Musk verschärft seine rechtsextreme Rhetorik zur «weissen Rasse»
Elon Musk, der amerikanische Unternehmer und zeitweise Spar-Zar unter US-Präsident Donald Trump, macht auf seiner Plattform X zunehmend Stimmung gegen einen angeblichen Trend, den er als «Niedergang der weissen Rasse» sieht.
Im Januar schrieb er bei X: «Weisse sind eine sterbende Minderheit», im Februar liess er dort verlauten, dass es «seit zehn oder mehr Jahren einen unerbittlichen Hass und giftige Propaganda im Westen gegen jeden gibt, der weiss, heterosexuell oder männlich ist». Und er forderte ein «Ende des Schuldgefühls».
Der SpaceX-Gründer, der das Raumfahrtunternehmen an die Börse bringen will, hat nie einen Hehl aus seinen rechtskonservativen Ansichten gemacht. Im vergangenen Wahlkampf trat er immer wieder neben Donald Trump auf, verwirrte Beobachter aber auch mit einer Geste, die an den Hitlergruss erinnerte. Zwar geht Musk nicht mehr im Weissen Haus ein und Aus, dennoch ist er weiterhin mit jenen Republikanern auf einer Linie, die eine extreme rechtspopulistische Agenda haben.
Vorwürfe gegen Heimat Südafrika
Wie die «Washington Post» recherchiert hat, haben Musks Äusserungen zur «weissen Rasse» zugenommen. In den vergangenen sieben Monaten hat Musk (auf seiner Plattform) 850 Mal über «Rassen»-Themen geschrieben, fast dreimal so viel wie in den zwei Jahren zuvor. In der Hälfte dieser Beiträge steht das Wort «Weiss». Zwischen vergangenem Oktober und April 2026 beschäftigt das Thema den Unternehmer täglich.
Musk behauptet nicht nur, dass Weisse unerbittlichen Verleumdungen ausgesetzt seien. Er hat auch angedeutet, dass die ethnische Zugehörigkeit bei der Personalauswahl eine nachteilige Rolle spiele und die Hilfe der Weissen bei der Abschaffung der Sklaverei hervorgehoben. Er wirft der Regierung in seinem Heimatland Südafrika vor, weisse Bürger zu diskriminieren – jenes Land, das sich nach Jahrzehnten der Apartheid gegen die schwarze Bevölkerung befreit hat.
Beruflich ist Musk weiterhin auf Erfolgskurs. Der Börsengang von SpaceX könnte ihm weitere Milliarden Dollar bescheren, auch weil er seine KI-Firma xAi dort integriert hat. Tesla will er zu einer Roboterfirma umbauen und damit diesen weltweit wachsenden Markt bedienen. Doch privat wird er in seinen politischen Äusserungen extremer.
Expertin: Gängige Argumente der weissen Vorherrschaft
«Soweit ich das beurteilen kann, schliesst sich Musk derzeit den gängigen Argumenten der weissen Vorherrschaft an», sagte Heidi Beirich, Mitbegründerin des Global Project Against Hate and Extremism, der «Washington Post» und verwies dabei auf Musks Behauptung, Weisse seien eine «aussterbende Minderheit».
Kritik kommt auch von Anhängern des Tech-Unternehmers, die mehr Fokus auf Innovationen statt rassistische Auslassungen sehen wollen. «Rivian: konzentriert sich auf Autonomie und sein nächstes Fahrzeug», schrieb ein beliebter Tesla-Fan-Account auf X, der Musk mittlerweile kritisch gegenübersteht, im Dezember unter Bezugnahme auf einen konkurrierenden Elektroautohersteller. «Elon: konzentriert sich auf den Anteil der weissen Bevölkerung in Neuseeland.»
Der Südafrikaner bedient mit seinen Beiträgen eine kleine, radikale Gruppe in der amerikanischen Gesellschaft. Eine Untersuchung des amerikanischen PEW-Institut vom vergangenen Jahr stellte fest, dass nur zwölf Prozent der Amerikaner glauben, dass Weisse sehr diskriminiert werden.
Ashley Jardina, Professorin für öffentliche Politik und Politikwissenschaft an der University of Virginia und Autorin des Buches «White Identity Politics», sagte der «Post», Musks Standpunkte seien Ausdruck «klassischer weisser Vorherrschaft». «Es wird einfach immer gesellschaftlich akzeptierter, offenere und explizit rassistische Einstellungen zu äussern», sagte sie und warnte:
Musks Versuche, seine weisse Rassentheorie zu verbreiten, zeigen sich in der Grokipedia, seiner Version der Enzyklopädie Wikipedia. Wie das US-Magazin «Atlantic» recherchierte, wird dort ebenfalls die «Theorie» von einer Diskriminierung der Weissen verbreitet und behauptet, dass Debatten darüber sogar unterdrückt werden.
In der Welt des Unternehmers sind es «Eliten» und Linke, die eine Gefahr für die weisse Rasse darstellen. Im Februar beschwerte er sich darüber, dass der Comic «Dilbert» von einigen Zeitungen verbannt wurde. Dessen Schöpfer Scott Adams hatte auf YouTube eine rassistische Tirade abgehalten. Unter anderem gibt es um eine Umfrage, bei der gefragt wurde, ob Teilnehmer dem Satz «Es ist ok, weiss zu sein» zustimmen. 26 Prozent der schwarzen Teilnehmer stimmten dem nicht zu – Adams nannte sie eine «Hassgruppe».
Musk warf «den Medien» sowie «Elite-Hochschulen und -Gymnasien» vor, gegenüber Weissen und Asiaten «rassistisch» zu sein. Ganz anders sieht es die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die in einem Bericht festhielt:
Quellen
- theatlantic.com: "Grokipedia Is Elon Musk’s Latest Information Experiment" (Englisch) (kostenpflichtig)
- amnestyusa.org: "Human Rights Crisis in the U.S.: White Supremacy’s Comeback Tour" (Englisch)
- washingtonpost.com: "Musk’s online posts about race and whiteness draw scrutiny" (Englisch) (kostenpflichtig)
- cnbc.com: "Elon Musk calls U.S. media and schools racist against whites and Asians" (Englisch)

