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Bild aus «The Purge – Anarchy». Bild: AP/Universal Pictures

#twitterpurge

Wie ein Thriller-Hashtag für Rache-Pornos gekapert wurde

Einmal pro Jahr sind für eine Nacht sämtliche Gesetze ausser Kraft gesetzt. Während zwölf Stunden ist alles erlaubt, sogar Mord. Mit dieser Ausgangslage spielte der Horror-Thriller «The Purge» letztes Jahr rund 150 Millionen Dollar ein, das 50-fache seiner Produktionskosten.

Die Fortsetzung «The Purge – Anarchy» startet am Donnerstag in den Deutschschweizer Kinos. In den USA läuft er seit dem 19. Juli. Ein Teenager aus Kalifornien nutzte die Gelegenheit und eröffnete mehrere Twitter-Konten sowie den Hashtag #twitterpurge. Damit wollte er das «Alles ist erlaubt»-Phänomen auf den Kurzmeldungsdienst übertragen.

Das brachte zahlreiche User auf eine Idee, die kaum im Sinne des Erfinders ist: Sie kaperten den Hashtag für «Revenge Porn» und posteten auf Twitter Nacktfotos ihrer Ex-Freundinnen – das Phänomen trifft überwiegend Frauen –, um sich auf diese Weise an ihnen zu rächen. Twitter entfernte zwar den Original-Account, doch der Trend hatte sich längst verselbstständigt und auf andere soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram ausgeweitet.

«Racheporno» ist bei uns (noch) eine Randerscheinung. In den USA hat er sich zu einer wahren Seuche entwickelt, seit ein gewisser Hunter Moore eine Website für derartige Postings gegründet hat und sich die Bezeichnung «meistgehasster Mann des Internets» eingehandelt hat.

Die Folgen für die Frauen sind alles andere als harmlos, wie die auf solche Fälle spezialisierte Anwältin Mary Adkins auf Slate schildert: «Opfer haben ihre Jobs verloren, die Schule abgebrochen, sie zogen um, änderten ihren Namen und begingen Selbstmordversuche.»

Mindestens zwei Fälle aus Brasilien und Kanada sind bekannt, in denen sich junge Frauen tatsächlich das Leben nahmen, nachdem Nacktfotos ohne ihre Einwilligung im Internet auftauchten. Mary Adkins fordert, dass Racheporno strafbar wird. Kalifornien und zehn andere US-Bundesstaaten haben bereits entsprechende Gesetze verabschiedet. 

In Grossbritannien wird das Oberhaus laut dem «Mirror» ebenfalls über eine Gesetzesänderung beraten. Das Problem ist dabei wie meist in solchen Fällen die Tatsache, dass das Internet vor keiner Grenze Halt macht. (pbl)



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