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Ein Anschluss, um sie alle zu knechten? Ken Pillonel, der an der Hochschule EPFL in Lausanne studiert, hat Apples «Lightning» mit Reverse-Reverse-Engineering überlistet.
Ein Anschluss, um sie alle zu knechten? Ken Pillonel, der an der Hochschule EPFL in Lausanne studiert, hat Apples «Lightning» mit Reverse-Reverse-Engineering überlistet.screenshot: youtube

Schweizer Student hackt das iPhone und macht aus Apples «Lightning» USB-C

Du nervst dich, dass Apple am Lightning-Anschluss festhält und möchtest ein iPhone mit USB-C? Dann brauchst du sehr viel Geld oder musst brutal gut sein im «Basteln», wie ein ETH-Student eindrücklich beweist.
06.11.2021, 17:1406.11.2021, 17:30

Im Oktober präsentierte der Schweizer Robotik-Student Ken Pillonel das weltweit erste iPhone mit USB-Anschluss bei YouTube und begeisterte damit Millionen User weltweit. Dank seines «Mods» war das Gerät aus Apples Hardware-Fesseln befreit und nicht mehr an den proprietären «Lightning»-Anschluss gebunden, wenn man es aufladen wollte.

Dann legte der junge Tüftler nach und zeigt in einem viel detaillierteren Video, wie er es schaffte, den Hardware-Hack durchzuziehen. In einem Github-Repository stellt er zudem alle technischen Details zur Verfügung. Und um keinen Ärger mit Apples Anwälten zu kriegen, schreibt er:

«Nichts in diesem Repository ist Teil des geistigen Eigentums von Apple. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Produkten oder eingetragenen Marken ist rein zufällig.»

Die Bezeichnung Basteln wird dem Do-It-Your-Own-Projekt bei Weitem nicht gerecht, wie wir gleich sehen. Es handelt sich vielmehr um eine technische Meisterleistung.

Rote oder blaue Pille?

Kommen wir zunächst zu den zwei Möglichkeiten, wie du selbst an ein iPhone mit USB-C gelangen kannst.

1. Du brauchst sehr viel Geld!

Bei eBay versteigert Ken Pillonel bis am 11. November «das weltweit erste iPhone mit USB-C». Das aktuelle Höchstgebot lag am Donnerstag bei über 51'000 US-Dollar!

Ob wohl Tim Apple den Prototypen auf eBay zurückkauft? ;)
Kommentar eines watson-Kollegen

2. Du bist begnadeter «Bastler»

Du guckst dir das YouTube-Video von Ken Pillonel an und entscheidest dich für eine eigene Hardcore-Bastelei. Alle wichtigen Informationen, inklusive technischer Skizzen, Baupläne und Vorlagen für den 3D-Drucker stellt der Robotik-Student bei Github zur Verfügung (siehe Quellen).

Das sehenswerte Making-of-Video bei YouTube:

Das Design von Ken Pillonel sei jetzt Open Source, berichtete das US-Newsportal The Verge diese Woche und empfahl es Millionen Leserinnen und Lesern. Allerdings nur, wenn sie «sehr, sehr gut im Hardware-Hacking seien».

Wie hat er das geschafft?

Das 13-minütige Making-Of-Video (oben) zeigt das Wesentliche von Pillonels Hardware-Hack, der in der Theorie relativ einfach klingt: Man kombiniert eine Lightning-zu-USB-C-Verbindung in einer sogenannten «Daisy-Chain», also mehreren miteinander verbundenen Hardware-Komponenten, um einen echten USB-C-Anschluss nachzuahmen.

Um Apples proprietären Anschluss zu knacken, beschaffte sich der Tüftler in China Komponenten, die wiederum andere Tüftler vom Original abgeschaut hatten.
Um Apples proprietären Anschluss zu knacken, beschaffte sich der Tüftler in China Komponenten, die wiederum andere Tüftler vom Original abgeschaut hatten.meme: kenp.io

Pillonel dokumentiert den gesamten Entwicklungsprozess im Video. Es sei eine ziemliche Reise gewesen, hält The Verge fest, und zählt die Schritte auf. Angefangen habe er bei einem Proof-of-Concept-Prototypen. Dazu war das Reverse Engineering von Apples Lightning-Anschluss nötig – eine der grossen Herausforderungen, weil der Hersteller alles versucht, um Nachahmern die Arbeit zu erschweren. Eine weitere Knacknuss waren die äusserst begrenzten Platzverhältnisse im iPhone drin. Der Westschweizer musste eine sehr speziell geformte Platine kreieren, um alles unterzubringen.

Das Beweisvideo (von Anfang Oktober) erzielte über 1 Million Klicks.

Er sei auf viele Probleme gestossen, sagte der Student in einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «Le Temps» von Mitte Oktober. Er habe das Projekt oft fast aufgegeben, aber am Ende habe er immer Lösungen gefunden.

Den «Proof of Concept» hatte er bereit im Mai 2021 veröffentlicht.

Das modifizierte Gerät habe keine seiner «telefonspezifischen Funktionen» verloren, betonte der Erschaffer im Interview stolz. Man könne das iPhone über ein USB-C-Kabel aufladen und die Daten mit einem Mac synchronisieren. Gewisse Spezialfunktionen, wie etwa das Anschliessen von Bildschirmen, funktionierten in dieser Version nicht. Und:

Das umgebaute iPhone X, das bei eBay versteigert wird, darf nicht als Alltagsgerät verwendet werden.

Dies wird die zukünftige Eigentümerin, bzw. den zukünftigen Eigentümer des Prototypen vermutlich nicht weiter kümmern. Immerhin scheint die unbekannte Person gewillt zu sein, mehr als 50'000 Franken für das Unikat auszugeben.

Wer ist dieser begnadete Tüftler?

Ken Pillonel beschreibt sich auf seiner eigenen, privaten Website wie folgt:

«Zurzeit mache ich einen Master in Robotik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule EPFL. Robotik ist ein sehr interessantes Feld, da es gute Kenntnisse sowohl der Hardwareseite eines Projekts (Elektro-, Maschinenbau-, Werkstofftechnik) als auch der Softwareentwicklungsseite erfordert. Um letzteres zu verbessern, mache ich auch ein Minor in Data Science an der EPFL. In meiner Freizeit bastele ich gerne an 3D-Druck- und IoT-Projekten. Teilzeit arbeite ich auch als Ingenieurberater. Aus Spass erkunde ich gerne neue Länder und zögere nicht, meinen Rucksack für ein schnelles Abenteuer zu packen, wenn ich die Gelegenheit dazu habe.»
quelle: kenp.io

«Le Temps» verriet der Student, dass er derzeit für ein sechsmonatiges Praktikum angestellt sei, bei einem auf autonome Drohnen spezialisierten Start-up in Zürich namens Verity.

Warum hat er das getan?

Dazu sagte Ken Pillonel:

«Die Idee kam mir aus Frustration. Apple wollte 2015 innovativ sein und mit gutem Beispiel vorangehen, indem es nur USB-C-Anschlüsse an seinen Macs anbrachte. Es dauerte eine Weile, bis die Idee von der Industrie angenommen wurde, aber derzeit verfügen die meisten Geräte über diesen Anschluss. Warum nicht das iPhone?»
quelle: letemps.ch

Er glaube nicht, dass Apple selbst ein iPhone mit USB-C auf den Markt bringen werde. Das Unternehmen werde wohl an Lightning festhalten, bis die Lancierung eines kabellosen iPhones ohne jegliche Anschlussbuchsen möglich sei.

Und angesprochen auf die weltweite Publicity, die Berichte grosser Techblogs und Fachmedien über ihn auslösten, sagte der junge Westschweizer bescheiden:

«Für mich ist ein Traum wahr geworden. Ich lese die meisten dieser Websites täglich, seit ich ein Kind war.»
quelle: letemps.ch

Quellen

7 Lifehacks, die dein Leben vereinfachen

Video: watson/Elay Leuthold
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