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Fall Collien Fernandes: Freunde von Christian Ulmen distanzieren sich

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Am Sonntag solidarisierten sich Tausende Menschen an einer Demonstration in Berlin mit Collien Fernandes.Bild: keystone

Freunde von Christian Ulmen distanzieren sich – die Reaktionen zum Fall Fernandes

Nach den Vorwürfen von Collien Fernandes gegenüber ihrem Ex-Mann Christian Ulmen melden sich immer mehr Freunde und Kolleginnen und Kollegen des Schauspielers zu Wort. Die Reaktionen im Überblick.
23.03.2026, 11:4823.03.2026, 11:48

Collien Fernandes erhob vergangenen Donnerstag schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Er soll über Jahre hinweg falsche Profile erstellt und Deepfake-Fotos und -Videos von ihr veröffentlicht haben. Aus ihrer eidesstattlichen Erklärung geht auch hervor, dass er gegenüber Hunderten von Männern im Netz ihre Identität angenommen und diesen Männern in ihrem Namen sexuelle Avancen gemacht haben soll. Fernandes sprach unter anderem von «digitaler Vergewaltigung».

Inzwischen haben sich einige enge Freunde sowie Kolleginnen und Kollegen von Ulmen distanziert. Am Sonntag fand ausserdem eine Demonstration in Berlin statt, um Solidarisierung mit Fernandes und anderen Frauen, die von digitaler Gewalt betroffen sind, zum Ausdruck zu bringen.

Ein Überblick über die Reaktionen zum Fall Collien Fernandes:

Fahri Yardim äussert sich nach «Zögern»

Am Sonntagabend meldete sich Fahri Yardim mit einem langen Instagram-Post erstmals öffentlich nach den Vorwürfen gegen seinen Schauspielkollegen und engen Freund Christian Ulmen zu Wort. Die beiden produzierten unter anderem gemeinsam die Serie «Jerks».

Yardim schreibt, er sei «genauso geschockt wie viele andere» und bewundere den Mut von Collien Fernandes. Er betont seine Solidarität:

«Ich fühle mit ihr. Und ich bin dankbar dafür, wie sie ihre persönliche Geschichte in eine Kraft übersetzt, die echte strukturelle Veränderung möglich macht. Dafür hat sie meine volle Solidarität.»

Gleichzeitig legt Yardim dar, warum er sich mit einem öffentlichen Statement Zeit liess: «Ich konnte nicht anders. Ich brauchte Zeit. Aus der besonderen Situation heraus, auf zwei Ebenen berührt zu sein.» Diese zwei Ebenen – eine öffentliche und eine persönliche – stünden für ihn «nicht in Konkurrenz», existierten jedoch gleichzeitig und liessen sich nicht ohne Weiteres in eine eindeutige Position übersetzen.

Dennoch räumt Yardim ein, dass sein Zögern Konsequenzen habe:

«Mir ist bewusst, dass mein Zögern nicht neutral ist. Es hat Wirkung. Es beeinflusst, welche Deutungen Gewicht bekommen, welche Perspektiven sich verfestigen und welche Schutzräume gestärkt oder geschwächt werden. Auch wenn ich das nicht beabsichtige, bin ich Teil dieser Wirkung.»
Fahri Yardim, Christian Ulmen, beim Sreening von JERKS. in Berlin, Premiere im Kino Zoopalast, Roter Teppich, TV-Serie, Berlin Deutschland, Germany *** Fahri Yardim, Christian Elms, at SREENING from J ...
Fahri Yardim und Christian Ulmen spielten in der Serie «Jerks» sich selbst. (Archivbild)Bild: IMAGO / Berlinfoto

Er verweist zudem auf strukturelle Muster: «Ich weiss auch, dass Zögern in solchen Konstellationen historisch und strukturell oft dazu beigetragen hat, dass Betroffenen nicht geglaubt oder ihnen nicht ausreichend Schutz gewährt wurde.»

Am Ende zieht Yardim ein nüchternes Fazit seiner eigenen Haltung: «Ich sehe klarer, dass mein Zögern – und das Ausbleiben einer rechtzeitigen Position – selbst bereits eine Position ist. Mit realen Folgen.» Er wolle sich diesen Folgen «nicht nur gedanklich, sondern auch praktisch» stellen.

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Stuckrad-Barre beendet Freundschaft öffentlich

Auch der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre äusserte sich öffentlich zu Fernandes' Vorwürfen, die er als «fürchterlich» beschreibt. Er macht deutlich, dass er sich klar von seinem «Freund Christian» distanziere. Er befinde sich «in einer Art Schockzustand und noch immer weit davon entfernt, das alles zu begreifen».

Er kenne Ulmen seit fast 30 Jahren, sie verbinde eine enge Freundschaft. Collien Fernandes' Schilderungen seien für ihn auf mehreren Ebenen eine immense Erschütterung. Er könne das Ulmen «vorgeworfene entwürdigende Verhalten zwar überhaupt nicht zusammenbringen», müsse das aber jetzt tun.

Männer müssten sich den Satz «Das kann ich mir nicht vorstellen» abgewöhnen. Weiter schreibt er:

«Ich muss mich hier ganz klar von meinem Freund Christian distanzieren, muss das deutlich benennen, weil Schweigen nicht ganz zu Unrecht aufgefasst werden könnte als Billigung.
Es ist an niemandem sonst als an uns Männern, festzustellen, anzuerkennen und zu verurteilen, dass die allermeisten Gewalttaten gegenüber Frauen innerhalb von Beziehungen stattfinden. Und dass die Täter eben nicht nur irgendwelche düsteren Gestalten aus Statistiken sind, sondern dass darunter auch Menschen sind, die wir bewundern oder lieben.»

Männer hätten die Aufgabe, Gewalt zu verhindern und keine Täter zu schützen. Er wollte nun damit öffentlich anfangen – «gerade weil Christian mein Freund war, bis zum vergangenen Donnerstag».

Weitere Kollegen zeigen sich solidarisch

Zahlreiche weitere Kolleginnen und Kollegen aus der Branche zeigten sich nach der Veröffentlichung der Vorwürfe solidarisch mit Collien Fernandes, darunter Schauspieler Kostja Ullmann, Moderatorin Palina Rojinski oder Comedian Michael Mittermeier. Moderator Joko Winterscheidt schrieb auf Instagram an Fernandes gerichtet:

«Es ist so verstörend, zu lesen, was dir angetan wurde, dass mir ehrlich gesagt die Worte fehlen. Ich kann nicht mal erahnen, wie es sich für dich anfühlen muss, aber ich finde es soooo stark von dir, dass du es öffentlich machst. Ich wünsche dir alle Kraft dieser Welt.»

Die beiden Schauspielerinnen Pheline Roggan und Emily Cox, die in «Jerks» mitspielten, solidarisierten sich ebenfalls mit Fernandes. «Ich bewundere dich dafür, dass du den Mut und die Kraft hast, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, damit die Scham endlich die Seiten wechselt», schreibt Roggan auf Instagram.

Pheline Roggan, Christian Ulmen, Emily Cox und Collien Ulmen-Fernandes zu Gast beim Joyn Launch Event zum Start der gemeinsammen Streamingplattform von Pro7Sat1 und Discovery im ewerk am Dienstag 18.0 ...
Pheline Roggan und Emily Cox 2019 gemeinsam mit Christian Ulmen und Collien Fernandes (Archivbild).Bild: IMAGO / BREUEL-BILD

Die Produktionsfirma Pyjama Pictures, die die Serie «Jerks» ab der vierten Staffel produziert hat, zeigte sich schockiert über die Vorwürfe. Das berichtet der «Spiegel». Man sei zum Schutz der Firma mit dem Mitbegründer Christian Ulmen im Gespräch darüber, ob er seine Gesellschafteranteile zurückgebe – trotz der geltenden Unschuldsvermutung.

Demo am Brandenburger Tor

In Berlin haben am Sonntag mehrere tausend Menschen an der Demonstration «Gegen sexualisierte digitale Gewalt – Solidarität mit allen Opfern» teilgenommen. Sie versammelten sich am Nachmittag am Brandenburger Tor. Die Polizei sprach von 6700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Veranstalter von 13'000 Menschen.

epa12841836 A participant holds a placard that reads 'Shame has to change sides' during a rally at the Brandenburg Gate in Berlin, Germany, 22 March 2026. The rally took place under the mott ...
Tausende demonstrierten am Sonntag vor dem Brandenburger Tor gegen sexualisierte digitale Gewalt.Bild: keystone

Unter den überwiegend jungen Demonstrantinnen und Demonstranten waren auch bekannte deutsche Politikerinnen wie Saskia Esken (SPD), Ricarda Lang, Lisa Paus und Katrin Göring-Eckardt (alle Grüne).

Collien Fernandes nahm selbst nicht teil, liess aber ein Statement verlesen. «Ich freue mich über jeden, der für dieses wichtige Thema auf die Strasse geht», hiess es darin. Sexualisierte und digitale Gewalt seien weiter verbreitet, als man ahne. «Aktuell gibt es jedoch massive gesetzliche Schutzlücken.»

Fernandes kritisierte auch den Staat: Er komme seiner Verantwortung nicht nach – weder beim Persönlichkeitsrecht noch beim Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. «Das muss sich ändern. Wir dürfen die Täter nicht mehr davonkommen lassen.»

Klimaaktivistin Luisa Neubauer ebenfalls betroffen

Klimaaktivistin Luisa Neubauer enthüllte an der Demonstration in Berlin, dass sie selbst betroffen sei. Sie brauche seit fünf Jahren Personenschutz der Polizei, wenn sie zu Demonstrationen gehe, aufgrund von Bedrohungen durch Männer. Das LKA melde sich regelmässig bei ihr, weil es Stalker von ihr gebe – real und im Internet.

epa11978925 German climate activist Luisa Neubauer looks on during an interview prior to a Fridays for Future climate strike demonstration in Berlin, Germany, 21 March 2025. EPA/CLEMENS BILAN
Auch von Luisa Neubauer kursieren offenbar Deepfakes im Internet.Bild: keystone

Eine Hilfsorganisation habe ihr berichtet, dass das Internet voll sei mit sexualisierten Fake-Bildern von ihr. Erstellt offenbar von Männern, die Gewaltfantasien hätten, die eine Sucht hätten nach Kontrolle und Abwertung von Frauen. «Solange diese Gewalt herrscht, kämpfen wir für Gesetze, die die Täter nicht länger schützen, sondern die Opfer.»

Frühere Gesetzesvorlage als geplant

Die deutsche Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat aufgrund der aktuellen Entwicklungen angekündigt, ihr geplantes Gesetz zum besseren Schutz der Frauen vor digitaler Gewalt früher vorzulegen, als sie es zunächst geplant hatte. Die Gesetzesvorlage soll demnach bereits in dieser Woche erfolgen.

epa12720581 German Justice Minister Stefanie Hubig gestures during a media statement during a visit to the GTAZ Anti-Terror Center of the Federal Criminal Police Office in Berlin, Germany, 09 February ...
Die deutsche Bundesjustizministerin Stefanie Hubig will Frauen mit einem Gesetz besser vor digitaler Gewalt schützen.Bild: keystone

Damit reagiert sie auch auf Druck von den Grünen in Deutschland. «Wir Frauen sind die warmen Worte der Bundesjustizministerin leid», sagte etwa Lena Gumnior, Obfrau der Grünen im Rechtsausschuss des Bundestags, gegenüber dem «Spiegel». Hubig kündige bereits seit einem Jahr Reformen an. «Der Fall Ulmen muss das jetzt ändern. Nicht irgendwann, mit langen Aktionsplänen, auf die nichts folgt, sondern mit einem Gesetzentwurf in der nächsten Sitzungswoche.»

Christian Ulmen schweigt – Anwalt geht gegen «Spiegel» vor

Christian Ulmen selbst schweigt weiterhin zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Medienanwalt Christian Schertz will für Ulmen rechtlich gegen den «Spiegel» vorgehen. Das Magazin hatte zuerst über die Vorwürfe von Collien Fernandes berichtet. Schertz bezeichnet die Berichterstattung als «aus mehreren Gründen rechtswidrig». Es handle sich um eine «unzulässige Verdachtsberichterstattung» sowie um die Verbreitung «unwahrer Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung». Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der Anwalt kündigte an, gegen die Veröffentlichung vorzugehen. Weitere Details zu möglichen rechtlichen Schritten nannte er zunächst nicht.

(mit Material von T-Online)

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136 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Snowy
23.03.2026 12:17registriert April 2016
Das schlimmste finde ich, dass es offenbar keine Vorzeichen gab.

Fernandes galt als empanzpipiert.
Alle Freunde UND seine Ex können nicht glauben, was da passiert ist.

Weil das bedeutet im Umkehrschluss, dass so etwas ähnliches jeder Frau passieren kann, weil sie sich komplett in ihrem Partner täuscht.

Jungs, Brüder, Männer!
So gehts echt nicht weiter.
Das sind unsere Schwestern und Mütter.
Es beginnt nicht mit "virtueller Vergewaltigung", sondern mit dem herablassenden und sexistischen Kommentar über die neue Kollegin, wenn grad nur Männer im Raum sind - und niemand widerspricht! Tammi!
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Janster
23.03.2026 12:23registriert März 2021
Ich glaube das hier die Gesetzgebung schnell aktiv werden wird. Denn mit KI werden die Möglichkeiten die sich solchen Tätern bieten jeden Tag besser. Auch im Bereich Betrug und Identitätsübernahme von Personen ganz allgemein muss mehr Schutz her.
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Hyper80
23.03.2026 14:00registriert Juni 2020
Fact ist. Gewalt, Missbrauch und Mobbing an Frauen ist Alltag. Das die Täter öfters Personen aus dem nähen Umfeld sind, ist schockierend. Dieser aktuelle Fall von Fernandes sollte alle und jeden von uns zum Nachdenken und Handeln anregen. Wegschauen ändert nichts an der Situation. Whataboutism ist keine Lösung. Und schweigen erst recht nicht.
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