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Tesla-Angestellte teilten private Bilder und Videos aus Autos der Kunden

Tesla-Angestellte teilten angeblich private Bilder aus Autos der Kunden

Tesla nutzt Kamerasysteme, um seine Fahrzeuge im Blick zu behalten. Doch waren die Aufnahmen laut einem Reuters-Bericht nicht immer vor unerwünschten Zugriffen geschützt.
11.04.2023, 10:3912.04.2023, 06:49
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Ein Artikel von
t-online

Der US-Autokonzern Tesla sorgt wegen der Kamerasysteme in seinen Autos erneut für negative Schlagzeilen. Erst kürzlich waren Konsumentenschützer gegen den sogenannten «Wächtermodus» erfolgreich vor Gericht gezogen.

Die «Sentry Mode»-Funktion, die die Umgebung stehender Tesla-Fahrzeuge mit Kameras überwacht, sei aus Datenschutzgründen heikel, so ihre Begründung.

Nun hat die Nachrichtenagentur Reuters in der vergangenen Woche über eine ausführliche Recherche berichtet.

Unter Berufung auf Gespräche mit neun früheren Tesla-Mitarbeitern heisst es in dem Bericht, mehrere Gruppen von Tesla-Angestellten hätten zwischen 2019 und 2022 privat Fotos und Videos von Tesla-Kunden ausgetauscht. Die Kamerasysteme sind in die E-Autos eingebaut, um die menschlichen Fahrer zu unterstützen und den Aussenraum zu überwachen.

Korrektur: In einer früheren Version dieses von T-Online übernommenen Artikels hiess es, «dass es auch im Zusammenhang mit Kameraaufnahmen aus dem Innenraum von Tesla-Fahrzeugen zu Datenmissbrauch gekommen sei». Aus dem Original-Artikel von Reuters geht jedoch nicht hervor, dass auch Aufnahmen aus dem Fahrzeug-Innenraum geteilt wurden.

Hunderte Ex-Angestellte kontaktiert

Für ihren Bericht hat die Nachrichtenagentur laut eigener Aussage mehr als 300 ehemalige Tesla-Mitarbeiter kontaktiert, die in den letzten neun Jahren bei dem Unternehmen gearbeitet haben und an der Entwicklung des selbstfahrenden Systems beteiligt waren. Mehr als ein Dutzend von ihnen seien einverstanden gewesen, anonym Fragen zu beantworten.

Laut den von Reuters interviewten Personen zeigten einige der Aufnahmen Tesla-Kunden in unangenehmen Situationen. So laufe in einem der Videos der Fahrer des Teslas nackt auf sein Auto zu.

«Mich stört das, weil die Leute, die das Auto kaufen, nicht wissen, dass ihre Privatsphäre nicht respektiert wird … Wir konnten sehen, wie sie Wäsche und wirklich intime Dinge machten. Wir konnten ihre Kinder sehen.»
Ex-Tesla-Angestellterquelle: reuters.com

Über das interne Nachrichtensystem von Tesla sind laut den Aussagen der ehemaligen Mitarbeiter zudem Videos von Unfällen sowie alltägliche Strassenszenen verbreitet worden, die teilweise zu Memes verarbeitet und mit lustigen Kommentaren versehen worden seien.

Tesla versichert immer wieder, wie wichtig die Privatsphäre seinen Kunden sei. In seiner Online-Datenschutzerklärung schreibt das Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk, dass die Kameraaufnahmen anonym blieben und nicht mit den Fahrern oder ihrem Fahrzeug in Verbindung gebracht werden würden.

Die von Reuters befragten ehemaligen Tesla-Mitarbeiter behaupten hingegen etwa anderes: Ihnen zufolge könne das Computerprogramm, das sie bei der Arbeit nutzten, den Standort der Aufnahmen anzeigen – und damit möglicherweise den Wohnort eines Tesla-Besitzers verraten.

Tesla schweigt

Einem der früheren Mitarbeiter zufolge seien zudem manche der Aufnahmen offenbar entstanden, als die Autos geparkt und ausgeschaltet waren – obwohl diese Funktion laut Tesla nicht mehr möglich sein soll. «Wir konnten in die Garagen der Leute und ihre privaten Grundstücke sehen», zitiert Reuters einen anderen ehemaligen Angestellten. «Angenommen, ein Tesla-Kunde hätte etwas in seiner Garage, das auffällig wäre, dann würden die Leute solche Dinge posten.»

Reuters verweist darauf, dass nicht klar sei, ob die von den früheren Mitarbeitern beschriebene Praxis, private Aufnahmen der Fahrer zu teilen, auch im vergangenen Jahr noch vorgekommen sei.

Der Nachrichtenagentur zufolge hat Tesla nicht auf eine Anfrage für eine Stellungnahme reagiert.

Quellen

(t-online/dsc)

So berichtete SRF 2022 über Datensammler auf vier Rädern:

Die deutsche Polizei nutzt Überwachungsvideos von Tesla zur Verbrechensaufklärung:

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10 Kommentare
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Benster
11.04.2023 15:14registriert März 2014
Deswegen gibts bei mir Sex nur noch im Porsche und nicht mehr im Tesla.
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