Deepfakes oder doch nicht? Verwirrung um den Fall Collien Fernandes
Der «Spiegel» berichtete als Erster, dass Schauspieler Christian Ulmen angeblich Fake-Profile seiner damaligen Ehefrau erstellt und diese im Namen von Collien Fernandes für Sex-Chats und Telefonsex genutzt haben soll. Ausserdem soll er pornografische Bilder und Videos erstellt haben, die ihr täuschend ähnlich sahen. Bereits in diesem Artikel war von «Deepfakes» die Rede. Ulmens Anwalt äusserte sich in einem Statement, sein Mandant habe nie Deepfakes erstellt. In der ARD-Talkshow «Caren Miosga» wehrte Fernandes sich jedoch am vergangenen Sonntag: Das habe sie nie behauptet.
Nun ist die Verwirrung gross, schliesslich stand das Wort in sämtlichen Schlagzeilen.
Unklarheiten auf Instagram
Tatsächlich schrieb Fernandes in ihrem ersten Statement auf Instagram nicht von Deepfakes, sondern von «falschen Nacktfotos und Sexvideos, die wirken sollten, als hätte ich mich selbst nackt fotografiert oder mich heimlich beim Sex filmen lassen». Sie habe bereits 2023 davon erfahren und versucht, dagegen vorzugehen: «Auch während ich 2024 eine Dokumentation zu diesem Thema drehte.» Die besagte Doku trägt den Titel «Deepfake-Pornos: Digitaler Missbrauch».
In einem anderen Instagram-Post verwendet sie den Titel: «Christian Ulmen und die Deepfakes – was er mir gegenüber gestanden hat». Darin wendet sie sich auch an die Männer, die glaubten, mit ihr Kontakt gehabt zu haben: «Wenn Männer sagen, sie hätten ein Gangbang-Video von mir gesehen – nicht von Frauen, die mir ähnlich sahen –, dann gibt es zwei Möglichkeiten: A) Bei meinem letzten Gangbang lief eine Kamera mit. B) Es ist ein Deepfake, eine Montage oder was auch immer.»
Fernandes bekräftigt mit deutlichen Worten
In der Sendung «Caren Miosga» stellte Fernandes nun klar: In ihrem Fall gehe es nicht um klassische Deepfakes. Und in den Ermittlungen auch nicht. Laut «Bild» hat sie Ulmen in ihrem ehemals gemeinsamen Wohnort in Spanien wegen Identitätsanmassung, Verletzung der Intimsphäre, Bedrohung und Nötigung angezeigt. In Deutschland wird wegen Nachstellung gegen ihn ermittelt.
Verschwimmen die Details zwischen Deepfakes und Fake-Profilen in den Berichterstattungen womöglich, weil sich die 44-Jährige schon seit Jahren gegen KI-Bilder einsetzt? Vom «Spiegel» heisst es auf eine Anfrage um Klarstellung nur: «Wir haben unserer Berichterstattung nichts hinzuzufügen.» Eine Anfrage an Collien Fernandes, wie sie mit der Verwirrung umgeht, blieb bislang unbeantwortet.
Der Fall zeigt, wie Nachrichten ein Eigenleben entwickeln können – bei Medien und Lesern. In der «Bild» bekräftigt Fernandes, ihr Ex-Mann habe pornografische Videos und Fotos verschickt, die möglichst echt und privat wirken sollten: «Welche Technik dabei verwendet wurde, muss vor Gericht geklärt werden.»
Eines bleibt klar: Egal, ob solche Bilder und Videos mit KI, Photoshop oder sogar mit Schere und Kleber erstellt und ins Internet gestellt werden – die Tat bleibt grauenhaft. Ähnlich wie bei «Revenge Porn», wo Ex-Partner nach der Trennung private Bilder teilen oder heimlich aufgenommene Fotos verbreiten. Die betroffene Person hat nie ihr Einverständnis dazu gegeben. (aargauerzeitung.ch)

