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This photo provided by Ubisoft shows a scene from the video game,

Elefanten gehören zu den wenigen Tieren, die man nicht zu jagen braucht. Bild: AP/Ubisoft

Interview mit «Far Cry»-Spielerin

Wie spielt sich das Jäger- und Sammler-Game «Far Cry 4» als Veganerin?

Im Action-Game «Far Cry 4» kämpft der Spieler in der fiktiven Himalaja-Region Kyrat gegen einen durchgeknallten Tyrannen. Die Spielwelt ist bevölkert von zahlreichen exotischen Tieren und alle stehen auf der Abschussliste des Spielers. Eine Veganerin hat das Game gespielt und versucht, ihrem Credo so gut es geht, treu zu bleiben.



Das Häuten von Tierkadavern gehört in «Far Cry 4» zum Tagesgeschäft. Wer grössere Pfeilköcher oder Portemonnaies (kein Witz!) basteln will, muss der Fauna ans Leder. Was aber, wenn man Veganerin ist? Aus dieser Warte hat sich die 24-jährige Maike aus dem deutschen Ruhrgebiet das Spiel vorgenommen. Seit dem zehnten Lebensjahr Vegetarierin und seit sechs Jahren Veganerin, hat sie eine eigene Herangehensweise für «Far Cry 4» entwickelt.

In «Far Cry 4» gilt es, jede Menge Tiere zu jagen, um die eigene Ausrüstung zu verbessern. Wie gehst du da als Veganerin vor? 
Maike: Ich habe dieses Mal versucht, möglichst wenig Tiere zu töten. Ganz vermeiden lässt es sich aber nicht. 

Wie minimierst du das Töten der Tiere? 
Indem ich mich auf bereits tote Tiere konzentriere und optionale Jagdmissionen auslasse. 

Braucht man da nicht enorm viel Geduld? 
Oh ja! Verdammt viel Geduld. Zum einen muss man warten, bis man auf ein totes Tier stösst und zum anderen muss man aufpassen, dass man nicht selbst angegriffen wird. Immerhin fallen die Tiere nicht tot um, sondern werden von anderen Tieren gejagt oder im Kampf getötet, sodass meistens noch ein Raubtier oder gar ein ganzes Rudel in der Nähe ist. Ich bin fast so weit, meinen Waffengurt anfertigen zu können, bin aber kurz vor der Häutung des dritten Schabrackentapirs von einem Wolfsrudel angegriffen worden ... sehr ärgerlich.

Far Cry 4

Mit Nashörnern ist nicht zu spassen. Bild: ubisoft

Gibt es ein Tier, das besonders schwer zu «jagen» ist?
Besonders schwer ist es, an Pflanzenfresser ranzukommen. Die Raubtiere bekämpfen sich regelmässig oder werden von Nicht-Spieler-Charakteren erschossen. Die Auseinandersetzung ist besonders schwer bei Rotfüchsen und Wölfen, weil die einen hartnäckig verfolgen. Bei Nashörnern kann man entkommen, indem man sie behandelt wie die Bibliothekare aus «Metro 2033» – im Auge behalten und drumherumgehen ...

Eine richtig vegane Lösung scheint es nicht zu geben, sonst müsstest du komplett auf die Verwendung der Felle etc. verzichten. 
Ja, das stimmt. Man kann lediglich das Jagen vermeiden. Obwohl man vielleicht auch ohne die Verbesserungen auskommt.

«Gewalt an Tieren sollte nicht verherrlicht oder verharmlost werden.»

Du hast «Far Cry 4» auf unseren Input hin als Veganerin gespielt. Wärst du das Spiel sonst ganz regulär angegangen?
Ja, ich denke schon. Ich finde simulierte Tierquälerei nicht unterhaltsam und halte es für wichtig, dass das Thema in Büchern, Filmen und eben auch Videospielen diskutiert wird. Trotzdem handelt es sich um Pixel und Fiktion. Ich bekam nur am Rande mit, dass eine grosse Tierrechtsorganisation das Entwickler-Studio Ubisoft wegen «Far Cry 4» kritisierte. Da Spiele inzwischen zum Mainstream gehören, stimme ich insofern zu, als Gewalt an Tieren auch dort nicht verherrlicht oder verharmlost werden sollte. Trotzdem denke ich, dass Gamer durch «Far Cry 4» nicht verroht werden und plötzlich Lust bekommen, Tiere zu jagen. Es wird ja auch niemand dazu motiviert, mit Flammenwerfer etc. Amok zu laufen.

Was hast du erwartet, als du dich entschieden hast, «Far Cry 4» als Veganerin zu spielen?
Ich habe erwartet, in eine amoralische Spielwelt versetzt zu werden, in welcher ein Psychopath regiert, wodurch moralische Normen gegenüber Mensch und Tier ausgehebelt werden. Speziell als Veganerin hatte ich erwartet, dass der Status von Tieren hier auf eine Ressource reduziert wäre.

Und haben sich deine Befürchtungen bewahrheitet?
Jein. Anders als im dritten Teil werden Tiere hier nicht als Ressource behandelt, stattdessen thematisiert das Spiel selbstkritisch, den problematischen Umgang mit Tieren.

Far Cry 4 als Veganerin

Inwiefern?
Wenn man zu Beginn des Spiels, nachdem man für eine alte betrunkene Frau einen Wolfsbau zerstört hat, mit dem Tuk Tuk davonfährt, läuft ein Bericht im Radio, der die schlechte Behandlung von Tieren in Kyrat aufgreift. Ansonsten äussern sich auch die Freiheits-Kämpfer in befreiten Aussenposten dazu. Sie sagen etwa, dass die Tiere aus der Arena befreit werden müssen oder dass die Tiere sterben, bevor der Krieg vorbei ist. Oder sie sagen, dass sie nicht gern unschuldige Hunde töten, sondern nur zur Notwehr. Die Tiere werden also ebenfalls als Opfer des Krieges dargestellt.

«Meine Sims essen auch kein Fleisch.»

Das Spiel geht aber nicht so weit, als dass man das Töten verhindern könnte.
Nein, leider nicht.

Hast du auch schon andere Spiele als Veganerin gespielt?
Ja, das auf jeden Fall. Eines meiner Lieblingsspiele ist «Fable II», wo der Character natürlich nur Gemüse und Tofu bekommen hat und meine Sims essen auch kein Fleisch.

So spielt sich die Jagd ab, wenn man keine Rücksicht auf die Tiere nimmt

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video: youtube/gamespot

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Xi Jinping 26.11.2014 12:56
    Highlight Highlight Was soll der Artikel wieder...? Ich habe es langsam satt, dass immer wieder auf das töten der Tiere oder Menschen herumgetrampelt wird. ES IST NUR EIN SPIEL!
    • Sarah Hess 27.11.2014 16:31
      Highlight Highlight Ich stimme Deinem Kommentar zu, allerdings wird in dem Artikel nicht auf dem "Töten von Tieren oder Menschen rumgetrampelt". Es wird ja sogar erwähnt, "...dass Gamer durch «Far Cry 4» nicht verroht werden und plötzlich Lust bekommen, Tiere zu jagen. Es wird ja auch niemand dazu motiviert, mit Flammenwerfern etc. Amok zu laufen."
      Ich verstehe das eher so, dass es sich um einen Versuch handelt und nicht um die Fortführung einer Gewalt-in-Spielen-ist-böse-Debatte.

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