DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Studentin Tugce A. bezahlte ihren Mut mit dem Leben.
Die Studentin Tugce A. bezahlte ihren Mut mit dem Leben.
Bild: Michael Probst/AP/KEYSTONE
Reaktionen zum Tod von Tugce A.

«Ein mutiges türkisches Mädchen»

Die türkischen Medien verfolgen die Trauer um die Studentin Tugce A. aufmerksam. «Die deutsche Öffentlichkeit ist schockiert», schreibt die staatliche Nachrichtenagentur. Tugces Onkel kritisiert die Familie des mutmasslichen Täters.
29.11.2014, 20:45
Ein Artikel von
Spiegel Online

Deutschland nimmt Anteil am Tod von Tugce A. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat den Eltern der verstorbenen Studentin sein Beileid ausgesprochen. «Niemand kann den Schmerz ermessen, den Sie, Ihre Familie und die Freundinnen und Freunde Ihrer Tochter jetzt erleiden», schrieb Gauck am Samstag in einem Kondolenzbrief. «Wo andere Menschen wegschauten, hat Tugce in beispielhafter Weise Mut und Zivilcourage bewiesen und stand den Opfern einer Gewalttat bei.» 

Mehr als hunderttausend Menschen haben in einer Online-Petition gefordert, Tugce postum das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Bundespräsident Gauck will eine Ehrung der Toten prüfen. 

In der Türkei wird die Trauer um die türkischstämmige Studentin aufmerksam und wohlwollend registriert. «Ein mutiges türkisches Mädchen in Deutschland», titelt die Zeitung «Sabah» und schreibt über «einen Abschied wie für eine Heldin». Ihr Vater Ali sagte dem Blatt, seine Tochter sei eine Märtyrerin geworden, weil sie sich den Angreifern mutig in den Weg gestellt habe. 

«Die deutsche Öffentlichkeit ist schockiert», schreibt die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. «Tausende Menschen in Deutschland sagen einer jungen türkischen Frau Danke», stellt die Zeitung «Hürriyet» fest.

«Mir tut der Junge auch leid»

Yasin A., ein Onkel der Toten, beklagt sich in dem Blatt, dass die Familie des mutmasslichen Täters bislang keine Reue gezeigt habe. «Sie könnten wenigstens sagen: ‹Euer Schmerz ist unser Schmerz›», sagte A. der «Hürriyet». «Mir tut der Junge auch leid. Aber ich glaube, sie haben kein Mitgefühl für unsere Tochter.» 

Tugce war eingeschritten, als zwei junge Frauen auf der Toilette eines Schnellrestaurants belästigt wurden. Diese Zivilcourage bezahlte sie mit dem Leben: Der mutmassliche Täter folgte ihr auf den Parkplatz vor dem Lokal und schlug die junge Frau zu Boden

Jetzt auf

Dabei erlitt sie ein Schädel-Hirn-Trauma und fiel ins Koma. Am vergangenen Mittwoch wurde Tugce A. für hirntot erklärt. Am Freitagabend, ihrem 23. Geburtstag, wurden die lebenserhaltenden Maschinen auf Wunsch der Eltern abgeschaltet

Nach dem Tod haben die Ärzte mehrere Organe entnommen. Tugce A. besass einen Organspendeausweis - deshalb habe die Familie einer Entnahme für Transplantationen zugestimmt, hiess es. 

Rund 1500 Menschen hatten sich vor dem Krankenhaus in Offenbach zu einer Mahnwache versammelt. Sie stellten Kerzen auf, ein Pianist spielte Tugces Lieblingslieder, Freunde liessen Luftballons mit Abschiedsworten aufsteigen. Am Sonntag werden zu einer Mahnwache auf dem Oranienplatz in Berlin mehr als 300 Menschen erwartet. (syd/dpa/AFP)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

«Kleine Wurst, ein weinerliches Kind»: Attila Hildmanns engster Vertrauter packt aus

Er ist der Mann, der Verschwörungserzähler Attila Hildmann half, Social-Media-Kanäle für Hakenkreuz-Bilder und Judenhass aufzubauen. Jetzt packt er vor Journalisten aus über die Zeit mit dem Kochbuchautor, dessen Gedankenwelt und dessen Netzwerk.

Man kann ihn kaum sehen, und der Ton fällt immer wieder genau dann aus, wenn alle Journalisten besonders gespannt sind, was er jetzt sagen wird. Der Mann mit blondem Hipsterbart steht im Mittelpunkt einer virtuellen Pressekonferenz, deren Gastgeber dauerhaft unsichtbar bleiben: «Anonymous» hat eingeladen, mit Kai zu sprechen. Kai, der auf der Terrasse in der Türkei anfangs noch in den letzten Sonnenstrahlen sass und jetzt im Dunkeln, ist der Mann, der Attila Hildmanns engster Vertrauter war …

Artikel lesen
Link zum Artikel