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videogame sammlung kevin wuhrmann

Diese Gamer-Sammlung kann sich sehen lassen. Sie verteilt sich auf drei Räume.
Bild: zvg

Interview

Basler Gamer: «Im letzten Jahr habe ich über 10'000 Franken für meine Spiele- und Konsolen-Sammlung ausgegeben​»

Der 25-jährige Schweizer Kevin Wuhrmann sammelt seit über zehn Jahren alte Konsolen und Videospiele. Hunderte Geräte und tausende Games sind bereits zusammengekommen. Uns erzählt er, was ihn antreibt und wie Besucher reagieren, wenn sie seine Wohnung zum ersten Mal betreten.



Wie gross ist deine Sammlung genau? 
Kevin Wuhrmann: Meine Videospielsammlung umfasst grösstenteils Videospiele und diverse Videospielsysteme, dazu gehören auch Arcade-Automaten sowie diverse Computer aus verschiedenen Jahrzehnten. Zurzeit sind es ungefähr 380 Videospielsysteme, über 3900 Videospiele und rund 50 Computer.

Eine ganze Menge. Wann hast du damit angefangen? 
2004 als ich zum ersten mal mit meinem eigenen Rechner ins Internet konnte. Damals war das noch was Besonderes (lacht). Da man natürlich als Neuling nicht sonderlich viel vom Internet wusste, hat man bei Google einfach mal nach den Dingen gesucht, die man mochte, in meinem Fall Videospiele. Als ich damals durchs Web surfte ist mir aufgefallen, wie viele unbekannte Spiele und Videospielsysteme es gab. Ich fand das ganze Thema so spannend, dass ich angefangen habe, meine eigene Sammlung aufzubauen.

videogame sammlung kevin wuhrmann

Kevin (links) mit der Stimme von Super Mario, Charles Martinet.
Bild: zvg

«Meine Sammlung ist kein Show-Room, sondern ein aktiver Ort, an dem alles funktionieren muss.»

Was war dein erstes Sammlerstück?
Mein erstes Sammlerstück war ein goldener Game Boy Light aus Japan, den ich 2004 im Internet ersteigert hatte. Ich konnte ihn zum Schnäppchenpreis von 15 Franken ergattern. Davor hatte ich noch nie von dem System gehört. Ich habe mich dann etwas erkundigt, das Teil ersteigert und damit den Stein ins Rollen gebracht.

Warum sammelt man Spiele und Konsolen?
Ich spiele persönlich seit meinem dritten Lebensjahr Videospiele. Mein Vater hat mir damals einen Super Nintendo geschenkt. Ich mochte die digitale Welt der Videospiele also schon immer. Mal ganz davon abgesehen, bin ich ein grosser Technik-Fan und interessiere mich sehr für die Geschichte der jeweiligen Geräte. Die Welt der Videospiele und Computersysteme hat es mir besonders angetan. Darüber zu lesen, ist eine Sache, die Geschichte selbst nachzuerleben, ist ein komplett anderes Gefühl. Ich bezweifle, dass ich jemals Hand an einen NIMROD-Computer anlegen werde, um die ersten Schritte der Videospielgeschichte nachzuerleben, aber alles nach den 70er-Jahren ist für mich und meine Sammlung von Interesse.

Bei den Computern ist es irgendwie ein zweischneidiges Schwert. Vor allem die alten Computer sind einfach nur riesig, da ist es für mich nicht möglich, alles selbst zu besitzen. Daher beschränke ich mich auf einige Kultgeräte wie den Sharp MZ-80 oder den Commodore PET. Zurzeit sind die grössten alten Rechner in meinem Besitz ein NEC APC und ein Commodore 8032-SK. Andererseits ist es sogar in der Schweiz möglich, die alten Grossraumrechner zu begutachten. Zum Beispiel im Computermuseum ENTER in Solothurn.

Woher nimmst du überhaupt den Platz?
Der Platz ist bei mir seit Jahren ein Thema. Ich versuche so viel wie möglich unterzubringen und zu sortieren, aber so, dass ich auch jederzeit zocken kann. Eine hübsche Glasvitrine mit ein paar Sammlerstücken sucht man bei mir vergebens, meine Sammlung ist kein Show-Room, sondern ein aktiver Ort, an dem alles funktionieren muss. Zurzeit bin ich auf Wohnungssuche, um meine Sammlung besser präsentieren zu können.

Hast du ein Sammler-Vorbild?
Ehrlich gesagt nein. Als ich angefangen habe, wusste ich nicht einmal, dass es vor mir andere Leute gab, die auch eine Videospielsammlung haben. Ich sehe mir allerdings immer wieder gerne die Sammlungen anderer Leute an.

«Alte Computer sind riesig, darum ist es für mich nicht möglich, alle selbst zu besitzen.»

videogame sammlung kevin wuhrmann

Kevin ist nicht nur der Sammellust verfallen, er spielt auch in der Band Alobar. 
bild: zvg

Musst du die Sachen pflegen?
Kommt drauf an, was man unter pflegen versteht. Abstauben ist natürlich Pflicht, viel mehr muss man da nicht machen. Hin und wieder reinige ich vorsichtig neue Geräte, bevor sie in die Sammlung wandern. Ab und zu muss ein Kabel ausgetauscht werden und manchmal werden die Geräte aufgeschraubt. Besonders Pflegebedürftig ist eigentlich nur der Flipperkasten, da muss man immer mal wieder etwas ersetzen. 

Sammler gelten oft als komische Käuze, stimmst du dem zu?
Ich denke, das kann man ruhig so sagen, auch wenn es definitiv nicht auf jeden Sammler zutrifft. Es kommt für mich darauf an, ob Sammler sich nur noch um ihre Sammlung kümmern, oder einen gesunden Mittelweg finden, um die Sammlung mit dem Rest des Lebensstils zu vereinbaren. Aber als Sammler, egal was man sammelt, lebt man definitiv in seiner eigenen kleinen Welt.

«Im letzten Jahr habe ich über 10'000 Franken für meine Sammlung ausgegeben.»

videogame sammlung kevin wuhrmann

Kevin ist derzeit auf der Suche nach einer neuen Wohnung, die genug Platz für seine Sammlung bietet – na dann viel Glück! 
bild: zvg

Was ist das Juwel deiner Sammlung?
Schwierige Frage. Ich würde spontan sagen, das Debug Kit (Entwicklerkonsole, Anm. d. Red.) der ersten Xbox. Es stammt direkt von Ubisoft und hat noch einen Prototyp von «Splinter Cell Pandora Tomorrow» sowie diverse Entwickler-Tools drauf.

Wie bist du an dein Lieblingssammlerstück gelangt?
Mein Lieblingssammlerstück ist der japanische goldene Nintendo 64 mit dem N64DD Add-On (Ein Zusatzlaufwerk für optische Disks, Anm. d. Red.). Ich habe ihn mir damals über diverse Umwege bei Ebay ersteigert. Auf den N64DD habe ich etwa sechs Jahre lang gewartet, bis ein bezahlbares Angebot aufgetaucht ist.

Bild

Das Lieblingsstück von Kevin ist ein japanischer N64.
bild: zvg

Falls du eine Freundin hast, was sagt sie zu deiner Sammelsucht?
Zurzeit bin ich leider wieder Single, doch meine Ex-Freundinnen hatten zu keinem Zeitpunkt ein Problem mit meiner Videospielsammlung. Eine grosse Sammlung ist mit viel Leidenschaft und Hingabe verbunden, doch eine Partnerin hat bei mir immer den Vorrang. Auch wenn es definitiv nicht danach aussieht, zock ich nicht 24/7 (lacht).

Aber du spielst die Spiele auch?
Rund 80 Prozent der Sammlung habe ich durchgezockt. Bei ungefähr zehn Prozent fehlt mir noch die nötige Hardware, um sie spielen zu können und die restlichen zehn Prozent sind Games, bei denen ich irgendwann die Lust verloren habe.

Welches besondere Sammlerstück/Spiel hättest du gerne?
Uff ... da gibt es vieles ... Aber was ich unbedingt noch möchte, ist ein Commodore PET, ein Magnavox Odyssey oder einen originalen Nintendo Arcade-Automaten wie zum Beispiel den Playchoice 10.

«Als Sammler lebt man definitiv in seiner eigenen kleinen Welt.»

Wo bekommst du die Sachen her?
Ich habe über die Jahre hinweg jede Menge Quellen gefunden. Dazu gehören diverse Kontakte, diverse Stores, Online-Shops, Auktionsportale, Second-Hand-Shops, Importhändler oder auch Flohmärkte.

Stöberst du oft auf Flohmärkten?
Früher war ich fast jedes Wochenende auf einem. Mittlerweile bin ich dort nur noch selten anzutreffen. Games in vernünftigem Zustand und zu realistischen Preisen findet man zumindest bei meinen Flohmärkten in der Nähe immer weniger. Ganz davon abgesehen, dass ich schon aus beruflichen Gründen fast keine Zeit mehr dafür habe.

videogame sammlung kevin wuhrmann

Sollte einmal ein Einbrecher kommen, kann sich Kevin mit einem Schild aus «The Legend of Zelda» verteidigen.
bild: zvg

Woher weiss man, was etwas Wert ist?
Es gibt Guides, wo man so etwas nachschauen kann. Allerdings halte ich nicht viel davon, da diese sehr schnell veraltet sind. Man bekommt mit der Zeit selber ein Gespür dafür, was in etwa wie viel Wert hat und woran es liegt, dass der Wert steigt oder sinkt. Die Preise schwanken allerdings ziemlich stark.

Wie viel Geld gibst du im Jahr für deine Sammlung aus?
Das variiert extrem. Im letzten Jahr habe ich über 10'000 Franken für meine Sammlung ausgegeben. Es gab aber auch Jahre, da habe ich weniger als 1000 Franken in die Hand genommen.

Wie reagieren Besucher, wenn sie zum ersten Mal deine Wohnung sehen?
In der Regel machen sie erst einmal grosse Augen, gefolgt vom Satz «Willst du mich eigentlich verarschen?». Es ist immer wieder sehr amüsant mit anzusehen (lacht).

80 Prozent der Sammlung hat er schon durchgespielt.
Bild: zvg

Hast du schon mal überlegt, deine Sammlung zu verkaufen?
Ich glaube, fast jeder Sammler hatte schon mal diesen Gedanken und hat überlegt, aufzuhören. Aber ich habe diese Gedanken immer relativ schnell wieder verworfen.

Wie viel Geld hast du für deine Sammlung bisher ausgegeben und was wäre sie Wert?
Bis jetzt habe ich fast 50'000 Franken ausgegeben – Musik-Anlagen, normale Computer, TVs und sonstige Elektronik nicht mitgerechnet. Der Wert liegt irgendwo zwischen 120'000 und 150'000 Franken. Das schwankt enorm, je nach Angebot und Nachfrage.

«Besucher machen meist grosse Augen und sagen: ‹Willst du mich eigentlich verarschen?›»

Für was würdest du dich von deiner Sammlung trennen?
Wenn das Leben eines meiner Familienmitglieder oder mein eigenes in Gefahr wäre und ich viel Geld benötigen würde, um das Leben zu retten.

Was für Tipps hast für jemanden, der sich auch eine Sammlung anlegen möchte?
Lass dir Zeit. Wenn man es überstürzt und alles schnell haben will, zahlt man meist viel zu viel. Lässt man sich Zeit und beobachtet den Markt, dann findet man immer wieder diverse Raritäten weit unter dem Wert.

Mehr über Kevins Sammlung erfährst du auf seiner Tumblr-Seite oder auf Facebook.

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