Der Enthüller
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Der Albtraum jedes Pendlers: Andere Pendler. Bild: KEYSTONE

Der Enthüller

Bundesgericht verurteilt Schwarzfahrer zu fünf Jahren Stehpendeln 

Claudio Gagliardi
Claudio Gagliardi

Lausanne (den) - Kevin Zaugg aus dem Zürcher Säuliamt stehen harte Zeiten bevor. Das Bundesgericht hat den unbelehrbaren Schwarzfahrer am Dienstag zu fünf Jahren Pendeln im morgendlichen Berufsverkehr verurteilt. Man wolle mit der drakonischen Strafe ein Exempel statuieren, sagten die Richter in einer Pressemitteilung. Doch der Reihe nach. 

Zaugg lebt in Hedingen und pendelt jeden Tag an seine Arbeitsstelle als Informatiker in Affoltern am Albis. «Die Stationen liegen nur drei Minuten auseinander. Da wäre ich doch schön blöd gewesen, mir dafür jedes Mal ein Billett zu besorgen. Im Nachhinein hätte ich es wohl besser getan», sagt Zaugg nach dem Urteil. Denn trotz der kurzen Reisedistanz wurde der 35-Jährige zwischen Dezember 2010 und Januar 2014 über 50 Mal ohne Billett erwischt. Er wurde dafür vom Bezirksrichter zu drei Wochen Zeitungseinsammeln in Zürcher S-Bahnen verknurrt, das Obergericht bestätigte diese Strafe. Doch Zaugg zog den Fall weiter, in der Hoffnung, mit einer milderen Strafe davon zu kommen.

Sitzen verboten

Umso härter trifft ihn nun dieser Entscheid aus Lausanne. «Mein Mandant ist bei der Urteilsverkündung zusammengebrochen», sagt Anwalt Valentin Landmann. «Wir überlegen uns, den Entscheid am Menschenrechtsgerichtshof in Brüssel anzufechten. Aber ich bin ehrlich, die Chancen stehen schlecht, denn das Vergehen meines Mandanten ist schon recht gravierend.»

A man with an electronic tag working at an office, pictured on March 6, 2012 in Basel, Switzerland. Electronic Monitoring (house arrest) is a lenient alternative to prison time or juvenile-detention time. The term is implemented through controlling the convicted by attaching a transmitter on the ankle and connecting a receiver  to the telephone network.The sentence terms are 20 days to 12 months. --- Posed picture. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Mann mit einer elektronischen Fussfessel arbeitet in einem Buero, aufgenommen am 6. Maerz 2012 in Basel. Electronic Monitoring ist der Vollzug von Freiheitsstrafen mittels eines am Fussgelenk angebrachten Senders und eines an das Telefonnetz angeschlossenen Empfaengers. Die Strafe dauert von 20 Tagen bis zu 12 Monaten --- Gestellte Aufnahme. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Apples iWatch wird von vielen Konsumenten falsch angewendet. Bild: KEYSTONE

So sehen das auch die Lausanner Richter und belegen Kevin Zaugg mit einer ganzen Reihe von Auflagen. So muss er jeden Morgen um 07:21 mit der S12 von Winterthur an den Zürcher HB pendeln und von dort den 11er Richtung Bucheggplatz nehmen. «Unsere Experten haben berechnet, das dies die schlimmste aller Zürcher Pendlerstrecken ist. Schliesslich soll die Strafe eine abschreckende Wirkung für andere Schwarzfahrer haben», so Bundesrichter Sandro Zapella. Erschwerend kommt hinzu, dass Zaugg währen der ganze Reisedauer stehen muss, auch wenn es noch freie Sitzplätze hätte.

In Folge des Urteils muss Zaugg nun seinen Wohnort wechseln und sich eine neue Stelle in der City suchen. Zur Überwachung wird ihm auch eine Fussfessel montiert. «So können wir überprüfen, ob Zaugg die vorgegebene Pendlerstrecke einhält und nicht auf anderen Wegen ans Ziel gelangt.»

Der Enthüller

Hart recherchierte Fakten, fundierte Kritik und realistische Analysen? Die gibt es anderswo. Chefredaktor Buzz Orgler und sein Praktikant Pavel Kulicka decken auf, was keiner wissen will. Ob Berichte über einen Schwangerschaftstest fürs iPhone oder mit Zwiebeln verunreinigte Kebabs, die beiden gescheiterten Journalisten sind sich für keine Schlagzeile zu schade. Und schneller als die Wahrheit sind sie noch dazu.

www.der-enthüller.ch
Der Enthüller auf Facebook
Der Enthüller auf Twitter



Das könnte dich auch interessieren:

Fotograf schiesst DAS Foto der Notre-Dame und muss sich nun gegen Fake-Vorwürfe wehren

Link zum Artikel

Das grösste Verdienst von Tesla sind nicht die eigenen Autos

Link zum Artikel

Schluss mit Lügen! So lässt sich die ganze Welt allein mit grüner Energie versorgen

Link zum Artikel

Vergiss Tinder! Hier erfährst du, welches Potenzial deine Fassade hat 😉

Link zum Artikel

17 katastrophale Tinder-Chats, die definitiv niemanden antörnen

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 9 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Mit diesen 21 Fakten kannst du beim kommenden «Game of Thrones»-Marathon angeben

Link zum Artikel

«SRF Deville» verkündet Pfadi-Putsch in Liechtenstein – diese finden's gar nicht lustig

Link zum Artikel

Brauchen wir einen Green New Deal, um eine Rezession zu vermeiden?

Link zum Artikel

Wie rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke instrumentalisieren

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Roger2503 17.03.2014 19:45
    Highlight Highlight die S12 fährt um 07:22 in Winterthur
  • Niggy 16.03.2014 13:13
    Highlight Highlight lustiger Artikel, aber: "Menschenrechtshof"? In Brüssel? Bitte nächstes Mal kurz googlen und vom Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg schreiben... ;-)
    • Livia 17.03.2014 15:24
      Highlight Highlight Vielen Dank, Niggy, ist korrigiert.

      Liebste Grüsse,

      das Korrektorat

      PS: Wenn man "Menschenrechtshof" googelt, kommen 7250 Ergebnisse. Allen voran benutzt der Tagi das Wort, gefolgt vom Tagesspiegel und vom SRF. Wer hat jetzt die aufmerksamsten Leser ;) ?
  • papparazzi 14.03.2014 04:35
    Highlight Highlight Aber etwas haben die Richter vergessen: Die Auflage beim Pinkeln sitzen zu müssen. Denn Stehpinkler sind verpönt.

    Der Knüller. ut (dp)
  • jonny44 13.03.2014 17:17
    Highlight Highlight Wie immer genial geschrieben und das Bild mit der Fussfessel trifft IWatch ist der Hammer. Danke habe wieder herrlich lachen können.

Drama in Darkroom: Stromausfall — 22 Schwule komplett orientierungslos

München (den) — «Es war der Horror», sagt Jean-Pierre Schneider. Der 38-jährige Förster feiert am Wochenende im Darkroom des Münchner Gayclubs Badaboom seinen Geburtstag, als plötzlich der Strom ausfällt. «Ich kniete gerade auf allen Vieren, weil ich eine meiner Kontaktlinsen verloren hatte und auf einmal war es stockduster.» Für rund zwei Stunden ist die Elektrizität weg. 22 Clubbesucher irren ziellos durch den Darkroom, haben keine Ahnung wo oben und unten geschweige denn hinten …

Artikel lesen
Link zum Artikel