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Junge Frau mit Smartphone und Ohrstöpseln

 Musikhören mit dem Smartphone boomt: Leider profitieren die Falschen. bild: shutterstock

Du liebst Spotify oder Apple Music? 🎧 Dann solltest du diese Story nicht lesen

Ob unterwegs oder zuhause: Songs über Streaming-Dienste zu hören, ist genial und extrem populär. Doch vom wirtschaftlichen Boom profitieren nicht die, die es am meisten verdient hätten. Im Gegenteil.



Die Krise in der Musikbranche scheint nach bald 20 Jahren vorbei zu sein. Zu verdanken ist dies dem Streaming. Online Musik hören ist derart beliebt geworden, dass die neue Technologie die gesamte Branche aus der Misere rettet. Dennoch profitieren die Künstler finanziell nicht. Schweizer Musiker haben es sogar doppelt schwer.

Die Digitalisierung schreitet schnell vorwärts. Zuerst verdrängte die Möglichkeit von Downloads das traditionelle CD-Geschäft. Nun verdrängt die neue Technologie Streaming die Downloads. Zu verdanken ist dies auch den Smartphones, dank denen man rund um die Uhr online sein kann.

Je mehr die Kunden Musik konsumieren, desto weniger pro abgespielten Titel verdienen die Interpreten.

In den Vereinigten Staaten, bekannt als Vorreiterland in Sachen Musiktrends, ist der Streaming-Konsum 2015 im Vergleich zum Vorjahr gar über 90 Prozent in die Höhe geschossen. Global haben sich die Einnahmen aus dem Streaming fast verdoppelt.

Auch in der Schweiz ist der Trend zu beobachten. Der Marktanteil des Streaming-Geschäfts ist von 2012 bis 2015 von 1 Prozent auf knapp 20 Prozent des gesamten Musikmarkts gestiegen. Doch obwohl die Umsätze aus dem Streaming-Segment stark wachsen, gehen die meisten Musiker praktisch leer aus. Grund ist das Bezahlmodell.

Welchen Streaming-Dienst nutzt du (am häufigsten)?

Verkehrte Welt

Das Bezahlmodell beim Streaming unterscheidet sich wesentlich von dem der Downloads und CD-Verkäufe. Weil die Abonnenten nicht pro abgespielten Titel bezahlen, sondern eine fixe Nutzungsgebühr pro Monat entrichten, verkleinert ein grösserer Musikkonsum die Einnahmen pro Stream. Generell gilt: Je mehr die Kunden Musik konsumieren, desto weniger pro abgespielten Titel verdienen die Interpreten. Im Vergleich zu den CDs und Downloads ist dies ein Vielfaches weniger.

Beim weltgrössten Streaming-Anbieter Spotify belaufen sich die Ausschüttungen an die Musikindustrie auf zirka 70 Prozent der Gesamteinnahmen, also den Einnahmen aus Werbung und zahlenden Abonnenten. Bei den Konkurrenten wie Apple Music ist es ähnlich.

Seit dem Start im Jahr 2008 hat Spotify insgesamt fünf Milliarden US-Dollar an die Musikindustrie weitergegeben. In diesem Zeitraum ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 100 Millionen gestiegen. 40 Prozent davon sind zahlende Premium-Abonnenten. Konkurrent Apple Music zählt etwa die Hälfte an zahlenden Abonnenten.

Von den monatlichen Ausschüttungen werden die Künstler pro Land anteilsmässig bezahlt. Das heisst, wenn ein Künstler ein Prozent des monatlichen Streaming-Volumens ausmacht, erhält er ein Prozent aus den gesamten monatlichen Ausschüttungen für das jeweilige Land, wie Spotify erklärt.

Die Reichen werden reicher

Der Löwenanteil dieser Einnahmen verteilt sich weltweit auf einen Bruchteil der Musikschaffenden, den Superstars. Neben den aktuellen Grössen wie Adele oder Taylor Swift werden insbesondere auch Klassiker wieder vermehrt gehört – beispielsweise von den Beatles, den Rolling Stones oder Michael Jackson.

Dazu kommt, dass Streaming-Anbieter regelmässig eigens erstellte Musiklisten anbieten. Diese seien sehr international ausgerichtet, kritisiert Lorenz Haas, Geschäftsführer des Verbands der Musiklabels (IFPI Schweiz). Solche Musiklisten finden bei den Musikhörern starken Anklang, während Alben immer weniger abgespielt werden. Schweizer Interpreten würden bei diesen Musiklisten allerdings wenig Beachtung finden. Der Heimmarkt sei für die grossen Streaming-Dienstleister zu klein, um Titel von Schweizer Künstlern zu berücksichtigen.

Laut Spotify beschäftigen sich weltweit 50 Playlist-Kuratoren mit regelmässig 4500 Musiklisten. Die Kuratoren seien meist Spezialisten für verschiedene Musikrichtungen, aber es gibt sie auch für Regionen und Länder. Allerdings existiere aktuell keine Playlist-Redaktion für die Schweiz und eine solche stehe in nächster Zukunft auch nicht an.

Nicht mal einen Rappen

Für weniger bekannte Künstler und Musiker, welche noch am Anfang stehen oder in einer Nische spielen, ist das Geschäft mit dem Streaming daher wenig lukrativ. Dies gilt besonders für solche, die nicht in den grossen Musikmärkten wie den USA, Grossbritannien oder Deutschland zuhause sind.

Zum Beispiel verdiente der Berner Mundart-Musiker Trummer im Jahr 2015 von rund 17'000 Streams 108 Schweizer Franken.

Das macht durchschnittlich also 0.0064 Franken pro Stream. Für das gleiche Geld bräuchte es nur 120 Titel-Downloads.

Trummers Song «Bamboulé» bei YouTube

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Video: YouTube/Trummeronline

Von den Einnahmen aus dem Streaming müssen Musiker mit einem Plattenvertrag zudem einen Anteil dem Musiklabel abgeben. Wie viel effektiv an die Künstler ausbezahlt wird, hängt daher massgeblich davon ab, welche Vereinbarung einerseits zwischen der Plattenfirma und dem Streaming-Dienstleister und zum anderen zwischen Plattenfirma und Künstler getroffen wurde.

Meist kriegen die Künstler einen fixen Anteil der gesamten Einnahmen aus CDs, Downloads und Streaming. Dieser Anteil variiert, je nachdem welche Aufgaben und wie viel Risiko die Plattenfirmen übernehmen. Meist liegt dieser jedoch unter 50 Prozent.

Ob dieses Modell mit der steigenden Bedeutung des digitalen Markts noch zeitgemäss ist, kann zumindest hinterfragt werden. So sind die Kosten für die Vermarktung des Künstlers und der Vertrieb der Alben durch das Internet gesunken und gleichzeitig die Reichweite an potenziellen Musikkonsumenten gestiegen.

(dsc/sda)

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