DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
iPhone 6

iPhone-Nutzer in der Schweiz sehen sich mit unerklärlichen Akkuproblemen konfrontiert.
bild: shutterstock

Überhitzte iPhones und hoher Akku-Verbrauch: Swisscom- und Salt-Kunden ärgern sich massiv wegen WiFi-Calling

Das Update lässt auf sich warten. «Erste Hilfe» gibts von einem Betroffenen.



Was ist passiert?

Eine unbekannte Zahl von iPhone-Besitzern in der Schweiz hat mit ärgerlichen technischen Problemen zu kämpfen. Die Geräte laufen heiss, der Akku leert sich schnell und wie von Geisterhand.

Schuld ist nicht die stromfressende Facebook-App, für die es seit kurzem ein Software-Update gibt. Das Problem besteht vielmehr in Zusammenhang mit einer neuen Funktion, die Handy-Anrufe über eine WLAN-Verbindung ermöglicht und WiFi-Calling heisst.

Im Swisscom-Support-Forum wurde eigens für das Problem ein Thread eingerichtet, in dem sich Betroffene austauschen. Dort wurde auch ein Erste-Hilfe-Tipp veröffentlicht (dazu gleich mehr).

watson hat sowohl bei Apple als auch bei Swisscom und Salt einen Fragenkatalog eingereicht. Die nachfolgenden Antworten stammen von Swisscom-Mediensprecher Olaf Schulze, die Antworten von Salt werden sofort nach dem Eintreffen nachgeliefert. (Update: Salt hat nun ebenfalls Stellung genommen, die Antworten stimmen überein).

Vorgezogenes Fazit: Es macht den Anschein, dass insbesondere der iPhone-Hersteller gefordert ist. «Apple ist daran das Problem genauer zu analysieren und arbeitet an einer Lösung.», schreibt uns der Swisscom-Mediensprecher. Apple selber will keine Stellungnahme abgeben und verweist lediglich auf seine Support-Seite zu WiFi-Calling.

«Nach unserer Erfahrung läuft bei den meisten Kunden das neuste iOS-Update 9.1 einwandfrei.»

Swisscom-Mediensprecher Olaf Schulze

Wie viele Kunden sind betroffen?

Die genaue Zahl ist nicht bekannt. Die grosse Mehrheit der iPhone-Besitzer dürfte nichts von den Problemen mitbekommen, weil sie die neue Funktion WiFi-Calling (noch) gar nicht nutzen können.

Ausserdem läuft WiFi-Calling auf vielen iPhones problemlos, so auch auf dem Testgerät des watson-Redaktors, einem iPhone 6S.

Swisscom: «Nach unserer Erfahrung läuft bei den meisten Kunden das neuste iOS-Update 9.1 einwandfrei. Apple analysiert aktuell genauer, welche Kunden von dem Problem betroffen sind.»

Bei Salt sind laut Mediensprecherin Therese Wenger sehr wenige Kunden betroffen. «Wir sind zuversichtlich, dass schon bald eine Lösung für das Problem gefunden wird.»

Wie konnte das passieren?

Offenbar kam bzw. kommt es auch bei anderen Providern im Ausland zum gleichen Problem. Unklar ist aber, wer für das Schlamassel verantwortlich ist, die Provider oder Apple oder beide ...

Der Swisscom-Mediensprecher versichert, dass WiFi-Calling zusammen mit Apple intensiv getestet worden sei. «Wie bereits beschrieben, ist Apple daran, das Problem zu beheben. Die meisten unserer Kunden nutzen WiFi-Calling ohne Einschränkungen.»

Sammelklage wegen «WLAN Assist»

Apple scheint zurzeit kein Glück zu haben mit neuen Features rund um die WLAN-Verbindung. Wegen dem mit iOS 9 lancierten «WLAN Assist» droht dem Konzern gar eine Sammelklage in den USA, wie Macwelt berichtet. Zwei iPhone-Nutzer beklagen, Apple trage die Schuld an ihren unerwartet hohen Handy-Rechnungen.
Die kritisierte Funktion ist bei iOS 9 standardmässig aktiviert und verbessert bei schwachem WLAN das Surf-Tempo, indem die Mobilfunkverbindung dazu geschaltet wird. Weil mobile Daten übertragen werden, können (unbemerkt) hohe Kosten entstehen.
WLAN Assist hat nichts mit WiFi-Calling zu tun, auf Deutsch WLAN-Anrufe genannt. Dabei handelt es sich um einen Telefonie-Zusatzdienst, der vom Provider als kostenloser Service angeboten wird und ein kompatibles iPhone mit iOS 9.1 voraussetzt. WiFi-Calling muss vom Nutzer aktiviert werden.

WiFi-Calling? WTF!

WiFi-Calling ist ein an sich praktischer Zusatzdienst, der das Telefonieren ermöglicht, wo kein oder nur ein schlechter Mobilfunk-Empfang besteht. In der Schweiz wird WiFi-Calling bislang von den Providern Swisscom und Salt und Partnerunternehmen angeboten. Und zwar in Verbindung mit einem Abo oder mit Prepaid.

Um WiFi-Calling nutzen zu können, müssen die Kunden ein kompatibles iPhone (5C, 5S, 6, 6 Plus, 6S, 6S Plus) besitzen und darauf iOS 9.1 installiert haben. Weiter ist eine SIM-Karte des jeweiligen Anbieters erforderlich. Und dann muss die Funktion in den Geräte-Einstellungen aktiviert sein (> Einstellungen > Telefon > WLAN-Anrufe). 

Bild

Die Funktion WLAN-Anrufe kommt mit iOS 9.1.
screenshot: watson

Welche Geräte sind betroffen?

In den Support-Foren melden sich Betroffene, die laut eigenen Angaben ein iPhone 6, 6S oder 6S Plus haben.

Laut Swisscom-Mediensprecher «prüft Apple aktuell, welche Geräte und Kombinationen betroffen sind».

Allen Betroffenen ist offenbar gemeinsam, dass sie ein sogenanntes Carrier Bundle (CB) mit der Versionsnummer 22.1 auf ihrem Gerät installiert haben. Der Begriff steht für eine kleine aber wichtige Datei, die von Apple für den Download bereitgestellt wird und Netzbetreiber-Einstellungen (z.B. für das Swisscom- oder Salt-Netz) umfasst.

Wenn der Provider eine neue Funktion, wie zum Beispiel WiFi-Calling lancieren will, dann ist ein Carrier-Bundle-Update erforderlich. Nutzer werden automatisch zur Installation aufgefordert, wenn sie in den allgemeinen Einstellungen den Bereich «Info» aufrufen.

Bild

screenshot: watson

Wer sich im Detail für die Netzbetreiber-Einstellungen interessiert, wird auf dieser Support-Seite fündig. Die Funktionsweise und das Einrichten von WiFi-Calling erklärt Apple auf dieser Seite.

Wie hilft man sich selbst?

Wenn ein Unternehmen seinen Kunden nicht umgehend helfen kann, dann helfen sich die Betroffenen selber. Das hat sich wohl auch der Swisscom-Kunde mit dem Benutzernamen mjoe gesagt und im Support-Forum folgenden «Hotfix» publiziert. 

Bild

screenshot: swisscom.ch

Kurz zusammengefasst: Betroffene ändern zuerst auf ihrem Mac oder PC eine iTunes-Voreinstellung, dann laden sie eine ältere Installations-Datei (das sogenannte Carrier-Bundle 21.2) von der Apple-Website herunter und installieren diese (via iTunes/Ladekabel) anstelle der fehlerhaften neueren Version auf dem iPhone. 

Erste Reaktionen in den Support-Foren von Swisscom und Salt zeigen, dass der «Trick» funktioniert.

Bild

screenshot: community.salt.ch

Empfiehlt die Swisscom dieses Vorgehen allen Betroffenen? Dazu der Mediensprecher: «Wir empfehlen unseren Kunden diejenigen Updates zu installieren, die von Apple offiziell bereitgestellt werden.»

Wie lange wird es dauern, bis der Fehler durch ein Update offiziell behoben wird?

Swisscom: «Apple hat uns gegenüber angekündigt, so bald wie möglich ein neues Software-Update zur Verfügung zu stellen. Einen Zeitpunkt können wir keinen nennen.»

Tipps und Tricks rund um iOS 9

Wie man beim iPhone die versteckte Emoticon-Tastatur aktiviert – und 16 andere nützliche Tipps zu iOS 9

Link zum Artikel

Vorsicht, Datenfresser! Diese an sich praktische Funktion von iOS 9 kann dir die Handy-Rechnung versauen

Link zum Artikel

Akku-Sorgen mit dem iPhone, iPad oder iPod? Diese Tipps zu iOS 9 können helfen

Link zum Artikel

Ad-Blocker für iOS 9: So surfst du um Welten schneller mit dem iPhone und iPad

Link zum Artikel

Das bietet iOS 9 fürs iPhone und iPad

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Threema ist das neue WhatsApp – und schlägt die Konkurrenz um Längen

Wer hätte gedacht, dass die weltbeste Messenger-App nicht aus dem Silicon Valley kommen würde, sondern vom Zürichsee. Eine persönliche Analyse.

Seit acht Jahren befasse ich mich mit dem sicheren Schweizer Messenger Threema. Den ersten Artikel dazu publizierte ich im Dezember 2012. Titel: «Die Schweizer Antwort auf WhatsApp». Die damalige erste App gab's nur fürs iPhone, und sie war zum Start gratis. Im Interview versprach der Entwickler, Manuel Kasper, die baldige Veröffentlichung einer von vielen Usern geforderten Android-Version. Und:

Er hielt Wort. Im Gegensatz zu WhatsApp.

Einige dürften sich erinnern, dass es ein gleiches …

Artikel lesen
Link zum Artikel