Volkswagen erobert Marktführerschaft in China zurück – und greift mit 30 neuen Modellen an
Totgesagte leben länger: Volkswagen hat in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 die Marktführerschaft auf dem weltgrössten Automarkt in China zurückerobert. Die Deutschen liegen mit einem Marktanteil von 13,9 Prozent knapp vor dem chinesischen Volvo-Mutterkonzern Geely (13,8 %) und deutlich vor Toyota (7,8 %) sowie dem bisherigen Marktführer BYD (7,1 %). Dem weltweit grössten E-Auto-Hersteller BYD machen sinkende Subventionen für Elektro- und Plug-in-Hybrid-Autos zu schaffen.
Dass Volkswagen wieder von der Spitze grüsst, hat primär zwei Gründe: Einerseits ist die chinesische Konkurrenz schwach ins neue Jahr gestartet, andererseits verkaufen sich Volkswagens Verbrenner- und Hybrid-Modelle weiterhin gut. Volkswagen hat so die Marktführerschaft ohne nennenswerte E-Auto-Verkäufe erreicht. Die Deutschen haben 2025 ihren E-Auto-Verkauf in China fast eingestellt und sich ganz auf ihr Verbrenner-Geschäft konzentriert. Ab 2026 will man aber eine neue E-Auto-Generation in China lancieren, die mit der heimischen Konkurrenz technologisch und preislich mithalten soll. Dies soll durch massiv verkürzte Entwicklungszyklen möglich werden.
In China vollzieht sich die Antriebswende zum E-Auto schneller als in Europa. Deshalb planen die Deutschen 30 neue Modelle bis 2027, der Grossteil davon sind vollelektrische E-Autos und teilelektrische Plug-in-Hybride. Beide Antriebsarten werden in China rasch beliebter und machen zusammen bereits weit über die Hälfte der Verkäufe aus.
Neue Strategie für China
Toyota ist nebst Volkswagen der zweite grosse, nicht chinesische Autobauer, der sich gegen die starke heimische Konkurrenz gut behauptet. Volkswagen und Toyota haben zuletzt Milliarden investiert, um in China mit neuen E-Autos wieder Marktanteile zu gewinnen. Beide setzen auf chinesische Partner, um ihre Entwicklungszeiten und -kosten zu senken. Deshalb werden die neuen VW-Modelle erstmals vollständig in China für China entwickelt und basieren auf eigenen Plattformen sowie speziell angepasster Software.
Zuvor sind beide Hersteller mit ihren bisherigen E-Autos, die zu teuer, technologisch unterlegen und nicht spezifisch auf chinesische Bedürfnisse zugeschnitten waren, in China gescheitert.
VWs neue Elektro-Offensive läuft an
Die neue «In China, für China»-Strategie trägt erste Früchte. Vergangene Woche ist die Produktion des ersten vollständig in China entwickelten E-Autos von Volkswagen angelaufen. Es wurde gemeinsam mit dem chinesischen E-Auto-Startup Xpeng in nur 24 Monaten entwickelt. Zum Vergleich: In Europa versucht VW die Entwicklungszeiten auf 36 Monate, also drei Jahre, zu verkürzen.
Bei der grössten Produktoffensive für Elektrofahrzeuge will VW in China in diesem Jahr 20 neue, lokal entwickelte Modelle auf den Markt bringen. Diese auf chinesische Kundenbedürfnisse zugeschnittenen Modelle werden in Europa nicht angeboten. Umgekehrt werden Autos für Europa weiterhin in Europa entwickelt und gebaut. Bei europäischen Autos geht der Trend zurück zu physischen Tasten und Knöpfen für eine einfache Bedienung, während in China möglichst grosse Bildschirme und Unterhaltungsangebote gefragt sind. Dies ist mit ein Grund, warum die alte Strategie – ein Auto für alle Märkte – in vielen Fällen nicht mehr funktioniert.
(oli)
- Das ist der neue VW ID.3 Neo – was bereits bekannt ist
- Elektro-Strategie gescheitert – Honda warnt vor Milliardenverlust
- Rekuperation bei E-Autos: Was das ist und was sie wirklich bringt
- Eine E-Auto-Marke fährt in der Schweiz allen davon – und es ist weder VW noch Tesla
- Cupra macht seinen kompakten Stromer Born fit für die Zukunft – das wird neu
