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Die zweite Welle beschert Tinder und Co. riesigen Zuwachs – und massenhaft neue Daten

Wegen der Pandemie suchen noch mehr Leute ihr Liebesglück im Internet. Hinter den meisten Dating-Apps steckt die US-amerikanische Match Group. Ihr Börsenwert hat zuletzt massiv zugelegt.

gabriela jordan / ch media



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Die Dating-App Tinder ist für die Besitzerin Match Group der grosse Kassenschlager. Bild: shutterstock.com

Die Datingbranche gehört zweifellos zu den Coronagewinnern. Nachdem die Nachfrage nach Apps wie Tinder, Bumble, Once oder Lovoo schon in der ersten Welle im Frühling explosionsartig gestiegen ist, nimmt sie nun erneut zu. Once beispielsweise verzeichnete im Frühling einen Anstieg der Aktivität um 30 bis 40 Prozent. «Seit der letzten Woche zeichnet sich nun ein ähnlicher Trend ab», sagt eine Sprecherin. Die App aus Frankreich wird weltweit von 10 Millionen Menschen genutzt, in der Schweiz sind es 400'000.

Die gleiche Entwicklung zeigt sich bei Lovoo, die nach eigenen Angaben zu den Top 3 Dating-Apps in Europa gehört. «Wir haben quasi über Nacht einen explosiven Anstieg beobachtet», heisst es beim Unternehmen mit Hauptsitz in Dresden. Bei etablierten Singlebörsen wie Parship, Be2 oder Elitepartner scheint der Boom etwas geringer zu sein. Vermutlich deshalb, weil sie gleich von Anfang an kostenpflichtig sind und mit Persönlichkeitsbefragungen grössere Eintrittshürden haben. Doch auch sie verzeichnen gemäss eigenen Angaben einen regen Kundenzuwachs.

In der kalten Jahreszeit sind Datingportale besonders gefragt

Der Grund für das Wachstum ist klar: Das Coronavirus zwingt uns, uns in den eigenen vier Wänden zu verschanzen oder hinter einer Maske zu verstecken. Für Singles sind Dating-Apps oder Partnerbörsen, die notabene schon vor Corona längst salonfähig waren, momentan daher fast die einzige Möglichkeit, um neue Leute kennenzulernen. Das gilt besonders für jene Länder und Regionen, in denen wieder lockdown-ähnliche Zustände herrschen, etwa Italien, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien – oder die Westschweiz.

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Hinzu kommt, dass bald die sogenannte Cuffing-Season ansteht. Der Begriff gehört in der Datingbranche sozusagen zum Fachjargon und bezeichnet den Beginn der kalten Jahreszeit, für welche sich Singles bewusst einen Partner oder eine Partnerin suchen, um während der dunklen Wintermonate nicht allein sein zu müssen. Die Kombination von Cuffing-Season und Corona dürfte den Datingportalen in den nächsten Monaten Spitzenwerte bescheren.

Besitzerin von Tinder und Co. dominiert den Markt

Profitieren wird davon in erster Linie die Match Group. Die Gruppe mit Sitz in Texas ist wohl den Wenigsten ein Begriff, im Liebesgeschäft ist sie aber ein absoluter Gigant: Ihr gehören die meistbesuchten Dating-Apps – darunter Hinge, Match, Okcupit, Pairs, Meetic, Plentyoffish und der Kassenschlager Tinder. Die Match Group besetzt damit ungefähr ein Drittel des weltweiten Dating-Markts. Indem sie bestehende Plattformen aufkauft, baut sie ihre dominante Marktposition stetig aus. 2019 konnte sie einen Gewinn von 535 Millionen Dollar verbuchen.

Auch die aktuellen Quartalszahlen der Gruppe sprechen für sich: Von August bis Oktober erzielte sie dank 10,8 Millionen zahlenden Nutzerinnen und Nutzern einen Umsatz von 640 Millionen Dollar und damit 18 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode (541 Millionen). Den Gewinn konnte sie gar um 22 Prozent steigern (von 108 auf 132 Millionen Dollar). Die Gruppe konnte dabei schon in Vorjahren stetig zulegen – auch an der Börse: Der Aktienwert hat sich seit dem Börsengang 2015 fast verzehnfacht. Für den Mutterkonzern IAC ist die Match Group also eine wahre Goldgrube.

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Wettlauf um die Generation Smartphone

Die Konkurrenz will dem Giganten das Feld aber nicht einfach so überlassen. So erwägt auch die Lovoo-Besitzerin ParshipMeet Group, die zu Teilen ProSiebenSat.1 gehört, 2022 an die Börse zu gehen. Seit neustem mischt ausserdem auch Facebook auf dem Markt mit. Das soziale Netzwerk hat Mitte Oktober europaweit – also auch in der Schweiz – eine Dating-Funktion auf seiner bestehenden App lanciert. In anderen Ländern wie den USA gibt es diese bereits seit einem Jahr. Nach Angaben von Facebook wurden so bereits mehr als 1,5 Milliarden Matches erzielt.

Generell ist der Wettlauf um Kunden gerade riesig. Denn zusätzlich zum Corona-Effekt kommt jetzt eine ganze Generation ins Dating-Alter, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist. Das Wachstumspotenzial der Branche ist also immens. Wegen des Netzwerkeffekts werden aber nicht alle Player gleichermassen davon profitieren: Das Prinzip, dass Plattformen mit vielen Mitgliedern noch mehr Mitglieder anziehen, gilt für Dating-Apps besonders. Wer will schon auf einer Plattform nach seiner grossen Liebe oder einem Flirt suchen, wo sich nur einige wenige Singles tummeln?

Sämtliche Anbieter rüsten daher auf. Der neuste Trend ist die Live-Video-Funktion: Innerhalb der meisten Plattformen ist es inzwischen möglich, einen Videoanruf zu starten und sein Gegenüber nicht nur über Bilder und Nachrichten, sondern über ein Videogespräch kennenzulernen – gerade in Pandemiezeiten ein absolutes Muss. Lovoo bietet diese Funktion schon seit Mai 2018 an. Once, Tinder, Facebook und andere zogen vor kurzem nach.

Lukrativer Handel mit Nutzerdaten

Bei allen Möglichkeiten, die die Apps bieten, gibt es aber Folgendes zu Bedenken: Die Betreiber sammeln massenhaft Nutzerdaten. Einer Studie des Sicherheitsanbieters Clario zufolge sammelt Tinder nach Facebook und Instagram am meisten Daten, darunter etwa den Livestandort und den Jobstatus. In den Datenschutzbestimmungen mancher Apps wird man darauf hingewiesen, dass diese Daten geteilt werden. In welchem Umfang und mit welchen Drittparteien die Daten gehandelt werden, darüber hüllen sich die Unternehmen allerdings in Schweigen.

Die Match Group schreibt in ihren Datenschutzgrundsätzen zwar, keine persönlichen Informationen ihrer Nutzer an Drittparteien zu verkaufen. Und laut dem Jahresbericht des Unternehmens machen «indirekte Einnahmen», die nicht aus Abonnementskosten sondern vor allem aus Werbegeldern stammen, tatsächlich einen kleinen Prozentsatz aus. 2018 betrugen sie lediglich rund 3 Prozent.

Das dürfte aber nicht alles erklären. Nicht auszuschliessen ist, dass die Match Group sowie andere Anbieter mit anonymisierten Ergebnissen über das Nutzerverhalten handeln. Denn bekannt ist: Gerade für Internetdienste, die für die breite Masse kostenlos sind, ist der Handel mit Nutzerdaten in der Regel ein wichtiger Teil des Kerngeschäfts. Eine entsprechende Anfrage blieb von der Match Group unkommentiert.

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