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WhatsApp hat ein tödliches Gerüchte-Problem

Per WhatsApp wird in Indien die Angst vor Kindsentführern geschürt. Mehrere Unschuldige sind bereits dem Mob zum Opfer gefallen.
11.06.2018, 13:5912.06.2018, 07:05

Sie wollten nur nach dem Weg fragen – und wurden von einem blutrünstigen Mob aus ihrem Fahrzeug gerissen und zu Tode geprügelt: Zwei junge Männer sind im nordindischen Bundesstaat Assam die jüngsten Opfer einer via WhatsApp geschürten Massenhysterie geworden.

Die beiden jüngsten Opfer.
Die beiden jüngsten Opfer.screenshot: youtube

Haltlose Gerüchte über Kindesentführungen haben im vergangenen Monat bereits zum Tod von sieben weiteren Menschen geführt, wie die BBC berichtet. Und immer spielte die populäre Messenger-App, die zum Facebook-Konzern gehört, eine zentrale Rolle: Über sie verbreiteten sich die Fake News in Windeseile, ohne dass die Polizei eingreifen konnte.

Ein Video des Angriffs, in dem einer der jungen Männer um sein Leben fleht, wurde am Wochenende viral über Social Media verbreitet. Am Sonntag gingen Studenten und Aktivisten auf die Strasse, um gegen die Gewalttaten zu protestieren.

Bei YouTube wurden Gedenkvideos für die beiden unschuldig getöteten jungen Männer veröffentlicht:

Ursprünglicher Auslöser soll ein via WhatsApp verbreitetes Video einer angeblichen Kindesentführung sein. Allerdings handelt sich gemäss BBC um eine gespielte Szene aus einem Präventionsfilm, der aus Pakistan stammt. Der letzte Abschnitt, der die Szene erklärt hätte, sei herausgeschnitten worden ...

Die kriminellen Verbreiter der Gerüchte machten sich die Angst vieler Inder vor Fremden zunutze. Das oben erwähnte Video wird von Textnachrichten begleitet, die von «Entführern» erzählen, die in die Stadt kommen, um Kinder zu schnappen.

Die Panik wurde zusätzlich geschürt, als einige regionale Medien die haltlosen Gerüchte aufgriffen und ihnen durch die Berichterstattung zusätzliche Glaubwürdigkeit verliehen.

Polizeibehörden im ganzen Land versuchen seit Wochen, mit Aufklärungskampagnen gegen die WhatsApp-Gerüchte vorzugehen. Doch scheinen sie häufig machtlos zu sein.

Die unschuldigen Opfer seit April, gemäss BBC:

  • Eine 55-jährige Frau in Tamil Nadu wird gelyncht, weil sie Kindern Süssigkeiten gegeben hat; die Polizei verhaftet 30 Personen.
  • Ein Mann im südlichen Bundesstaat Andhra Pradesh wird gelyncht, weil er Hindi und nicht die Landessprache Telugu spricht.
  • Ein Mann in Telengana wird von einem Mob getötet, als er nachts einen Mango-Hain betritt.
  • Ein anderer Mann in Telengana wird gelyncht, als er ein Dorf besucht, um seine Verwandten zu sehen.
  • Ein Neuzuzüger in der südlichen Stadt Bangalore wird mit einem Seil gefesselt und mit Kricketschlägern totgeschlagen.
  • Eine Transgender-Frau wird in Hyderabad gelyncht.
  • Ein Mann im südlichen Bundesstaat Tamil Nadu wird von einem Mob zu Tode geprügelt, nachdem er scheinbar ziellos durch die Strassen gelaufen war.

Auch hierzulande wird WhatsApp von Kriminellen genutzt, um Falschmeldungen und bösartige Gerüchte zu verbreiten. Der österreichische Verein Mimikama (https://www.mimikama.at/) hat sich «die Aufklärung über Internetmissbrauch» zur Aufgabe gemacht und kämpft seit Jahren gegen Fake News.

(dsc)

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Video: srf
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57 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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me myself
11.06.2018 14:10registriert November 2017
Wieso Menschen noch nach Indien reisen, ist mir schleierhaft. Dieses Land ist an Rückständigkeit kaum zum überbieten.
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so wie so
11.06.2018 15:03registriert Juli 2015
Whatsapp kann nichts für diese Taten. Der Dienst wird missbraucht um Falschmeldungen zu verbreiten. Es könnte auch eine Plattform, E-Mail, Mund zu Mund Propaganda oder sonst was sein. Das wahre Problem sind die genannten Einwohner von Indien die a) den Wahrheitsgehalt von News nicht filtern können und b) Selbstjustiz ausüben. Man hört von keinem Land der Welt so oft News dieser Art. Es wäre am Staat, dieses Problem zu erkennen und dagegen anzugehen. Und ja, es ist gefährlich, wenn ungebildeten Leuten Zugang zum Internet gewährt wird.
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Holiduli
11.06.2018 16:32registriert Oktober 2015
Scheint mir eher ein Problem von Indien zu sein als eines von Whatsapp.
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