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Double Dragon Gaiden im Test: So gut ist das Game für PS5 und Switch

Double Dragon Gaiden: Rise of the Dragons. Das Game im Test
Billy und Jimmy Lee sind wieder da und bringen ordentliche Verstärkung mit.bild: zvg
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Sofort alles stehen und liegen lassen! Das neue «Double Dragon»-Game ist da!

Eines der bekanntesten Side-Scrolling-Beat 'em up-Games hat eine Neuauflage bekommen. Ob «Double Dragon Gaiden: Rise of the Dragons» voll einschlägt, verrät unser XL-Test.
09.08.2023, 08:1010.08.2023, 00:43
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«Double Dragon» feierte 1987 seine Geburt in der Spielhalle und war ein äusserst erfolgreicher Münzmagnet. Zwei Spieler konnten die Rolle von Billy und Jimmy Lee gleichzeitig übernehmen und prügelten sich von links nach rechts durch diverse Strassen, Hinterhöfe und Gebäude. Das Ziel der beiden Brüder war Marian, die von fiesen Gangstern entführt wurde und auf ihre Rettung wartete.

Es folgten Fortsetzungen und Umsetzungen für diverse Videospielsysteme, um den zeitlosen Spielspass ohne Münzverlust zuhause zu erleben.

So sah damals die NES-Umsetzung des Arcade-Hits aus...

In den letzten Jahren wurde es merklich still um die Marke und beinahe driftete sie in die Vergessenheit ab. Doch das Entwicklerstudio Secret Base aus Singapur bringt die Fightingbrüder nun wieder zurück in den Spielekosmos. Nebst der immer gleich seichten Story gibt es diverse Gameplay-Erneuerungen, um die Marke zeitgenössischer wirken zu lassen.

... und so die Neuauflage

Obligate Anarchie nach dem Atomkrieg

Im neusten «Double Dragon»-Ableger hat man sich in Sachen Hintergrundgeschichte wie gehabt nicht weit aus dem Fenster gelehnt: Wir befinden uns in den 90er-Jahren und leben in der Stadt New York, die nach einem Atomkrieg fast komplett zerstört wurde. Auf den Strassen herrscht das grosse Chaos und diverse Verbrechergangs haben die Kontrolle über die zerbombte Stadt übernommen.

Die beiden Brüder Billy und Jimmy werden schliesslich von Marian, die dieses Mal nicht entführt wurde, und von Onkel Matin dazu überredet, ihr regelmässiges Kampftraining für die Gerechtigkeit in der Stadt einzusetzen. Eine Zusatzmotivation, um auf den Strassen ordentlich auf den Putz zu hauen, ist übrigens noch das mysteriöse Verschwinden ihres Trainers, das kurz ein Fragezeichen aufflackern lässt, dann aber sofort in den Hintergrund wandert.

Vier Individuen ziehen gegen diverse Gangs in den Strassenkampf.
Vier Individuen ziehen gegen diverse Gangs in den Strassenkampf.bild: zvg

Wie der lange Spieltitel schon verrät, ist «Rise of the Dragons» eigentlich sowas wie ein Prequel und erzählt vom ersten Prügelabenteuer der beiden. Es kann aber auch sein, dass wir uns in einem Paralleluniversum befinden und hier einfach eine alternative Geschichte von Anfang an neu erzählt wird. So ganz detailliert wird einem das nicht vermittelt. Doch die Geschichte, die im Hintergrund vor sich hin plätschert, war noch immer völlig belanglos für die «Double Dragon»-Reihe, sprich für das ganze Genre. Darum gilt auch hier: Hirn aus und ran!

Überraschend dynamische Levelstruktur

Vier thematisch unterschiedliche Gebiete mit jeweils stark bewaffnetem Obermotz wollen nun befreit werden. Welches Areal ihr zuerst angehen möchtet, ist euch überlassen. Egal ob ihr mit dem Schrottplatz-Level oder dem Casino-Areal beginnt, es hat keine storytechnischen Auswirkungen.

Auswirkungen hat es jedoch auf die Levelstruktur. Denn das erste Level eurer Wahl wird kürzer ausfallen als die anderen, weniger Gegner auf euch losslassen und generell einfacher zu meistern sein. Bei den nächsten Stages wird der Schwierigkeitsgrad dann merklich nach oben geschraubt und die Gebiete werden umfangreicher. Wer das Spiel beendet hat und bereit ist für einen zweiten Durchlauf, sollte danach unbedingt die Reihenfolge ändern und wird staunen, wie sich die einzelnen Levels jeweils anders präsentieren.

Die einfache Qual der Wahl

Bevor in den Gassen ordentlich viele Backpfeifen verteilt werden, muss sich der Spieler entscheiden, mit welcher Figur er in den Kampf zieht. Nebst Billy und Jimmy dürfen auch Marian und Onkel Matin mit seinem Riesenschild ausgewählt werden.

Während Matin mehr ein Mann fürs Grobe ist und ordentlich zuhauen kann aber weniger schnell und wendig ist, kommt Marian mit einer Knarre ins Spiel und ballert alles weg, was ihr vor die Füsse rennt. Der Nachteil: Sie muss nach ein paar Schüssen immer wieder nachladen, was sie für einen kurzen Moment blockiert und angreifbar macht. Werden Billy und Jimmy gewählt, macht man nichts falsch. Die beiden sind ebenbürtig, gleich schnell, wendig und können mit ihren Gliedmassen ordentlich austeilen. Sie unterschieden sich nur in Sachen Animationen und Specialmoves.

Billy und Jimmy sehen zwar etwas anders aus als gewohnt, haben aber von ihrer Schlagkraft nichts verloren.
Billy und Jimmy sehen zwar etwas anders aus als gewohnt, haben aber von ihrer Schlagkraft nichts verloren.bild: zvg

Wer sich nicht entscheiden kann, darf aufatmen und sich freuen. Denn ihr müsst sogar zu Beginn immer zwei Charaktere auswählen, damit der Kampf beginnt. Das Spiel möchte nämlich, dass ihr via Tag-Team-Action zwischen zwei Figuren jederzeit hin und her wechselt und durchschlagende Kombos entdeckt. Ein weiterer Vorteil ist, dass nach dem Ableben der einen Figur, die andere sofort in die Arena springt und übernimmt.

Dieser Tag-Team-Ansatz ist eine spassige, aber zu Beginn auch stressige Angelegenheit, wenn man ihn voll auskosten möchte. Den Überblick zu behalten und schnell zwischen den Figuren umzuschalten, wird sich gerade in hektischen Kampfsituationen als sehr herausfordernd erweisen. Wer das Spiel mindestens schon einmal durch hat und mit jeder Spielfigur klarkommt, wird erst dann in den vollen Genuss dieser Mechanik kommen. Apropos Spielfigur: Nebst den bekannten vier Haudegen warten noch neun weitere Charaktere auf ihre Freischaltung. Darunter sind auch Bossgegner mit ihren mächtigen Waffen und eigenwilligen Kampfmechaniken.

Später können auch Bossgegner mit ihren Spezialwaffen durch die Levels gesteuert werden.
Später können auch Bossgegner mit ihren Spezialwaffen durch die Levels gesteuert werden.bild: zvg

Viele Fragen und viele Möglichkeiten

Das neue «Double Dragon»-Game hat keine herkömmliche Schwierigkeitsauswahl. Das bedeutet, es gibt keine klassische Unterscheidung zwischen einfach, mittel und schwer. Stattdessen wird in einem Menü an unterschiedlichen Parametern geschraubt.

Kann ich nach dem Ableben ab einem bestimmten Punkt unendlich weiterspielen oder wähle ich Permadeath? Starte ich mit perfekten Gesundheitswerten? Wie aggressiv sind die Gegner, die mich verhauen wollen? Diese und andere Werte dürfen von uns selbst vor Spielbeginn definiert werden. Doch Obacht: Denn wie wir sie auch wählen, sie haben Auswirkungen auf den Wechselkurs bei der Ingame-Währung, die dazu da ist, um diverse Boni wie Figuren, Artworks, Soundfiles, Spieltipps etc. freizuschalten. Je einfacher das Spiel eingestellt wird, umso aufwändiger und teurer wird es später, um sich mit Goodies einzudecken.

In den zerstörbaren Kisten wartet oft eine Belohnung.
In den zerstörbaren Kisten wartet oft eine Belohnung.bild: zvg

Apropos Geld: Im Spiel warten in zerstörbaren Gegenständen Geldsäcke und auch mal Goldbaren, die euer Dollar-Konto auffüllen. Auch Münzen und und andere Kostbarkeiten werden von den umgehauenen Gegnern hinterlassen, die schnurstracks in eure Taschen wandern. Dieses verdiente Geld wird am Ende jedes Levels investiert. Und auch hier muss weise überlegt werden, in was man investieren möchte. Möchte ich Geld für meine Gesundheit ausgeben? Soll ich in Ingame-Währung wechseln, um mir damit schicke Bonusinhalte zu kaufen? Oder soll ich mir mit dem Geld etwas richtig Grosses gönnen?

Das pure Arcade-Feeling

Wer hier jetzt denkt, das sei ihm alles zu kompliziert, um simples Arcade-Feeling zu bekommen, kann sich beruhigen. Ja diese Einstellungs- und Wahlmöglichkeiten mögen einem zu Beginn nerven und zuweilen auch überfordern, wenn man mit solchen Dingen nicht vertraut ist. Aber hat man sich ein bisschen damit auseinandergesetzt und sich daran gewöhnt, treten sie schnell in den Hintergrund und müssen nicht gross beachtet werden. Diese Mechaniken sorgen zwar für eine noch grössere Wiederspielbarkeit und Experimentierfreude, sind aber für den Unterhaltungsfaktor, für das pure Arcade-Feeling, nicht essenziell.

«Rise of the Dragons» ist übrigens sehr schnell durchgespielt, sofern ihr nach dem Ableben nicht oft an Checkpoints zurückgeworfen werdet. Ein Durchgang ist weit unter zwei Stunden ohne Probleme zu schaffen. Das ist nicht viel Spielzeit. Aber wer alle Levels in ihrer architektonischen Gesamtheit erleben, mit neuen Figuren in den Kampf ziehen und vor allem zu zweit einen zünftigen Prügelabend vor demselben Bildschirm geniessen möchte, der wird hier mehr als nur zwei Stunden versenken.

Marian mischt mit einer Pistole mit und ballert alles über den Haufen, was vor ihre Füsse rennt.
Marian mischt mit einer Pistole mit und ballert alles über den Haufen, was vor ihre Füsse rennt.bild: zvg

Eigentlich wie damals

Der Kern des Spielprinzips ist trotz Einstellungs-Schnickschnack immer noch der gleiche: Wir prügeln uns von links nach rechts, manchmal auch von unten nach oben, durch Levels und können unseren Weg erst dann fortsetzen, wenn alle Gegner auf dem Boden liegen. Währenddessen hauen wir Tische, Schränke, Vasen und was sonst noch so an Inventar in den Levels herumliegt klein, um danach gefundene Wertsachen oder etwas Essbaren einzusacken. Wertgegenstände landen auf unserem Konto, das Essen in unserem Magen, um unsere Energieanzeige zu füllen. Auch diverse Schlag- und Wurfgegenstände dürfen von uns benutzt werden, um die Gegner umzuhauen.

Wie es sich gehört, dürfen auch diverse Gegenstände als Wurfgeschosse und Stichwaffen verwendet werden.
Wie es sich gehört, dürfen auch diverse Gegenstände als Wurfgeschosse und Stichwaffen verwendet werden.bild: zvg

Wie es sich als Genre-Vertreter gehört, gibt es jede Menge unterschiedliche Gegner, die der Kenner in den letzten Jahrzehnten schon unzählige Male gesehen und verdroschen hat. Vom einfachen Strassengesindel bis zum übergrossen Fleischberg ist alles vorhanden. Zur Abwechslung gibt es noch ein paar aggressive Tiere, die euch ans Leder wollen und sogar Drohnen mit Laserkanonen strapazieren eure Nerven. Und natürlich hat jedes Level seine eigenen Spiessgesellen, die mit passender, thematisch korrekter Kleidung und Utensilien auf euch losstürmen.

Zeitloser Spielspass-Garant

Fazit: Die kindliche Optik hat mich zunächst abgeschreckt und verunsichert. Als dann auch noch Roguelite-Elemente aufflackerten, war ich noch skeptischer, ob ich mit dieser Neuauflage wirklich warm werden würde.

Doch schnell habe ich mich mit beiden Faktoren abgefunden und als Spieldesign-Entscheidungen akzeptiert. Brawler-Veteranen werden durchaus zu Beginn ihre Startschwierigkeiten haben, doch die gute Spielbarkeit und das zügige Spielgefühl werden schnell an die gute alte Zeit erinnern und brav die Nostalgie kitzeln.

Wer mit dem Genre noch nie in Berührung kam, bekommt hier zudem eine gelungene Kostprobe serviert, warum diese Art von Spiel damals so lange erfolgreich war. Auch mit Fan-Service wurde nicht gegeizt. Kennerinnen und Kenner entdecken kleine Eastereggs, hören vertraute Soundeffekte und bekommen bei der einen oder anderen Melodie sofort Gänsehaut.

Auch wenn die Spielzeit für einen ersten Durchgang kurz ausfällt, bringt es diese Neuauflage fertig, dass der Wiederspielwert gross ist. Immer wieder starte ich eine neue Runde, um mir noch den einen oder anderen Bonusinhalt und neue Spielfigur zu holen. Ein solch motivierendes Belohnungssystem bekommt nicht jeder Entwickler hin und darf bei der Konkurrenz gerne als Vorbild dienen.

«Double Dragon Gaiden: Rise of the Dragons» ist erhältlich für Nintendo Switch, Playstation 5, Playstation 4, Xbox Series X/S, Xbox One und PC. Freigegeben ab 12 Jahren.

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