DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Kommentar

Hey Wirtschaftsverbände: Warum seid Ihr nicht stolz auf eure grünen Unternehmer?

Die Kampagne gegen die Initiative «Grüne Wirtschaft» strotzt vor längst überholten Vorurteilen. Dabei denken innovative Unternehmer längst grün.
12.09.2016, 16:2113.09.2016, 17:20
Steinzeit-Propaganda gegen die grüne Wirtschaft.
Steinzeit-Propaganda gegen die grüne Wirtschaft.Bild: KEYSTONE

Nachhaltige Energie ist schön und gut, solange die Wirtschaft brummt. Dann dürfen grüne Romantiker ein paar Solarzellen auf die Dächer schrauben und ein paar Windräder aufstellen. Wird es jedoch eng, dann müssen die Pragmatiker wieder ans Werk und mit Atomkraft, Öl und Gas dafür sorgen, dass der Laden läuft.

Längst überholte Vorurteile

Diese Denkweise ist hierzulande noch weit verbreitet, vor allem bei den Vertretern der Generation ü50. Hören sie «Energiewende» oder «nachhaltige Energie», dann denken sie reflexartig an Kaiseraugst und Waldsterben und die damit verbundenen Stereotypen: Solar- und Windenergie sind unrentabel und ihre Vertreter haben von Wirtschaft keine Ahnung.

Protest gegen das geplante Atomkraftwerk Kaiseraugst 1986 in Gösgen.
Protest gegen das geplante Atomkraftwerk Kaiseraugst 1986 in Gösgen.Bild: KEYSTONE

Inzwischen sind Solar- und Windenergie konkurrenzfähig geworden. Im Cleantech-Bereich werden mehr und hochwertigere Arbeitsplätze geschaffen als bei den fossilen Brennstoffen. Elon Musk ist im Begriff, mit Tesla und SolarCity die wohl imposanteste unternehmerische Leistung des 21. Jahrhunderts zu vollbringen und wird zu Recht bereits mit Thomas Edison und Steve Jobs verglichen.

Wer Planwirtschaft sucht, wird bei der Atomwirtschaft fündig. Der französische Atommeiler-Bauer Areva beispielsweise ist zum Inbegriff von unternehmerischer Inkompetenz geworden. Seit 2007 hat Areva kein einziges Werk mehr verkaufen können. Seit 2011 hat Areva, das mittlerweile vom Staatskonzern EDF übernommen werden musste, Verluste in der Höhe von sieben Milliarden Euro eingefahren.

Wird bereits mit Steve Jobs verglichen: Elon Musk.
Wird bereits mit Steve Jobs verglichen: Elon Musk.Bild: RASHID UMAR ABBASI/REUTERS

Wegen Konstruktionsfehlern können die Werke in Finnland und Frankreich nicht in Betrieb genommen werden. Gegen das geplante Werk in Hinkley laufen selbst die renommierten Zeitungen «Financial Times» und «Economist» Sturm.

Mit Betonköpfen gegen nicht vorhandene Gefahren

Heute sind es innovative Unternehmer, welche die Wirtschaft vorantreiben. Für sie ist Cleantech längst kein ideologisches Schlachtfeld mehr, sondern das Geschäft der Zukunft. Ob Elektroauto oder Blockchain, ob Solarenergie oder Smart Grid: Mit den neuen Technologien lässt sich Geld verdienen und umweltgerecht wirtschaften.

So gesehen ist die Angstkampagne der Wirtschaftsverbände gegen die Initiative «Grüne Wirtschaft» schwer verständlich. Sie knüpft an die Feindbilder des letzten Jahrhunderts an und wirkt deshalb nur noch lächerlich. Was soll der Unsinn mit Cervelats und kalt Duschen?

Abstimmungsplakat gegen die grüne Wirtschaft. 
Abstimmungsplakat gegen die grüne Wirtschaft. 

Warum erkennt man das wirtschaftliche Potenzial nicht, das die grüne Wirtschaft bietet? Warum ist man nicht stolz auf Unternehmer, die beweisen, dass Umweltschutz und wirtschaftlicher Erfolg kein Gegensatz sein müssen? Warum trennt man sich nicht endlich von den Betonköpfen, die immer noch mit längst überholten Ideologien gegen nicht vorhandene Gefahren kämpfen?

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Warum die liberale Corona-Politik gegen «Zero Covid» siegt
Länder mit vergleichsweise lockeren Coronamassnahmen, insbesondere die Schweiz und Schweden, wurden anfänglich scharf kritisiert. Die Zero-Covid-Strategie à la China galt als Vorbild. Doch Omikron hat die Spielregeln im Systemwettbewerb verändert: Der Liberalismus scheint dem Autoritarismus überlegen zu sein.

Der Ursprung der Corona-Plage liegt in China, und trotzdem wirkte das Riesenland zu Beginn der Pandemie wie ein Sieger.

Zur Story