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Mark Zuckerberg, Chef des neben Google weltgrössten Datenkraken Facebook, hat gar keine Freude an den Anti-Tracking-Massnahmen, die Apple durchsetzen will. Dabei sind die Datenschutz-«Beipackzettel» im App Store erst der Anfang... bild: watson

So machen Apples neue Anti-Tracking-Massnahmen den grossen Datenkraken zu schaffen

Apple zwingt App-Anbieter ab Januar 2021 dazu, mögliche Datenschutzrisiken offen zu legen. Der Facebook-Konzern macht dagegen mobil: Die Massnahme gefährde die Existenz unzähliger kleiner Unternehmen.



Ein Artikel von

T-Online

Seit kurzem brauchen iOS-Apps ein sogenanntes «Privacy Label», wenn sie im App Store angeboten werden. Damit will Apple mehr Transparenz in Sachen Datenschutz schaffen: Nutzer sollen auf einen Blick sehen, ob und wie gut eine App die Privatsphäre schützt.

Dazu müssen die Entwickler bis Januar 2021 genaue Angaben machen, welche Daten ihre Apps erfassen und ob ein Nutzertracking stattfindet. Im App Storen werden diese Informationen seit dem Update auf iOS 14 .3 übersichtlich in einem eigenen Info-Bereich dargestellt. So sollen Nutzer ähnlich wie ein Beipackzettel für Medikamente oder eine Nährwerttabelle bei Lebensmitteln über die «Risiken und Nebenwirkungen» einer App aufgeklärt werden. 

Facebook passt das gar nicht

Diese neue Transparenzpflicht passt natürlich nicht jedem. Vor allem Facebook läuft gegen die App-Store-Regeln und Apples verschärfte Datenschutzvorgaben Sturm. Der Konzern «lebt» praktisch davon, Nutzerdaten zu sammeln und zu Werbezwecken zu verarbeiten. Apple erschwert dieses Geschäft zunehmend, indem die Nutzer systematisch gegen Werbetracker abgeschirmt werden.

In ganzseitigen Zeitungsanzeigen, die in mehreren grossen US-Medien veröffentlicht wurden, warnt Facebook vor massiven Einbussen für kleine Unternehmen, die in dem sozialen Netzwerk um Kundschaft werben.

Laut Facebook sind personalisierte Anzeigen deutlich effektiver und führen zu höheren Einnahmen. Wenn Apple es den Nutzern leichter macht, das Werbetracking zu durchschauen und zu unterbinden, schade dies nicht nur Facebook, sondern allen werbetreibenden Unternehmen.

Apples Geschäftsgebaren sei wettbewerbsschädigend und gefährde die Existenzgrundlage für viele kleine Unternehmen, behauptet Facebook – und kündigt unterschwellig Widerstand an. «Wir bieten Apple die Stirn für die kleinen Unternehmen überall», heisst es in der Überschrift der Anzeige.

Nutzer sollen selbst entscheiden können

Apple verteidigt seine neuen Privatsphäre-Richtlinien mit Verweis auf die Nutzerinteressen. «Die Nutzer sollten wissen, wenn ihre Daten gesammelt und mit anderen Apps und Webseiten geteilt werden – und sie sollten die Wahl haben, ob sie das zulassen oder nicht», sagte eine Sprecherin.

Die Tracking-Transparenz in iOS 14 zwinge Facebook nicht dazu, sein Geschäftsmodell zu ändern und das Nutzertracking zu Werbezwecken gänzlich abzustellen. Das Update erfordere lediglich, «dass sie Nutzern eine Wahl geben», heisst es in dem Apple-Statement.

Facebook ist allerdings mit seiner Kritik an Apple nicht alleine. Die Massnahmen treffen auch andere App-Entwickler, die kostenlose Anwendungen anbieten und diese mit Werbeeinnahmen querfinanzieren wollen.

Fehlverhalten melden

Wenn App-Entwickler falsche Angaben zur Verwendung der User-Daten machen, sollte das vor der Veröffentlichung im App Store im Zuge des Überprüfungsprozesses (Review) ans Licht kommen. Ansonsten verlässt sich Apple aber vor allem auf Hunderte Millionen User, die Datenmissbrauch oder ein Fehlverhalten schnell melden sollen.

iPhone- und iPad-Nutzer können das App-Tracking in den Einstellungen manuell deaktivieren, die Funktionalität der Apps wird dadurch nicht eingeschränkt. Die Option findet sich unter Einstellungen > Datenschutz > Tracking. Dort muss die Funktion deaktiviert sein.

Anfang 2021 will Apple mit einem weiteren Update für seine Betriebssysteme dem Tracking standardmässig einen Riegel schieben. User werden dann gefragt, ob sie getrackt werden wollen. Zurzeit ist dies noch nicht der Fall. (dsc)

Auch die Facebook-Tochter WhatsApp kritisiert die «Privacy Labels» und wirft Apple unfaires Verhalten vor. Denn anders als die Chat-App von Facebook, ist Apples Kurznachtrichten-Software iMessage bereits auf den Geräten vorinstalliert – hier bekommt der Nutzer also keinen «Beipackzettel» zu Gesicht. Ausserdem seien die von Apple verlangten Angaben unvollständig und irreführend. Nutzer könnten davon abgeschreckt werden und sich gegen einen Download entscheiden, fürchtet WhatsApp.

Gegen beide Unternehmen laufen Kartellverfahren

Sowohl Facebook als auch Apple zählen zu den wertvollsten und einflussreichsten Unternehmen der Welt. Der Streit um die Privatsphäre-Einstellungen bei iPhones und anderen Apple-Geräten könnte zu einer jahrelangen Gerichtsschlacht führen. Facebook sieht sich unterdessen ebenfalls Vorwürfen ausgesetzt, seine Quasi-Monopolstellung zu missbrauchen. Die US-Regierung strebt eine Zerschlagung des Konzerns an

Apple wiederum steht in der EU unter besonderer Beobachtung, unter anderem wegen seiner App-Store-Regeln. Wer eine iOS-App anbieten will, muss 30 Prozent seiner Einnahmen an den iPhone-Konzern abtreten. Mehrere einflussreiche Unternehmen, darunter Spotify und der « Fortnite »-Entwickler Epic Games wehren sich dagegen. Für App-Anbieter, die weniger als eine Millionen US-Dollar pro Jahr Umsatz machen, hat Apple zugesichert, die Provision im App Store ab 2021 vorübergehend auf 15 Prozent herab zu senken. 

Verwendete Quellen:

(str/t-online)

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