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«Elon Musk hätte den Krieg verkürzen können, wollte er aber nicht»

epa10846751 Lubov Jarova holds her dog, Peremoha (victory), as she walks among the rubble of a school in the frontline town of Orikhiv, Zaporizhzhia Oblast, Ukraine, 07 September 2023, amid the Russia ...
Seit über 18 Monaten wehrt sich die Ukraine gegen die brutale Invasion Russlands und den Raketenterror gegen die Zivilbevölkerung.Bild: keystone

«Musk hätte den Krieg verkürzen können, wollte er aber nicht»

Weil Elon Musk den ukrainischen Streitkräften bei einem Drohnen-Angriff die Satelliten-Kommunikation einschränkte und stattdessen Russland-freundliche «Friedenspläne» verbreitete, wird erneut massive Kritik laut.
08.09.2023, 22:56
Anne-Kathrin Hamilton / watson.de
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Die Ukraine solle Teile ihres Territoriums und andere Rechte aufgeben, um ein Friedensabkommen mit Russland zu erreichen. So lautete der Vorschlag des reichsten Mannes der Welt: Elon Musk. Immer wieder sorgt er mit seinen Ansichten wohl bei vielen Menschen für Magenschmerzen.

Im Oktober 2022 liess der Tesla-CEO auf seiner Plattform X, ehemals Twitter, über seine Idee eines Friedensabkommen abstimmen. «Wiederholung der Wahlen in den annektierten Regionen unter UN-Aufsicht. Russland verlässt die Ukraine, wenn dies der Wille des Volkes ist. Die Krim gehört formell zu Russland, wie seit 1783», schlug er vor. Etwa 59 Prozent hielten das für eine schlechte Idee.

Neue Musk-Biografie enthüllt Details zum Vorfall

Aber nicht nur verbal versucht der mehrfache Milliardär wohl Einfluss auf den Krieg zu nehmen: Wie sich jetzt zeigt, soll er ukrainische Angriffe auf die Russen verhindert haben – und zwar mit Hilfe seines Satellitennetzwerks «Starlink».

Durch mit Sprengladungen versehenen Drohnen wollte die Ukraine im vergangenen Jahr die russische Krim-Flotte treffen. Musk befürchtete eine Eskalation des Krieges – und traf eine Entscheidung – zum Vorteil Russlands. Dazu liefert die neue Musk-Biografie von Walter Isaacsons Details.

Laut CNN befahl Musk seinen Ingenieuren im vergangenen Jahr heimlich, das Starlink-Satellitenkommunikationsnetz seines Unternehmens in der Nähe der Krimküste abzuschalten. Damit legte er wohl einen ukrainischen Überraschungsangriff auf die russische Marineflotte lahm.

Als sich ukrainische U-Boot-Drohnen, die mit Sprengstoff bestückt waren, der russischen Flotte näherten, «verloren sie die Verbindung und wurden harmlos an Land gespült», zitiert CNN Isaacson.

Die Ukraine habe ihn angefleht, die Satelliten wieder einzuschalten, doch für Musk sei das Risiko einer Eskalation zu hoch gewesen. Er befürchtete, dass Russland auf einen ukrainischen Angriff auf die Krim mit Atomwaffen reagieren würde.

Diese Angst sollte sich später als unbegründet herausstellen.

Die Ukraine attackiert die russische Schwarzmeer-Flotte mit ferngesteuerten Meeres-Drohnen, die mit Sprengstoff gefüllt sind.
Die Ukraine attackiert die russische Schwarzmeer-Flotte mit ferngesteuerten Meeres-Drohnen, die mit Sprengstoff gefüllt sind.

Elon Musk begründet seine Entscheidung auf X

Die Entscheidung Musks zeigt, in welcher machtvollen Position er sich befindet, wenn es um den brutalen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine geht. Auf X äussert er sich nun selbst zu dem Vorfall.

Er schreibt:

«Es gab eine dringende Anfrage der Regierungsbehörden, Starlink bis nach Sewastopol zu aktivieren. Die offensichtliche Absicht war, den grössten Teil der russischen Flotte vor Anker zu versenken. Hätte ich dieser Bitte zugestimmt, wäre SpaceX explizit an einer grossen Kriegshandlung und Konflikteskalation beteiligt gewesen.»
quelle: twitter.com

Musk stellt zudem klar, dass die Satelliten nicht aktiv waren und dass er von der Regierung unter Druck gesetzt wurde, sie zu aktivieren, damit die Ukraine russische Schiffe in einem umstrittenen Gebiet angreifen kann.

Harsche Kritik an Musks Entscheidung

Beim deutschen Wirtschaftswissenschaftler Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik stösst diese Erklärung offenbar auf wenig Verständnis.

«Elon hat dafür gesorgt, dass die russische Marine den ganzen Winter über Raketen auf die ukrainische Zivilbevölkerung abfeuern kann», schreibt er auf X.

Auch Dimitri Nabokoff vom Podcast «Russland Watcher» kann Musks Beweggründe wohl nicht nachvollziehen. Er verstehe nicht, warum sich wieder alle mit dem unüberprüfbaren und vermutlich vorgeschobenen Argument «Atomkrieg verhindern» beschäftigen, schreibt er auf X.

Fakt sei: Musk habe seine Macht genutzt, um für Russland Partei zu ergreifen, meint er.

Politikwissenschaftler Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr München fasst seine Kritik an Musk kurz und bündig zusammen:

«Musk hätte den Krieg verkürzen können, wollte er aber nicht.»
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132 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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FP
08.09.2023 23:31registriert Mai 2022
Wenn ein Mensch,so viel macht besitzt, dan wirds gefährlich! Es kommt mir so vor! Als würde er gerene der Allmächtige sein, aber das ist er nicht. Vielen mächtigen wurde, die Arroganz zum Verhängnis.
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Perry_
08.09.2023 23:25registriert Juli 2019
Man sieht wieder: jede handlung ergreift partei, nichts tun eben auch - in demfall für den stärkeren, meist den unterdrücker. :Räusper, schweiz, räusper:
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Kommissar Rizzo
09.09.2023 07:22registriert Mai 2021
«Musk hätte den Krieg verkürzen können, wollte er aber nicht.»

Die Frage ist doch, weshalb eine Privatperson überhaupt so viel Macht hat.
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