Wirtschaft
Digital

Sunrise-Chef: KI-Investitionen könnten zu Engpass bei Handys führen

Sunrise sieht möglichen Handyengpass und erhöht selektiv Preise

Sunrise hat im vergangenen Jahr ein stabiles Ergebnis erzielt. Das soll auch im laufenden Jahr so bleiben. Der Telekomkonzern will selektiv Preise erhöhen und hält einen Engpass bei den Handys für möglich.
18.02.2026, 10:4718.02.2026, 14:39

Grund für eine allfällige Knappheit bei den Endgeräten seien die riesigen Investitionen in die künstliche Intelligenz (KI), sagte Sunrise-Chef André Krause am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Alle grossen Smartphone-Hersteller hätten entsprechende Warnungen herausgegeben.

Seit dem 16. November 2020 ist André Krause Chief Executive Officer (CEO) des kombinierten Unternehmens Sunrise UPC.
Sunrise-Chef André Krause warnt vor einem möglichen Handy-Engpass.Bild: Sunrise UPC

Denn wegen des rasanten Ausbaus der KI sei die Nachfrage nach Chips so gross, dass sie nicht mehr vollständig erfüllt werden könne. In welchem Umfang die Verfügbarkeit von mobilen Endgeräten im Laufe des Jahres beeinträchtigt sein wird, sei schwer abzuschätzen, sagte Krause.

Unter anderem wegen des Risikos bei den Umsätzen mit mobilen Endgeräten sei Sunrise mit der Prognose für das neue Geschäftsjahr vorsichtig, sagte der Konzernchef. Der zweitgrösste Telekomanbieter rechnet für 2026 mit einem weitgehend stabilen Umsatz und Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen nach Abzug der Leasingzahlungen (EBITDAaL).

Keine generelle Preiserhöhung

Um dies zu erreichen, fasst Sunrise eine Erhöhung von gewissen Preisen ins Auge. So könnte es beispielsweise zu Aufschlägen bei der Sprachtelefonie, bei internationalen Preisen oder anderen Nebenprodukten kommen. Eine erneute generelle Preiserhöhung wie im Frühling 2025 sei allerdings nicht geplant, sagte Krause in einer Analystenkonferenz.

Nach der wiederaufgeflammten Preisschlacht am vergangenen Black Friday scheine sich der Markt seit Jahresbeginn wieder etwas rationaler zu verhalten. Ob das im ganzen Jahr 2026 der Fall sein werde, wisse er nicht. Positiv sei die erste Preiserhöhung der Swisscom auf breiter Front. Der «Blaue Riese» will ab April die Tarife für Millionen von Privatkunden nach oben schrauben.

Weniger Umsatz im Festnetz

Im vergangenen Jahr hat der Druck im Festnetz- und Internetgeschäft angehalten, was auf die Einnahmen drückte. Der Konzernumsatz fiel um 1,1 Prozent auf 2,98 Milliarden Franken und damit unter die Marke von 3 Milliarden. Schuld ist der Knick im Festnetz bei den Privatkunden.

Dies sei einerseits die Folge von gesunkenen Preisen, sagte Krause. Andererseits gebe es noch negative Auswirkungen aus der Umstellung der alten UPC-Abos auf neue Sunrise-Abos, da nicht alle UPC-Kunden mitgemacht haben. «Dieser Effekt hält noch ein Stück weit an», sagte Krause. «Das ist der Hauptgrund, warum der Umsatzausblick im neuen Jahr stabil ist und wir noch kein Wachstum erzielen können, auch wenn wir viele Teilbereiche haben, die schon Wachstum haben.»

So blieb das Mobilfunkgeschäft mit Privatkunden im vergangenen Jahr praktisch stabil. Deutlich gewachsen ist Sunrise dagegen im Firmenkunden- und Grosshandelsgeschäft.

Aktie mit Freudensprung

Der bereinigte Betriebsgewinn (EBITDAaL) stieg auf vergleichbarer Basis um 0,9 Prozent auf 1,01 Milliarden Franken. Unter dem Strich konnte Sunrise den Nettoverlust auf 108,5 Millionen Franken reduzieren nach einem satten Minus von 361,9 Millionen im Vorjahr.

Der bereinigte Free Cash Flow (FCF) legte dagegen um 4,7 Prozent auf 379,7 Millionen Franken zu. «Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis, das die eigenen Ziele voll erreicht hat», sagte Krause.

Die Anleger spendeten ebenfalls Applaus und reagierten mit einer Kaufwelle. Die Sunrise-Aktie schoss bis gegen 14.25 Uhr um 7,0 Prozent auf 49,36 Franken nach oben. Zeitweise war das Papier gar über 50 Franken wert.

Die Investoren profitieren von einer höheren Dividende von 3,42 Franken pro Klasse-A-Aktie. Im Vorjahr hatte der Konzern noch 3,33 Franken je A-Aktie bezahlt. Wenn im laufenden Jahr die Ziele erfüllt werden, will Sunrise die Dividende weiter auf 3,49 Franken steigern. (awp/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Warum der KI-Boom böse enden könnte
1 / 9
Warum der KI-Boom böse enden könnte

Er gehört zu den Hauptverantwortlichen für den aktuellen KI-Boom: OpenAI-Chef Sam Altman. Doch die immensen KI-Investitionen der Techkonzerne bergen gewaltige Risiken. Es häufen sich Anzeichen, dass Erwartungen und Realität auseinanderdriften.

quelle: keystone / mark schiefelbein
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Tastenhandys: Wer tippt am schnellsten?
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Knall bei Sunrise: Bis zu 450 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden
Sunrise plant einen weiteren grossen Stellenabbau. Im Zuge einer mehrjährigen Neuaufstellung könnten bis zu 450 Vollzeitstellen wegfallen, wie der zweitgrösste Schweizer Telekomkonzern am Montag mitteilte. Gemessen an den konzernweit rund 2900 Vollzeitstellen entspricht dies knapp 16 Prozent oder etwa jeder sechsten Stelle.
Der Abbau ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung des Betriebsmodells, die Sunrise derzeit prüft. Das Unternehmen will seine Organisation stärker auf Kundenbindung, Netzqualität und einen zuverlässigen Betrieb ausrichten, wie es hiess. Gleichzeitig sollen neue Angebote und Innovationen schneller entwickelt und auf den Markt gebracht werden.
Zur Story