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TikTok verschärft die Alterskontrollen – das solltest du wissen

TikTok Kind mit Smartphone (Symbolbild)
Die TikTok-App gehört nicht in die Hände von Primarschülern. Bild: Shutterstock

TikTok verschärft die Alterskontrollen – das solltest du wissen

Die von China kontrollierte Social-Media-Plattform reagiert auf wachsenden öffentlichen Druck und will bei minderjährigen Usern mithilfe von KI strenger durchgreifen. Ob das etwas bringt?
19.01.2026, 18:2619.01.2026, 18:26

Die besonders bei jungen Leuten äusserst beliebte Social-Media-Plattform TikTok wird in den kommenden Wochen in ganz Europa mit strengeren Alterskontrollen starten. Betroffen ist auch die Schweiz.

Hier erfährst du das Wichtigste.

Warum ist das wichtig?

Die zum chinesischen IT-Unternehmen ByteDance gehörende TikTok-Plattform steht unter massivem Druck, die Accounts von Kindern unter 13 Jahren besser zu identifizieren und zu entfernen.

Woher wissen wir das?

Von der Nachrichtenagentur Reuters. Sie war gemäss einem Bericht am vergangenen Freitag von Bytedance selbst darüber informiert worden (siehe Quellen). TikTok hat noch am selben Tag in seinem «Newsroom» dazu eine längere Medienmitteilung veröffentlicht.

Warum ist auch die Schweiz betroffen?

TikTok selbst bezieht die neuen Massnahmen zur Altersprüfung der User explizit auf weite Teile Europas, die den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), Grossbritannien und die Schweiz umfassen.

Wann starten die Alterskontrollen?

Laut Reuters-Bericht und offizieller Ankündigung durch TikTok «in den kommenden Wochen».

Wie soll das Alter überprüft werden?

Gegenüber Reuters erklärte Bytedance, der chinesische Konzern hinter TikTok, dass eine neue Technologie zur Alterserkennung eingesetzt werden soll. Diese sei speziell für europäische User entwickelt worden.

Gleichzeitig liess das Unternehmen verlauten, es gebe trotz umfangreicher Bemühungen keine weltweit anerkannte Methode, das Alter einer Person zu bestätigen und gleichzeitig die Privatsphäre zu wahren.

TikTok setzt offenbar auf eine zweistufige «Altersidentifikation»: Diese nutzt zunächst KI-Analysen zu User-Profilinformationen und dem Nutzerverhalten, um Konten von Kindern unter 13 Jahren aufzuspüren. Bei verdächtigen Profilen kommt es anschliessend zu einer Prüfung durch ein speziell geschultes Moderationsteam.

Europäische Nutzer würden benachrichtigt, sobald die Technologie verfügbar sei, teilte TikTok mit.

Werden fehlbare Accounts sofort gesperrt?

Nein.

TikTok-Profile, die von der KI als potenziell minderjährig eingestuft werden, werden nicht umgehend gesperrt, sondern von angeblich speziell geschulten Moderatorinnen und Moderatoren geprüft.

Sollte ein Account gesperrt werden und der betroffene User Einspruch erheben, kommen auch in der Schweiz verschiedene Methoden zum Tragen. Etwa die Gesichtsschätzungs-Software Yoti, die ebenfalls vom Meta-Konzern verwendet wird, eine Kreditkartenprüfung oder das Hochladen eines amtlichen Ausweises.

Funktioniert das zuverlässig?

Danach sieht es nicht aus. Die amerikanische Cybersicherheitsfirma Malwarebytes konstatiert:

«Viele Erwachsene werden fälschlicherweise gekennzeichnet, während Kinder das System oft ohnehin umgehen.»

Warum sind solche digitalen Alterskontrollen umstritten?

Aus mehreren Gründen.

1. Aus Sicht unabhängiger Fachleute ist das grösste Problem der Datenschutz. Um das eigene Alter online nachzuweisen, müsse man oft einen Ausweis oder eine Kreditkarte vorlegen, oder sogar einen Gesichts-Scan akzeptieren, also die biometrischen Daten bei einem gewinnorientierten Unternehmen preisgeben.

2. Die nicht ausgereifte Altersüberprüfungs-Technik kann zu falsch-positiven Meldungen führen und selbst erwachsene User als minderjährig einstufen. Was wiederum zu nervigen Umtrieben führen kann, etwa wenn ein reichweitenstarkes Profil gesperrt wird.

Anzumerken ist, dass TikTok angibt, von der Irischen Datenschutzkommission (DPC) beraten worden zu sein. Das Unternehmen bezeichnet die DPC als führende Aufsichtsbehörde der EU. Hier ist in Erinnerung zu rufen, dass die irische Behörde wegen laschem Vorgehen gegen Big-Tech-Konzerne wiederholt kritisiert wurde.

Welche Altersregeln gelten bei TikTok?

Malwarebytes hält fest, dass man laut TikTok-Nutzungsbestimmungen mindestens 13 Jahre alt sein müsse, um sich anzumelden, und es gebe zusätzliche Einschränkungen, wenn man unter 16 oder 18 sei.

«Jüngere Teenager erhalten standardmässig private Konten und können nicht live gehen oder Direktnachrichten austauschen. Wer unter 18 ist, kann keine virtuellen Geschenke sammeln oder auf den TikTok-Shop zugreifen.»
quelle: malwarebytes.de

Das Problem: TikTok steht schon seit Jahren wegen lascher Umsetzung des Mindestalters in der Kritik.

Influencer, die vom TikTok-Monetarisierungs-Programm profitieren wollen oder im TikTok-Shop etwas verkaufen möchten, müssen bereits heute ihre Identität mit einem gültigen Ausweisdokument digital verifizieren.

Ist ein TikTok-Verbot in Europa geplant?

Nein.

Das Europäische Parlament fordert aber Altersgrenzen für Social-Media-Plattformen. Und Dänemark bereitet ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige vor.

Australien hatte im Dezember 2025 als weltweit erstes Land ein weitreichendes Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige verhängt.

Malwarebytes konstatiert:

«Diese Regeln sollen Kinder schützen, aber Kritiker warnen, dass sie neue Risiken für die Privatsphäre, die Datensicherheit und den freien Zugang zu Informationen mit sich bringen. Am Ende tragen oft die Erwachsenen die Last, während jüngere User immer noch Wege finden, durch die Maschen zu schlüpfen.»

Anzumerken bleibt, dass die Schweiz mit der neuen digitalen Identitätskarte, E-ID genannt, eigentlich ein Mittel an die Hand bekommt, um datenschutzfreundliche digitale Alterskontrollen durchzuführen. Sprich: Die User wären in Zukunft nicht mehr gezwungen, digitale Ausweiskopien bei privaten Firmen hochzuladen.

Quellen

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