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Yonnihof

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Mal luege ...

Über den Niedergang der Verbindlichkeit.



In den letzten Tagen machte eine Geschichte in den Social Media die Runde.

In England hatte der kleine George Hillsbottom-Clairebridge (*Name geändert) den kleinen Henry Cottonwool-Brandywine (*Name ebenfalls geändert) zu seinem Geburtstag eingeladen. Es sollte ein vergnügter Nachmittag in der Skihalle werden. Henrys Vater sagte zu, sein Sprössling entschied sich jedoch am Tag des Ausflugs, lieber zu Granny und Gramps zu fahren und tauchte in der Folge unabgemeldet nicht am Geburiplausch auf. 

Nach Neujahr tauchte Henry eines Tages mit einer Rechnung im Rucksack zuhause auf. Eine Rechnung über £15.95 von der Skihalle - Betreff: No Show Fee (also eine Busse, weil das Kind nicht aufgetaucht ist). Henrys Vater ist nun ganz ausser sich und will das Geld nicht bezahlen, worauf anscheinend Georges Mutter mit weiteren rechtlichen Schritten drohte.

Wenn ich das also richtig verstanden habe, gibt die Mutter vom kleinen George die ihr von der Skihalle auferlegte No Show Fee an die Eltern des Kindes weiter, das tatsächlich nicht aufgetaucht ist, oder sehe ich das falsch? Und sie ist nun die Hexe?

Natürlich kann man sagen, dass es etwas unglücklich ist, dass sie sich nicht direkt bei Henrys Eltern meldet und das so klärt. Vielleicht kann man auch darüber streiten, ob es sich lohnt, wegen CHF 21.10 ein solches Tamtam zu veranstalten.

Ich verstehe aber ganz ehrlich den Aufschrei nicht, der jetzt durch die Massen geht und warum man findet, die Mutter von George habe sich daneben verhalten. Es ist doch völlig offensichtlich, welche Partei diese Busse bezahlen muss. Der Zwerg ist nicht aufgetaucht, man hat sich am Tag des Ausflugs die Mühe nicht gemacht, die Nummer von Georges Eltern ausfindig zu machen, um ihnen mitzuteilen, dass Henry nicht teilnimmt. Das zog eine Strafe nach sich, man bekommt eine Rechnung und diese wird den Verursachern weitergegeben. Zagg. Ganz simpel.

Nun die Mutter als kleinlich und geldgeil zu bezeichnen, ist vor allem seitens Henrys Vater ziemlich ironisch, da diese ganze Episode gar nicht zustande gekommen wäre, wenn er sich an das gehalten hätte, was er versprochen hat.

Grundsätzlich wirft diese Geschichte doch einmal mehr die Frage nach der Verbindlichkeit auf. Warum sagt jemand zu und taucht dann, ohne sich zu melden, nicht auf?

Verbindlichkeit ist heute offensichtlich nicht mehr dasselbe wie früher. Viele sagen ja, das sei auf den Fortschritt der Technologie zurückzuführen. Wo man sich früher noch auf dem Pausenhof verabredete und im Anschluss keine Möglichkeit mehr hatte, einen Rückzieher zu machen, bieten die heutigen Technologien die Möglichkeit, kurzfristig abzusagen, zu verschieben oder so zu tun, als hätte der Hund das iPhone gefressen.

Verschiebt sich nun aber das Kurzfristig-Absagen-Können mittels Handy auch auf andere Verpflichtungen? Wird die Unverbindlichkeit zu einer Grundeinstellung?

Während meines Buchverkaufs zum Beispiel wurden von 1000 bestellten Büchern nur 700 ohne weitere Aufforderung bezahlt. An Geburtstagspartys rechne ich mittlerweile damit, dass nur circa 60% aller Angemeldeten auftauchen.

Und es stellt sich mir die Frage: Was ist so schwierig daran, sich an das zu halten, was man abmacht? Ist es heute einfacher, den kurzfristigen «Anschiss» siegen zu lassen und im Pischi zuhause zu bleiben, anstatt rauszugehen, weil die Absage nur ein SMS entfernt ist? Und schadet das längerfristig nicht unseren zwischenmenschlichen Beziehungen, weil Verlässlichkeit doch auch eine derer Grundlagen ist? Von den Auswirkungen auf Liebesbeziehungen will ich gar nicht anfangen.

Vielleicht sollten wir uns alle an der Nase nehmen und wieder eher zu dem stehen, was wir sagen. Wäre ein guter Vorsatz.

Naja. Mal luege...

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen –direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 26.01.2015 12:26
    Highlight Highlight Die Unverbindlichkeit geht ja schon soweit, dass wenn man nach einer Einladung tatsächlich erscheint, dort schief angesehen wird weil man erscheint. In den USA ist das mit dem Unverbindlichkeitszeugs eigenartig. Speziell ein Date muss als Date, als beidseitige Willensäusserung so committet werden, soll es ein Date werden und nicht ein unverbindliches Erscheinen oder Nichterscheinen. Wir haben ein Date....oder eben keins....
  • ruedi 22.01.2015 14:34
    Highlight Highlight Ich denke, diese Schlacht ist verloren. Sogar ältere Menschen übernehmen diese Unverbindlichkeit.
    Bin in einem Verein, da wird nicht mal ein Austrittsschreiben erwartet: zahl den Jahresbeitrag nicht, und du wirst diskussionslos ausgetreten.
    Praktisch für alle.
  • Silas89 21.01.2015 14:46
    Highlight Highlight Was in dem Fall irgendwie auch viel zu wenig beachtet wurde:
    Er hat für eine Geburtstagsparty zugesagt und wollte dann spontan lieber zu den Grosseltern. Ich finde den Grund auch absolut übel. Da sagt er seinem Kollegen, dass ihm ein Besuch bei den Grosseltern wichtiger ist, als diese Geburtstagsparty. Der Geburi bedeutet grad Kindern meist viel. Er behandelt seine Freunde schlecht und bekommt dabei noch Rückendeckung von seinen Eltern! Man sollte wohl mehr über die heutigen Eltern und weniger über die heutige Jugend herziehen.
  • adritschka 21.01.2015 12:58
    Highlight Highlight Betrifft zwar eher das Thema Höflichkeit (und somit den ersten Teil des Atikels) als Verbindlichkeit, aber es sollten ja beide Themen vereinbar sein, darum:
    1. Finde ich es daneben (und nicht einfach nur unglücklich -absichtliches provozieren!) dass die Mutter eine Rechnung ausgestellt hat und nicht einfach höflich gefragt hat, ob sich die Eltern des nicht aufgetauchten Kindes sich daran beteiligen möchten, da sie nicht gewusst hatte, dass der Kleine nicht kommt.
    2. die darauffolgende Androhung mit rechtlichen Schritten ist auch übertrieben und da stellt sich mir die Frage, ob da nicht jemand auf Streit aus ist. (welche übrigens darum entstand weil Henrys Eltern auf das arrogante Verhalten/Art mit der Rechnung sich logischerweise nicht dem unterwerfen wollten.
    Natürlich, die Eltern des Nichterschienenen haben nichts gesagt wegen Absagen und so, aber wenn dir diese Zu/Absage so viel bedeutet dass du nachher das Tralala wert ist, eine Rechnung und rechtliche Schritte einzuleiten, dann hätte man halt nochmal nachfragen können wie es mit der Situation aussieht. "aber de ander hed doch agfange!".

    Müssten Henrys Eltern zahlen? - Wahrscheinlich (was sie bei höflichem Nachfragen sicherlich auch gemacht hätten.)
    Darf man deswegen die Höflichkeit über Bord werfen und eine Rechnung ausstellen ohne zuerst direkten Kontakt zu suchen? - Nein.
    Jedenfalls meine Meinung.



    • Yonni Moreno Meyer 21.01.2015 14:44
      Highlight Highlight Kann ich alles nachvollziehen. Die Rechnung kam meines Wissens nach jedoch von der Skihalle und wurde von der Mutter lediglich an die Verantwortlichen weitergegeben.
  • Cross Damon 21.01.2015 11:49
    Highlight Highlight Das ist keine neue Erscheinung. Als ich vor 40 Jahren an der Kantonsschule war, und man wollte sich z.B. am Donnerstag zum Skifahren am Wochenende verabreden, hiess es genauso: «Mal luege»....und nicht etwa als Einzelfall, sondern schon damals hofften wir alle, dass noch etwas besseres, vielleicht die grosse Liebe oder sonstwas passiert... «Mal luege» ist heute vielleicht noch etwas kurzfristiger geworden. Aber es ist so, dass man immer auf den ultimativen Kick hofft – damals wie heute. Anderes ist die Sache mit der Abmeldung. Das ist tatsächlich ein Problem. Dabei ist es heute viel einfacher.
  • Cardea 21.01.2015 11:33
    Highlight Highlight Seh ich genau so. Du drückst wieder einmal treffend aus, was ich denke.

LINKE UND NETTE: Von wegen «kleine Schwester von Scheisse»

RECLAIM THE NICENESS!

Die SVP hat’s mal wieder getan. Wie ein kleines Kind, das Aufmerksamkeit sucht, indem es einen Gaggi an die Wand malt (nicht zu verwechseln mit SEINEN Gaggi an die Wand malt), hat sie mit ihren Apfelplakaten für Furore gesorgt. Äusserst erfolgreich – was denn die Aufmerksamkeit angeht. Es ergoss sich die zu erwartende Kritik und dann die Kritik an der Kritik und dann «Warum gibt man sowas überhaupt eine Plattform??!!1!!», etc., etc., blabla.

Schwarze und weisse Schöfli, schlitzende Kosovaren, …

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