, dass sie nicht ins Schema passen. Meist ist ihr Gewicht eines der zentralsten Themen ihres Lebens – sie genau auf den Teil ihrer selbst zu reduzieren, mit dem sie ohnehin schon am meisten zu kämpfen haben, hilft ihnen nicht, es tut ihnen nur zusätzlich weh.

Ich wundere mich da jeweils über das Empathiedefizit gewisser Zeitgenossen. Was dir leicht fällt, fällt nicht allen leicht, was du im Griff hast, hat nicht jeder im Griff – das sollte man als erwachsener Mensch begreifen. Baustellen haben wir alle, genauso wie kognitive Dissonanzen, wo wir eigentlich wüssten, was das Beste wäre, es aber trotzdem nicht umsetzen – nur weil man mir meine ansieht, ist das keine Aufforderung (und keine Berechtigung) dazu, mich öffentlich zu verurteilen oder mir sonst wie weh zu tun.  

Denn solche Bewertungen und Urteile und Beleidigungen tun weh, da bin ich ganz ehrlich.  

Fast noch schlimmer finde ich die, die im Namen aller reden. «Dicke/Dünne sind ekelhaft und wer das Gegenteil behauptet, lügt!» Was ich persönlich viel eher abstossend finde, ist, wenn jemand so sehr von seinem eigenen Sinn für Ästhetik überzeugt ist, dass er keine Hemmungen hat, ihn als Maxime der Attraktivitätsbeurteilung auf alle andern zu projizieren – nebst der Tatsache, dass ich aus Erfahrung sagen kann, dass obige Aussage nicht stimmt.

Unbestritten gelten Körper im Normalbereich beim Durchschnitt als attraktiver als diejenigen ausserhalb. Ich bin mir dessen bewusst und finde das auch völlig verständlich. Nur gibt es da doch noch den einen oder die andere ausserhalb des Durchschnitts (nach oben, nach unten und in alle anderen Richtungen auch) – und auch deren Sinn für Ästhetik hat Gültigkeit, erstaunlicherweise genau gleich viel wie der desjenigen, der sie pauschal als Lügner bezeichnet.  

Nochmal: Niemand muss mich schön finden, ich beanspruche nicht, dem generellen Schönheitsideal zu entsprechen, ich finde mich auch nicht «mutig» und propagiere kein Übergewicht (im Gegenteil) – aber mein Körper gehört mir und keine Speckrolle, kein fehlender Waschbrettbauch und keine herausstehenden Knochen der Welt berechtigen Angriffe, öffentliche Be- und Entwertung, Auslachen oder Niedermachen.  

Mein persönliches Fazit: Wir als Übergewichtige (und sonst wie Andersartige) müssen aufhören, die Tatsache, dass uns gewisse Menschen generell nicht attraktiv finden, als Angriff zu interpretieren. Und gewisse andere Menschen müssen ihrerseits aufhören, die Tatsache, dass sie uns nicht attraktiv finden, als Berechtigung für persönliche Angriffe und öffentliche Bewertung zu verstehen.  

Wir sind nicht dafür da, für alle anderen Menschen attraktiv zu sein – das müssen wir nur für unsere (potentiellen) PartnerInnen. Und die finden uns schön, als Gesamtes, und die wissen schon, was sie tun. Alle andern sollen sich an unseren Persönlichkeiten oder unseren Talenten oder unserer Freundschaft erfreuen oder in Gottes Namen ihres Weges ziehen – und damit meine ich auch mich selber, wenn es ums Äussere anderer geht.  

Deine privaten Krämpfe und Baustellen gehen mich nichts an – und meine Speckrollen gehen dich nichts an, auch wenn man sie besser sieht als deine Imperfektionen. So wie du mehr bist als deine inneren und äusseren Fehler, bin ich mehr als meine Figur.

Es sollte also nicht heissen «Eff your beauty standards», sondern «Eff your (beauty) judgement». Wirklich hässlich macht uns nämlich nicht unser Äusseres.  

Wir sind alle seltsame, schwabbelige, haarige, knochige, unsichere, scheue, verpickelte, glatzköpfige, dellige, winzige, riesige ... imperfekte Männlein und Weiblein.

Wer ohne Sünde ist, werfe nun den ersten Stein.

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Yonni Meyer (34) ist Psychologin und schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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66
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66Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Thinkdeeper 29.01.2017 08:44
    Highlight Highlight Hei yonni

    Behalte Deine Sensibilität.

    Idealuesierung , Diskriminierung von Andersartig- und Vielfältigkeit sowie Respektlosigkeit ist eines der Grundübel unserer Zeit.

    Und dann gibt es noch Staatseigene Betrieb in denen Sportwahn existiert und Vorgesetzte haben die Sport als Einstellungskriterien definieren. Diversikation ist dort oft nur ein weiteres Marketing Schlagwort oder echte fake News.

  • BigE 28.01.2017 13:32
    Highlight Highlight Ich kenne es eher anders rum. Solange man "dick" ist, sagt keiner was. Aber wenn man von einem BMI >30 auf einen BMI <22 abnimmt kommen unangemessene Sprüche wie "nicht, dass du jetzt in die Magersucht fällst" oder "iih, du bist ja nur noch Haut und Knochen" oder "jetzt reichts dann langsam mit Abnehmen"! Aber keiner sagt was, wenn man dick ist und die gesundheitlichen Gefahren viel grösser sind (Schlaganfall, Diabetes etc)!
    Ich denke, dass dick sein heute "normal" ist und "normal" ist "zu dünn"!
  • compuking 11.07.2016 10:40
    Highlight Highlight Danke für den Artikel :) der Spricht mir wie aus der Seele!
  • pamayer 11.07.2016 01:51
    Highlight Highlight XXXL QUALITÄT!
    DANKE.
  • Sveitsi 10.07.2016 14:45
    Highlight Highlight Danke.
  • Butschina 10.07.2016 14:17
    Highlight Highlight Kürzlich besuchte ich einen Vortrag einer Ärztin über Adipositas. Ich habe erfahren, dass gerademal 10% der stark Übergewichtigen (BMI >35) auf konservativem Wege abnehmen können. Das hat mich geschockt. Im Gehirn finden Veränderungen statt, welche sogar vererbbar sind. Man hat zu viel Hunger. Diese Veränderungen sind zwar reversibel, aber das schaffen die meisten nicht. Als Kind habe ich mich oft gefragt, warum ich dick bin. Wenn ich meine Ernährung mit anderen Kindern verglichen habe, hätte ich dünner sein müssen. Abnehmen ist schwierig und es gibt erklärbare Gründe.
  • Nibu 10.07.2016 12:58
    Highlight Highlight Liebe Yonni,

    Super Text. Dankeee. Ich hoffe, möglichst viele haben ihn verstanden.

    Könnte vielleicht jemand einen solchen Text über Ernährung oder Training schreiben?

    Fast täglich widerspricht sich die Ernährungs- und Trainingswissenschaft und gibt neue 'Fakten' raus.

    Fettsteuer, eine Kranken(!)kassenprämie, die an einen "gesunden(!)" Lebensstil gebunden ist/sein wird. Was gesund ist, weiss nur die Wissenschaft.

    Bsp. Heute heisst das Zauberwort Intervall-Training, ich esse viel Butter und bin gesund, die Person, die mir früher am meisten Wärme gegeben hat, war füllig.

    bin abgeschweift /

  • dischönscht 10.07.2016 00:19
    Highlight Highlight Yonni, ich find dich schön. Sehr sogar
  • Calvin Whatison 09.07.2016 18:38
    Highlight Highlight Herrlich zu lesen, selbstbewusst und aufbauend. Merci Frau Meyer :)
  • rodolofo 09.07.2016 14:48
    Highlight Highlight In diesem Zusammenhang möchte ich mit Euch einen Spruch eines Bosniaken teilen:
    "Mann ohne Bauch ist wie Himmel ohne Sterne!"
    Was in etwa aussagt: "Ihr könnt mich mal mit Euren Schönheits-Idealen! Ich finde mich genau richtig, so wie ich bin."
    Das Tragische an Schönheits-Idealen ist ja, dass diejenigen, welche ihnen nacheifern, viel leiden müssen und dann vielleicht gequält, mürrisch, oder weinerlich dreinschauen, was ihre Atraktivität wieder senkt...
    Hier gibt es wie überall im Leben kein Universal-Rezept.
    Sowohl die "Natürlichkeit" als auch "Schickimicki-Style" haben ihre Vor- und Nachteile.
  • Klaus K. 09.07.2016 10:38
    Highlight Highlight "Alle-Menschen-sind-schön" Bewegungen aus den USA führen zu dieser unsäglichen Politischen Korrektheit die langsam auf US-Universitätscampus einzug hält, die letzten Endes darin gipfelt, dass man Wörter wie "übergewichtig" schlicht aus dem zulässigen Vokabular verbietet. Weil sich irgendein Mensch dadurch in seinem Gemüt verletzt fühlen kann.
    Siehe diesen guten Artikel der NZZ, "Hexenjagd auf dem Campus".
    http://www.nzz.ch/meinung/political-correctness-in-den-usa-hexenjagd-auf-dem-campus-ld.90416
    -
    Und nein, nicht alle Menschen sind schön, genau wie nicht alle nett oder vermögend sind.
  • pinex 08.07.2016 23:21
    Highlight Highlight Bester text den ich je zu diesem thema gelesen habe! Jede wort ein treffer, merci yonni!
  • Sapere Aude 08.07.2016 22:35
    Highlight Highlight Ich mag jetzt nicht in den allgemeinen Applaus einstimmen, denn obwohl der Text in vielerlei Hinsicht gut ist, enthält er nichts Neues. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich zu den Andersartigen zähle und mir dem Spannungsfeld zwischen Eigen und Fremdwahrnehmung , sowie Selbst und Fremderwartung sehr bewusst ist. Ich behaupte, der wesentliche Punkt ist gerade, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise für sich "Perfektion" finden kann, wenn er oder sie denn will und sich gegenüber Fremdeinwirkungen abgrenzen kann.
  • proggynuss 08.07.2016 22:17
    Highlight Highlight sehr genau auf den Punkt gebracht!!
  • HerrBircher 08.07.2016 20:16
    Highlight Highlight Langer und absolut genialer Artikel. Danke vielmals dafür!
  • SVRN5774 08.07.2016 19:25
    Highlight Highlight Super 👍👍 Danke Yonni Meyer
  • achsoooooo 08.07.2016 18:25
    Highlight Highlight Die Diskussion gibt es schon lange, und noch immer ist man nicht zu einer guten Antwort gekommen. Das wird wohl auch so bleiben, weil sich Schönheitsideale ständig ändern und auch nicht jeder Mensch die gleichen Vorstellungen von schön hat. Das alles spielt meiner Meinung nach eine untergeordnete Rolle. Für mich gilt "Hauptsache gesund". Natürlich hab ich Ideale, das leugne ich nicht, aber was wichtiger sein SOLL, ist meiner Meinung nach die Gesundheit. Deshalb denke ich, dass das Gewicht in einem gewissen Spektrum sein soll. Aber ist es richtig, Gesetze wie z.B. die Fettsteuer zu machen?
    • Schubidubidubid 09.07.2016 00:05
      Highlight Highlight Wenn schon Gesetze, dann ungesunde Lebensmittel besteuern. Sicher nicht Menschen für ihre Schwäche bestrafen, sondern die Lebensmittelindustrie in die Pflicht nehmen und in der Schule den Kindern beibringen, wie man anständig isst.
    • achsoooooo 09.07.2016 12:43
      Highlight Highlight @schubidubidubid: Das ist ja genau das, was man mit der Fettsteuer erreichen will (und was ich gemeint habe) ;)
    • Schubidubidubid 10.07.2016 04:40
      Highlight Highlight Achso; ich dachte, es sei sowas wie höhere Krankenkassenprämien für Übergewichtige gemeint.
    Weitere Antworten anzeigen
  • buenavista62 08.07.2016 17:47
    Highlight Highlight Ich finde den Artikel grundsätzlich gut, jedoch bekomme ich im Kommentarbereich den Eindruck, dass man übergewichtige Menschen nur noch mit Samthandschuhen anfassen darf.

    Natürlich darf jeder machen, was er will etc., doch ich will auch meine Meinung sagen können, ohne jemandem zu nahe zu treten. Man hört immer so gerne Lob, aber konstruktive Kritik ist anscheinend nicht angesagt. Ich will meinem Bruder noch sagen dürfen, dass es nicht gesund ist für ihn, übergewichtig zu sein. Da fühle ich mich auch nicht schlecht dabei. Dabei geht es für mich primär um die Gesundheit, nicht das Äussere.
    • Grummelzwerg 08.07.2016 19:06
      Highlight Highlight Ich glaube nicht dass dein Bruder den Hinweis auf den Gesundheitsaspekt benötigt, das wissen wir Übergewichtigen schon selbst
    • buenavista62 09.07.2016 01:35
      Highlight Highlight Darf man sich also nicht mehr sorgen? Manchmal hilft es eben, wenn nahestehende Personen einen auf den richtigen Weg bringen wollen. Es geht mir ja nicht darum, ob es mir gefällt oder nicht. Jeder kann übergewichtig sein, nicht meine Sache. Doch bei den Menschen um mich kümmerts mich schon wegen der Gesundheit.

      Meine Kollegen im Studium müssen mir auch nicht sagen, dass ich fleissiger sein sollte, das ist mir ja auch bewusst. Dennoch hilft und motiviert es mich, wenn man mich konstruktiv darauf anspricht. Man will helfen, nicht runtermachen.
    • Grummelzwerg 09.07.2016 07:46
      Highlight Highlight Natürlich darf man sich sorgen, es spricht für dich wenn du dir darüber Gedanken machst. Meiner Erfahrung nach ist es jedoch so dass man sich seines Übergewichts und der damit einhergehenden Probleme jeden Tag bewusst ist, besonders bei jeder Mahlzeit denkt man daran. Wenn mich dann meine Familie auch in guter Absicht darauf hinweist tut es einfach weh, da man dann nicht nur sich selbst gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, sondern auch noch gegenüber der Familie
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bruno Wüthrich 08.07.2016 16:05
    Highlight Highlight Jede/r, und ich betone, wirklich JEDE/R, der/die auf anderen wegen ihres Aussehens herumtrampt oder oder sie respektlos behandelt, hat selber ein riesiges Defizit mit sich herum zu schleppen, von dem er/sie sich selbst ablenken muss und andere ablenken will.

    Ich kenne keinen einzigen Menschen, der souverän und mehrheitlich zufrieden durch sein Leben geht, der andere wegen vermeinlichen körperlichen Defiziten kritisiert oder sie respektlos behandelt.

    Menschen, die sowas nötig haben, sind eigentlich «armi Sieche»! Dies sollte man bei dieser Diskussion auch nicht ganz aus den Augen verlieren.
    • RobertQWEC 10.07.2016 19:21
      Highlight Highlight Ich wäre halbwegs so Einer, den du beschreibst. Ich bin sehr zufrieden mit mir, behandle jedoch andere mit Respekt. Gegen dicke Leute, die sich vollstopfen und trotzdem schlank sein wollen, habe ich dann leider doch eine Abneigung. Wenn ich sehe, wie diese Leute vor die Hunde gehen und trotzdem munter weiter machen, "chunts mer gredi obsi".
      Die Schlimmsten sind die, die denken, alle schlanken wären genau so faul und gefrässig, wie sie selbst und sie hätten eben den schwarzen Peter gezogen. Den Dicken darf die Motivativation zum Abnehmen nicht genommen werden. Wir Anderen zahlen mit.
  • Hand-Solo 08.07.2016 15:11
    Highlight Highlight Ich kann als ebenfalls Übergewichtiger jedem Wort zustimmen.
    Das Problem ist, halt einfach, dass allgemein nur ein Schönheitsideal Akzeptiert wird. Wir leben in einer Zeit, in der eine Ashley Graham (Um ein Beispiel zu nennen) als "Plus Size" gehandelt wird obschon sie medizinisch gesehen Normalgewichtig ist.
    Meiner Meinung nach müsste "Plus Size" ja ein Überwichtiges Model sein oder nicht? Entsprechend müsste es auch eine "Sub Size" geben. Und in der Mitte diejenigen welche der Norm, und somit dem Ideal entsprechen. Marilyn Monroe würde heute als "Plus Size" gelten und das ist doch krank.
    • Lichtblau 26.07.2016 19:35
      Highlight Highlight Die riesenhafte Ashley Graham und die doch eher zierliche Marilyn Monroe: also da sind doch einige Pfunde dazwischen.
  • Emperor 08.07.2016 13:43
    Highlight Highlight Finde ich einen guten Text ^^ Meiner Meinung nach könnte er nur fast noch ein bisschen weiter greifen, denn solang es nur um einen selber geht stimme ich dem vollkommen zu, sobald es jedoch darum geht, was in der Modebranche/Werbung uns als Vorbild präsentiert wird und was dann für viele von uns auch tatsächlich zu einem Vorbild wird, ist die ganze Sache nicht mehr so einfach...
  • 8004 Zürich 08.07.2016 13:11
    Highlight Highlight "Was ich jedoch schwierig finde, ist, wenn Menschen beginnen, Attraktion und Akzeptanz zu vermischen und zu denken, dass das, was sie unattraktiv finden, weniger von ihrem Respekt verdient."

    Yonni Meyer, 2016
    • JasCar 08.07.2016 14:33
      Highlight Highlight Genau dieser Satz ist mir auch aufgefallen. Der wird hoffentlich zigfach geteilt!
      Danke für diese superweise und prägnante Aussage Yonni!
  • Luca Brasi 08.07.2016 12:27
    Highlight Highlight Ich mag keine Ahnung von Ästhetik haben, aber dieser Artikel ist schön. #eyeofthebeholder
    :)
  • just sayin' 08.07.2016 12:26
    Highlight Highlight 'finde deinen text super und stimme 100% zu.
    heutzutage wird leider vielfach eine eigentlich gute sache mit gestapoider härte durchgesetzt.

    ich habe so eine blöde angewohnheit - diese heisst "denken". ich bin dann zwar nicht immer politisch korrekt und trendy, habe aber ein gutes gewissen.
  • sheshe 08.07.2016 12:23
    Highlight Highlight "Gahn go abnäh und hock ab, man" #neverforget
  • Angelo C. 08.07.2016 12:03
    Highlight Highlight Nicht nur eine gelungene Nabelschau, sondern überdies ganz ausgezeichnete allgemeine Betrachtungen - und dies für direkt Betroffene wie auch für weniger Betroffene 😊!

    Ich kann da insofern gut mitreden, weil es in meinem langen Leben ein Dauerbrenner war, mal fett, dann wieder 2-3 Jahre schlank - im Schrank verschiedene Garderoben von M bis XXXL. Ein steter Kampf!


    Die krassen Bilder vieler US-Mc-Donalds-Bürger halfen mir zusätzlich dauerhaft abzunehmen, zumal Adipositas in zunehmendem Alter eine gesundheitliche Hypothek ist.

    Seit vier Jahren endlich, glaube ich es gerafft zu haben 😑!



  • Cristalina 08.07.2016 11:32
    Highlight Highlight Sehr gut geschrieben! Aber selbst wenn man von der grossen Masse als "schön" wahrgenommen wird, darf man sich mit negativen Kommentaren rumschlagen. Als Frau mit ein wenig mehr Oberweite darf ich mir ständig anhören, dass die ja sowieso irgendwann nicht mehr straff sind, dass eine kleine Oberweite besser ist, da man keine Rückenprobleme bekommt, bla bla... Als hätte ich diese Sorgen für die Zukunft nicht selbst schon; als könnte ich so leicht etwas daran ändern. In unserer Gesellschaft ist es leider vielen einfach zu wichtig Negativität zu verbreiten um sich selbst besser zu fühlen.
    • Datsyuk * 08.07.2016 12:40
      Highlight Highlight Danke für den Text. Kompliment an dich.. Ich persönlich bin dafür, mehr Positives zu verbreiten. :-)
    • HerrBircher 08.07.2016 20:22
      Highlight Highlight Es gibt leider viele Menschen die es nötig haben ihren eigenen Selbstwert zu erhalten, indem sie andere abwerten. (Seelische) Verluste bei anderen werden somit bewusst in Kauf genommen.
      Finde ich persönlich sehr traurig, ist aber ein weit verbreitetes Phänomen (ganzes RTL und 3+ TV-Programm).
  • LeChef 08.07.2016 11:15
    Highlight Highlight Schöner Text Yonni :)
  • Pinguino24 08.07.2016 11:14
    Highlight Highlight Auf den Punkt! Danke für den tollen Artikel!
  • Krabappel 08.07.2016 11:13
    Highlight Highlight Und trotzdem finde ich dich mutig dafür, dass du dich für diese Thematik einsetzt und somit auch öffentlich angreifbar machst. Herzlichen Dank, Yonni
  • Rafa D 08.07.2016 11:09
    Highlight Highlight Bin ja wirklich kein Fan, aber das war jetzt wirklich, wirklich gut.
  • Gaspadin 08.07.2016 10:33
    Highlight Highlight Mit einem BMI von ungefähr 27 hat man die höchste Lebenserwartung, ab BMI 25 ist man jedoch offiziell übergewichtig. Von der Lebenserwartung her, müsste ein BMI von 25 bis 30 als wünschenswert, d.h. als noŕmal gelten.
    Die Ursache(n) für Übergewicht sind unbekannt. Und nein, zuviel Essen ist nicht Ursache, sondern ein Symptom als Folge. Als Ursache werden erforscht und sind plausibel bis wahrscheinlich: Epi- / Genetische Disposition, Infektionskrankheit(en), ungünstige Darmflora, zu hoher Konsum von Kohlehydraten, Giftstoffe, Stress, latenter Schlafmangel. Übergewicht ist Schicksal.
    • Emperor 08.07.2016 13:41
      Highlight Highlight Soviel ich gelesen habe ist Untergewicht laut einer neuen Studie gesünder als Normalgewicht aber ja... ich denke normalgewichtig sollte das allgemeine Ziel sein.
    • Hand-Solo 08.07.2016 15:34
      Highlight Highlight @Soulrifer und SeKu, seid ihr selber Übergewichtig, und habt Überhaupt Erfahrung damit? Kling nicht danach. Gerade die alte leier mit der Energiebilanz ist nämlich Bullshit. Ich kenne genügend "Spränzle" welche sich nach einer Packung Chips wieder hinter den PC setzen und Zocken.
      Ich führe seid einiger Zeit akribisch Ernährungstagebuch. Meine Energiebilanz wäre theoretisch negativ. Bei einem BMI von etwa 40 notabene. Habt ihr wirklich das Gefühl es sei so einfach?
    • Gaspadin 08.07.2016 16:13
      Highlight Highlight @Seku: Hat der graumelierte Herr Nackenschmerzen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Pfefferminza Viktualia 08.07.2016 10:17
    Highlight Highlight klasse Artikel!
    Ich bin selbst auch Übergewichtig und war es mal eine Zeitlang nicht, ich habe zu beiden Zeiten erfahren, dass Leute über mein Aussehen geurteilt haben. Entweder war ich "zu dick" oder ich hatte zu "kurze Haare" für eine Frau oder ich sollte aufpassen, dass ich nicht "zu dünn" werde. Das hat mich oft lang beschäftigt. Dann habe ich beschlossen, nur noch auf meine eigenen Kommentare zu achten, die ich vielleicht auch mal von mir gegeben habe unbedacht. Ich werde immer (vor allem mir selbst) irgendwie nicht passend sein, man kann aber nur die Art ändern damit umzugehen.
  • Stachanowist 08.07.2016 10:10
    Highlight Highlight Guter Text, stimme zu.

    Finde es ausserdem gut, dass die Problematik hier nicht - wie das in anderen Texten anderer Journis oft geschieht - auf übergewichtige Frauen reduziert wurde. Das Miteinbeziehen von Männern und Untergewichtigen ist wichtig, da diese genauso unter den Verurteilungen leiden können.
  • Talli 08.07.2016 09:34
    Highlight Highlight Seh ich eigentlich auch so wie du. Es geht nicht darum ob dick oder dünn schön ist. Diese unglaubliche reduzierung auf oberflächliches, dieser ich kult, selbstverwirklichung um jeden preis, jeder hat das recht sich narzisstisch zu benehmen und wird dabei von all den andern ich-jüngern gefeiert. Das schlimmste ist das alle in ihrem wahn nach individualismus und selbstverwirklichung gleich ausehen wollen, und dann mit ihren iphones selfies von sich poste. Ein selfie, wann wurde diese selbstvergötterung so gesellschaftskonform, und warum?
  • Louie König 08.07.2016 09:31
    Highlight Highlight Finde ich einen sehr tollen Artikel. Und sie hat absolut recht damit. Aber ich befürchte, dass hier Kommentare folgen werden, die auf die Aussagen, bezüglich des Abnehmens, zielen werden. Und das nicht in der feinen englischen Art.
    • Turi 09.07.2016 11:37
      Highlight Highlight Und wo ist das Problem, dass andere Menschen anders denken und dies auch sagen?
  • maljian 08.07.2016 09:28
    Highlight Highlight Danke für diesen tollen Beitrag.
  • Datsyuk * 08.07.2016 09:17
    Highlight Highlight Yonnie, this text is beautiful.

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