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Vor genau 25 Jahren wurde google.com registriert – ein Rückblick

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Sergey Brin (links) und Larry Page, im Hintergrund ihr damaliger «Aufpasser» Eric Schmidt.archivBild: AP

Vor genau 25 Jahren wurde google.com registriert – Zeit für einen (kritischen) Rückblick

09.09.2022, 16:4010.09.2022, 15:26

Es hat nicht viel gefehlt, und wir würden heute «backrubben» oder «whatboxen». Doch im September 1997 registrierte Larry Page den Domain-Namen google.com. Ein Schreibfehler soll beim Namen Pate gestanden haben. In diesem Beitrag blicken wir zurück auf die bewegte Geschichte des Studenten-Start-ups, das zum Quasi-Monopolisten wurde.

Der Name

Ein weltveränderndes Wort hat Geburtstag: Vor 25 Jahren wurden die Weichen dafür gestellt, dass «Googeln» zu einem Synonym für die Internet-Suche wurde. Es hätte auch anders kommen können. Als die Stanford-Studenten Larry Page und Sergey Brin 1996 mit der Entwicklung einer Suchmaschine begannen, trug sie zunächst den Namen Backrub – Rückenmassage auf Deutsch. Es war ein verspielter Hinweis auf die wegweisende Grundidee, dass Treffer relevanter sind, wenn es für sie mehr Verlinkungen – Backlinks – gibt.

Allerdings kamen Page und Brin schon nach einigen Monaten zu dem Schluss, dass eine erfolgreiche Suchmaschine einen griffigeren Namen braucht. Zeitweise favorisierten sie The Whatbox, wie der bekannte Silicon-Valley-Journalist Steven Levy in seinem Buch zur Google-Geschichte schrieb.

An einem September-Tag 1997 warf ein Zimmernachbar von Page jedoch den Begriff «Googol» in den Raum, die mathematische Bezeichnung für eine 1 mit 100 Nullen. Page gefiel das Wort. Der Zimmergenosse tippte der Legende nach die falsche Schreibweise «Google» in die Suche nach verfügbaren Domain-Namen ein. Sie war noch frei – und binnen weniger Stunden wurde Google.com von Page besetzt.

Die Firmengründung

Dann dauerte es allerdings noch fast ein Jahr, bis Google am 4. September 1998 als Unternehmen registriert wurde – um einen Scheck über 100'000 Dollar von Sun-Microsystems-Mitgründer Andreas von Bechtolsheim einlösen zu können. Die Mission: Alle Informationen auf der Welt zu ordnen und für alle zugänglich zu machen.

Das Firmen-Credo, das inzwischen keine Erwähnung mehr findet: «Don't be evil» – tu nichts Böses.

Erst liefen die Server aus dem Studenten-Wohnheim, als erstes Büro suchten sich Page und Brin standesgemäss eine Garage im Herzen des Silicon Valley. Ihre Vermieterin, Susan Wojcicki, führt heute die Videotochter YouTube.

Eric Schmidt 🤑

Page war der erste Firmenchef – doch den Investoren war nicht wohl dabei, das schnell wachsende Geschäft zwei noch nicht einmal 30-jährigen Gründern zu überlassen. So wurde 2001 der erfahrene Manager Eric Schmidt (Jahrgang 1955) als eine Art Erwachsenenaufsicht zu Google geholt.

Für zehn Jahre, bis ein gereifter Page wieder das Steuer übernahm, wurden Googles Geschicke von einer Art Troika gelenkt. Schmidt war zwar der Konzernchef – aber die Gründer hatten zum Beispiel die Freiheit, ungefragt das Start-up hinter dem heute marktführenden Smartphone-System Android zu kaufen, wie er sich später erinnerte.

Das sollte sich auch für Schmidt auszahlen – er wurde dank Google-Boni in Form von Google-Aktien Milliardär.

Die Geschäftsidee 🤑🤑🤑

Genauso innovativ wie der Suchmaschinen-Algorithmus war auch die Google-Idee, wie man damit Geld verdienen kann: mit kleinen Anzeigen im Umfeld der Treffer – die dazu passen, wonach die User suchen. Bezahlt werden muss nur, wenn die Werbung auch angeklickt wird, und der genaue Preis wird in einem Auktionsverfahren festgelegt.

Mit solchen Mini-Deals kann man mit der Grösse von Google Milliarden scheffeln. Die Such-Anzeigen sind trotz aller neu dazugekommener Aktivitäten nach wie vor als die Basis des Geschäfts von Google – und auch der Dachgesellschaft Alphabet insgesamt. Im vergangenen Quartal erzielte die Konzernmutter insgesamt einen Umsatz von rund 69,7 Milliarden Dollar (67,2 Milliarden Franken), davon waren gut 56,3 Milliarden Dollar Werbeerlöse von Google.

Der langjährige Google-Chef Sundar Pichai übernahm von Page auch die Führungsposition im Dachkonzern – und wurde auch zum Milliardär.

epa08150482 Sundar Pichai, Chief Executive Officer, Google and Alphabet, attends a panel session of the 50th annual meeting of the World Economic Forum (WEF) in Davos, Switzerland, 22 January 2020. Th ...
Sundar Pichai am WEF in Davos. Seit Ende 2019 hat er die Gesamtverantwortung der Google LLC sowie zusätzlich von deren Dachgesellschaft Alphabet Inc.Bild: EPA

Google will viel mehr ...

Schon in den ersten Jahren wurde klar, dass sich die Ambitionen von Google nicht nur auf die Internetsuche beschränken. Getreu dem Ziel, alle Informationen der Welt zu organisieren, fing man damit an, in grossem Stil Bücher einzuscannen.

Bei dem Projekt holten sich die Google-Gründer mit ihren Weltverbesserer-Absichten zum ersten Mal eine blutige Nase. Autoren und Verleger sahen Urheberrechte verletzt und ihr Geschäft bedroht und zogen vor Gericht. Google Books kam danach nur zäh voran.

Weitere Konflikte folgten. Medienhäuser warfen Google vor, mit der kostenlosen Verbreitung von Nachrichten ihre Geschäftsgrundlage zu zerstören. Bewertungsdienste wie Yelp kritisierten, die Suchmaschine sauge ihre Inhalte ein – wodurch die User bei Google hängen blieben. Preissuchmaschinen sahen sich benachteiligt.

... und kriegt auf die Finger

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager griff bereits drei Mal hart durch. 2017 gab es mit dem Vorwurf des unfairen Wettbewerbs bei der Shopping-Suche eine Strafe von 2,4 Milliarden Euro.

Im Juli 2018 folgte die Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro für Googles Gebaren bei Android. Acht Monate später kamen 1,49 Milliarden Euro hinzu, weil Google aus Sicht der Kommission bei Suchmaschinen-Werbung im Dienst AdSense for Search andere Anbieter unzulässigerweise behindert hatte. Doch die Beträge verdaute Google mit Leichtigkeit.

Der Quasi-Monopolist im Visier der USA

Nach Europa nehmen inzwischen aber auch in den USA Politiker sowohl der Republikaner als auch der Demokraten Google beim Wettbewerb ins Visier. Unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump reichte das US-Justizministerium im Oktober 2020 eine Klage mit dem Vorwurf ein, Google schütze seine dominierende Position bei der Internet-Suche und der damit verbundenen Werbung auf illegale Weise. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück.

Und dann war da noch was mit dem Datenschutz

Auch kommen immer wieder Datenschutz-Ängste auf. Weiss Google inzwischen zu viel über seine Nutzerinnen und Nutzer?

Vor knapp einem Jahrzehnt scheiterte die Idee der Computer-Brille Google Glass letztlich auch an der Sorge, ihre Träger könnten andere unbemerkt filmen. Google lernte dazu: Bei einer aktuell erprobten Brille, die für den Träger Text in fremden Sprachen als Übersetzung einblenden kann, heisst es gleich, dass sie keine Videos aufnimmt.

Tatsächlich scheint der US-Konzern aus zahlreichen Datenschutz-Skandalen gewisse Lehren gezogen zu haben. Jedenfalls ist es deutlicher ruhiger geworden – oder haben wir uns einfach ans Leben mit der Datenkrake gewöhnt?

Das letzte Wort soll ein Kritiker haben:

«Was Google heute ist, waren im Mittelalter die Brücken.»
Torsten Fricke, Autor des Sachbuchs «Die Akte Google – wie der US-Konzern Daten missbraucht, die Welt manipuliert, und Jobs vernichtet»

Quellen

  • Bericht der Deutschen Presse-Agentur (DPA), verbreitet von der Nachrichtenagentur Keystone-SDA

«Galileo» bei YouTube: «Datenkrake oder Weltverbesserer? Wie gefährlich ist Google wirklich?»

(dsc)

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8 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Icetabby01
09.09.2022 19:30registriert Mai 2021
Vor ca 24 Jahren habe ich das erste Mal die Google Suchmaschine auf dem Compi eines befreundeten Ingenieurs gesehen und er meinte dass diese Suchmaschine besser sei als das bisher bekannte Altavista, Yahoo und so weiter.
Hätte ich doch damals 1000 Stutz investiert....... :-)
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MarZ
09.09.2022 19:45registriert März 2014
Google ist eine geniale Idee, welche das Internet grundlegend mit geprägt hat. Und von den heutigen Kritikern hat höchst wahrscheinlich jeder einzelne mit dazu beigetragen, Google zu seiner heutigen Grösse wachsen zu lassen.
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herrkern (1)
09.09.2022 22:50registriert Juli 2017
Krass war damals, wie viel besser Google im Vergleich zu Altavista war.
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