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So verhinderst du, dass dein Handy beim Aufladen das Haus abfackelt

iPhone-Ladekabel. Foto von Mika Baumeister auf Unsplash
Ohne Ladekabel geht es nicht. Doch beim Aufladen sollte man einige Punkte beachten.Bild: Unsplash / Mika Baumeister

So verhinderst du, dass ein Handy das Haus abfackelt (und sparst erst noch)

Noch immer werden viele Smartphones und andere Geräte mit Lithium-Ionen-Akku über Nacht aufgeladen. Dabei gilt es einiges zu beachten.
29.01.2023, 18:5131.01.2023, 07:39
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Hängst du Mobilgeräte am Abend an die Steckdose? Da immer mehr kosten- und umweltbewusste Menschen ihre Smartphones, Laptops und Co. möglichst lange verwenden und auch der Handel mit Occasions-Hardware blüht, ist es angebracht, ein paar Punkte in Erinnerung zu rufen.

Wo ist das Problem?

Es gibt mehrere. Aber auch Lösungen (dazu unten mehr).

1. Das Sicherheits-Restrisiko

Lithium-Ionen-Akkus können in Brand geraten. Das passiert zwar selten, kommt aber immer mal wieder vor. Insbesondere bei älteren und alten Mobilgeräten. Und unerwartet.

Hier entzündet sich mitten in der Nacht ein iPhone beim Aufladen:

Der Vorfall ereignete sich Anfang Jahr in einer Wohnung in Cincinnati, USA, und wurde von einer privaten Sicherheitskamera erfasst. Das iPhone 4 lag zum Aufladen auf dem Küchentisch, als es plötzlich in Flammen aufging. Die ganze Familie habe geschlafen und nichts mitbekommen von dem Feuer, wie die Mutter einem US-TV-Sender erzählte:

«Wir hatten grosses Glück, einen Wohnungsbrand zu vermeiden. Unsere Kinder haben letzte Nacht unser altes iPhone 4 mit dem Apple-Ladegerät aufgeladen, und es ist explodiert und hat in unserer Küche Feuer gefangen, während wir geschlafen haben. Zum Glück hatten wir gerade den Tresen aufgeräumt, da dort normalerweise viele Schulbücher und Papiere liegen.»​

2. Unnötig langes Aufladen

Wenn ein Mobilgerät über Nacht geladen wird, hängt es unnötig lange an der Steckdose, bzw. am Stromnetz. Wenn man das regelmässig tut, können es – über das Jahr gerechnet – drei bis vier Monate sein. Zwar gewährleisten moderne Chips, dass die angeschlossenen Geräte nicht «überladen» werden. Doch obwohl die Hersteller (vermutlich) ihr Bestes geben, verringert sich unweigerlich die Akku-Kapazität.

Ladekabel verbrauchen übrigens auch Strom, wenn gar kein Gerät angeschlossen ist. Die verbrauchte Strommenge ist zwar relativ klein, summiert sich aber übers Jahr.

Wenn das Ladekabel täglich über mehrere Stunden (auch ohne Mobilgerät) in der Steckdose verbleibt, verbraucht das schätzungsweise 2,5 Kilowattstunden (kWh) im Jahr.

Das ist wenig für die einzelne Person, läppert sich aber für ganze Gesellschaften zusammen. Und angesichts der sich abzeichnenden Klimakatastrophe und der Umstellung auf erneuerbare Energien lohnt sich jede eingesparte kWh.

3. Ein Kabel für alle(s)

Ab 2024 sind USB-C-Ladekabel in Europa gesetzlich vorgeschrieben, spätestens dann ist Schluss mit Apples Extrawurst, respektive dem originären Lightning-Anschluss.

Ladekabel ist allerdings nicht gleich Ladekabel. Billigst-Produkte aus China erhöhen das Brandrisiko. Der «Kassensturz» berichtete Anfang 2022, dass bei Tests einige Handy-Netzstecker heiss liefen und zu viel Strom verbrauchten.

Wenn in Zukunft alle Mobilgeräte über USB-C angeschlossen werden können, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass fehlerhafte Netzstecker Probleme verursachen.

Wie geht es richtig?

Ganz einfach: Das Mobilgerät über Nacht ausschalten, nicht nur in den Ruhemodus versetzen!

Regelmässiges Abschalten verlängert die Lebensdauer des Geräts: Das Aufladen im ausgeschalteten Zustand schont den Akku und dieser verliert später an Kapazität.

Alternativ kann man das Gerät tagsüber aufladen. Und dies sollte man nur über zertifizierte Netzteile tun.

Wer es unbedingt am Abend ans Ladekabel hängen und über Nacht dort belassen will, sollte sich eine schaltbare Funksteckdose anschaffen. Dann lässt sich zum Beispiel festlegen, dass die Steckdose zwischen 22 und 6 Uhr ausgeschaltet bleibt. Zudem kann man so auch Strom sparen.

Ziemlich smart
Mit Smart-Steckdosen mit Zeitschaltung oder programmierbaren Steckdosenleisten ist es möglich, genau zu definieren, wann die eingesteckten Geräte Strom erhalten. Solche Funksteckdosen lassen sich in das WLAN zu Hause einbinden und dann kann man bequem per App bestimmen, welche Steckdosen wann eingeschaltet werden.

Natürlich gibt es auch günstige Steckdosenleisten mit Kippschalter. Aber dann müsste man sich jeden Abend daran erinnern, das Teil vorübergehend vom Netz zu nehmen.

Wenn mehrere Ladegeräte an einer Steckdosenleiste eingesteckt sind, wie das in vielen modernen Haushalten vorkommen dürfte, dann lohnt es sich auf jeden Fall, diese über Nacht – bzw. bei Nichtgebrauch – auszuschalten. Und damit lässt sich auch die Gefahr ausschliessen, dass ein defekter Ladeadapter oder ein Gerät das Haus abfackelt.

Quellen

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87 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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mmmhhh
29.01.2023 20:17registriert Juni 2017
Eine "schaltbare Funksteckdose", gerade die billigen Dinger, brauchen mehr Strom als gute USB Stecker Netzteile. Zudem würde es mich noch wunder nehmen, was der technische Grund sein soll, wieso es für den Akku besser sein soll wenn dieser bei ausgeschaltetem Smartphone geladen wird.
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fadnincx
29.01.2023 20:08registriert Oktober 2014
Für die Akku Kapazität am besten ein Handy haben, welches dynamisch langsamer lädt um genau zum Wecker 100% zu haben. 😉
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Nussknacker
29.01.2023 21:04registriert Mai 2018
1. Nicht das Kabel hat ein Standby Strom sondern das Netzteil. Durch das Kabel fliesst kein Strom wenn nichts angeschlossen ist.
2. Natürlich ergeben sich grosse Zahlen bei vielen Haushalten aber 2.5 kWh sind eigentlich ein Klacks. Nur so als Vergleich: ein WiFi Router der 24h/365T läuft braucht gut 5-10W, was 44-87kWh im Jahr sind.
3. Die 2.5 kWh pro Jahr kosten grob 50 Rappen. Ein WiFi Schalter >30.- Franken. Energie zur Herstellung so eines Schalters dürfte ebenfalls nicht klein sein, vielleicht. Ich würde sogar schätzen das ist mehr als ein Netzteil im Standby in ganzen Leben benötigt.
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