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Kay ist kein Monster, auch wenn sie so aussieht. Oder etwa doch? bild: zvg

Review

Angst, Mobbing, Depressionen: «Sea of Solitude» spielt mit unseren Gefühlen

Das Berliner Entwicklerstudio Jo-Mei Games hat mit «Sea of Solitude» ein Videospiel erschaffen, das aufwühlt und einen intensiven Gefühlscocktail entfacht, sofern man sich darauf einlässt.



In einer überfluteten Welt, wo die Überreste einer Stadt über die Wasseroberfläche ragen, tuckern wir mit einem kleinen Boot über das Gesicht einer Ex-Zivilisation. Am Steuer sitzt Kay, ein Mädchen mit roten Augen und zottiger Bekleidung, das von Weitem an ein gruseliges Monster erinnert.

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Was will dieses Ungetüm nur immer wieder von unserer kleinen Heldin? bild: zvg

Dass die angebliche Schreckgestalt jedoch nicht das Böse per se ist, wird schnell klar, als aus den Tiefen der See ein riesiges behaartes Monstrum auftaucht und bedeutungsschwangere Worte von sich lässt und schliesslich wieder in den Tiefen verschwindet.

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Auch dieses Eiland hat eine grosse Bedeutung. Nur welche? bild: zvg

Alles ist irgendwie meta

Wer bin ich? Was mache ich hier? Wo genau muss ich hin? Zu Beginn ist alles sehr verwirrend und bleibt auch so. Ein auftauchendes Licht, ein kleines strahlendes Mädchen, will uns den Weg durch eine labyrinthartige Wasserwelt weisen. Dunkle Abschnitte, in denen ein fieser Wind um die Ecke peitscht und wo die raue See ihr hässliches Gesicht zeigt, sollen erleuchtet werden, so dass alles wieder in einen friedlichen Pastellton getaucht wird. Dafür saugt die Protagonistin unter Todesqualen den befallenen Lichtquellen dunkle Materie aus und füllt diese in ihren Rucksack.

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Diese düstere Umgebung will erleuchtet werden. Doch wie? bild: zvg

Schnell wird klar, dass hier eine Meta-Schicht nach der anderen übereinander gelegt wird. Es bleibt immer noch alles sehr verwirrend, aber es wird spürbar, dass dieses Videospiel noch viel von uns verlangen wird. Man mag in der ersten Spielstunde nicht viel verstehen, dafür fühlt man richtig, dass «Sea of Solitude» es sehr ernst meint.

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Wo soll ich hin und was werde ich dort nur finden? Fragen über Fragen. bild: zvg

Führe mich ans Licht!

Kay kann nicht viel. Sie muss mit der Hilfe des ominösen Lichtwesens versteckte Lichtpunkte ausfindig machen und diese entfachen. Dabei gleitet sie mit dem Boot über das Wasser, hüpft von Plattform zu Plattform, klettert Leitern empor und darf sich nicht zu lange im Gewässer aufhalten, denn das grosse Monster ist schnell zur Stelle, um seinen Hunger zu stillen. Vereinzelte Spukgestalten, die immer mal wieder auftauchen, können nicht direkt vernichtet werden. Mit Geschick und Köpfchen muss man diese weglocken und in eine Lichtquelle führen, um sie dann mittels Lichtimpuls zu entzünden.

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Diese finsteren Wesen haben keine guten Botschaften im Gepäck. bild: zvg

Jeder einzelne Feind symbolisiert dabei die eigenen Ängste der Protagonistin oder manifestiert vergangene Erlebnisse in groteske Geschöpfe, um an die Türe unserer Seele anzuklopfen. Diese gruseligen Manifestationen besitzen zwar keine Originalität wie im Horror-Klassiker «Silent Hill 2», aber Gänsehaut gibt es bei einigen Begegnungen trotzdem.

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Jedes einzelne Element in der Spielwelt scheint eine grössere Bedeutung zu haben. bild: zvg

Sie hat einen grossen Vogel

Auf dem Weg zum eigentlichen Ziel, das lange im Verborgenen bleibt, tauchen immer wieder riesige, bedrohliche Monster auf, die aber nicht alle feindselig gesinnt sind. Ein gigantischer Vogel erinnert sofort an den Songbird aus «BioShock Infinte» und wird auch hier von einem Mysterium umhüllt, dem man Schritt für Schritt auf die Schliche kommt.

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Was will dieser grosse Vogel nur von uns? bild: zvg

Nach und nach wird bewusst, dass man sich hier in einer surrealen, mit Metaphern und Symbolbildern zugedeckten Welt befindet, wo uns jeder einzelne Gegenstand, jede Figur irgendetwas mitteilen möchte. In den einzelnen Abschnitten gibt es auch die eine oder andere Flaschenpost zu entdecken, die mit kryptischen Hinweisen der Geschichte mehr Substanz verleihen möchte. Nach der Lektüre bleiben aber oft noch mehr Fragen im Raum stehen.

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Auch wenn die Welten weitläufig scheinen, sind sie doch sehr linear. bild: zvg

Und wer sich einen etwas besseren Level-Überblick verschaffen möchte, scheucht regelmässig Tauben auf, deren Weiterflug man beobachten und dabei die Kamera frei drehen darf. Dieser visuell schön berauschende Überblick ist aber nicht zwingend nötig, denn mittels Leuchtfeuer, das man stets verwenden kann, wird uns automatisch der Weg angezeigt.

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Auch wenn es ruhig wirkt, im Wasser lauert stets ein grosses Monster. bild: zvg

Man spricht nicht Deutsch

Je weiter man in diese surreale Welt eintaucht, desto klarer wird, dass man sich in einer überfluteten Stadt in Deutschland befinden muss, wo ein Drama seinen Lauf nahm. Leider gibt es in «Sea of Solitude» nur eine englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln. Zwar ist eine englischsprachige Ausgabe sinnvoll, um im internationalen Markt besser bestehen zu können, aber eine Einstellung für eine komplett deutsche Version, wäre sehr schön gewesen, um die Immersion noch zu verstärken.

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Die Stimmung ist meistens sehr düster und wirkt bedrohlich. bild: zvg

Erinnerungen werden wach

«Sea of Solitude» schlägt mit der Gefühlskeule um sich: Angst, Einsamkeit, Mobbing, Depressionen, Trauer und alles was das Menschsein erschwert und Energie raubt, wird in diesem Videospiel thematisiert. Diese Gefühle werden keineswegs nur plakativ eingesetzt, um die Geschichte voran zu treiben und der simplen Spielmechanik einen tieferen Grund zu geben. Sie können sich auch auf den Konsumenten des Videospiels übertragen, respektive schlummernde Erinnerungen wecken.

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Was uns diese riesige Statue mitteilen möchte, erfahren wir erst am Ende des Spiels. Vielleicht. bild: zvg

Wer beispielsweise in der Schulzeit mit Mobbing konfrontiert wurde, der wird bei einigen Szenen ein sehr flaues Gefühl im Magen wahrnehmen. Auch wer im echten Leben mit Angstzuständen zu kämpfen hat und die aufkommende Welle an dunklen Gefühlen nicht erklären oder beschreiben kann, wird hier wohlmöglich mehrmals leer schlucken.

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Kays Rucksack wird immer wie schwerer und die Gefahren nehmen zu. bild: zvg

Ein Spiel spielt mit unseren Gefühlen

Fazit: «Sea of Solitude» ist eine sehr persönliche Reise. Für die Protagonistin als auch für den Spieler und die Spielerin. In visuell wunderschön gestalteten Abschnitten wird man mit vielen dunklen Gefühlen konfrontiert.

Je mehr eigene, negative Erfahrungen in einem schlummern, desto intensiver wird das Spielerlebnis. So wird dieses Abenteuer einige kaum berühren und bloss mit seinem visuellen Glanz erfreuen, während andere mit einem intensiven Gefühlscocktail überrascht werden.

Spielmechanisch bietet dieses etwa fünfstündige Abenteuer keine grossen Überraschungen. Wie dieser Titel aber im wahrsten Sinne des Wortes mit unseren Gefühlen spielt, ist faszinierend.

«Sea of Solitude» ist digital erhältlich für Playstation 4, Xbox One und PC. Freigegeben ab 12 Jahren.

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