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Vorwürfe gegen Christian Ulmen: Collien Fernandes spricht in der ARD

Collien Fernandes in der ARD: «Viele hätten das nicht erwartet»

Nach den Vorwürfen gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen wendet sich Collien Fernandes erneut an die Öffentlichkeit. Mit einem TV-Interview möchte sie weiter aufklären.
20.03.2026, 22:4420.03.2026, 22:45
Jennifer Doemkes / t-online
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Sie hat ihr Schweigen gebrochen und will damit anderen Mut machen. Collien Fernandes ist Opfer digitaler sexualisierter Gewalt geworden. Seit Jahren kämpft sie bereits um mehr Aufmerksamkeit für das Thema. Jetzt ging die Schauspielerin erneut an die Öffentlichkeit – und enthüllte die Identität des Täters.

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Collien Fernandes: Sie setzt sich für den Kampf gegen sexualisierte Gewalt ein.Bild: IMAGO / Klaus W. Schmidt

Im «Spiegel» hat Collien Fernandes schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben und bestimmte Vorhaltungen eidesstattlich versichert. Anschliessend äusserte sie sich auch auf ihrem Instagram-Account. Demzufolge soll Christian Ulmen über Jahre hinweg digital gefälschtes sexuelles Bildmaterial von ihr im Netz verbreitet haben. Aus ihrer eidesstattlichen Erklärung geht auch hervor, dass er gegenüber hunderten von Männern im Netz ihre Identität angenommen und diesen Männern in ihrem Namen sexuelle Avancen gemacht haben soll.

Die Enthüllungen riefen eine öffentliche Welle des Entsetzens und der Solidarität mit Fernandes hervor. «Ich glaube, viele hätten das nicht erwartet. Und ich habe von sehr vielen Frauen auch ihre persönliche Geschichte erfahren. Und das zeigt auch, dass dieses Problem viel weiter verbreitet ist, als man meint. Deswegen ist es so wichtig, dass wir jetzt endlich ganz viel Licht in dieses grosse Dunkelfeld bringen», sagt die 44-Jährige am Freitag in einem neuen Interview mit den ARD-«Tagesthemen».

Zudem wolle sie zeigen, «was das mit den Opfern macht. Ich habe das Gefühl, dass es jahrelang nicht ernst genommen wurde. Ich finde es wichtig aufzuzeigen, dass digitale Gewalt reale Gewalt ist», so Collien Fernandes. «Ich glaube, vielen Menschen ist nicht bewusst, was für traumatische Auswirkungen das haben kann, wie intensiv man sich in psychotherapeutische Behandlung begeben muss, um diese Traumata aufzuarbeiten.»

Sie betont:

«Grundsätzlich hilft es, damit nicht mehr alleine zu sein. Ich glaube, dass es gerade bei Tätern, die kein Unrechtsbewusstsein haben, total wichtig ist, dass die Gesellschaft als Korrektiv funktioniert und dem Täter den Spiegel vorhält.»

Häusliche Gewalt dringe oftmals gar nicht erst nach aussen, doch: «wir müssen darüber sprechen, damit sich etwas verändert, damit überhaupt das Ausmass bekannt wird. Denn auch statistisch können die Fälle nur erfasst werden, wenn sie bekannt sind», appelliert die Mutter einer Tochter.

«Auch wenn man das Gefühl hat, dass man einen David-gegen-Goliath-Kampf kämpft»

Sie wolle als Beispiel vorangehen, denn es sei «wichtig, dass man als Frau – und ich hoffe, ich kann da auch anderen Mut machen – diese Mauer des Schweigens bricht», betont die Schauspielerin. «Auch wenn man das Gefühl hat, dass man einen David-gegen-Goliath-Kampf kämpft. Dass man trotzdem irgendwie den Mut fasst, darüber zu sprechen und sich nicht mundtot machen lässt.»

«Da muss sich ganz dringend etwas ändern»

Das sei auch bei dem juristischen Vorgehen wichtig. «Ich habe das Gefühl, dass wir hier etwas im System haben, das nicht funktioniert. Und darauf möchte ich gerne hinweisen. Da muss sich ganz dringend etwas ändern», stellt Collien Fernandes klar. Sie habe selbst Erfahrungen damit gemacht, «dass wenn man das Thema zur Anzeige bringt, diese Anzeige nicht weiter verfolgt wird, das ganze Thema relativ schnell fallen gelassen wird. Also ich habe selbst Erfahrungen mit dem Justizversagen gemacht.»

Sie habe sich deshalb auch bewusst dafür entschieden, in Spanien zu klagen, wo sie und auch Christian Ulmen leben. Weil dort «die Rechte von Frauen deutlich besser sind als in Deutschland. Das betrifft nicht nur die digitale Gewalt, sondern auch die häusliche Gewalt.» Dass sich die aktuelle Debatte mit dem Täter ausschliesslich darum drehe, ob Deutschland oder Spanien zuständig ist, «das zeigt ja, dass Deutschland ein absolutes Täterparadies ist. Wenn der Täter ein sehr umfangreiches Schreiben vorlegt, in dem es nur darum geht, dass Deutschland zuständig sein soll, zeigt das ein grosses Versagen, eine grosse Schutzlücke in der Justiz», kritisiert die 44-Jährige.

Der Schauspieler selbst schweigt bisher zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Sein Rechtsbeistand, der Promi-Anwalt Christian Schertz, nennt die Veröffentlichungen in einer presserechtlichen Information «unwahre Tatsachen aufgrund einseitiger Schilderung».

Derweil bestätigte das Bezirksgericht in Palma die Ermittlungen auf Anfrage. «Das Verfahren ist noch im Gange», sagte Gerichtssprecherin Agnès Antich Andreu, die Ermittlungen befänden sich «in einer sehr frühen Phase».

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