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bild: lea senn

Start-up-Heroes

Er macht unsere Venen zum Schlüssel – das ist Matthias Vanoni

Der Venen-Sensor des Lausanner Start-ups Biowatch könnte die biometrische Authentifikation revolutionieren. Mit der Technologie am Handgelenk sollen Passwörter, Bankkarten und Schlüssel überflüssig werden. Ein Treffen mit Co-Gründer und CEO Matthias Vanoni. 



Sommerserie «Start-up Heroes»

Vergesst Silicon Valley, hier kommt Swiss Valley! Sie sind jung, innovativ und erfolgreich: In der watson-Sommerserie trifft unsere Reporterin jede Woche junge Talente aus der ganzen Schweiz, die mit einer springenden Idee ein vielversprechendes Start-up lancierten.

Das ist …

... Matthias Vanoni, 32 Jahre alt, Ex-Elite-Polizist und CEO des Lausanner Start-ups Biowatch. Das Ziel des Biometrie-Unternehmens hört sich nach Science Fiction an: Es will Passwörter und digitale Fingerabdrücke obsolet machen – mit einem Identifikationssystem, das Venenmuster am Handgelenk erkennt. Die Technologie könnte Passwörter, Kreditkarten, Badges und Autoschlüssel ersetzen.

Vanoni gründete Biowatch 2014 zusammen mit dem britischen Ingenieur Joe Rice. Das Unternehmen schaffte es 2017 auf Platz 38 des Schweizer Top 100 Startup Awards. In naher Zukunft will Vanoni die Firma in WearableID umtaufen. Ein passenderer Name, weil das Konzept auf einem Sensor beruht und nicht auf einer Uhr. Vanoni: «Der Name führt oft zu Missverständnissen.» 

Vanonis Elevator Pitch

Video: watson

Die Elevator-Pitch-Challenge

Eine Idee, ein Lift und 30 Sekunden: In unserer Elevator-Pitch-Challenge haben die Jungunternehmer eine Liftfahrt lang Zeit, ihre Firma vorzustellen. 

Er kommt …

... aus Frankreich, wo er nach seinem Mathematik-Studium einige Jahre lang als Ermittler eines Überwachungsteams in der Gendarmerie tätig war. Später kam er in einer mobilen Anti-Riot-Einheit zum Einsatz, von Paris bis Guadeloupe. Als er genug von den ständigen Versetzungen hatte, zog er ins Wallis und begann am Forschungsinstitut Idiap in Martigny einen PhD in Biometrie. Daneben war er als Privatdetektiv tätig. «Hauptsächlich ging es dabei um Sex – also um untreue Ehepartner.»

Heute lebt der Jungunternehmer mit seiner Frau und seinem Kind in der Nähe von Lausanne, wo auch der Sitz seiner Firma liegt. Im Sitzungszimmer des vierten Stocks zaubert er ein Modul, etwas grösser als ein Legostein, hervor. Darin steckt der Sensor, mit dem Personen künftig sicher und bequem authentifiziert werden sollen. 

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Biowatch-Prototyp. bild: biowatch

Fingerabdrücke oder den Iris-Scan kennt jeder – doch dass man uns auch anhand von unseren Venen erkennen kann, wissen die wenigsten. «Mich haben solche Themen schon immer fasziniert, also auch wie man Personen anhand von Spuren finden kann, die sie an Tatorten zurücklassen.» Bereits in seinem Doktorat beschäftigte sich Vanoni deshalb mit der Wiedererkennung von Personen über ihre Venen und stiess auf ein Brevet von Joe Rice.

Rice hatte die Idee zur Biowatch bereits 1985 patentieren lassen. Auf die Idee, das Venenmuster zur Identifizierung zu nutzen, kam der damalige Entwickler bei einem Kodak-Ableger in der Nähe von Nottingham, als ihm das Portemonnaie gestohlen wurde und der Dieb ungehindert seine Kreditkarten nutzen konnte. Vermarkten konnte er sie nie. Vanoni kam indes knapp dreissig Jahre später mit einer konkreten Geschäftsidee auf Rice zu, der nun als Mitgründer von Biowatch fungiert. 

Er macht …

... nun ein Smartband, das dem Träger ermöglicht, sich sofort und überall zu identifizieren – ohne dass er etwas tun muss.  Konkret: Wenn der Träger das Band anzieht, generiert das System bei geöffneter Schnalle im Abstand von etwa drei Zentimetern ein Bild des Venenmusters. Dieses wird im Smartband verschlüsselt gespeichert. Sobald man das Band schliesst, wird der Träger über einen biometrischen Algorithmus erkannt (oder eben nicht).

Danach reicht ein Knopfdruck auf das Device, um die verschlüsselte Authentifizierung zu erstellen und per Bluetooth oder NFC (Nahfeldkommunikation) Türen, PCs, Autos oder Apps zu entsperren. Zur Sicherheit deaktiviert sich das Band sobald die Schnalle wieder geöffnet wird. «Unser Produkt befreit Ihren Geist, Ihre Taschen und Ihre Hände», schwärmt Vanoni. Denkbar sei ein Einsatz der Biowatch auch im Bereich E-Voting oder als Alternative zum Swiss Pass. 

Sein Team von elf Männern ist momentan damit beschäftigt, das Produkt zu vermarkten und Gelder zur Weiterentwicklung zu sammeln.

Das fertige Produkt soll 2019 erscheinen. Doch die Firma mache bereits jetzt Geld, sagt Vanoni: «Wir verkaufen den Prototyp und werden dafür bezahlt, künftige Anwendungen mitzuentwickeln. In naher Zukunft werden wir eine eigene Uhr herausbringen – ein Modul wie im Video  – und die Technologie lizenzieren.»

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Er verlangt ...

... ein gewisses Mass an Mitarbeit von seinen Kunden. «Unser Produkt kann in den verschiedensten Bereichen angewendet werden – aber dafür braucht es entsprechende Apps.» Nur die Venenerkennung selbst macht das Produkt für die breite Masse nicht interessant.»

Er sieht …

... die Zukunft rosig. Seine Firma wird in der Start-up-Szene als eines der interessantesten Schweizer Jungunternehmen bezeichnet und hat mehrere Innovationspreise gewonnen. 

Unter seinen Supportern finden sich grosse Namen wie Visa, die Grossbank BNP und der welsche Investor Patrick Delarive. Die Bank Crédit Agricole und der Autohersteller Audi haben erste Tests mit der Technologie durchgeführt, auch die amerikanische Computerfirma HP wollte wissen, was drin liegt. Der Luxusgüterhersteller LVMH stellt dem Jungunternehmen in Paris gratis Büroräume zur Verfügung – auch um einer möglichen Zusammenarbeit zu dienen. «Vorstellbar wäre zum Beispiel ein Co-Branding zukünftiger Produkte .» 

Biowatch hält die Patente, wie man ein Venenmuster mit einem Wearable erkennt. Dadurch wird das Schweizer Start-up auch für Tech-Giganten wie Apple, Samsung, Google oder Microsoft interessant. Kenner der Branche spekulieren, dass Biowatch einmal von einem dieser Player gekauft werden könnte. Vanoni: «Das ist nicht unser Ziel, aber wir wissen, dass diese Firmen genau beobachten, was wir machen.» Die Zukunft sieht der Unternehmer im Datenhandel – unter Wahrung der Privatsphäre, wie er betont. «Warum nicht eines Tages mit den aus den Transaktionen generierten Daten Geld verdienen?»

Er kann nicht ...

... garantieren, dass sein Produkt unhackbar ist. «Derzeit kann ein Betrüger aus 100'000 das Device aktivieren. Das ist eine aussergewöhnliche Leistung bei einem Band, das weniger als acht Millimeter dünn ist.» Dennoch gibt es Sicherheitsbedenken, denn das Biowatch-Band mit all seinen Benutzerdaten ist ein Traumziel für Hacker.

Das Produkt ist auf zwei Flächen angreifbar: Informatik und Nachahmung der Venenmuster. Vanoni beschwichtigt: «Wir arbeiten mit einer Universität zusammen, die Test-Hacks durchführt. Studenten einer anderen Schweizer Hochschule versuchen unsere Technologie mit Nachzeichnen der Venen, Fotos und Ähnlichem auszutricksen – bisher erfolglos.»

Daraus lernen wir …

... dass es nicht immer einer eigenen Idee bedarf, um ein innovatives Start-up zu gründen. Vanoni grinst: «Mein Tipp lautet: Klaut euch eine Idee.» Das bringe viele Vorteile mit sich. «Unter anderem geht man kritischer mit dem Konzept einer Firma um, wenn es nicht auf einem eigenen Einfall beruht.»

Fast niemand weiss über ihn ...

... dass er zum Investor geworden ist und seit kurzem eine junge Firma fördert, die die Altersfreigabe im Internet umkrempeln will. Die Idee: «Die Computer-Kamera analysiert das Gesicht des Users und gibt eine Schätzung seines Alters ab.» Als Kunden kämen unter anderem Porno- oder Geldspielseiten in Frage. 

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