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Bild: s_buckley/shutterstock
Zum Tod von Robin Williams

Oh Captain, my Captain

Gedanken über die Wichtigkeit des Lachens und über die Tränen dahinter.
12.08.2014, 12:5013.08.2014, 09:20

Als ich gestern Mittag meine Kolumne zu wichtigen Botschaften aus Hollywood verfasste und als erstes Beispiel «Carpe Diem» aus dem Club der toten Dichter wählte, wusste ich nicht, dass nur ein paar Stunden später der wunderbare Schauspieler, welcher diese Worte 1989 aussprach, sich entscheiden würde, nicht mehr leben zu wollen.

Robin Williams' Tod hat mich sehr traurig gemacht. Er war ein brillanter Schauspieler und Komiker und er war Teil meiner Jugend

Und ich bin damit nicht allein. Viele zollen ihren Respekt, ihre Bewunderung, ihre Traurigkeit. Andere sind – wie immer, wenn jemand Bekannter stirbt – damit beschäftigt, solche Trauerbekundungen niederzumachen, den Leuten zum Vorwurf zu machen, dass sie «als er noch gelebt hat noch kein Fan gewesen sind» und diese ganzen Beileidsbekundungen doch einfach nur unnatürlich und heuchlerisch seien.

Ob man Fan war oder nicht, ist in meinen Augen komplett irrelevant. Ein Suizid ist und bleibt etwas Tragisches und ich finde es persönlich viel natürlicher, darob zu erschrecken, als anderen erzählen zu wollen, was sie in einer solchen Situation zu tun oder zu lassen haben.

Ein Ausnahmetalent

Robin Williams war ein Ausnahmetalent, das steht ausser Frage. Und er tat etwas, was bei weitem nicht jeder Hollywood-Schauspieler beherrscht: Er brachte uns zum Lachen. Und zwar mit einer völlig natürlichen Leichtigkeit. Man kann sagen, dass seine lustigen Rollen zum Teil eher trivial waren – meiner Meinung nach ist das aber nebensächlich, denn man darf nicht unterschätzen, welchen Einfluss herzhaftes Lachen auf die Stimmung, den Zusammenhalt zwischen Menschen und in der Folge aufs ganze Leben hat. Und so machte Williams zumindest mein Leben immer mal wieder ein Stückchen besser.

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Sein Freitod gewinnt genau deswegen zusätzlich an Tragik – weil es sich bei ihm um eine moderne Form des «traurigen Clowns» handelt. Williams hatte sein Leben damit verbracht und sein Geld damit verdient, Menschen zum Lachen zu bringen. Er spielte seine humoristischen Rollen derart gut, dass man automatisch davon ausging, dass er auch als Privatperson immer happy, lustig und zufrieden sein musste. Etwas, was er auch in Interviews mit Witzchen und tonnenweise Schalk stets vermittelte. Die Depressionen, die Alkoholabhängigkeit, das Abrutschen vertuschte er grösstenteils erfolgreich – zumindest der Öffentlichkeit gegenüber. 

Hinschauen und -hören sind angesagt

Es ist eine Geschichte, wie sie immer wieder passiert, auch ausserhalb Hollywoods, und wenn wir eine Lehre daraus ziehen können, dann die, dass wir genau hinschauen und -hören sollten, auch – oder vielleicht gerade – bei denen, die immer gut drauf sind. 

Depressionen werden von der Gesellschaft noch immer totgeschwiegen, was, wie das Beispiel von Williams, aber auch viele andere beweisen, verheerende Folgen haben kann. Solange wir als Gesellschaft unseren eigenen Mitgliedern das Recht auf Trauer versagen, eine «Riiss-di-mal-chli-zäme»-Mentalität vermitteln und Verzweiflung als Schwäche abgestempelt wird, solange wird es auch immer wieder Menschen geben, die am Aufrechterhalten dessen, was die Gesellschaft lieber sehen möchte – nämlich Witz, Schabernack und Problemlosigkeit – scheitern und zugrunde gehen werden.

Yonni Meyer
Sie gilt als Schweizer Facebook-Phänomen: Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt.

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